StartAllgemeinTippi Toppi - Hoch hinaus! - REVIEW | Rezension Brettspiel

Tippi Toppi – Hoch hinaus! – REVIEW | Rezension Brettspiel

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Das Kartenspiel Tippi Toppi aus dem Jahr 2019 gehört bei mir schon zu den Klassikern. Es ist eines der wenigen Spiele, die ich schon mal solo gespielt habe und welches ich immer an Einsteiger ins Hobby weiterempfehlen würde. Daher war ich sehr gespannt, was Tippi Toppi – Hoch hinaus! als neue Variante bringen würde. Klar, hier kommt im wahrsten Sinne des Wortes eine „weitere Ebene“ hinzu, aber was macht das mit dem Spiel? Wie es bei uns angekommen ist, lest Ihr im Folgenden.

Carina


Für eine Partie Tippi Toppi – Hoch hinaus! legen wir den Spielplan auf eine der beiden Seiten in die Tischmitte. Zudem mischen wir die Zahlenplättchen, verteilen an jede Person drei Stück und legen den Rest bereit. Dann legen wir fest, in welcher Schwierigkeitsstufe wir das Spiel spielen wollen – je nachdem legen wir eine Anzahl Karten vom Stapel der gemischten Aufgabenkarten bereit. In der einfachsten Version wählen wir 14 Aufgabenkarten und legen vier weitere offen aus. Die anderen 14 lassen wir verdeckt, bis wir eine Aufgabe erfüllt haben und decken erst dann eine neue auf, so dass immer vier Karten in der offenen Auslage liegen. 

Am Rand des Spielplans liegen vier weitere verdeckte Aufgabenkarten, auf denen Lückenfüller-Plättchen mit dem Wert 0 liegen. 

Ziel dieses kooperativen Spiels ist es, alle Aufgabenkarten zu erfüllen, bevor uns die Plättchen ausgehen. Die Aufgaben beziehen sich alle auf die Position oder Anzahl der Zahlen- oder Farbenwerte auf dem Spielplan. Aufgaben sind beispielsweise: „Es gibt kein LILA am Rand“, „Drei 3er in einer Zeile oder Spalte“, „Die Summe von ORANGE ist 12“oder „PINK ist in drei verschiedenen Höhen“. 

Wenn wir an der Reihe sind, platzieren wir eines unserer Plättchen auf der Hand auf dem Spielplan. Die rechteckigen Plättchen bestehen aus zwei Quadraten, die jeweils eine Zahl zwischen 1 und 4 und einen farbigen Hintergrund – orange, grün, lila, pink – anzeigen. Die Plättchen dürfen wir immer nur auf zwei anderen Plättchen ablegen und nie deckungsgleich platzieren. Haben wir nach unserer Platzierung eine oder sogar mehrere Aufgaben erfüllt, legen wir die entsprechenden Aufgabenkarten ab und decken neue auf. Dann ziehen wir ein Plättchen nach und die nächste Person ist an der Reihe. 

Natürlich dürfen wir uns während des Spiels abstimmen – allerdings dürfen wir die Zahlen und Farben auf unseren Plättchen nicht verraten. Wir dürfen aber darüber reden, was wir planen, welche Positionen wir bevorzugen oder welche Aufgaben wir erfüllen könnten. Auch über den Einsatz von Lückenfüllern können wir beraten. Lückenfüller sind schwarze, quadratische Plättchen mit dem Wert 0. Diese liegen neben dem Spielplan und können genutzt werden, um Lücken auf dem Spielplan zu füllen, so dass man Plättchen in der nächsten Ebene wieder besser platzieren kann. Allerdings spielt man durch ihre Nutzung auch weitere Aufgabenkarten frei, die dann zu den Aufgaben auf unserem Stapel hinzukommen.

Tippi Toppi – Hoch hinaus! bietet noch eine Variante für Profis sowie eine zweite Spielplanseite.

Brettspiel Regeln

Spielregeln (ext. Link zu Schmidt Spiele)


Tippi Toppi – Hoch hinaus könnte genauso gut heißen: Tippi Toppi – Das Kennerspiel. Das bekannte und beliebte Spielprinzip bleibt für alle, die Tippi Toppi kennen und mögen, erst einmal in den Grundprinzipien gleich. Für die, die es bereits häufig gespielt haben und die nun endlich eine neue Herausforderung benötigen, kommt nun eine neue Ebene hinzu: Die Hochstapelei! Und diese neue Ebene macht Tippi Toppi ganz schon tricky und knackiger als das Grundspiel. Denn: Hier sollte man deutlich mehr um die Ecke denken und viel besser planen, da man die unterschiedlichen Ebenen einkalkulieren muss. Beim Legen der Zahlen-Plättchen steht daher nicht nur die Erfüllung einer Aufgabe im Fokus, sondern auch die Gesamtheit unseres Bauprojektes. 

Bausünden besser vermeiden

Dass wir Plättchen immer nur versetzt auf andere Plättchen auflegen dürfen, macht die Planung und das Erfüllen von Aufgaben deutlich herausfordernder. Und in diese Denkweise muss man sich ein wenig eingrooven. In der ersten oder zweiten Ebene, die man aufbaut, ist das meist noch kein Problem. Aber ab der dritten Ebene werden einem Baulöcher, die man gelassen hat, zum Verhängnis. Daher ist es auch besser, die Aufgaben möglichst früh zu erledigen, da es nach hinten raus aufgrund von Bausünden immer schwieriger wird, Aufgaben gut und schnell zu erfüllen. 

