Samstag, Juli 2, 2022
StartJahr2021REVIEW | Rezension Brettspiel Just Wild

REVIEW | Rezension Brettspiel Just Wild

Naturspiele liegen im Trend – viele Spiele beschäftigen sich derzeit mit Tieren, ihren Lebensräumen und/oder Naturschutz.

Auch Helvetiq hat eine neue Reihe mit Naturbezug aufgesetzt: Fun by Nature. Diese Reihe beschäftigt sich nicht nur mit Tieren und ihrer Lebensumgebung, sondern bringt auch Informationen zu gefährdeten Tierarten und ihren Schutzmöglichkeiten mit.

Es bietet sich an, dieses ernste Thema über spielerischen Kontext zu vermitteln. Und was macht dabei der Spaßfaktor?

Carina Brachter


SPIELBESCHREIBUNG

Im Spiel Just Wild versuchen wir mit den von uns gewählten Tierarten unser Überleben zu sichern, indem wir unser Territorium sichern oder weiter ausbauen. Dazu wählen wir zunächst eine der verfügbaren Tierarten Luchs, Bär, Wolf oder Steinbock und erhalten dann die 20 dazugehörigen Karten und die sechs passenden Tiertoken. 

Die Karten werden gemischt und als verdeckter Stapel abgelegt. Die oberste Karte legen alle Mitspielenden in die Tischmitte, um daraus das Startterritorium aufzubauen. Wir ziehen dann jeweils drei Karten auf die Hand.

Sind wir an der Reihe, legen wir eine unserer Handkarten ab und ziehen anschließend eine nach. 

Beim Abspielen legen wir entweder die Karte mit der Waldrückseite nach oben an, um das Territorium in der Tischmitte zu vergrößern. Lieber aber legen wir eine Karte mit der Tierseite nach oben auf dem Territorium ab. 

Dies ist aber an Bedingungen geknüpft: Die Karten müssen dabei immer zwei ausliegende Kartenhälften abdecken. Der Wert der abgelegten Karte muss dabei immer der Summe der Werte der abgedeckten Kartenhälften entspricht. Beispiel: Ich spiele eine Karte mit dem Wert sieben ab und decke damit eine Kartenhälfte mit dem Wert drei und eine mit dem Wert vier ab.

Legen wir eine Karte ab, die auch ein Tierjunges zeigt, dürfen wir nach dem Platzieren auf dem Spielfeld auch einen unserer Token auf diese Kartenhälfte mit Tierjungem ablegen. Diese Karte ist jetzt gegen Überdecken geschützt.

Ziel ist es, dass bei Spielende möglichst viele unserer Tiere sichtbar sind. Habe ich alle Karten abgespielt, darf ich sofort alle Kartenhälften zählen, auf denen eines meiner Tiere sichtbar ist. Nachdem alle ihre Werte ausgezählt haben, gewinnt der- oder diejenige mit den meisten Punkten die Partie Just Wild.



AUTOR: Marco Franchin ■ ARTWORK: Salomé Gauthier
VERLAG: Helvetiq ■ ERSCHEINUNGSJAHR: 2021

spieler

2-4 Spieler

alter

ab 8 Jahren

zeit

ca. 20 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu Helvetiq)


SPIELGEFÜHL

Klein, portabel  und vom Spielprinzip her nicht ganz unbekannt

Just Wild kommt in einer praktischen, kleinen Schachtel daher, die sich gut zum Mitnehmen eignet. Das Cover ist hübsch und lädt dazu ein, hier für eine Partie zuzugreifen. Hinter dem Cover verbirgt sich ein schönes, kleines Kartenlegespiel. Die Regeln sind einfach und schnell vermittelt. Daher eignet es sich sehr gut, um es mit Einsteigern und Wenigspielern zu spielen. 

Wer noch das Spiel Suleika bzw. Marrakech von 2007 kennt, wird hier ein Déjà-vu erleben. Dieses Spiel, in dem wir unsere Teppiche auf dem Spielbrett in einer sehr ähnlichen Weise an- und ablegen dürfen, ist vom reinen Spielsystem ähnlich. Schön, dass wir diesem Spielprinzip hier wieder begegnen. 

Gestaltung und Verpackung

Verpackt ist Just Wild mit nur zwei Klebepunkten – was verpackungstechnisch umweltfreundlich ist, ist allerdings weniger gut, wenn man die Klebepunkte von der Schachtel ganz entfernen möchte. Das sollte man lassen, denn mit den Klebepunkten kommt leider auch Farbe oder direkt die ganze Deckschicht mit. Leider ein kleines Manko.

Die Gestaltung der Karten, die Farben, die Tokens, die Tierdarstellung ist dagegen sehr gelungen und gut unterscheidbar, da gibt es nichts auszusetzen.

Und, wie läuft es so?

