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Donnerstag, Juli 2, 2020
Start Jahr 2019 REVIEW Carnival of Monsters

REVIEW Carnival of Monsters

In 2017 gab es einen Versuch Carnival of Monsters via Kickstarter zur Finanzierung zu bringen. Das Unterfangen wurde abgebrochen. Knapp 2 Jahre später konnten wir uns dann doch des Spieles erfreuen.

Nun geht es auf Monsterjagd. Durch sechs Landschaften führt unser Abenteuer. Jede einzelne wurde von einem Grafiker ausgestaltet. Das macht Carnival of Monsters schon mal zu einem sehr besonderen Spiel.

Das Spiel richtet sich am Ende überraschenderweise eher an gehobenen Familien-, denn an Kennerspieler.


SPIELBESCHREIBUNG

Carnival of Monsters ist ein Kartendraftingspiel. Nachdem jeder Spieler zwei Startlandschaften und 4 Münzen zugeteilt bekommen hat, geht es über vier Runden auf Abenteuer.

Jede Runde besteht aus 4 Phasen:

  • Saisonkarte: hier gibt es Bedingungen, zu denen es Sofort- und Rundenboni gibt
  • Dazu erhält jeder Spieler 8 Karten. Von dieser nimmt er sich eine und gibt den Rest nach links (bzw. nach rechts) weiter.
  • Nach der Draftingphase überprüfen die Spieler, ob sie gefährliche Monster bändigen können oder eine Strafe zahlen müssen.
  • Auswertung der Saisonkarte und Vorbereitung der nächsten Spielrunde

Nach der vierten Runde werden die Siegpunkte ausgewertet.

Die Karten bestehen aus Länder-, Monster-, Geheime Ziel-, Mitarbeiter- und Eventkarten. Während man über die Wertigkeit der Länderkarten anzeigt, wie tief man in die jeweilige Landschaft eingedrungen ist, ist die Stärke des zu fangenden Monsters abhängig von der Wertigkeit der Länder. Während Events einmalige Boni bringen, unterstützen Mitarbeiter dauerhaft. Über geheime Zielkarten kann ich am Ende des Spiels noch Siegpunkte erzielen.

Während der Draftingphase kann (bzw. muss teilweise) ich Karten „reservieren“. Dieses kostet eine Gebühr von 1 Münze. Kann ich diese nicht bezahlen, muss ich einen Kredit aufnehmen, der am Ende des Spiels Minuspunkte bringt.



AUTOR: Richard Garfield ■ GRAFIKER: Franz Vohwinkel, Dennis Lohausen, Martin Hoffmann, Oliver Schlemmer, Loic Billiau, Michael Menzel, Claus Stephan

VERLAG: Amigo ■ ERSCHEINUNGSJAHR: 2019

spieler

2-5 Spieler

alter

ab 12 Jahren

zeit

ca. 60 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu Amigo)


SPIELGEFÜHL

Vor der ersten Partie hat man das Gefühl, dass man von vielen kleinen Regeln erschlagen wird. Doch von diesem „Punch“ erholt man sich sehr schnell. Schon während der ersten Draftingrunde hat man das Spiel verstanden, denn die Regeln sind am Ende nicht sonderlich schwer zu verstehen.

Lediglich bei den Landschaften muss man aufpassen, da höherwertige Landschaften bedingen, dass man bereits auf niedrigem Level gleiche Landschaften besucht hat.

Bereits die zweite Draftingrunde (gegen den Uhrzeigersinn laufend) ist bedeutend schneller zu spielen. Damit die Spieler nicht durcheinanderkommen, sind dem Spiel Tableaus beigefügt, die den Richtungswechsel anzeigen und Ablageplätze für die weiterzugebenden Karten haben. Allerdings ist es schon hilfreich, bei unterschiedlich schnellem Spieltempo, die Draftings parallel durchzuführen, sonst stapeln sich die Karten.

Das unterschiedliche Spieltempo kann in der ein oder anderen Runde zu Staus führen. Das ist aber eher ein Problem des Kartendrafting allgemein, als eine Besonderheit von Carnival Monsters.

