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Donnerstag, Mai 6, 2021
StartJahr2021REVIEW | Rezension Brettspiel Santa Monica

REVIEW | Rezension Brettspiel Santa Monica

Vanille- und Erdbeereis…. und ein wenig Pistazie ist auch noch dabei – das ist meine Assoziation zum Cover und der Farbgebung des Spiels „Santa Monica“.

Was uns derzeit allen ein wenig fehlt, ist doch Urlaub, Strandfeeling, eine erfrischende Meeresbrise und der Ruf der Möwen über uns.

Das Setting von Santa Monica vermittelt Urlaubsstimmung, die wir in der Pandemie doch so schmählich vermissen. Doch was hat das Spiel selbst zu bieten? Kann es mehr, als uns an den Strand zu entführen und uns ein gutes Gefühl zu vermitteln?

Carina Brachter


SPIELBESCHREIBUNG

Santa Monica macht uns zu Gestalter:innen von Küstenabschnitten. Diese können entweder ruhiger sein und auf diese Weise eher die Einheimischen ansprechen oder mittels Geschäften oder Attraktionen eher die Touristen anziehen. 

Wer an der Reihe ist, wählt aus der Auslage eine Karte. Wenn man keine Sonderaktion nutzt, darf man nur Karten aus der vorderen Reihe nehmen. In der hinteren sieht man bereits, welche Optionen vielleicht später zur Verfügung stehen. 

Man legt die gewählte Karte an das Startplättchen der eigenen Auslage oder dort bereits liegende andere Karten an. Die Karten können entweder die Promenade mit Gebäuden oder den Strand selbst mit einsamen Abschnitten oder Attraktionen wie Beachvolleyballfeldern oder Liegeplätzen erweitern.

Die Karten tragen unterschiedliche Funktionsmerkmale. Diese beinhalten Informationen darüber, ob Karten kurzfristig Geld, Besucher oder bei der Wertung Punkte einbringen. 

Sobald ein:e Spieler:in 14 dieser Karten in seine Auslage ausgespielt hat, endet das Spiel. Es gibt dann Punkte für 

  • bestimmte Nachbarschaften, die auf Karten gefordert sind, z.B. „ein Geschäft soll neben einer Karte ausliegen“.
  • bestimmte Symbolketten, z.B. eine Kette aus mindestens fünf Palmen bringt einen Siegpunkte je Palmensymbol bei Spielende.
  • gefüllte Aktivitätenringe. Einige Karten bringen Besucher mit sich. Dies können Einheimische oder Touristen sein und die wollen unterhalten werden. Am Strand oder der Promenade können diese Personen bei bestimmten Aktivitäten platziert werden. Wenn ausreichend Personen dort versammelt sind, gibt dies bei Spielende Punkte.
  • für Fußspuren von VIPs. Jede:r Spieler:in hat auch mind. einen VIP zu Gast. Dieser hat Ansprüche und möchte bestimmte Geschäfte oder Attraktionen besuchen und  hinterlässt dabei Fußspuren. Auch diese zählen bei Spielende Punkte. 
  • besondere allgemeine Aufgaben. Es liegt noch eines von drei wählbaren Wertungsplättchen mit bestimmten Aufgaben aus, deren Erfüllung Punkte einbringen kann.

Wer schließlich die meisten Punkte sammeln konnte, gewinnt Santa Monica.



AUTOR: Josh Wood ■ ILLUSTRATIONEN: Jeremy Nguyen
VERLAG: AEG| Skellig Games  ■ ERSCHEINUNGSJAHR: 2020|1

spieler

2-4 Spieler

alter

ab 14 Jahren

zeit

ca. 45 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu Skellig Games)


SPIELGEFÜHL

Mit seinem pastelligen, sonnigen Design nimmt Santa Monica einen direkt gefangen. Eingelullt in das Gefühl eines entspannten Urlaubstages gibt es dann aber schnell ein überraschtes Erwachen. Denn Santa Monica ist bei Weitem nicht so easy, wie man vielleicht aufgrund des Äußeren denken könnte.

