Samstag, April 20, 2024
StartJahr2023REVIEW | Rezension Brettspiel TrekkingTrekking – Reise durch die Zeit

REVIEW | Rezension Brettspiel TrekkingTrekking – Reise durch die Zeit

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Mit Wayback-Tours in die Vergangenheit reisen – das ist unsere Aufgabe in Trekking – Reise durch die Zeit. Warum wir in diesem Brettspiel zu einer dreitägigen Zeitreise durch die Geschichte der Menschheit aufbrechen, hat sich mir nicht so richtig erschlossen – wahrscheinlich, weil wir hier immens viel lernen können – z.B., dass die Ursprünge des Surfens bereits seeehr lange zurückliegen (1195!!!).

Und wir werden auf unserer Reise noch vielen anderen interessanten Ereignissen und Menschen begegnen ….

Carina Brachter


SPIELBESCHREIBUNG

Trekking – Reise durch die Zeit spielen wir über drei Runden, die jeweils einen Tag unserer Zeitreise symbolisieren. In jeder Runde spielen wir mit einem neuen Kartenstapel, der Ereignisse aus der Früh- bis in die Neuzeit enthält. Ein Datumsindex zeigt dabei an, welche Jahreszahlen im Stapel verfügbar sind.

Sind wir an der Reihe, wählen wir eine der sechs offen ausliegenden Karten und legen diese an unseren Zeitstrahl an – sofern sie denn in die Reihenfolge passt. Die Karte, die angelegt wird, muss immer näher an der Gegenwart datiert sein, als die davor ausliegende Karte. 

Können wir keine Karte auswählen, die dieser Bedingung entspricht, müssen wir den aktuellen Zeitstrahl beenden und einen neuen beginnen. Oder wir wählen eine der noch verfügbaren Vorfahren-Karten, die einer Art undatierter Überbrückung entspricht, bis wir bei unserem nächsten Zug ggf. wieder eine passende Geschichtskarte anlegen können, um den Zeitstrahl fortzusetzen.

Auf jeder Karte ist eine Zeitangabe aufgedruckt, die das Ereignis dauert. Dies sind Werte zwischen 1 und 4. Mit unserem Taschenuhr-Marker schreiten wir die entsprechende Anzahl an Feldern auf dem rundenzählenden Ziffernblatt weiter. Es ist immer an der Reihe, wer auf dem Ziffernblatt am weitesten hinten liegt. Haben wir die Position der 12 erreicht, müssen wir warten, bis alle dort angekommen sind. Dann beginnt der nächste Tag und die nächste Runde.

Alle Karten enthalten aufgedruckt Erfahrungsplättchen und/oder Zeitkristalle, die wir erhalten, wenn wir uns für diese Karte entscheiden. Es können auch weitere Boni möglich sein, je nach Position der Karte in der Auslage und dem entsprechenden Aufdruck auf dem Spielplan. Die Kristalle ermöglichen es uns, weniger Schritte auf dem Ziffernblatt gehen zu müssen, als vorgegeben. Die Erfahrungsplättchen sammeln wir auf einem Bord „Reiseplan“, das jede Runde wechselt und auf dem wir vor uns durch das Abdecken bestimmter Felder auch Prestigepunkte und/oder Kristalle erringen können.

Nach dem Ende des dritten Tages werden dann die Zeitstrahle ausgewertet. Je nach Anzahl Karten in dem jeweiligen Zeitstrahl erhält man Punkte entsprechend einer vorgegebenen Wertungsleiste. Wer am Ende die meisten Punkte erzielen konnte, ist der beste Zeitreisende und gewinnt Trekking – Reise durch die Zeit.



AUTOR: Charlie Bink ■ ILLUSTRATIONEN: Eric Hibbeler 
VERLAG: Game Factory ■ ERSCHEINUNGSJAHR: 2023

spieler

1-4 Spieler

alter

ab 10 Jahren

zeit

ca. 45 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu Game Factory)


SPIELGEFÜHL

Trekking – Reise durch die Zeit ist ein sehr zugängliches Spiel, das man schnell erlernen oder erklären kann und sich damit auch optimal als Gatewaygame für Wenigspielende eignet. Die Regeln sind nicht sehr umfangreich und zudem gut verständlich. Es lohnt sich ein Blick in das Erklärvideo – eines der wenigen bei Spielanleitungen, das man mittels eingedrucktem QR-Code auch wirklich erreichen kann und das in 10 Minuten alles auf den Punkt bringt.

