Review AZUL – Die Buntglasfenster von Sintra

AZUL 2.0

Wenn ein Spiel großes geleistet hat, dann gehen an seinen Nachfolger sehr hohe Erwartungen. So auch bei AZUL – Die Buntglasfenster von Sintra, bei dem die Trauben von AZUL 1 extrem hoch hängen.

Denn dieses erste AZUL hat so ziemlich alles abgeräumt, was es so abzuräumen ging: Spiel des Jahres, Deutscher Spielepreis, Beeple Award, As d’OR, Spiele Hit, um nur einige Preise zu nennen. Dazu überzeugte das Spiel selten auf so einer Breite Familien- wie auch Kennerspieler von sich.

Also große Fußstapfen…


Das Spiel

AZUL 2 (so der verkürzte Name für AZUL – Die Buntglasfenster von Sintra) spielt sich ähnlich wie AZUL und wiederum doch nicht.

Wir bauen an einem Palastfenster. Dazu legt jeder Spieler 8 Fensterstreifen über seinen Palast. Auf diesen sind farbige Glasbausteine abgebildet, von denen es fünf verschiedene Farben gibt. In die Mitte des Tisches werden 5-9 Manufakturen (je nach Mitspielern) gelegt und mit je vier Glassteinen versehen (werden aus einem Beutel gezogen). Auf das Punktezählbrett werden noch aus 5 verschiedenfarbige Steine sowie ein weiterer aus dem Beutel gelegt. Abschließend stellt jeder seinen Glaser über den ersten Fensterstreifen

Nun entscheidet sich jeder Spieler reihum für eine Farbsorte an Glassteinen und baut diese in seinen Palast ein. Überzählige werden in die Mitte geschoben. Aus dieser darf man sich auch bedienen, wenn man alle Steine einer Farbe nimmt. Der erste muss zudem noch den Startspielermarker für die nächste Runde nehmen (der einen Minuspunkt bringt). Einbauen kann man die Steine immer auf den Fensterstreifen, die a) die gleichen Farben zeigen und b) auf gleicher Höhe oder rechts vom Glaser liegen (dieser ist dann entsprechend vorzusetzen). Hat man mehr Steine genommen, als eingebaut werden können, werden diese als Minuspunkte auf der Bruchleiste abgetragen. Alternativ kann man seinen Glaser auch wieder über den ersten Fensterstreifen setzen. 

Kann man einen Fensterstreifen komplett füllen, so werden die Steine abgeräumt und ein Stein in den Palast unterhalb gelegt. Nun gibt es Punkte für das aufgedruckte Feld sowie für alle Palastfenster, die rechts davon ebenfalls mit einem Glasstein belegt sind. Zudem gibt es für jeden Stein der farbgleich mit dem Rundenstein ist einen weiteren Punkt. Danach wird der Fensterstreifen herumgedreht (bzw. aus dem Spiel entfernt, wenn dieses schon geschehen ist.)

Dieses tun wir bis alle Steine aus der Mitte entfernt wurden. Dann werden die Manufakturen wieder aufgefüllt und die nächste Runde beginnt. Nach 6 Runden ist Schlussß und je nach Variante gibt es noch eine unterschiedliche Schlusswertung:

In jedem Fall gibt es für je drei Glassteine noch einen Siegpunkt. In Variante A bekomme ich für einen Quadranten mit 2/3/4 Steinen 3/6/10 Siegpunkte. In Variante B) wird jedes komplett fertiggestellte Fenster (gleich zwei Glassteine) mit der Anzahl des am häufigsten vorkommenden Farbsteins multipliziert. Von diesen Werten werden noch die Minuspunkte der Glasbruchleiste abgezogen.


Autor: Michael Kiesling • Grafiker: Chris Quilliams
Verlag: Next Move Games|Pegasus • Jahr: 2018

spieler2-4 Spieler • alterab 12 Jahren • zeitca. 20 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu Pegasus)


Spielgefühl

Wenn die Latte durch einen Vorgänger sehr hoch hängt, geht man als Spieler mit einer Mischung aus Skepsis und Neugierde an das Spiel.

