Donnerstag, September 29, 2022
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Junge Verlage: Interview Doppeldenkspiele

Doppeldenkspiele hat nach dem Brettspiel €uro Crisis mit Plutocracy das zweite Brettspiel auf den Markt gebracht.

Ich konnte ein Interview mit Simon Eich-Hermle führen, der Doppeldenkspiele gegründet hat.

Brettspielbox: Doppeldenkspiele ist ein relativ junger Verlag. Ihr habt zwei Spiele herausgebracht. Wie hat es mit eurem Verlag begonnen?

Simon: Wir sind vier Freunde, die sich seit ihrer Schulzeit kennen und seit nun mehr als 15 Jahren eine regelmäßige Spielrunde haben (drei von uns vor Ort jede Woche) und ein- bis zweimal im Jahr treffen wir uns für ein Wochenende. Der Wunsch, ein eigenes Brettspiel zu entwickeln, schlummert, denken wir, in vielen Vielspielern. Dass es bei uns dann tatsächlich zu einem Erstlingswerk und einer Verlagsgründung kam, hatten wir zu Beginn nicht vorhergesehen. Vor über zehn Jahren begannen wir dann – zuerst Spaßes halber – mit der Entwicklung von €uro Crisis, welches dann tatsächlich 2015 veröffentlicht wurde. Seither hat uns diese tolle Erfahrung nicht mehr ganz losgelassen, auch wenn wir nach der anstrengenden Zeit vorübergehend wieder deutlich mehr Lust aufs Brettspiel-Spielen als auf das Entwickeln hatten.

Seit 2018 haben wir dann das zweite Spiel in Angriff genommen, welches nun endlich zur SPIEL´22 in Essen erscheint.

Brettspielbox: Wie seid ihr auf den Namen gekommen? Welches Team steckt hinter dem Verlag?

Simon: 1984 von Georg Orwell war für die meisten von uns ein wichtiges Buch und die Fähigkeit „Doppeldenk“ anzuwenden, fand immer wieder in Alltagsszenen in unserem Freundeskreis Verwendung. Wie schaffen wir (ich, wir, die Menschen hinter dem Verlag, die Menschheit) es immer wieder gleichzeitig mehrere, sich teils ausschließende Dinge für wahr zu halten? Z.B. im Sinne von: „Der Planet geht unter, wir müssen etwas tun! Okay, lass uns ein satirisches Brettspiel zur Finanzkrise machen.“ Zudem passte der Verlagsname gut zu unserem Erstlingswerk €uro Crisis und als große Entenhausen-Fans hat es die gleichen Initialen wie Dagobert Duck. Das kann nie schlecht sein.

Das Team von Doppeldenkspiele besteht aus Claudio Bierig, Nikolai Diekert, Julian Schärdel und Simon Eich-Hermle.

Brettspielbox: Das Brettspiel Plutocracy ist euer neuestes Spiel? Was ist das Besondere an diesem Spiel?

Simon: Der Clou des Pick-up-and-deliver-Spiels ist zum einen, dass Raum gleich Zeit ist – man muss also Zeiteinheiten entsprechend der im Sonnensystem zurückgelegten Flugdistanzen ausgeben. Zum anderen, dass die Planeten im Spiel um die Sonne rotieren und somit jeweils ihre Abstände zueinander verändern. Die Regeln sind schnell erklärt und einfach nachzuvollziehen, das Spiel selbst ist aber durchaus herausfordernd!

Brettspielbox: Wie lange hat die Entwicklung des Spiels gedauert? Hat die Pandemie euch große Probleme bei der Spielentwicklung bereitet?

Simon: 2018 haben wir begonnen an Plutocracy zu arbeiten. Claudio hatte die grandiose Idee mit den rotierenden Planeten und dem Zeit ist gleich Raum Prinzip. Das Grundgerüst stand also seit Beginn, die weitere (Fein-)Arbeit hat dann aber doch noch einige Zeit in Anspruch genommen.

Die Pandemie hat uns dabei insgesamt eher weniger Probleme bereitet. Ohne sie wäre Plutocracy aber ggf. ein Jahr früher und zu einem niedrigeren Preis erschienen.

Brettspielbox: Plutocracy war eure erste Kickstarter Kampagne? Wie ist es dazu gekommen? Und was waren eure Learnings?

Simon: Plutocracy war tatsächlich unsere erste Kickstarter Kampagne, nicht aber unsere erste Crowdfunding Kampagne. €uro Crisis hatten wir 2015 über Startnext finanziert, da es noch kein „deutsches“ Kickstarter gab. Auf Crowdfunding haben wir erneut zurückgegriffen, da wir mit der Finanzierung von €uro Crisis insgesamt eine gute Erfahrung gemacht hatten. Zudem haben wir als kleiner und junger Verlag keine Möglichkeiten einer Marktanalyse o.ä.. Und da wir alle andere Hauptberufe haben und das Spieleentwickeln als Hobby betreiben, wäre eine komplette Vorfinanzierung durch uns dann ggf. doch ein zu großes Risiko gewesen.

Gelernt haben wir, dass es gar nicht so einfach ist, das Interesse an der eigenen Kampagne hochzuhalten, wenn man noch kein etablierter Verlag mit einem großen Netzwerk an weiteren Content Creators ist. Für uns war es nicht möglich, Rezensionen oder ähnliches vor oder während der Kampagne zu bekommen, was sicherlich geholfen hätte. Da können wir nächstes Mal noch besser sein.

Brettspielbox: Wo kann man euer Spiel bekommen, wenn man nicht an der Kickstarterkampagne teilgenommen hat. Seid ihr auch auf Brettspielveranstaltungen, um euer Spiel zu testen?

Simon: Plutocracy kann man direkt bei uns über unsere Homepage: www.doppeldenkspiele.de beziehen. Und wir werden auch auf der SPIEL ´22 in Essen (Halle 5 L112) vertreten sein. Zudem wird das Spiel hoffentlich auch in einigen Läden stehen. Bezüglich des Spieletestens hat die Pandemie dann doch auch eine Rolle gespielt. Die überwiegende Mehrheit der Partien wurde von uns vier gespielt/getestet. Gegen Ende waren dann zum Glück auch wieder Testspiele durch andere Testspielende möglich. Auf Brettspielveranstaltungen sind wir aber nicht gegangen, auch weil es in Freiburg aktuell keine uns bekannte größere Infrastruktur zum Spieletesten gibt.

Brettspielbox: Was sind eure Pläne für die Zukunft?  

Simon: Wir haben auf alle Fälle noch 2-3 Spielideen in der Entwicklung, von denen 1-2 bereits recht weit gediehen sind. Traumhaft wäre es, wenn wir nicht erneut sieben Jahre bis zum nächsten Spiel bräuchten, sondern eher zwei Jahre. Es muss sich aber zeigen, wie viel Zeit wir alle neben Familie und Beruf (dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest) für unsere Leidenschaft das Spieleentwickeln werden aufbringen können.

Brettspielbox: Vielen Dank für das Interview

LINK

Homepage Doppeldenkspiele


Wer noch weitere Interviews aus der Reihe lesen möchte:

Interviewreihe „junge Verlage“

Bereits in der Reihe „junge“ Verlag“ erschieben:

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