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Dienstag, Oktober 27, 2020
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Interview mit Roman Rybiczka / Julian Steindorfer

1 More Time Games ist ein neuer österreichischer Verlag, der zum 01. September sein erstes Spiel auf Kickstarter veröffentlichen wird: Riftforce.

Die Macher dahinter sind jedoch altbekannte Redakteure: Roman Rybiczka und Julian Steindorfer.

Steckbrief

Roman Rybiczka / Julian Steindorfer

  • seit 2019 aktiv bei 1 More Time Games
  • davor Redaktion u.a. bei Edition Spielwiese
  • Homepage

Spiele:

  • Riftforce (angekündigt)

Das Interview

Brettspielbox: Auf der SPIEL 2019 habt ihr den ersten Auftritt unter neuem finalem Namen gehabt. Wie habt ihr zwei eigentlich zueinander gefunden?

Roman Rybiczka: Kennengelernt haben wir uns in der Nachmittagsbetreuung unseres Gymnasiums beim Magic spielen. Seit dieser Zeit sind wir befreundet und teilen unser Hobby. Am Höhepunkt unserer Leidenschaft sind wir Mal gemeinsam von einer Party zu mir gefahren, um lieber Agricola zu spielen. Von 2016 bis 2019 haben wir dann als freie und angestellte Redakteure bei diversen Verlagen gearbeitet und in der Zeit 14 Spiele redaktionell betreut.

Brettspielbox: Seit letzten Jahr gibt es euren Namen 1 More Times Games. Wie seid ihr auf den Namen für den Verlag gekommen?

Julian Steindorfer: Die Suche nach dem Namen war ein langer Kampf. Wir haben da echt vieles ausprobiert und immer als wir dachten, jetzt sind wir am Ziel ist ein neuerer, besserer Name gekommen. Im Herbst 2019 kurz vor der offiziellen Gründung war es endlich soweit und wir hatten einen klare Nummer 1 ;). Im Namen steckt halt vor allem auch unsere Verlagsphilosophie. Spiele die man mehrmals hintereinander spielen will, aber vor allem auch kann. Spiele die Nacht zum Tag machen. Dich nicht loslassen. Spielen wir nochmal. Einmal noch. 1 More Time. 

Brettspielbox: Was ist euer Antrieb eigene Spiele auf den Markt zu bringen?

Julian Steindorfer: Wir haben in unserer redaktionellen Tätigkeit viele unterschiedliche Ansätze kennengelernt und gemerkt, wie schwer es ist Produkt und Spiel zu balancieren. Julian kommt ursprünglich aus der Werbung und ich aus der Wissenschaft. Wir versuchen dies auch in unsere Spiele einfließen zu lassen. Hohe Ansprüche an möglichst gute Teststrukturen, aber auch sehr viel Raum für Kreativität und Ausdruck.

Außerdem sind wir gerade beide in dem idealen Alter eine Firma zu gründen. Genug Erfahrung, aber noch nicht zu viele Verpflichtungen, um uns unflexibel zu machen.

Obendrein wollen wir uns stark für Diversität einsetzen. Als zwei weiße, mittelalte Männer sagt sich sowas natürlich leicht, aber hinter den Kulissen läuft ein intensiver Austausch mit unveröffentlichten Autorinnen, um diese zu fördern.

Brettspielbox: Welche Art von Spielen wollt ihr auf den Markt bringen?

Roman Rybiczka: Einerseits ganz klar Spiele wie Riftforce. Unser erstes Spiel ist ein Duellspiel von Carlo Bortolini, illustriert von Miguel Coimbra. Wir hatten ursprünglich ein anderes Spiel als Erstlingswerk geplant aber als Carlo mit dem Spiel um die Ecke kam, haben wir alle Pläne über den Haufen geworfen. Klingt jetzt sehr vage, aber es müssen einfach Spiele sein, die uns packen.  Wo unser Herz höher schlägt. Solche Prototypen entwickeln wir dann selbst noch stark mit und fokussieren auf den Kern des Spiels. Den Rohdiamanten schleifen bis jede Facette schimmert. Im Fall von Riftforce beispielsweise bedeutete dies sehr viel Balancing und die Arbeit an den unterschiedlichen Fähigkeiten der Gilden. Im finalen Spiel sind jetzt 10 Gilden drin mit denen 3.150 verschiedene Konstellationen möglich sind. 

Aber bevor wir uns hier verlieren: Wenig Regeln, große Spieltiefe, tolles Artwork und vor allem nur Spiele, die wir selbst lieben. Es gibt einfach so extrem viele gute Spiele auf dem Markt, da reicht es nicht Spiele zu veröffentlichen, die man mag. 

Brettspielbox: Ihr stammt beide aus Österreich. Man hört immer viel von der Wiener Spiele- wie auch Autorenszene. Wie profitiert ihr davon?