Um es vorwegzunehmen AZUL 2 hat durchaus seine Daseinsberechtigung. Aber es kommt nicht an seinen Vorgänger heran. Dieses liegt zum einen daran, dass viele bekannte Elemente aus dem ersten Spiel verwandt werden, so dass hier eine warme Erinnerung vorhanden ist, aber der gewisse Überraschungseffekt wegbleibt. Das Material was das Besondere beim ersten AZUL war, wirkt im Kontext zu Glasbausteinen etwas billig (ohne das es schlecht ist) und erinnert mehr an Hustenbonbons denn an Glasbausteine.

Dagegen ist die Idee hat man bzgl. der Siegpunkte gelernt und trägt diese nun auf einem gemeinsamen Tableau ab (was zum Beispiel das Verrutschen des Punktemarkers auf dem eigenen Spielplan verhindert). Auch die Minuspunktleiste ist eine gelungene Fortentwicklung zum ursprünglichen Spiel. In Summe ist durch die zentrale Zusammenlegung mehr Transparenz entstanden. Gleiches gilt für klare 6 Runden in dem Spiel. Dieses war bei AZUL1 verschieden von Partie zu Partie.

Der Glaser kommt

Gefallen hat mir der Glaser und der modulare Spielaufbau über die Fenster. Dadurch wird alles noch ein wenig taktischer im Spiel. Über den Glaser kann man zudem hinauszögern in der manchmal unliebsamen Mitte der Manufakturen zugreifen zu müssen. Das Erlangen der Siegpunkte bzw. die Berechnung dieser unter Berücksichtigung der Auslage in der Mitte ist etwas komplexer geworden. Hier würde ich es definitiv vorziehen, AZUL 2 mit keinem Grübler zu spielen.

Ob es eine gute Entscheidung war, noch weitere Bonuspunkte über die Rundenfarbe zu vergeben, wage ich zu bezweifeln. Als Rundenzähler gut, aber dieses ist aus meiner Sicht eine unnötige Glückskomponente (wenn die Farben z.B. zunächst gar nicht zugänglich sind, da auf der Rückseite der Streifen). Zudem bedeutet es noch mehr Elemente in seine Entscheidungen berücksichtigen zu müssen. Von diesen habe ich ohnehin schon viele vor mir, da ich neben der Auslage abwägen muss, eher weiter hinten zu bauen, um dauerhaft mehr Siegpunkte zu bekommen, mir dabei gleichzeitig eine Menge Anlegemöglichkeiten „kaputt“ mache oder lieber das Spiel von vorne gestalte und freier in meiner Ablage bin.

Und so ist es, dass man am Ende doch wieder den Vergleich mit dem ersten AZUL herbeizieht, welches durch seine Einfachheit brilliert. Ohne dieses wäre AZUL 2 sicherlich ein sehr gutes Spiel. So weiß man, dass es noch einen Ticken besser geht.


Kurzfazit: An AZUL reicht AZUL 2 nicht heran. Dennoch gebe ich ihm ein knappes jederzeit gerne. Denn es konnte das Basisspiel an einigen kleinen Punkten weiterentwickeln. Wer jedoch das zugänglichere und elegantere Spiel aus den beiden Geschwistern sucht, sollte eher zu AZUL 1 greifen.

  • Bekannter gut funktionierender Mechanismus
  • Optimierungen in der Transparenz
  • Etwas taktischer im Mehrpersonenspiel

 

  • Mir gefallen die „Glas“steine nicht so gut
  • Höherer Verwaltungsaufwand. Die Eleganz des Einfachen aus AZUL 1 kommt nicht so richtig durch

 

Tja, braucht man tatsächlich beide? Ja und nein. In meinen Runden gab es Befürworter beider Varianten, auch wenn die Tendenz eher in Richtung AZUL 1 ging. Also ich werde mich definitiv einer Runde AZUL 2 nicht verwehren. Dafür ist es sehr gut gemacht. Jedoch hängt dieses auch von den Mitspielern ab. Bei Grüblern geht noch mehr Leichtigkeit verloren.

Müsste ich mich zwischen den beiden entscheiden, so ging die Entscheidung pro AZUL 1. Braucht man nun beide Spiele? Wenn das Budget knapper ist, reicht AZUL 1. Jedoch ist AZUL 2 kein schlechtes Spiel und bietet im Spiel nach dem Auswahlmechanismus einige Neuerungen.


 

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