Ratinger Spieltage 2019 – Erlebnisbericht

ratinger spieletage 2015Die Ratinger Spieletage konnte ich nach einem Jahr Pause wieder in 2019 besuchen.

Dieses ist nach 2014, 2015, 2016 und 2017 mein fünfter Besuch in der Stadthalle Ratingen

Die 10. Ratinger Spieletage am Wochenende (13. und 14. April) gaben den Spielbegeisterten einen erste Blick auf einige Prototypen, aber auch Neuheiten für Essen 2019 sowie das ein oder andere Spiel, was aus Nürnberg 2019 inzwischen den Weg auf den Spieltisch gefunden hat.

Die Spieltische waren am Samstag jedenfalls gut gefüllt und es wurde viel gespielt und ausprobiert. Am ersten Tag kamen 1.250 Besucher in die Dumeklemmerhalle.

Das besondere an Ratingen sind für mich das Ausprobieren von Prototypen, die dann 1,2 Jahre später auf dem Markt zu sehen sind. So waren es u.a.

Blick in den Prototypenbereich

Aufmerksamkeit, Warnung, Ausrufezeichen Alle Bilder von den Spielen sind von Prototypen – Das Material damit noch nicht im finalen Zustand

Die geschilderten Eindrücke sind Ersteindrücke auf Basis eines Spiels.

 

SPIELE

„Chángchéng – The Great Wall“ (Arbeitstitel / dlp games)

Das einzige Spiel, welches ich vor Ort spielen konnte. Traditionell mit den Meusels.

Autor ist Arve D. Fühler und es soll bei dlp games erscheinen. Termin noch nicht final.

„In dem Spiel „Chángchéng – The Great Wall“ gestaltest du den Bau der Mauer über fünf Dynastien hinweg und versuchst dabei genauso erfolgreich zu sein wie einst die wahren Baumeister. In den frühen Dynastien wurde mit Lehm gebaut, später verwendet man gebrannte Ziegel und Natursteine. Du benötigst diese Rohstoffe sowie viele Arbeiter und natürlich auch genügend finanzielle Mittel um Mauerteile, Wachtürme und Pagoden für die Bevölkerung zu bauen. Dabei musst du deinen Aufseher geschickt durch den „Pfad der Jahrhunderte“ bewegen und immer wieder Pagoden besuchen – du wirst von der Gunst der Götter belohnt werden.“ LINK (Hompage Arve D. Fühler)

Das Spiel wird über drei Epochen gespielt. In jeder Epoche ist jeder Spieler einmal der Startspieler. 

Jeder Spieler hat zu Beginn zwei neutrale und einen persönlichen Würfel. Dazu ein Tableau mit 5 x 2 Mauerstücken, 5 Pagoden und 5 Türmen, die er durch Bauaktionen freischalten kann. Durch das Bauen werden für spätere Züge weitere Optionen zur Nutzung der Würfelergebnisse frei (d.h. ich kann z.B. mit einer fünf nicht nur Bauen, sondern auch den Pilger fortbewegen, einen grauen Mauerwürfel bekommen, ein Pagodenplättchen erwerben etc.).

Zu Beginn einer Runde würfeln die Spieler mit ihren Würfeln und setzen diese reihum auf die Würfelfelder mit den Zahlen 1 bis 6 (großer Spielplan). Es werden immer alle Würfel einer Augenzahl gesetzt. Den einzelnen Würfeln sind Aktionen zugeordnet. Dabei kann die eins als Joker für alle anderen Aktionen genutzt werden. Sind nach und nach alle Würfel eingesetzt, beginnt die zweite Phase des Spiels. Ebenfalls reihum nehmen wir uns bis zu drei Würfel (je Augenzahl bzw. bei der Augenzahl 1 nur einen Würfel) aus den Würfelfeldern und führen die entsprechenden Aktionen durch. Liegen in einem Feld meiner Wahl ein oder mehrere persönliche Würfel, so muss ich diese zuerst nehmen.

