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Freitag, Oktober 30, 2020
Start Jahr 2020 REVIEW | Rezension The Key - Cliffrock Villa

REVIEW | Rezension The Key – Cliffrock Villa

In der Cliffrock Villa ist einiges los – sie beheimatet eine Kunstausstellung und die Exponate sind äußerst begehrt. So begehrt, dass sich drei Diebe an diesen bedient haben. Allerdings waren sie bei ihren Taten nicht sehr erfolgreich und konnten noch aufgegriffen werden, bevor ihnen die Flucht gelang. 

Wir werden nun als Ermittlerteam benötigt, da noch aufgeklärt werden muss, wer zu welcher Uhrzeit welches Exponat gestohlen hat und mit welchen Hilfsmitteln die Flucht geplant war. Nur so können die Räuber auch dingfest gemacht werden. Wir werten nun zahlreiche Zeugenaussagen und Beweismittel aus, um den Fall effizient aufzuklären.

Mit der The Key-Reihe – bislang ist auch der etwas schwerere Fall „Mord im Oakdale Club“ erschienen und für Herbst ein weiterer Fall angekündigt – legt Thomas Sing, Autor des zum Kennerspiel des Jahres prämierten „Die Crew“, einen völlig neuen und sehr interessanten Mechanismus für ein einsteigerfreundliches Deduktionsprinzip vor.

Carina Brachter


SPIELBESCHREIBUNG

Jeder Ermittler erhält einen Sichtschirm, der gleichzeitig auch seinen Ermittlungsaktenkoffer darstellt. Auf dem abwischbaren Material lässt sich mit Hilfe der mitgelieferten Stifte alles Wichtige notieren (und später auch wieder gut entfernen).

Zudem erhält jeder eine Ermittlungsakte mit Fingerabdrücken und weiteren aufschlussreichen Informationen zu den Tatverdächtigen.

Alle Spieler entscheiden sich gemeinsam für einen der neun im Spiel enthaltenen Schlüssel. Die Farbe des Schlüssels ist nun entscheidend, denn er gibt vor, welche Fallkonstellation die Spieler nun durchspielen werden. Entscheiden sie sich beispielsweise für den roten Schlüssel, sind im Folgenden nur die Ermittlungskarten auf dem Tisch relevant, die eine rote Markierung aufweisen.

Die 140 Ermittlungskarten sind das wesentliche Spielmaterial. Sie werden bunt gemischt einfach durcheinander auf dem Tisch verteilt.

Sie enthalten auf der verdeckten Rückseite Informationen über 

  • Zeugenaussagen
  • Fingerabdrücke
  • Bilder der Überwachungskamera
  • Fundstücke

Jede Karte trägt auch auf der offen liegenden Seite Hinweise darauf, welche Informationen auf der jeweiligen Karte abzurufen sein werden, wenn man sie aufdeckt. Ist dort ein Sack abgebildet, werden Informationen über die Beute zu finden sein, eine Uhr macht deutlich, dass man hier Informationen zur Tatzeit ermitteln kann.

Die letzte wichtige enthaltene Information ist der Ermittlungswert. Dieser liegt hier immer zwischen 2 und 4. Je höher der Ermittlungswert, desto zielführender und konkreter die enthaltene Zeugenaussage oder der Hinweis. 

Die Spieler spielen gleichzeitig nach einem Startkommando los. Sie ziehen nach und nach eine mit der gemäß dem Schlüssel farblich markierten Karte, lesen jeder für sich die auf der Rückseite enthaltenen Hinweise, deuten sie und setzen sie mit den anderen bereits gewonnenen Erkenntnissen in Beziehung. Jeder Ermittler darf in seinem eigenen Tempo ermitteln. Gezogene Karten und die entsprechen Informationen behält jeder für und bei sich.  So geht es Schritt für Schritt weiter, bis man auf seinem Sichtschirm mit Hinweisen und per Ausschlussverfahren ermittelt hat, wer wann was entwendet hat. 

