StartRezensionKinderspielDer geheimnisvolle Brunnen - Kinderspiel-Review des Monats

Der geheimnisvolle Brunnen – Kinderspiel-Review des Monats

An einem geheimnisvollen Brunnen im Wald findet für bis zu vier Magierlehrlinge eine wichtige Wasserwichtel-Prüfung statt, um ihre Beobachtungsgabe zu schulen. Zunächst ist im Brunnen nichts zu sehen, jedoch sind mit der Zeit Farben und Umrisse zu erkennen. Die Wasserwichtel werden langsam sichtbar, wenn sie immer weiter nach oben tauchen. Wer sich früh genug festlegt und damit richtig liegt, gewinnt die meisten goldenen Taler und am Ende das Spiel.

Tanja Mrosek

Zunächst muss das komplette Material aus der Schachtel genommen werden, um die Mechanik des geheimnisvollen Brunnens und den Brunnen selbst aufzubauen. Die Gewinnkarten mit den Goldtalern werden nach ihrer Rückseite sortiert und bilden somit vier verdeckte Stapel mit den Werten 1 bis 4. Die Wichtelscheiben, auf denen die zu entdeckenden kleinen Wichtel paarweise abgebildet sind, werden ebenfalls gemischt und als verdeckter Stapel bereitgelegt. Jedes Kind nimmt sich ein persönliches Tableau und zwei farblich passende Froschmarker aus dem Vorrat und das Spiel kann beginnen.

Der geheimnisvolle Brunnen läuft über drei Runden. In jeder Runde wird eine Wichtelscheibe verdeckt in die Brunnentür gelegt, der Brunnen geschlossen und verriegelt. Dadurch wird die Scheibe im Brunnen auf die Vorderseite gedreht, ist jedoch für die Mitspielenden nicht mehr sichtbar. Der Deckel des Brunnens besteht aus einer matten Folie, die den Blick in den Brunnen erschwert und alles nur schemenhaft erkennbar macht. Die eigenen Froschmarker werden nun nach und nach im Uhrzeigersinn im Teich auf Seerosenblätter platziert. Jedem dieser Blätter ist ein Wichtel zugeordnet, der potentiell auf einer Wichtelscheibe vorkommen kann. Die Wichtel haben unterschiedliche Kombinationen aus Formen und Farben, unterscheiden sich also sowohl farblich als auch in ihren Umrissen.

Anschließend wird der magische Strudel einmal um 360 Grad im Uhrzeigersinn gedreht, die Scheibe wandert weiter nach oben und so werden die Farben und Umrisse der Wichtel besser sichtbar. Jedes Kind darf nun einen Froschmarker im Teich auf ein anderes Blatt versetzen, wenn beobachtet wird, dass die Wichtel im Brunnen vielleicht doch andere sind als zuvor gedacht. Es ist außerdem erlaubt, sich auf andere Frösche im Teich zu platzieren, auf farblich gleiche jedoch nicht. Werden Froschmarker versetzt, auf denen ein anderer Frosch liegt, werden die darauf liegenden mit versetzt. 

Diese Abfolge wird so lange ausgehend vom Startspielenden wiederholt, bis die Scheibe oben am Brunnendeckel angekommen ist. Das Wichtelpaar ist nun gut zu erkennen und es wird überprüft, wer auf die richtigen Wichtel getippt hat. Dabei ist die Position, die der Wichtel auf dem Seerosenblatt einnimmt, wichtig.

Grundsätzlich gilt: Je weiter unten die Scheibe liegt, desto besser ist die Goldtaler-Ausbeute auf der Rückseite der Karte, da man sich schon früh festgelegt hat, welche Wichtel auf der Scheibe abgebildet sein könnten. Wer zuunterst liegt, erhält eine Karte von Stapel 1 und legt sie verdeckt auf sein eigenes Tableau usw.

Danach wird Startmarker weitergegeben und eine neue Runde beginnt. 

Nach drei gespielten Runden werden die eigenen erbeuteten Karten umgedreht und in eine lange, zusammenhängende Reihe gelegt. Wer die meisten Goldtaler sammeln konnte, gewinnt Der geheimnisvolle Brunnen.

Spielregeln (ext. Link zu Drei Magier)

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Brettspielbox-Brettspiel-Spielgefuehl-und-Einschaetzung.png

Der Geheimnisvolle Brunnen ist ein Spiel mit einer tollen Tischpräsenz: Der aufgebaute Brunnen, der in die Schachtel integriert ist, macht schon was her. Jedoch muss man erstmal ein bisschen Zeit in den Aufbau investieren: Der magische Strudel, der Teller im Brunnen und der Gewindestab müssen korrekt positioniert werden. Der Brunnen, bestehend aus fünf Teilen, muss an der richtigen Stelle im Spielboden zusammengesteckt werden.

