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Dienstag, August 4, 2020
Start Jahr 2019 REVIEW ECOS

REVIEW ECOS

ECOS: was wurde dieses Spiel im Vorfeld der SPIEL 2020 gehypt. Der ein oder andere Blogger lehnte sich sehr weit aus dem Fenster und sprach von einem zukünftigen Messehit. AEG kam während der Veranstaltung mit dem Verkaufen des Spiels nicht mehr nach und musste sogar Ware nachbestellen, damit die große Nachfrage beglückt werden konnte.

Doch dann kamen die ersten Rezensionen nach der SPIEL und auch erste Zweifel. War das Spiel nun doch nicht so gut, wie alle gedacht, gehofft oder erwartet hatten.

Oder haben wir es mal wieder wie so häufig gemacht und ein Spiel ganz nach oben auf einen Schild gehoben und es konnte diesem Erwartungsdruck nicht gerecht werden.

Hier ist meine Meinung zum Spiel.


SPIELBESCHREIBUNG

Bei ECOS geht es um das Erschaffen einer Welt. Dabei bauen wir alle parallel an der gleichen Welt und haben unterschiedliche Zielsetzungen.

In der Mitte wird eine Startlandschaft aus vier Landschaftsplättchen (2 Wasser, 1 Steppe, 1 Wald) gelegt.

Jeder Spieler erhält zudem eine Kombi aus acht roten und vier blauen Karten, ein Drehplättchen sowie sieben kleine Holzquader. Drei der Karten werden als Startaufstellung offen ausgelegt (der Rest verbleibt auf der Hand).

Aus einem Beutel mit 40 Holzplättchen („Element-Marker“) zieht ein Spieler nach und nach Holzplättchen mit Symbolen. Nun haben die Spieler zwei Möglichkeiten: Entweder sie legen ein noch verfügbares Holzklötzchen auf das entsprechende Symbol der Karten oder drehen das Drehplättchen. Mit diesem Plättchen bekomme ich entweder neue Holzquader oder kann neue Karten aus meiner Hand ausspielen bzw. bekommen.

Habe ich den letzten notwendigen Holzquader auf ein Kärtchen untergebracht, rufe ich „ECO“. Machen das mehrere Spieler parallel, werden die Plättchenaktionen in Spielreihenfolge abgehandelt. Über die Aktionen bekomme ich nun Siegpunkte, erweitere die Landschaft, füge Tiere in die Landschaft ein etc.

Wird ein Joker aus dem Beutel gezogen, müssen alle Holzteile wieder zurück in den Beutel und ein neuer Spieler darf die Plättchen ziehen.

Karten stehen uns nur begrenzt zur Verfügung und haben ein eingebautes Verfallsdatum.

Dieses machen wir so lange, bis ein Spieler 80 Siegpunkte hat.

Wenn ich Fortgeschrittener bin, kann an den Start auch noch eine Draftingsequenz vorgeschalten werden.



AUTOR: John D. Clair ■ GRAFIKER: Sabrina Miramon, Matt Paquette
VERLAG: AEG/Alderac ■ ERSCHEINUNGSJAHR: 2019

spieler

2-6 Spieler

alter

ab 14 Jahren

zeit

ca. 45-75 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu AEG)


SPIELGEFÜHL

Baut man ECOS zusammen bzw. richtet man das Spiel für eine Partie her, so fällt sofort das tolle Material auf. Begonnen bei dem Holzplättchen, endend bei den Kisten, in denen die Tiermarker aufbewahrt werden. Aber ist ECOS ein Blender oder kann das Spiel richtig was?

Die Kombination aus Bingospiel und strategischem Kartensatz macht ECOS für mich sehr reizvoll.

Wie ihr schon vermuten könnt, ist durch das Bingo-Ziehen ein große Portion Glück im Spiel. Dieses insbesondere dann, wenn zur Erfüllung einer lukrativen Karte partout das jeweilige Plättchen nicht aus dem Sack gezogen werden will.