Der erste Spieler, der so den Lösungscode ermitteln konnte, schnappt sich den Schlüssel. Alle anderen Spieler schließen nun auch ihre Ermittlungen ab und lassen sich die Zeit, die sie brauchen. Wenn alle soweit sind, darf der schnellste Ermittler den Schlüssel ins Lösungstableau stecken. Stimmt die Farbe des Schlüssels mit dem farbigen Feld auf der Rückseite des Lösungstableaus überein, war der Code richtig. Als Bonus darf der Besitzer des Schlüssels nun eine Karte mit einem niedrigen Ermittlungswert wieder abgeben. Alle Spieler mit richtigem Code zählen nun ihre Ermittlungswerte zusammen. Der Spieler, der die wenigsten Ermittlungspunkte benötigt hat, um den Fall aufzuklären, gewinnt. 



AUTOR: Thomas Sing ■ GRAFIKER: Tilo Grubing
VERLAG: HABA ■ ERSCHEINUNGSJAHR: 2020

spieler

1-4 Spieler

alter

ab 8 Jahren

zeit

ca. 20 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu HABA)


SPIELGEFÜHL

Bei The Key wird wenig gesprochen. Jeder Spieler ermittelt konzentriert vor sich hin, wühlt in dem Kartenhaufen in der Tischmitte nach einer Karte und wertet diese für sich aus. Leises Fluchen hier und da deutet an, dass die Mitspieler noch nicht so weit sind, wie sie gerne wären.

Ob man gut und effizient bei seinen Ermittlungen vorankommt, ist natürlich auch glücksabhängig. Sicherlich kann man die Ermittlungsergebnisse taktisch beeinflussen, indem man sich daran orientiert, welche Informationen noch benötigt werden. Die Kartenrückseite weist ja schließlich aus, ob man hier eine Karte zieht, die Rückschlüsse auf Uhrzeit oder Fluchtweg enthält. Danach kann man gezielt suchen und eine solche Karte auswählen, sofern die Mitspieler nicht bereits schneller waren. Es gibt eigentlich immer genug Hinweiskarten, dass jeder den Fall lösen kann. Allerdings merkt man im Spiel zu viert, dass einige Karten knapp werden. Der Konkurrenzdruck ist hier deutlich höher. Und ggf. ist man gezwungen, auf Karten mit höheren Ermittlungswerten auszuweichen.

Allerdings kann man auch Pech haben und drei Karten hintereinander ziehen, die quasi die gleiche Aussage treffen und einen nicht weiterbringen.

Dadurch wird der Ermittlungswert enorm in die Höhe getrieben, aber man kommt der Lösung des Falles nicht näher.

Andererseits gibt es Partien, wo sich die Informationen der gezogenen Karten glücklich ineinanderfügen und schnell ein Ergebnis greifbar werden lassen. Dann schreiten die Ermittlungen schnell voran und das Ergebnis ist schon früh zum Greifen nah. 

Ebenso kann der Erfolg beschleunigt werden, indem man Karten mit hohem Ermittlungswert auswählt. Das führt zwar schnell zu belastbaren Ergebnissen, allerdings ist man dann in der Schlusswertung gegebenenfalls nicht der effizienteste Ermittler. 

Auch Vorsicht vor voreiligen Schlüssen! Besagt eine Karte, das Objekt x vor Objekt y gestohlen wurde, kann es immer noch sein, dass Objekt z in der dazwischen liegenden Zeit entwendet wurde. Solche Anfängerfehler macht man aber exakt einmal und ist in der nächsten Partie deutlich schlauer.

So ermitteln alle vor sich hin und ein „Aha“ hier und da machen deutlich, dass die Erkenntnisse am Tisch zunehmen. Geht der Mitspieler nochmal alle seine Hinweise durch, um zu überprüfen, ob seine Annahmen auch alle stimmen, neigt sich das Spiel wohl langsam dem Ende entgegen. Dann steigt der Druck, auch schnell Ergebnisse vorweisen zu können und ein klarer Wettrenncharakter entsteht. Vielleicht schafft man die Lösung des Falles ja doch noch etwas schneller?