Was mach ich nur?

Daher ist das Spiel ein ewiges Abwägen: Kann man eine der ausliegenden Aufgaben theoretisch erfüllen, dann passt das angelegte Plättchen aber in der Ebene wieder nicht für eine andere Aufgabe. Was ist hier die richtige Entscheidung? Oder: Lege ich mein Plättchen so, dass ich eine ausliegende Aufgabe erfülle, aber produziere damit eine Baulücke, die ungünstig ist für künftige Aufgabenstellungen. Hach, das Dilemma will in der Gruppe diskutiert sein… 

Immer die Lückenbüßer…

Häufig besteht die Lösung darin, einen der ausliegenden Lückenfüller zu nutzen. Ohne die würde es nicht gehen! Aber wer will die schon gerne einsetzen, denn dann bekommt man ja wieder neue Aufgaben zugeschustert? Die Erfahrung zeigt: Vor Lückenfüllern sollte man nicht so viel Scheu haben, denn meist ist die zusätzliche Aufgabe eher zu verkraften als eine unangenehme Baulücke weiter durch das Spiel zu schleppen. 

Bei „4“ ist schon Schluss

Knackiger wird das Spiel nicht nur durch die Ebenen, sondern auch durch die „Dichte“ an Zahlen. Wir bewegen uns nicht mehr wie im Grundspiel im Zahlenkreis von 1 bis 7, sondern uns stehen nur noch die Ziffern von 1 bis 4 zur Verfügung. Um gewisse Summen als Zielvorgabe zu erreichen, hat man nun einen deutlich kleineren Spielraum. Auch Aufgaben wie „Es darf keine 2 am Rand liegen“ ist schwer zu erfüllen, wenn gefühlt auf nahezu jedem Plättchen auf der Hand eine 2 draufsteht.

Diskussion in großer Runde

Tippi Toppi – Hoch hinaus! lässt sich gut zu zweit spielen – gefühlt ist das Spiel aber mit mehr mitspielenden Personen lebhafter und deutlich einfacher zu bewältigen. Zudem ist es durch seinen kooperativen Ansatz sehr interaktiv und kommunikativ. Allerdings bin ich mir sicher, dass in nahezu allen Partien über mehr Dinge gesprochen wird, als die Regeln zulassen. Wenn jemand päpstlich auf die Kommunikation während der Partie achten würde, müssten sich diverse Spielgruppen wohl manches mal selbst disqualifizieren. Aber hey: Wir spielen kooperativ und wünschen uns ein gemeinschaftliches Erfolgserlebnis – da können wir ja wohl alle mal ein Auge zudrücken, oder etwa nicht?

Abwechslung durch Varianten

Abschließend ist noch positiv zu bewerten, dass das Spiel wieder ansteigende Schwierigkeitsgrade enthält sowie unterschiedliche Varianten bietet, die für Abwechslung sorgen. Die Gestaltung des Spiels ist eher funktional. Es bleibt in der Farbwelt des Grundspiels, mit dem es nun eine Spielfamilie begründet. Die Farben und die Gestaltung bleiben weiterhin funktional. Menschen, die Tippi Toppi kennen und mögen, fühlen sich sofort „zu Hause“ – andere müssen aufgrund der Optik erstmal ein wenig überredet werden, das Spiel mitzuspielen. 

  • Gelungener neuer Impuls mit neuen Herausforderungen zum beliebten Tippi Toppi-Grundspiel
  • Schöne Abwäge-Aufgabe zwischen Aufgabenerfüllung und Bauanforderungen 
  • Erfordert viel Kommunikation und Abstimmung
  •  Im Vergleich mit dem Grundspiel nicht so leicht mitgenommen und verstaut
  • Meist wird offener diskutiert, als die Regel es erlaubt. Aber wo kein Kläger…
  • Man kann sich böse verbauen, so dass man – gerade in Ebenen ab Stufe 3 – trotz Nutzung von Lückenfüllern nur noch schlecht vorankommt. 

Tippi Toppi – Hoch hinaus! ist eine schöne neue Herausforderung in der Tippi Tppi-Spielfamilie, die durch dieses Spiel begründet wird. Es ist genau der nächste Schritt für alle, die das Grundspiel kennen und mögen, aber mehr Herausforderung benötigen. Da durch das Stapeln der Zahlenplättchen eine weitere Dimension ins Spiel kommt, ergeben sich reizvolle neue Aufgaben und Sichtweisen auf das Spielgeschehen. Damit einher gehen neue Herausforderungen, die auch in diesem Spiel wieder durch ansteigende Schwierigkeitsgrade regulierbar sind.

Aber auch für alle, die das Grundspiel nicht kennen, ist es ein gelungenes, kooperatives Spiel, das sehr schöne Abwäge-Aufgaben stellt sowie Planungsarbeit und Abstimmung in der Gruppe erfordert. Einsteigern würde ich nach wie vor aber immer erst einmal das Kartenspiel empfehlen. 

AUTOR: Lars Ehresmann
ARTIST: Daniel Müller
VERLAG:
Schmidt Spiele
ERSCHEINUNGSJAHR: 2026

1-4 Spielende

8 Jahre

30 Min.

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