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Mittwoch, Mai 12, 2021
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REVIEW | Rezension Brettspiel Glasgow

Reine 2-Personen-Spiele sind gerade in Zeiten des Lockdowns eine interessante Bereicherung der Spielesammlung.

Mit Aqualin und Paris, Stadt der Lichter, haben wir in den letzten Wochen bereits einige 2-Personen-Spiele vorgestellt. Wie sich Glasgow da einreiht? Lest selbst!

Carina Brachter


SPIELBESCHREIBUNG

Glasgow” wurde im 18. Jahrhundert im Rahmen einer Umstrukturierung als Planstadt dort ansässiger Kaufleute neu geschaffen. Die Spieler übernehmen als daran beteiligte Kaufleute die Aufgabe, Immobilien zu erwerben und damit einen großen Beitrag zum Aufbau der Stadt zu leisten.

Jeder Spieler erhält ein Tableau, auf dem er seine Warensteine lagern kann. Gelagert werden können dort Steine, Stahl, Gold und je ein Whiskyfass, das nur einmal im Spiel ist und welches als Jokerressource genutzt werden kann.

In der Tischmitte werden Plättchen im Kreis ausgelegt. Zunächst ein Architekt, dann folgen vier Auftragsplättchen, dann wieder ein Architekt, Auftragsplättchen… bis schließlich vier Architekten ausliegen und insgesamt 12 der 14 im Spiel enthaltenen Auftragsplättchen.

Bei den Architekten liegen je zwei Gebäudekarten aus, die die Spieler dort erwerben können.  

Die Spielfiguren laufen im Kreis über die ausliegenden Plättchen. Es ist – nach Patchworkmechanismus – immer der Spieler an der Reihe, der mit seiner Figur weiter hinten steht. Landet ein Spieler mit seiner Figur auf einem Auftragsplättchen, erhält er je nach Aufdruck entweder Ressourcen, kann Ressourcen tauschen oder Gebäudeplättchen in der Auslage austauschen. 

Landet ein Spieler mit seiner Figur auf einem Architektenplättchen, kann er eines der beiden darüber ausliegenden Gebäude oder Fabriken erwerben. Gegen Abgabe einer Münze kann auch ein weiteres Plättchen erworben werden. Die erworbenen Plättchen werden im Inneren des ausliegenden Kreises zu einem Raster in der Größe 4×5 oder 5×4 ausgelegt werden; über die jeweilige Ausrichtung wird durch das Anlegen in jeder Partie neu entschieden. 

Die Fabriken und Gebäude haben unterschiedliche Bedeutungen, bringen Rohstoffe oder Punkte am Spielende:

  • Fabriken: Bringen dem Besitzer bei Aktivierung durch Anlegen von benachbarten Gebäuden Rohstoffe, Münzen oder das Whiskyfass ein oder macht das Wechseln der Ressourcen möglich.
  • Wohngebäude bringen im Wesentlichen Punkte durch andere benachbarte Wohngebäude ein.
  • Parks bringen Punkte je nach Anzahl der Parks, die einem Spieler gehören.
  • Wahrzeichen bringen die darauf abgedruckten Punkte ein.
  • Bahnhöfe bringen für ein Set aus einem Wahrzeichen, einer Fabrik, einem Park und einem Wohngebäude Punkte ein.

Um zu kennzeichnen, welchem Spieler welches Gebäude gehört, wird der darauf abgebildete Pfeil in Richtung des Eigners gelegt. Das Spiel endet, wenn das 4×5 Raster fertiggestellt wurde. Anschließend folgt die Wertung der einzelnen Gebäude. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt.



AUTOR: Mandela Fernández-Grandon ■ GRAFIK: Klemens Franz, atelier198
VERLAG: Lookout Spiele ■ ERSCHEINUNGSJAHR: 2020

spieler

2 Spieler

alter

ab 10 Jahren

zeit

ca. 30 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu )


SPIELGEFÜHL

Glasgow“ ist ein sehr zugängliches Spiel. Die Regeln sind übersichtlich und schnell verstanden. Der Aufbau geht schnell und man startet zügig ins Spielgeschehen. Auch bei Folgepartien sitzen die Regeln, man muss vielleicht nur nochmal den Spielaufbau nachschauen. 

Das Spiel hat allerdings mit Glasgow an sich recht wenig zu tun – zumindest erscheint es mir so, zumal ich noch nie dort war. Sonst könnte man sicher noch das ein oder andere Wahrzeichen wiedererkennen… aber so: Wir könnten uns in jeder x-beliebigen Stadt befinden und dort die gleichen Dinge tun. Allein das Whisky-Fass lässt vielleicht noch geografische Rückschlüsse zu. 

Aber das trübt den Spielspaß nicht weiter. „Glasgow“ lässt sich sehr gut spielen und ist durch seinen variablen Aufbau jede Partie ein wenig anders. Das merkt man schnell, wenn das Plättchen mit dem Whiskyfass oder das Feld, auf dem man ein Goldstück erhalten kann, nicht im Spiel sind. Dann fällt es etwas schwerer, diese für den Erwerb mancher Gebäude wichtigen Materialien zu erhalten. Diese Abwechslung tut dem Wiederspielreiz sehr gut.