Taktischer als vermutet

Ein seichtes Familienspiel ist Santa Monica ganz sicher nicht. Grundsätzlich würde ich es eher im unteren Kennerbereich einstufen. Die Aufgaben, die auf den Karten aufgedruckt sind, sind nicht immer so leicht zu erfüllen und hängen ganz klar von der Erreichbarkeit dafür notwendiger Karten aus der allgemeinen Auslage ab. 

Gut, dass das Spiel die Sanddollaplättchen mitbringt, die es möglich machen, gegen Zahlung einiger Sanddollar z.B. auch Karten aus der hinteren Reihe nehmen zu dürfen, die man dringend benötigt. Sonst wäre mir das Spiel deutlich zu glückslastig. Da man seinen Einfluss aber durchaus geltend machen kann, gibt es eigentlich immer einen Plan B.

Symbolsprache und Bewegung will gelernt sein

Santa Monica ist ein grundsätzlich entspanntes Spiel, hier kommt keine Hektik auf. Nach einer Lernpartie und dem Kennenlernen der Symbolsprache ist man gut in der Lage, sich im Spiel und den sich ändernden Bedingungen durch neue Wertungsplättchen oder Aufgaben zurecht zu finden. Was ein wenig kompliziert ist und ggf. auch jenseits der Lernpartie Schwierigkeiten bereitet, ist die Bewegung der Besucher. 

Diese dürfen am Ende des Spiels noch Schritte gehen, um noch Aktivitätsringe zu erreichen oder Spuren zu hinterlassen. Dies will gut geplant sein. Wo lasse ich die Figuren durch das Anlegen entsprechender Karten ins Spiel kommen, wo positioniere ich sie bereits während des Spiels, damit ich bei Spielende nur noch die letzten Meter zurücklegen muss? Dabei muss beachtet werden, dass sich Einheimische noch drei Felder, Touristen und VIPs nur je ein Feld bewegen können, was gerade in den ersten Partien oft vergessen wird.

Eine gute Unterstützung ist hier die Spielerhilfe, die die Symbole und die Reichweite der Figuren erläutert. 

Schöne thematische Einbettung 

Alles in allem ist das Spiel sehr thematisch, denn die Einheimischen kennen sich nunmal besser aus und können daher schneller größere Entfernungen zurücklegen. Grundsätzlich ist das gesamte Spiel sehr stimmungsvoll gestaltet. Ich war bislang noch nicht am Strand von Santa Monica, aber wer dort bereits war, kann bestätigten, dass die Stimmung sehr gut eingefangen wird. Auch die Figuren, der Foodtruck, der noch eine kleine Rolle beim Nehmen der Karten spielt, die Möwe als Startspielermarker, die Beachvolleyballplätze, die überlaufenen Touristenattraktionen – alles macht hier Sinn. Hier spürt man, dass der Autor und der befreundete Illustrator viel Liebe in das Spiel haben einfließen lassen.

Fragen und Grübeleien…

Die Stimmung am Tisch wird dennoch eher grübellastig bleiben. Die allgemeine Auslage wird genau unter die Lupe genommen und mit der eigenen Auslage abgeglichen. Welche Karte hilft mir weiter, benötige ich ein bestimmtes Symbol, um eine Kette fertigzustellen? Benötige ich dringend neue Besucher oder brauche ich eher ein paar Sanddollar? Möchte ich diese direkt wieder ausgeben, um eine Zusatzaktion auszulösen? Hier gibt es Einiges zu bedenken!

Interaktion

Spielt man das Spiel in größerer Runde, ist es geprägt davon, dass man sich die besten Karten aus der allgemeinen Auslage gegenseitig wegnimmt. Da kann es dann auch mal ganz blöd laufen und man erhält einfach keine neuen Besucher, die man doch so gerne in seine Attraktionen locken möchte. Oder es wird partout keine Karte mit dem letzten für meine Kette benötigten Symbol aufgedeckt. Das kann ein bisschen frusten. 