Jede Karte eine kleine Geschichte 

Die Aktionsmöglichkeiten im Spiel sind recht überschaubar und damit bietet es keine wirkliche Angriffsfläche für Grübler. Allein aufgrund des Themas und der vielen im Spiel vorkommenden historischen Ereignisse und Personen ist das Spiel außerdem noch ziemlich lehrreich, was es ebenfalls zu einem guten Familienspiel macht. Jede der enthaltenen Karten bietet auf der Rückseite einen Erläuterungstext, der Näheres zu Ereignissen und Personen berichten kann. Natürlich wird niemand während des Spiels hier tiefer eintauchen. Wer sich damit aber näher beschäftigen möchte, kann das Spiel auch auf diese Weise nutzen. 

Da hat alles seinen perfekten Platz

Absolut herausragend an Trekking – Reise durch die Zeit ist die Ausstattung, die man fast „überproduziert“ nennen könnte. Leider ist sie recht plastiklastig, aber grundsätzlich lässt sich hier sonst kaum etwas zu meckern finden. 

Da ist die Spielmatte, auf der die ausliegenden Karten geschont werden und auf der man die Karten optimal aufnehmen kann. Das Tray für die Erfahrungsmarker mit Deckel, damit nichts herausfällt, die geprägten Erfahrungsmarker selbst, ein Insert, in dem alles seinen perfekten Platz hat. Das macht alles schon beim Ein- und Auspacken richtig viel Spaß – und spart enorm viel Zeit.

Let’s do the timewarp again 

Das Spielprinzip, das uns Zeitstrahle erstellen lässt, ist interessant und unverbraucht. Die Idee, dass wir abwägen, welche Karte für unseren Zeitstrahl sinnvoll ist und dabei eine möglichst geringe Zeitspanne überspringt, um uns in den nächsten Runden mehr Spielraum für weitere Anlegemöglichkeiten zu geben, bietet eine schöne Herausforderung. 

Ebenso das Abwägen, ob man vielleicht eine eher ungünstigere Zeitkarte wählt, dafür aber die wertvollen Boni mitnimmt, die einem beim Einsetzen auf dem Reiseplan viele Punkte und/oder Zeitkristalle einbringen. Die einzelnen Entscheidungen sind dabei ein stetiges Jonglieren zwischen Zeitstrahl und den Markern, die einem teilweise mehr Punkte einbringen, als der Zeitstrahl, an dem man gerade arbeitet.

Aufs Glück ist man angewiesen

Allerdings mischt hier das Glück ordentlich mit! Befinden sich gerade Karten aus einem ähnlichen Zeitraum in der Auslage oder geht die Spanne weit auseinander. Sind die Mitspielenden gerade in einem ähnlichen Zeitfenster unterwegs wie ich oder liegen Jahrhunderte zwischen uns?

Was sich gerade in der Auslage befindet, kann richtig Glückssache sein – zumal sich die Auslage häufig ändert, je mehr Mitspielende am Tisch sitzen. Hat man gerade einen Zug gemacht und mit „viel Zeit“ bezahlt, kann es zudem einige Züge der anderen dauern, bis man wieder an der Reihe ist. In der Zeit kann sich die gesamte Auslage ändern und alle meine Pläne und Spekulationen auf bestimmte Karten können dahin sein. Zu Zweit ist das deutlich berechenbarer und die Auslage ändert sich erheblich weniger dynamisch. Das kann Vor-, aber auch Nachteile haben, je nachdem, worauf man es abgesehen hat. 

Bitte beachten Sie immer den Reiseplan!

Man sollte aber nicht zwingend immer nur auf den Zeitstrahl schauen. Die Punkte, die man damit erzielt, sind natürlich wichtig, aber die Boni und Punkte, die über den Reiseplan erzielt werden, können bisweilen lukrativer sein. 

