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REVIEW | Rezension Brettspiel Gutenberg

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Johannes Gutenberg gilt als Erfinder des modernen Buchdrucks. Durch die Verwendung von beweglichen Lettern aus Metall ersetzte er die herkömmliche Methode der Buchproduktion, also das Abschreiben von Hand.

Der polnische Verlag Granna, sonst eher für Kinder- und Familienspiele bekannt, nahm dieses Thema, um zusammen mit den Autoren Katarzyna Cioch und Wojciech Wiśniewski die Marke Granna Expert (Anmerkung der Redaktion: HUCH! wird das Spiel lokalisieren und im Frühjahr herausbringen. Es wird jedoch nicht als Expertenspiel eingestuft werden) ins Leben zu rufen. Allein schon das neue Label Expert war für mich ein Grund da mal näher hinzuschauen.

Ob Gutenberg auch die Erwartungen erfüllen konnte lest ihr in den folgenden Zeilen.

Tim Schleimer


SPIELBESCHREIBUNG

Zu Beginn jeder der 6 Runden bieten wir auf die möglichen Aktionen. Das geschieht geheim hinter einem Sichtschirm. Dazu stehen uns eine gewisse Anzahl schwarzen Klötzchen zur Verfügung, die wir nach Belieben auf diese Aktionen verteilen dürfen. Habe ich bei einer Aktion die meisten Klötzchen geboten, so darf ich die Aktion als erster ausführen – und habe somit die volle Auswahl. Bei Gleichstand entscheidet, die Distanz zum Startspieler. Das ist auch der Grund, warum im Uhrzeigersinn jeweils ein Klötzchen mehr setzen darf.

Nachdem nun alle ihre Gebote gesetzt haben werden, die 5 Aktionen der Reihe nach durchgeführt. Dazu ist der Spielplan in mehrere Bereiche unterteilt, die von oben nach unten abgehandelt werden. Die einzelnen Aktionen sind wirklich sehr einfach und schnell abgehandelt. So nehmen wir uns – in der bereits bestimmten Reihenfolge – neue Aufträge, Farbtropfen, Fähigkeitskarten, Zahnräder und/oder Prestigekarten.

Nach der Aktionsphase haben wir alle die Möglichkeit unsere Aufträge zu erfüllen. Jede Auftragskarte verlangt eine bestimmte Kombination von Lettern, die ich besitzen muss. Dazu gibt es stets eine Zusatzkarte, welche die Abgabe von Farben von mir verlangt. Außerdem wird oft eine Fähigkeit gefordert, die ich zu einem gewissen Grad entwickelt haben muss. Beide Karten sind, sobald ich sie ausgewählt habe, miteinander verbunden und können nicht mehr getrennt werden. Allerdings kann ich die Zusatzkarte auch nur teilweise, oder auch gar nicht erfüllen. Dafür verzichte ich aber auf wertvolle Siegpunkte oder andere Belohnungen. Die Letter kann ich zu jederzeit im Spiel kaufen. Allerdings bezahlte ich für jeden neuen Letter immer einen Gulden mehr als für den vorherigen.

Zahnräder lege ich auf mein Tableau, um eine Sonderaktion zu erhalten, das können weitere Siegpunkte für bestimmte Aufträge sein, oder auch bestimmte Farbtropfen. Am Anfang jeder Runde werden die Zahnräder gedreht, somit seht mir dann wieder ein anderer Bonus zur Verfügung. Diese Bewegung muss ich natürlich auch beim Einsetzen der Zahnräder beachten, damit die gewisse Kombination von Boni auftreten.

Die Prestigekarten kann ich nur nehmen, wenn ich die entsprechende Bedingung erfüllt habe. Es kann sein, dass ich bestimmte Letter in meinem Vorrat haben muss, eine gewisse Fähigkeit vorweisen kann, oder ich muss wieder Farbtropfen abgeben. Dafür werde ich am Ende des Spiels mit ordentlich Siegpunkten belohnt.



AUTOR: Katarzyna Cioch, Wojciech Wiśniewski ■ ILLUSTRATIONEN: Rafał Szłapa
VERLAG: Granna ■ ERSCHEINUNGSJAHR: 2021

spieler

2-4 Spieler

alter

ab 10 Jahren

zeit

ca. 60 -120 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu BGG )


SPIELGEFÜHL

Erst einmal vorneweg: Gutenberg ist kein Expertenspiel! Das ist schon beim ersten Überfliegen der Regel klar. Viel mehr siedelt es sich zwischen oberes Familienspiel bzw. unteres Kennerspiel an. Da waren meine ursprünglichen Erwartungen zumindest nicht ganz gedeckt, auch wenn es erst einmal nicht schlimm ist.