Dieses gepaart mit den durchaus taktischen bzw. strategischen Elementen des Spiels, macht es nicht einfach, alle meine Mitspieler von dem Spiel dauerhaft zu überzeugen. So scheiden sich hier die Geister mit positiven wie auch negativen Stimmen für das Spiel.

Mir hat es in Summe schon gut gefallen, auch wenn es an der ein oder anderen Stelle seine Schwächen aufzeigt.

Reizvoll empfinde ich auch den Drafting-Mechanismus, durch den einiges an zusätzlicher Würze in das Spiel hineinkommt. Hierzu sollte man jedoch mehrere Partien ECOS gespielt haben oder ein erfahrener Spieler sein. Familienspieler dürften eher nicht den notwenigen Überblick in so einem frühen Stadium des „Kennenlernens“ eines neuen Spiels haben.

Der „ECO“-Ruf bedeutet immer eine Unterbrechung des Spielgeschehens. An dieser Stelle hört das simultane Spielen auf, da wir zunächst warten müssen, bis das ECO abgehandelt wird. Im Extremfall läßt ein ECO direkt ein weiteres ECO als Kettenreaktion beim Spieler aus.

Sehr gut gelöst finde ich den „Vernichtungsmechanismus“. Denn wir haben nur begrenzten Zugriff auf die jeweiligen Karten (ein bis vier mal), da wir die Karte nach Gebrauch um 90 Grad drehen muss. Dadurch entstehen keine endlos Engines, die ich persönliche nicht so mag.

Die Spielerzahl ist abhängig mit wem ich ECOS spiele. Habe ich eher Grübler am Tisch, dann kann ECOS schon mal etwas zäh und langatmig werden. In diesem Fall spiele ich es lieber gar nicht oder maximal mit drei Spielern. Sind die Personen in der Lage ihre Spieleinheiten zügig abzuwickeln, dann habe ich auch schon reizvolle Partien zu viert erlebt.

Auch wenn wir alle parallel spielen, ergeben sich bei einer höheren Anzahl an Spielern – da es auch mit bis zu sechs Personen spielbar ist – doch deutliche Downtimeeffekte, welche das ansonsten flott spielbare Erlebnis wie Kaugummi in die Länge ziehen können. Das hinterlässt schon einen faden Beigeschmack.


Zusammenfassung

Auch wenn Bingo vielleicht ein Familienspiel vermuten lässt, steckt doch deutlich mehr in der Kiste. Wir haben es hier – unter Einbezug des Draftings – ein echtes Kennerspiel vor uns, was für den ein oder anderen zu glückslastig sein dürfte. Tolles Material.

In der zwei-drei Personen-Variante und den passenden Leuten am Spieltisch jederzeit gerne wieder. Mit mehr Personen wird es eher kritisch, daher gibt es in Summe nur ein:

  • Tolles hochwertiges Material
  • Einstieg ist grundsätzlich nicht so kompliziert. Man kommt relativ gut ins Spiel hinein.
  • Mit dem Draftingmechanismus ein sehr schönes Spielerlebnis.
  • Emotionaler Effekt durch den Losmechanismus
  • Mit Grüblern und/oder in voller Besetzung dauert es viel zu lange.
  • hoher Glücksfaktor
  • Anleitung ist von der Sprache her etwas gewöhnungsbedürftig

Aus meiner Spielerperspektive: Ich finde ECOS angenehm herausfordernd. Wer den Glücksfaktor vom Kopf her akzeptiert, hat hier gerade in der Besetzung von 2-3 Personen ein sehr gelungenes Kennerspiel vor sich. Angefangen beim Material via Drafting bis zum Spielerlebnis.

Nur Grübler solltet ihr in diesem Spiel fernhalten. Man kann es auch kurz und knackig spielen. Aber darauf sollte sich die Runde auch einlassen wollen.

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