Der variable Aufbau hat vor allem auch Auswirkungen auf die Verfügbarkeit der Gebäude. Erreiche ich das von mir favorisierte Gebäude zuerst? Presche ich einige Felder vor, um es auch garantiert zu bekommen und überlasse meinem Mitspieler so einige Felder, um Ressourcen einzusammeln und sein Lager in Ruhe zu füllen? Hier gilt es genau abzuwägen, ob es das wert ist. Der durch das Spiel Patchwork bekannte Mechanismus, die Spielreihenfolgezu bestimmen, passt hier sehr gut, denn das Abwägen, auf welches Feld ich vorspringe, macht den größten Teil des Spielgeschehens aus. 

Die Gebäude sind dann natürlich der Schlüssel zum Sieg: Sobald einer der Spieler zu viele von einer Sorte bekommt, wird er damit sehr wahrscheinlich den Sieg erringen. Daher gilt es, diese Mehrheiten möglichst selber zu erzielen, und diese beim Gegner zu verhindern. 

Da jedes Gebäude seinen eigenen Effekt hat, sollte man die Vorteile jeweils clever nutzen:

  • Einige von den Wohngebäuden geschickt nebeneinander angeordnet bringt ordentlich Punkte, da sie sich gegenseitig als Punktegeber nutzen können.
  • Habe ich erstmal ein Set an entsprechenden Gebäuden zusammen, dass der Bahnhof punktet, so bringt mir nur ein zweites Bahnhofplättchen in der Auslage gleich doppelt so viele Punkte. Also her mit den Bahnhöfen!
  • Auch die Gärten bringen je nach Anzahl, die mir gehört, einen, vier, neun, 16, 25 oder spielentscheidende 36 Punkte… da kann es zu richtigen Fights kommen, wenn ein neues Gartenplättchen aufgedeckt wird.
  • Die Wahrzeichen tragen alle sehr hohe Punktwerte. Bei vier Wahrzeichen landet man schnell bei über 20 Punkten, was das Endergebnis stark beeinflussen kann. Sie sind in der Anschaffung aber auch sehr teuer.
  • Die Läden sind etwas riskant. Sie bleiben meist bis kurz vor Spielende in der Auslage liegen, da sie nur in den Ecken des Rasters liegend Punkte einbringen. Die Ausmaße des Rasters werden meist erst recht spät im Spiel festgelegt, so dass ein zu früh gekaufter und angelegter Laden auch schon einmal gar nicht gewertet wird. Dafür sind sie einfach zu teuer…
  • Banken sollte man auch frühzeitig erwerben. Sie bringen Punkte dafür, dass man Ressourcen oder Fabriken im Besitz hat. Je früher man das weiß, kann man entsprechende Vorräte anlegen.Erwirbt man sie erst zum Ende des Spiels hin, bleibt für die Sammlung meist zu wenig Vorlauf.

Bis zur Auswertung bleibt dann nicht ganz klar, wer gewinnt. Das mag nicht jeder und sicher zählen auch viele Spieler zwischenzeitlich ein wenig durch, aber wenn man darauf verzichtet, hält dies die Spannung bis zum Ende hoch. 

Ein Wertungsblock wäre schön gewesen. Sonst lässt sich gegen die Ausstattung des Spiels nichts Negatives sagen. Die Gestaltung der Rohstoffe und der Plättchen sind sehr gut. Positiv ist anzumerken, dass die abgebildeten Personen divers gestaltet sind! 


Zusammenfassung

„Glasgow“ ist ein 2-Personen-Spiel, das wenig neu erfindet, aber durch seinen variablen Aufbau und die daraus resultierende Varianz sowie seine Eingängigkeit im Spielablauf punktet. Es ist prima geeignet, um nach Feierabend eines anstrengenden Tages auf andere Gedanken zu kommen oder als Opener, um für Komplexeres in Schwung zu kommen.

Sicherlich ist ein gewisser Glücksanteil nicht zu verleugnen, was Taktiker stören dürfte. Wer einmal den Königsweg zum Sieg gefunden hat, wird immer wieder versuchen, diesen zu gehen. Erhält man dann keine Gegenwehr, kann das Spiel schnell langweilen. Begegnen sich die Kontrahenten aber auf Augenhöhe, kann man beispielsweise in einem Best of 3-Modus sicher einige interessanten Fights erleben. 

  • Gutes Material, schöne Gestaltung
  • Variabler Spielaufbau und daraus resultierender Wiederspielreiz 
  • eingängiger Spielablauf, flottes Spieltempo, kein Hirnverzwirbler
  • Für Taktiker ggf. zu hoher Glücksanteil durch die zufällige Auslage
  • Ein Wertungsblock fehlt
  • Fraglich, ob es auch über einen längeren Zeitraum weiterhin regelmäßig auf den Tisch kommt.

Aus meiner Spielerperspektive: Auf 2-Personen-Spiele werfe ich immer wieder gerne einen genaueren Blick. Uns gefällt „Glasgow“, auch wenn es wenig Neues oder Aufregendes bereithält. Es ist wirklich ein solides Spiel, das durchaus seine Berechtigung im Spielregal hat. Für Vielspieler dürfte es ggf. schnell langweilig werden und es ist fraglich, ob es auch bei mir noch nach einem Jahr regelmäßig gespielt wird. Aber neben den 2-Personen-Klassikern bietet es derzeit eine schöne Abwechslung.

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