Das Gameplay selbst ist easy. Eine Karte passend platzieren und dabei möglichst das eigene Territorium vergrößern, ist dabei unser Ziel. Haben wir die passenden Karten auf der Hand, die der Summe von zwei Kartenhälften entspricht, decken wir optimaler Weise die Tiere unserer Kontrahenten ab und unsere Tierart erhält mehr Sichtbarkeit und Raum. 

Was uns dabei in die Quere kommt, ist, dass mit den drei Handkarten schonmal nicht die richtige Karte zur Verfügung steht. Dann müssen wir das Waldgebiet mit einer Karte aus unserer Hand vergrößern, indem wir sie recht nutzlos für uns mit der Rückseite nach oben ablegen.

Auf diese Weise schaffen wir neue Legemöglichkeiten mit niedrigen Zahlenwerten, die aber meist schnell von unseren Mitspielenden genutzt werden. Selten stehen uns diese neuen Legemöglichkeiten noch zur Verfügung, wenn wir selber wieder an der Reihe sind. Sich gute Legemöglichkeiten vorzubauen, ist meist nicht machbar – strategisches Vorgehen nur selten möglich.

Glückselemente und Taktik-Fetzen

Bei Just Wild spielt daher eine ordentliche Portion Glück mit. Wo wir ernstzunehmenden Einfluss nehmen können, ist, wenn wir unsere Token einsetzen. Diese können beispielsweise eine Barriere bilden und es den Mitspielenden sehr schwer machen, unsere sichtbaren Tiere weiter zu reduzieren. Schlau platziert, können wir damit richtige Schutzwälle aufbauen. Allerdings benötigen wir auch dafür wieder das nötige Quäntchen Glück, dass wir die richtigen Karten mit den passende Werten und dem Tiernachwuchs auf der Hand haben, um diese gewinnbringend zu platzieren.

Auch nach der Zehn geht es weiter!

Da die Karten den maximalen Wert zehn haben und das Spiel sonst zu reduziert wäre, wenn wir keine Karten mit Summen über 10 abdecken könnten, gibt es noch eine weitere Möglichkeit darüber hinaus: Müssten wir beispielsweise eine Karte mit dem Wert 13 platzieren, um zwei Kartenhälften mit den Werten sechs und sieben zu überdecken, dürfen wir eine Karte mit dem Wert 3 darüber ablegen sowie eine weitere Karte von unserem Nachziehkartenstapel auf der Waldseite anlegen, um das Gebiet zu vergrößern. Das gibt dem Spiel mehr Flexibilität. 

Bist Du schon fertig?

Diese Vorgehensweise bedeutet aber auch, dass der Kartenstapel unterschiedlich schnell aufgebraucht sein kann. So endet das Spiel für jede:n zu einem anderen Zeitpunkt. Gut gewählt ist daher die Regelung für die Endwertung, dass immer dann die noch sichtbaren Tiere des Spielenden gezählt werden, wenn er oder sie die letzte Karte abgelegt hat. Der Zeitpunkt des unterschiedlichen Spielendes liegt aber nicht weit auseinander, so dass es zu unangenehmen Wartezeiten kommt.


Zusammenfassung

Just Wild ist ein schönes und unaufgeregtes Kartenlegespiel mit zugänglichen Spielregeln. Es ist schnell gelernt und gespielt und eignet sich gut für Einsteiger:innen, aber auch für erfahrungs- oder altersgemischte Runden, in denen es sehr gut ankommt. Wer Spiele sucht, die sich in solchen Runden gut eignen, sollte hier mal einen genaueren Blick riskieren!

Das Naturthema ist optisch ansprechend und schön umgesetzt – spielerisch stellt sich die Frage, ob der Luchs dem Bären in seiner natürlichen Umgebung wirklich sein Territorium streitig macht…

Das Spielprinzip der sich überdeckenden Karten ist nicht neu, aber noch recht unverbraucht. Just Wildhat zwar einige Glückselemente in petto, aber mit den Tiertoken auch Möglichkeiten zu bieten, die ein wenig Taktik zulassen. 

  • Einfachs Spielprinzip, leicht erlernbar, schnell gespielt
  • Ansprechende Gestaltung
  • Eigent sich gut für erfahrungs- und altergemischte Runden
  • Recht glückslastig, nur wenige Beeinflussungsmöglichkeiten
  • Wiederspielreiz hält nicht ewig
  • Klebepunkte der Verpackung lassen sich nicht entfernen

Aus meiner Spielerperspektive:

Just Wild gefällt mir gut, weil es in allen Runden gut funktioniert – ich kann es gut vermitteln, aber es macht mir auch selber Spaß, wenn ich es mitspiele. Dabei kommt es bisher auch durchweg gut bei allen an und daher möchte ich auch gerne weiterempfehlen.

Das Spielprinzip der sich überdeckenden Karten mag ich seit Suleika und ich freue mich, dass es uns hier wieder in anderer Form begegnet.

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