Julian Steindorfer: Ach, die Autor:innen-Szene ist genial in Wien. Einerseits gibt es den Mittwochstammtisch im Sperlhof, wo man regelmäßig Alexander Pfister, Wolfgang Warsch oder Peter Prinz trifft. Daneben gibt es noch einen Stammtisch der großartigen Spieleagentur White Castle Games Agency von Anita Landgraf. Dort spielen wir oft mit Arno Steinwender, Johannes Krenner und Markus Slawitscheck. Beste Grundlagen für junge Autor:innen, die von Szenegrößen auf Augenhöhe lernen wollen und vor allem auch verschiedene Stile sehen wollen, wie man ein Spiel entwickelt und Feedback einarbeitet.

Brettspielbox: Das erste Spiel wird Riftforce heißen. Kannst du da ein wenig mehr darüber sagen?

Julian Steindorfer: Riftforce ist ein Duellspiel mit sehr zugänglicher Deck Construction und spannendem Hand Management. Zu Beginn wählt man vier von zehn einzigartigen Gilden aus und baut daraus sein Deck. Jede Gilde besteht aus neun Elementaren und einem Beschwörer. Alle Elementare einer Gilde haben dieselbe Fähigkeit, die man am Beschwörer nachlesen kann. 

Gesteuert wird das Spiel schließlich durch drei Aktionen. 

  • Elementare aufspielen. 
  • Elementare aktivieren.
  • Überprüfen & Nachziehen.

Der große Reiz neben den Kombos, die durch die unterschiedlichen Gilden möglich sind, besteht im Hand Management da die Elementare als Einheiten sowohl ausgespielt werden, aber auch die Ressource sind, mit denen man sie aktiviert. Daher gilt es ständig die Balance zu halten. 

Am 1. September startet unsere Kickstarter Kampagne zu Riftforce und wir freuen uns natürlich, wenn ihr uns dabei unterstützt.

Brettspielbox: Wie du sagst, soll die Finanzierung über Kickstarter laufen. Was gilt es besonders zu beachten im Vergleich zum „normalen“ Vertrieb?

Roman Rybiczka: Kickstarter ist ein komplett anderes Modell. Die Aufmerksamkeit rund um das Spiel muss viel präziser gesteuert werden. Man kommuniziert mit einer deutlich diverseren Zielgruppe, weil ja ein globaler Markt bedient wird. Außerdem fehlt das grandiose Netz, dass der Fachhandel aufgebaut hat, mit dem man über kompetente Beratung Spiele an die Kund:innen bringen kann. Besonders schmerzhaft war für uns in der Vorbereitung natürlich auch die Pandemie und die Möglichkeit direkt auf Messen mit unseren potentiellen Kund:innen spielen zu können.

Brettspielbox: Was habt ihr sonst noch so vor. Sind bereits weitere Spiele in der Pipeline?

Julian Steindorfer: Ja, es gibt da einige Projekte, an denen wir arbeiten. Wir möchten aktuell nicht zu viel verraten, weil wir auch durch Riftforce wieder gemerkt haben, wie extrem wichtig es ist, die Spiele bis zur letzten Minute kritisch zu betrachten und lieber nochmal zu verschieben. Soviel sei aber gesagt, es ist wahrscheinlich das wir in den kommenden Jahren mal Spiele von befreundeten Autor:innen veröffentlichen werden.

Brettspielbox: Werdet ihr auch an der SPIEL.digital teilnehmen und was haltet ihr generell von Online-Formaten?

Roman Rybiczka: Ja, wir sind mit einem Stand auf der SPIEL.digital dabei. Es war für uns eine leichte Entscheidung, weil wir besonders durch die ganzen digitalen Marketingmaßnahmen jeden Tag sehen, wie sehr uns Messen und die Community fehlen. Also wollen wir alles tun, um in dieser herausfordernden Zeit zusammenzuhalten und dafür zu sorgen, dass es die Messe in paar Jahren auch noch gibt.

Obendrein ist es natürlich toll, wenn dadurch die Onlineangebote professionalisiert werden. Damit wird die Szene noch zugänglicher und internationaler. Teilhabe ist dann nicht mehr so stark vom Wohnort oder der Flexibilität zu reisen abhängig.

Brettspielbox: Vielen Dank für das Interview und die Informationen


Weitere bereits erschienene Interviews:

Interviewreihe „junge Verlage“

Bereits in der Reihe „junge“ Verlag“ erschieben:

Board Game Circus | Dachshund Games | Deep Print Games | Funtails | Game’s Up | Homunculus Spiel | HYBR | H2.O | Mogel Verlag | Nanox Games | Skellig Games | Spielefaible | Spiel Instabil | Taverna Ludica Games | Wyrmgold | 1MORETIME GAMES

Interviewreihe Autoren und Verlage:

Inka und Markus Brand (Burgenland / Neuheiten 2014) • Ralph Bruhn (Aquasphere) • Frank Heeren (SPIEL2017) • Hunter & Cron (Gen Con 2015) • Michael Kiesling (Spiel des Jahres 2018) • Agnieszka Kopera und Andrei Novac (2014) • Michael Menzel (Neuheiten 2014) • Matthias Nagy (Frosted Games 2018) • Alexander Pfister (Spiel 2015 / Broom Service: Kartenspiel) • Martin Schlegel (West of Africa) • Jamey Stegmaier (Viticulture) • Klaus TeuberWolfgang Kramer • Wolfgang Warsch (März 2018 / Juli 2018)

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