Es kommt sicher in den ersten Partien vor, dass beim ein oder anderen Spieler der ermittelte Code nicht stimmt. Ist das der Fall, fragt man sich natürlich sofort, wo der Fehler war. Das ist dann nicht immer einfach zu rekonstruieren. Sicherlich kann das ein wenig enttäuschen, weshalb ich die Altersangabe ab 8 auch nicht teilen kann. Für einige Angaben und Rückschlüsse sollten die Mitspieler doch ein paar Jahre älter sein.


Zusammenfassung

Den Meisten macht The Key Spaß und sie sind besonders von der Spielmechanik beeindruckt, die erfrischend neu daherkommt. Wem solche Deduktionsspiele aber so gar nicht liegen, der wird auch mit The Key nicht glücklich werden. Wer sich jedoch dem Prinzip Deduktion auf leichte Art und Weise nähern will und auch mit etwas älteren Kindern ausprobieren möchte, ist hier richtig aufgehoben.

Die Serie erhält mit „Mord im Oakdale Club“ eine Fortsetzung. Wer also alle Fälle der Cliffrock Villa gelöst hat, wird auch die nächste Schwierigkeitsstufe gut gerüstet in Angriff nehmen können.

Anmerkung zur Wiederspielbarkeit: Das Spiel sei neun Mal spielbar, weil jeder Fall in Form der neun unterschiedlich farbigen Schlüssel nur einmal gelöst werden kann. Dann sei der Code bekannt. 

Ehrlich: Ich habe nach einer Woche keine Ahnung mehr, wie der Code beim letzten gewählten Fall lautete. Sofern man kein Superbrain ist, ist das Spiel meiner Meinung nach daher immer wieder spielbar, wenn man zwischen den Partien ein wenig Zeit verstreichen lässt. Ist man ein Superbrain, ist das Spiel auch viel zu einfach. 

  • Erfrischend neue Spielmechanik
  • Einfach zu lernendes Spielprinzip, das spätestens bei der zweiten Partie klar und gut beherrschbar ist
  • Man muss sich nicht stressen, den Zeitdruck macht man sich selbst (und oft bleibt der Besonnene der Sieger)
  • Die Gestaltung des Spiels ist sehr liebevoll, ansprechend und mit den Sichtschirmen und Ermittlungsakten atmosphärisch
  • Manche Arten von Hinweisen müssen zunächst gelernt werden, da man schnell falsche Schlüsse zieht oder ziehen könnte
  • Ein Kriterium ist missverständlich, denn es ist nicht ohne deutlichen Hinweis klar, dass der „blaue Anzug“ zu zwei Fluchtwegen gehört
  • Der Einstieg kann schon mal frustrierend sein. Hier hilft es aber, dem Spiel eine zweite Chance zu geben und es auch ein weiteres Mal zu spielen, damit man besser reinkommt und ggf. auch Hemmnisse abbaut.

Aus meiner Spielerperspektive: Ich mochte Deduktionsspiele bislang nicht sehr gerne, da ich darin einfach immer viel zu schlecht bin. The Key ist optimal, um diese Fähigkeiten, die man bei solchen Spielen braucht, zu üben. Ich denke, ich bin schon viel besser geworden und freue mich auf die weiteren Ermittlungen im Oakdale Club, die bereits im Regal auf mich warten. 

Da es in Oakdale jeweils einen Aspekt mehr zu ermitteln gibt, steigt auch die Schwierigkeitsstufe. So werde ich langsam besser werden und freue mich auf neue Herausforderungen in weiteren Fällen, wenn die Serie hoffentlich fortgesetzt wird!

3 KOMMENTARE

  1. Sehe das Spiel heute zum ersten Mal, aber die Rezi macht einem auf jeden Fall Lust drauf, dass Spiel mal zu testen, vor allem wenn man wie ich Deduktionsspiele sehr gerne mag und die Mechanik kreativ ist. Ich bin gespannt und hoffe, dass ich es mal auf den Tisch bekomme.

    • Wenn Du häufiger Deduktionsspiele spielst, ist der Einsteiger für Dich vermutlich zu einfach. Dann schau Dir besser gleich den Mord im Oakdale Club an. Das dürfte dann vielleicht eher passen. Viel Spaß damit auf jeden Fall!

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