Home Jahr 2022 REVIEW | Rezension Brettspiel Framework

REVIEW | Rezension Brettspiel Framework

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Nach Nova Luna und Sagani ist nun mit Framework das dritte Spiel von Uwe Rosenberg mit ähnlichem Mechanismus erschienen. Auch, wenn das Spielprinzip ähnlich ist, kommen die Spiele doch teilweise sehr unterschiedlich beim Publikum an. Als Sagani erschien, wurden beide Spiele „in der Szene“ intensiv miteinander verglichen und es gab viele Pro und Contra-Betrachtungen. 

Bei uns war das Urteil klar: Während wir uns langsam der 300. Partie Nova Luna nähern, flog Sagani nach vier Partien aus dem Bestand und ich würde es auch nur ungerne wieder mitspielen, weil ich das eher negative Spielgefühl nicht mag. 

So unterschiedlich kann das mit „ähnlichen“ Spielen also sein… Nun ist – aller guten Dinge sind drei – Framework erschienen. Hop oder top – wie fällt denn hier das Urteil eines Nova-Luna-Fangirls aus?   

Carina Brachter


SPIELBESCHREIBUNG

Framework ist ein Plättchenlegespiel für zwei bis vier Personen, es kann aber auch solo gespielt werden. 

Wer an der Reihe ist, zieht ein Plättchen mehr als mitspielen aus dem Säckchen, darf das erste Plättchen wählen und erhält dann noch das Plättchen, das übrig bleibt. Dann geht es im Uhrzeigersinn weiter.

Viele der 120 Plättchen weisen einen, zwei oder drei Rahmen auf, die es in fünf unterschiedlichen Farben gibt. Ebenso gibt es Plättchen ohne Rahmen, auf denen unterschiedliche „Aufgaben“ zu finden sind oder Kombinationen, auf denen beides zu finden ist.

Die Aufgaben bestehen aus einer Farbe und einer Zahl, die anzeigt, wie viele Rahmenplättchen eine bestimmten Farbe an dieses Plättchen angrenzen sollen, damit die Aufgabe als erfüllt betrachtet werden kann. Ist eine Aufgabe erfüllt, darf man diese mit einem seiner Spielsteine abdecken. Die Besonderheit bei der Erfüllung der Aufgaben besteht darin, dass nicht nur direkt an das Plättchen grenzende Rahmen für die Erfüllung zählen, sondern alle Rahmen in einer angrenzenden Kette gezählt werden dürfen. 

Neben diesen ganz einfachen Aufgaben gibt es auch welche,

  • wo man aus zwei Rahmenfarben, die an das Plättchen grenzen sollen, auswählen darf, 
  • Aufgaben, die eine zeitliche Abfolge erfolgen (eine Aufgabe muss vor der anderen erfüllt werden) oder 
  • Aufgaben, bei denen zwei Rahmenfarben zusammengerechnet werden dürfen.

So entsteht dann eine immer größer werdende Auslage aus Rahmen und Aufgaben, auf der immer mehr Spielsteine eingesetzt werden. Das Spiel endet, wenn ein:e Spieler:in alle 22 Spielsteine in die eigenen Plättchenauslage eingesetzt hat oder der Beutel mit den Plättchen leer ist. Framework gewinnt dann, wer die meisten Spielsteine einsetzen konnte.



AUTOR: Uwe Rosenberg ■ ILLUSTRATION: Lukas Siegmon
VERLAG: Edition Spielwiese | Pegasus ■ ERSCHEINUNGSJAHR: 2022

spieler

1-4 Spieler

alter

ab 8 Jahren

zeit

ca. 30 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu )


SPIELGEFÜHL

Gelungener Einstieg

Wer keines der Vorgängerspiele und daher die Funktionsweise des Kettenbildens nicht kennt, könnte in der ersten Partie Framework von den Rahmen, Farben und Aufgaben ein wenig verwirrt sein. Die Spielanleitung tut aber ihr Möglichstes, hier deutlich und klar ersichtlich zu erklären, wie das Spiel funktioniert. Und die Regeln sind wirklich nicht üppig, sondern sehr übersichtlich und können auch neuen Mitspielenden sehr gut vermittelt werden. 

Hier hilft auch dieÜbersichtskarte mit den unterschiedlichen Aufgabenarten, die man nach der ersten Partie meist gar nicht mehr braucht. Für die erste Partie wird auch eine kürzere Kennenlernpartie empfohlen, die ebenfalls hilfreich sein könnte, wenn man das Spielprinzip noch nicht kennt.

Abstraktes darf auch abstrakt bleiben

Framework ist ein abstraktes Plättchenlegespiel, daher ist es vom Spielgefühl her ganz klar eine eher ruhige, grüblerische Atmosphäre, in die wir uns mit Spielbeginn begeben. Hier gibt es keine Story, noch nicht mal Flavourtext, aber bei abstrakten Spielen ist das meist eh Quatsch, wenn man das Spiel verzweifelt in ein Thema quetscht. Daher finde ich es bei Framework sehr ehrlich, dass man das gar nicht erst versucht hat.