Über die Aktionen können wir Ressourcen sammeln, Bauen, in der Gunst der Götter aufsteigen und unseren Pilger auf dem Pilgerfahrt voranschreiten lassen. Bauen tun wir gegen Einsatz von Geld, Ressourcen und/oder Arbeitern.

Nach den vier Runden endet das Spiel und es findet noch eine Endwertung statt.

Das Thema wird sich noch ändern, die Spielmechanik an sich ist weitestgehend fertig.

FAZIT: Hat mir gut gefallen. Gute Kombination aus Enginebuilder, Diceplacement, Ressourcenmanagement und Bluffelementen (durch Setzen und Nehmen von Würfeln). Sehr schicke Verzahnung der einzelnen Elemente. Könnte fast ein Tick zu lang sein, aber dazu müsste ich es definitiv noch ein weiteres Mal spielen. Lust auf mehr.

Crystal Palace (Feuerland Spiele)

2017 konnte ich das Spiel von Carsten Lauber schon einmal spielen. Damals hieß das Spiel noch London 1851. Nun hat es Marktreife und wird Herbst bei Feuerland erscheinen. In diesem Jahr habe ich mir die Regelerklärung noch einmal angehört. Für das Spiel dauert es gute 25-30 Minuten, um sich mit den Feinheiten des Spiels vertraut zu machen.

Das Spiel handelt rund die Weltausstellung 1851 in London. Dabei starten wir im Jahr 1849. Das Jahr in dem das Projekt der Weltöffentlichkeit vorgestellt wurde. Denn hier beginnt der Startschuss für alle Nationen (=Spieler), sich am besten auf der Weltausstellung zu präsentieren. Das Spiel heißt übrigens nach dem berühmtesten Wahrzeichen und Veranstaltungsort der Expo: Crystal Palace.

Im obigen Spielertableau kann man unten den Rundenablauf recht gut erkennen, welcher von 1-7 angegeben ist.

  1. Würfeleinstellphase (jeder stellt seine Würfel verdeckt ein). Anschließend wird das Geld abgehalten und der Startspieler ermittelt.
  2. Dann werden reihum die Würfel auf den acht Orten platziert
  3. Im Anschluss daran, werden die acht Orte nacheinander abgehandelt
  4. Engagierte Persönlichkeiten müssen bezahlt werden
  5. Erfindungen werden abgerechnet
  6. Dann erfolgt die Bonusphase
  7. und zu guter Letzt wird der Schwarzmarkt bearbeitet

Wie man auf dem Tableau links oben erkennen kann, ist jede Nation mit einer unterschiedlichen Eigenschaft ausgestattet, so dass das Spiel asymmetrische Eigenschaften besitzt.

Die einzelnen Orte sind (von oben rechts im Uhrzeigersinn):

  1. Patent office: Blaupausen für Ausstellungsgewerke erwerben
  2. British Museum: Fähigkeiten entweder einmalig oder dauerhaft erwerben
  3. Stock Exchange: Beeinflussen des „Aktienkurs“, um sich Einnahmen zu sichern
  4. Royal Court: Einfluss verstärken. Führt in der Regel dazu, dass die Personen, den Preis ihrer Bereitschaft zu helfen, verringern.
  5. Reform Club: Unterstützer, die uns mit ihren Fähigkeiten einmalig bzw. dauerhaft unterstützen
  6. London Times: Aktivierung von Sonderauswertungen
  7. Port of London: Sonderfähigkeiten (zusätzlicher Würfel, Siegpunkte, Schwarzmarkt etc.). Zudem kann man auch einen Würfel auf Reisen schicken und zusätzliche Siegpunkte bekommen.
  8. Waterloo Station: hier können wir Ressourcen erwerben, um die Blaupausen zu bauen
  9. Im Zentrum liegt noch der Schwarzmarkt

 

War das Brett 2017 noch fest, so ist der Spielplan inzwischen modularer gestaltet. Auch haben sich um Vergleich zu 2017 einige Kleinigkeiten verändert.