Dieses macht sich auch im Spiel bemerkbar, denn Gutenberg verlangt von mir wenig echte Entscheidungen. Ich kann immer mit allem etwas anfangen und spiele um den Sieg mit, auch wenn ich gefühlt nie als erstes wählen darf.

Ein konstant belohnendes Gefühl ist natürlich lobenswert für ein Spiel, hier ist es aber fast egal was ich mache.

Natürlich gibt es ab und zu etwas vom Spielplan, was ich sehr gerne nehmen würde. In dem Fall biete ich entsprechend darauf und bekomme das, was ich brauche, jedoch gibt es in den seltensten Fällen echte Konkurrenz um die ausliegenden Karten. Es sind auch immer genug Karten für alle vorhanden. Das heißt, selbst wenn ich als letztes dran bin, bekomme ich immer etwas. Im schlimmsten Fall habe ich einfach nur keine Auswahl mehr.

Die einzige Ausnahme sind meiner Erfahrung nach die Prestigekarten. Diese bringen recht viele Punkte und sind sehr begehrt, da nicht genug für alle ausliegen. Vor allem gegen Ende des Spiels können sie fast alle erfüllen und dann überlege ich schon manchmal, ob ich vielleicht doch noch ein Klötzchen mehr für die Aktion hätte bieten sollen.

Trotz dieser Einschränkung funktioniert Gutenberg prinzipiell. Die Mechanismen sind alles andere als neu, aber greifen gut ineinander, sodass ein flotter Spielfluss entsteht.

Die einzige Pause in dem Spiel entsteht beim Bieten. Da wir jedoch alle gleichzeitig die Klötzchen setzen, entsteht keine richtige Wartezeit. Sechs Runden sind sehr schnell – gerne auch unterhalb der angegebenen 45 Minuten – vorbei. Ich habe mich auch immer in dieser Zeit unterhalten gefühlt. Ich freue mich, wenn ich Aufträge erfüllen kann, ich freue mich, wenn ich als erstes die Prestigekarten erfülle, und ich freue mich auch, wenn ich genau diese für mich wichtige Aktion als erster ausführen darf.

Besonders punkten kann Gutenberg beim Material. Die Letter sind aus Holz gefertigt und sogar in Spiegelschrift, sodass wenn ich sie als Stempel nutzen würde, der Buchstabe lesbar wäre (Mache ich natürlich nicht 😉 ). Das Spiel kommt auch komplett ohne Plastiktüten aus und wirbt damit sogar auf der Schachtel. Alle Materialien lassen sich wunderbar in den mitgelieferten Pappschachteln verstauen. Diese passen auch sehr gut in die Schachtel, dass die Komponenten, auch bei vertikaler Lagerung, gut sortiert bleiben.

Die einzige Materialschwäche sind die Zahnräder. Diese lassen sich sehr schwer mithilfe der mitgelieferten Holzzylinder am Spielertableau befestigen. Normalerweise drehen sich die anderen Zahnräder mit, wenn ich das obere drehe. Das ist jetzt bei Zahnrändern nicht sehr überraschend. Hier funktioniert das leider nicht so gut. Ich muss leider ständig nachjustieren und prüfen, ob die Zahnräder in der richtigen Position liegen.


Zusammenfassung

Gutenberg von Granna versucht mehr zu sein als es ist. Sei es durch die Kennzeichnung Expert, den großen Spielplan, oder die besonderen Komponenten. Aber leider bleibt am Ende des Spiels nicht viel mehr als ein Schulterzucken und ein „Ja, ganz nett“.

Aber das reicht bei der heutigen Flut an Neuheiten nicht mehr, um auf Dauer Bestand zu haben. Trotzdem bereue ich nicht es gespielt zu haben. In der Sammlung bleibt es aber nicht sehr lange.

  • Hochwertig produziert
  • Kaum Downtime
  • Man kann immer etwas machen
  • Fast belangloses Spielgefühl
  • Kaum echte Entscheidungen
  • Keine Innovation

Aus meiner Spielerperspektive: Gutenberg macht nicht wirklich was falsch, aber eben auch nichts richtig. Sicherlich wird es seine Zielgruppe haben, aber ich gehöre nicht dazu.

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