Auch nicht jede Erweiterung des Zeitstrahls ist gleich viel wert: Es macht beispielsweise bei vielen Erweiterungen um eine Karte mehr lediglich 3 Punkte für die Wertung eines Zeitstrahls aus. Springt man allerdings von 9 auf 10 Karten, hat dies den Effekt von 9 Punkten. Daher sollte man immer genau abwägen, was einem mehr bringt.

Vorfahren und Zeitkristalle

Ebenso solle man nicht davor zurückschrecken, auch mal eine der Vorfahren-Karten zu nutzen! Sie bringen zwar fast keinen Bonus, aber sie können – zur rechten Zeit gewählt- eine wichtige Überbrückung darstellen, um vielleicht im nächsten Zug wieder auf eine attraktivere Auslage zugreifen und damit seinen Zeitstrahl wieder besser ausbauen zu können.

Und vergesst auch nicht die Kristalle! Diese zur rechten Zeit ausgegeben ermöglichen es, dass man auf dem Ziffernblatt nicht so weit voranschreiten muss und so ggf. zwei Züge hintereinander machen kann – wenn die Kartenauslage gerade passt, ist das unbezahlbar. Auf diese Weise kann man ganz gezielt Einfluss auf das Spiel nehmen – beispielsweise, wenn man sieht, dass jemand anderes die gewünschte Karte gerade auch sehr, sehr gut gebrauchen könnte.

Bonus-Erweiterung „Deluxe Tour“

Damit ggf. etwas mehr Würze oder Varianz in das Spiel kommt, kann man später auch die Bonus-Erweiterung mit in das Spiel integrieren. Hier wird pro Runde eine Karte aus diesem Extraset ins Spiel genommen. Sie bieten die Möglichkeit, während der gesamten Runde dauerhaft einen Effekt zu nutzen oder eine Aktion einmalig statt des Nehmens einer Karte auszuführen. Hier können schöne Effekte dabei sein, die manche Spieloptionen ein wenig interessanter gestalten. Manche Regelungen sind mir aber nicht ganz klar und im Booklet nicht erläutert. Das ist ein bisschen schade, aber wenn die Spielenden alle die gleiche Auslegung verfolgen, nicht weiter tragisch.


Zusammenfassung

Trekking – Reise durch die Zeit ist ein sehr gelungenes, „rundes“ Spiel auf Familienspiel-Niveau. Es ist hervorragend ausgestattet und bringt tolles Spielmaterial auf den Tisch, das den Aufforderungscharakter fördert.

Überschaubare Optionen machen den Einstieg leicht und das Spielgeschehen flüssig. Dennoch bietet es schöne Entscheidungen, da man oft abwägen muss, welcher Weg und welche Überlegung die lukrativere ist. Der nötige Wiederspielreiz ergibt sich aus der Varianz der variablen Spielelemente, so dass es nicht so schnell langweilig wird.

  • Sehr zugängliche Regeln und empfehlenswertes Regelvideo
  • Tolle Ausstattung mit Spielmatte, Tray und optimalem Insert
  • Fordert von den Spielenden Entscheidungen und stellt Herausforderungen auf einem angenehmen Niveau
  • Ausstattung enthält leider viel Plastik
  • Glücksfaktor kann frustrieren und leider in Ausnahmefällen spielentscheidend sein
  • Auf- und abführende Punkteleiste führt manchmal zum Punkteabtragen in die falsche Richtung

Aus meiner Spielerperspektive: Für mich eines der besten Spiele auf Familienniveau in diesem Jahrgang, das sich auch sehr gut für gemischte Spielgruppen eignet, da es Wenigspielende nicht überfordert und auch noch interessant für Vielspielende ist. Ich mag besonders die tolle Ausstattung und bringe Trekking daher immer gerne auf den Tisch.

1 Kommentar

  1. Die visuellen Eindrücke und eure Einschätzungen zu den Spielmechaniken schaffen ein lebendiges Bild. Es ist, als könnte man die Spannung und den Spielspaß förmlich spüren.

    Vielen Dank für diese mitreißende Vorstellung des Spiels. Euer Blog ist immer eine Quelle der Inspiration für Brettspielbegeisterte, und ich freue mich darauf, mehr von euren spielerischen Abenteuern zu lesen!

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