In Summe ist der Charakter von 2017 erhalten geblieben. Tolles (aber auch sehr kniffeliges) Dice-Managementspiel mit minimalem Glücksfaktor (Karten). Wer anspruchsvolle Expertenspiele mag, sollte in Essen einen Blick auf das Spiel werfen.

Watergate (Frosted Games)

Zu guter Letzt habe ich mir Watergate von Matthias Cramer erklären lassen.

Es reiht sich wunderbar in die Historygamereihe von Frosted Games ein und erinnert ein wenig an 13 Tage.

Im Mittelpunkt des asymmetrischen Spiels steht der Watergateskandel (1972-74) mit Richard Nixon. 

Ein Spieler spielt Richard Nixon, der andere Spieler die Reporter der Washington Post. Nixon gewinnt, wenn er fünf Mal den Momentummarker gewinnen kann, die Washington Post, wenn es gelingt, zwei Verbindungen von Zeugen bis zu Nixon über Beweise herzustellen.

Jeder Spieler hat sein eigenes individuelles Kartendeck. Mittels der Karten werden über verschiedene Runden entweder Zeugen/Ereignisse ins Spiel gebracht oder auf der rechten Leiste Beweise bzw. Momentum-/Initiativemarker in die jeweilige Richtung des Spielers. Mit der Initiative habe ich in der jeweils nächsten Runde 5 statt 4 Karten.

Einige Karten müssen beim Spielen aus dem Spiel genommen werden, so dass das Kartendeck im Laufe des Spiels schrumpft. So entwickelt sich zwischen den beiden Spielern ein taktisches Duell.

Weitere Spiele gesehen

Von den folgenden Spielen habe ich nur ein Photo gemacht:

airship city (Spielefaible)

  

La Stanza (Quined Games)

Weimar (Compass Games)

Sonstiges

  • Neuer Verlag vor Ort: TL Games (weiteres erfolgt in den nächsten Tagen).
  • Neben einigen großen Verlagen waren auch viele kleine Verlage vor Ort. Das macht auch Ratingen aus, da man hier die Gelegenheit hat, auch die Spiele dieser auszuprobieren.

Wer sonst noch vor Ort war

Die Ratinger Spieletage sind auch immer wieder ein Treffen von Bloggerkollegen. So waren BetterBoardGames (Christoph), Boardgamedigger (Digger und Svetlana), GamingWolves (Tobias), Meeplove (Sabrina) und der Pottgamer vor Ort.

Zur Veranstaltung

Nachdem ich letztes Jahr nicht vor Ort war, kann ich jetzt nicht sagen, was sich zum letzten Jahr verändert hat.

In 2019 war der Flohmarkt wieder gut besucht. Er ist links neben dem Hauptraum untergebracht und stört den eigentlichen Betrieb nicht. Im rechten Raum waren wieder viele Prototypenstände aufgebaut. Diese waren zum überwiegenden Teil sehr gut bevölkert. Auch der Hauptraum hat mir sehr gut gefallen. Waren bisher zwei Gänge in der Mitte gehalten, gibt es nun zwei größere Spielbereiche, an denen die einzelnen Verlage angegliedert sind. Die Bühne ist freie Spielfläche.

Links

Veranstalter

 

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1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Christoph,
    schön, dass Du dieses Jahr wieder am Start warst.
    Es war uns wieder eine Ehre mit Dir zu spielen und zu plaudern.
    Auch uns hat der Prototyp von DLP sehr gut gefallen und ist direkt auf unsere Wunschliste gelandet.
    Die Ratinger Spieletage sind einfach mit die beste Veranstaltung.
    Verspielte Grüße
    Die Meusels
    Tanja & Marcus

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