Zwei Sachen gibt es für mich zu bemängeln. Zum einen ist die ein oder andere Grafik etwas zu dunkel gehalten. Ich verstehe, dass wir es mit Monstern zu tun haben, aber bei schwächerem Licht sind diese nicht so gut zu sehen.

Das zweite aber für stärker wiegende. Die Auswahl der Karten unterliegt einem großen Glücksfaktor. Auf der einen Seite bin ich happy, dass wir durch die Vielzahl an Karten soviel Abwechslung im Spiel haben, auf der anderen Seite, ist das Spiel kaum planbar. Da kann man in der ersten Runde an Monster kommen, die man sich z.B. sichert. Aber in den folgenden Runden kommen die entsprechenden Landschaften einfach nicht. Oder die Saisonkarte ist nur für wenige Spieler erfüllbar, weil es gar nicht so viele Monster dieses Typs gibt. Ich benötige jetzt über vier Runden keine vier Decks. Aber es wäre zumindest attraktiver gewesen, man hätte das Deck in ein A- und B-Deck geteilt. Diese wären dann mit unterschiedlichen Schwerpunkten ausgestattet worden, so dass man ein wenig stärker den Ausbaucharakter des Spiels unterstreichen hätte können.

Dieses ist auch der Punkt, wo ich das Spiel eher im gehobenen Familienspielerkreis ansiedeln würde, denn diese Spielgruppen fanden den Glücksfaktor weniger störend, als in meinen Vielspielergruppen.

Auch wenn ich den Glücksfaktor als Kennerspieler lieber etwas niedriger gehalten oder planbarer gestaltet hätte, ist Carnival of Monsters ein tolles Spiel, was in vielen meiner Gruppen sehr gut ankam. Wenn Gruppen nach einer Partie direkt noch eine weitere wollen, ist es jedenfalls immer ein gutes Zeichen.

Geld ist auch sehr wichtig (da knapp), genauso wie die Vorsorge für die gefährlichen Monster im Rahmen der Probe. Da kann der ein oder andere Mitarbeiter gut unterstützen.

Carnival of Monsters spielt sich mit mehr Spielern besser, da einfachmehr Karten im Spiel sind. Zu dritt funktioniert es aber auch gut. Zu zweit hat es mir trotz der Sonderregel weniger Spaß bereitet.

Dem Spiel ist für den vereinfachten Einstieg auch noch eine Einsteigerregel beigefügt. Die brauchte ich jedoch nicht. Nimmt aber noch ein weiteres Stück Komplexität aus dem Spiel.


Zusammenfassung

Trotz des großen Kritikpunktes bzgl. des Glücksfaktors durch die große Kartenauswahl spiele ich Carnival of Monsters jederzeit gerne (wenn auch nur knapp).

Das Spiel spricht Familienspieler vielleicht aufgrund der Grafik nicht sofort an, ist aber perfekt für sie gemacht. Der ideale Einstieg in den Mechanismus des Kartendraftings. Durch die verschiedenen Karten gibt es dazu während des Spiels auch noch viel Optisches zu entdecken.

  • Tolles Material
  • Große Vielfalt an Karten
  • Eingängiger Mechanismus
  • Der Kartenstapel hätte gerne in zwei Teile unterteilt werden können. Damit wäre den Wünschen der Kennerspielern auch genüge getragen worden.
  • Teilweise sind die Illustrationen sehr dunkel gehalten. Bei schwächerem Licht nicht so gut zu sehen.
  • Thema wirkt etwas aufgesetzt.

Aus meiner Spielerperspektive: Wen der große Glücksfaktor nicht abschreckt, wird mit Carnival of Monsters eine lockere Unterhaltung erleben. Einfach und schnell zu spielen, dient Carnival of Monsters mir zur netten Auflockerung einer Spielrunde oder als längerer Absacker am Ende eines Spieleabends. Zudem bieten die Grafiken den ein oder anderen Leckerbissen.

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