Zu beachten ist: In der Schachtel unter dem Spielplan befindet sich ein Inlay für Karten und die Wichtelscheiben, die vor dem Zusammenbau herausgenommen werden müssen. Nach dem Zusammenbau des Brunnens kommt man da nicht mehr heran. Die Kinder brauchten immer meine Unterstützung, alleine konnten sie den Aufbau nicht bewerkstelligen. Aber der Brunnen macht ja auch den besonderen Kniff des Spiels aus und man nimmt diese Vorbereitung gerne in Kauf.

Leider gab es im Rahmen der Spielvorbereitung immer wieder folgendes Problem:

Die Wichtelscheibe, die für die Runde verdeckt in die Brunnentür gelegt wurde, ist häufig nicht so im Teller gelandet, wie es geplant ist. Sie ist immer wieder am Rand hängen geblieben und runtergerutscht. Das haben die Kinder aber meist erst nach ein oder zwei Umdrehungen des Strudels festgestellt, wenn in der matten Folie immer noch keine Farben oder Formen zu erkennen waren und mussten dann von vorne beginnen. Das war in einigen Runden richtig frustrierend. Das Öffnen des Brunnens ist auch nicht so einfach händelbar, da beim Entfernen des Türriegels der Brunnen mit nach oben rutscht, wenn man den Kartonboden nicht festhält.

Hinzu kommt, dass der Brunnen recht imposant daherkommt, sprich: Für einige Kinder war die Sicht auf die Spielfläche sehr ungünstig. Der Brunnen ist auch nicht für alle Kinder gleich gut zu erreichen und der Karton wurde hin und her geschoben. Durch dieses Verschieben wurden bereits platzierte Scheiben auf dem Spielplan verschoben oder sind von entstandenen Stapeln heruntergefallen.

Die Beobachtungsgabe der Kinder wird in diesem Spiel in jedem Fall geschult, jedoch finde ich, dass man gerade in den ersten Runden nicht wirklich viel erkennen kann und die Kinder oft random einen Frosch platzieren oder verschieben. In der Spielanleitung wird daher auch eine leichtere Einstiegsvariante angeboten, in der der Teller vor dem Setzen der Frösche bereits zweimal gedreht wird, um den Einstieg leichter zu gestalten. Diese Variante haben wir später dauerhaft gespielt, da so frühzeitig erkannt werden konnte, ob die Scheibe auch richtig liegen geblieben ist und Schemen zu erkennen sind, die eine Einschätzung zulassen.

Das Auswerten und Verteilen der Gewinnkarten am Ende einer Runde und das Aneinanderlegen dieser Karten am Ende des Spiels, um den Gewinner zu ermitteln, ist für die Kinder gut umsetzbar und die Goldtaler schnell gezählt. 

Durch die oben genannten Hindernisse ist der Spielfluss allerdings immer wieder ins Stocken geraten und das Spiel zog sich unnötig in die Länge. Einige Kinder haben auch die Lust verloren und das Spiel abgebrochen.

Der geheimnisvolle Brunnen ist ein Spiel mit schöner Tischpräsenz und damit einhergehend einem hohen Aufforderungscharakter. In der Kita ist der Aufbau an sich jedoch schon eine große Herausforderung für die Kinder und nicht selbstständig umsetzbar.

Der Kniff mit dem Gewinde und dem Teller, der sich immer weiter in die Höhe schraubt und so die Wichtel Drehung für Drehung sichtbarer macht, ist von der Idee her sehr schön. Leider hat der Mechanismus bei uns oft fehlerhaft oder gar nicht funktioniert und war daher frustrierend für die Kinder, da die Partie immer wieder von vorne angefangen werden musste.

Hinzu kommt, dass der Aufbau die Sicht auf das Spielbrett oder den Brunnen nicht für alle gleichermaßen möglich macht.

Der geheimnisvolle Brunnen ist ein Spiel, das die Beobachtungsgabe der Kinder fördert und sowohl Kinder als auch Erwachsene gleichermaßen fordert. Mit seinem hohen Verwaltungsaufwand ist es im familiären Rahmen aber besser zu händeln, als in der betriebsamen Kita. Daher denke ich, dass es im familiären Bereich durchaus seinen Reiz und seine Berechtigung hat, in der Kita jedoch weniger zum Einsatz kommen wird.

AUTOR: Guido Hoffmann
ARTIST: Rolf (ARVi) Vogt
VERLAG: Drei Magier
ERSCHEINUNGSJAHR: Schmidt Spiele

2-4 Spielende

5 Jahre

25 Min.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Most Popular

Recent Comments