Achtung!

Ebenso kann es frustrieren, wenn man bei Spielende entdeckt, dass es auf der Promenade noch einen Aktivitätskreis gegeben hätte, den man aufgrund der Grafik übersehen hat. Das kam mehrmals vor, aber beim nächsten mal dann besser beachtet.

Auch sollte man nicht übersehen, dass ein Hai am Strand sein Unwesen treibt. Das kann böse enden, wenn dann noch arglose Touristen dort spazieren. Auch dieses Ereignis bringt eine klare Lernkurve mit sich und man wird es beim nächsten Mal sicher nicht übersehen…

Fun Fact: Wusstet Ihr, dass „Sanddollars“ eine Seeigelart sind, die an flachen Sandküsten aller Meere leben? Ich wusste das ehrlich gesagt nicht und dachte, es handele sich um eine Erfindung. So oder so eine originelle Währung für ein Strandspiel! 


Zusammenfassung

Santa Monica ist nicht so easy, wie es aussieht. In einem unverbrauchten und sehr stimmungsvollen Urlaubs- und Strandsetting verbreitet es zwar entspannten Flair, verlangt aber von den Spieler:innen einiges an Planungsarbeit. 

Die Gestaltung der Strandabschnitte gemäß der ausliegenden oder selbst gewählten Aufgaben erfordert von den Spieler:innen Konzentration und Weitblick. Wer an so etwas Spaß hat, kommt hier voll auf seine Kosten! 

  • Stimmungsvolles Setting, ansprechende Grafik, unverbrauchtes Thema
  • Hoher Wiederspielreiz aufgrund vieler variabler Spielelemente
  • Schönes, ansprechendes Spielmaterial
  • Könnte aufgrund seiner Gestaltung versehentlich als einfacher zu spielen eingestuft werden
  • Die Symbolsprache und das Bewegen der Figuren will ein, zwei Partien lang gelernt sein

Aus meiner Spielerperspektive: Santa Monica gefällt mir richtig gut – meine eingangs beschriebene positive Assoziation zu Eis tut da keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. 

Zum anderen hat es genau die richtige Schwierigkeitsstufe, die es für viele Situationen prädestiniert: Lässt sich gut noch nach Feierabend spielen, geht an einem Spieletag gut als erstes oder letztes „größeres“ Spiel. Ist nicht zu komplex, aber fordert die grauen Zellen schon ganz gut. Es gibt daher viele Situationen, wo Santa Monica auf den Tisch kommen wird…. und vielleicht ein Eis dazu. 

Zweite Meinung Christoph

Santa Monica ist bei mir Liebe auf den zweiten Blick. Rein optisch hat mich das Spiel überhaupt nicht angesprochen. Daher habe ich ihm zunächst keine Beachtung geschenkt.

Erst durch Carinas positive Schilderungen habe ich mir einen eigenen Eindruck verschafft.

Das Spiel ist ein kleines taktisches Urlaubsspiel mit einer erstaunlichen Tiefe und Varianz. Die Partien verlaufen in der Regel durch die unterschiedlichen Endbedingungen, Kartenreihenfolgen sowie Sonderkarten immer wieder anders. Sicherlich ist ein gewisses Glückslement durch die Karten vorhanden, welches ich jedoch nicht störend empfunden habe.

In etwas mehr als 30 Minuten zu dritt verlaufen die Partien angenehm schnell und kurzweilig. Einzig über die Punktentwicklung hat man erst nach der Endabrechnung am Tisch einen Überblick, so dass Santa Monica weiterstgehend solitär gespielt wird und Interaktion nur über den gemeinsamen Kartenvorrat ins Spiel kommt.

Spiele ich immer wieder gerne.

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