Das Spiel bewegt sich dabei auf einem angenehmen Anforderungsniveau. Das Zusammenstellen lukrativer Ketten, das Vorausplanen und Anlegen der Plättchen, das Ausknobeln, in welche Richtung man die nächsten Reihen entwickelt, macht Spaß und überfordert nicht. Die Aufgabenstellungen finden auf einem sehr angenehmen fordernden, aber nicht überfordernden Niveau statt. Kommt ein wenig Übung hinzu, schadet das nicht und man kann immer mutiger planen und auch ein wenig taktischer spielen. Natürlich kommt immer wieder mit den aus dem Säckchen gezogenen Plättchen eine Glückskomponente ins Spiel, aber irgendwas lässt sich mit dem Angebot eigentlich immer anstellen.

Alle für sich

Jede:r puzzelt die verfügbaren Plättchen auch sehr solistisch und autark in seine eigene Auslage. Interaktion findet lediglich bei der Auswahl der Plättchen statt, die zu Beginn gezogen werden. Hier wird immer ein Plättchen mehr gezogen, als Spieler:innen teilnehmen, so dass der aktiv Ziehende immer zwei Plättchen erhält. Daher kann man sich begehrte Plättchen wegschnappen, aber mehr Fiesigkeiten kann man seinen Mitstreitenden auch gar nicht antun. In den ersten Partien ist man dann auch zu sehr mit seiner eigenen Auslage beschäftigt, dass man auch noch Rücksicht auf das nehmen könnte, was man seinen Mitspielenden verbauen kann.

In späteren Partien wird das dann realistischer, dass man auch mehr in die gegnerischen Auslagen schaut und einschätzt, welche Plättchen die anderen denn gut gebrauchen können – gerade wenn es Richtung Spielende geht – , aber so richtig interaktiv hoch hergehen wird es vermutlich nie.

Verwandtschaftsverhältnisse

Das Spielgefühl von Framework ist Nova Luna und Sagani ähnlich, aber es ist deutlich näher an Nova Luna. Wer Nova Luna kennt und mag, der sollte sich Framework daher unbedingt anschauen. Warum? Es bietet mehr Varianz.

Diese liegt zum Einen in den vier unterschiedlichen Aufgabentypen, die teilweise die Möglichkeiten der angrenzenden Rahmenfarben erhöhen, mit denen man Punkte erzielen kann. Zum Anderen bringen auch die Rahmenplättchen unterschiedliche Möglichkeiten. Dadurch, dass einige Plättchen zwei oder drei unterschiedliche Rahmentypen auf sich vereinen, sind Kreuzungen von Ketten möglich, die ebenfalls die Chance erhöhen zu punkten.

Da sieht man die Kette vor lauter Rahmen nicht mehr

Der Nachteil dieser unterschiedlichen Möglichkeiten liegt darin, dass man nicht mehr so deutlich erkennen und ablesen kann, wann man eine Aufgabe erfüllt hat. Bei Nova Luna sieht man schneller, welche Farbplättchen eine Kette ergeben und ob man mit dieser eine Aufgabe erfüllt hat. Bei Framework erwischt man sich sehr häufig beim Nachzählen der Rahmenketten. Sind es erst sechs oder bereits sieben aneinandergrenzende Rahmen? Kreuzt sich da etwas, muss ich beim Zählen noch abknicken? Nach zwei, drei Partien hat man dafür aber „ein Auge entwickelt“. Da geht das „Erkennen“ bereits deutlich flotter.

Ebenfalls nachteilig im Vergleich zu Nova Luna: Die Auswahl der Plättchen, die man für die eigene Auslage wählt, ist deutlich weniger planbar. Bei Nova Luna kann man – zumindest im Spiel zu Zweit – viel strategischer spielen und auch die Plättchenwahl steuern. Die bleibt bei Framework oft Glückssache…

Geduld, nur Geduld, das wird schon!

Bei Spielbeginn dauert es auch eine ziemliche Zeit, bis man seine ersten Aufgaben erfüllen und Spielsteine setzen kann. Bei Framework ist ein wenig Geduld gefragt und man hat schonmal so zehn, zwölf Plättchen vor sich liegen, bevor das punkten beginnt. Wer das mit den anderen beiden Spielen vergleicht, dürfte hier schon ungeduldig werden und sich fragen, ob da grundsätzlich etwas falsch läuft. Geht es dann aber los mit den Ketten, dann leppern sich die Punkte schnell und gegen Spielende kann sich schnell ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Sieg entwickeln.

Das Spiel endet oft recht knapp. Es kann dann entscheiden, wer als nächstes dran ist und das erste Plättchen zum Punkten nehmen darf. 

Rahmenspezialisten

Bei Framework ist es auch nicht unsinnig, sich auf bestimmte Rahmentypen zu spezialisieren und mit diesen lange Ketten zu bilden. Dann kann man auch bei der Plättchenauswahl schnell entscheiden, welche Aufgaben für einen selber punkteträchtig sein können und leichter seine Entscheidung bei der Auswahl treffen. 

Hin und wieder kommt es vor, dass die zu Beginn gezogenen Plättchen nur aus Aufgaben bestehen. Sind dort dann auch noch Aufgaben enthalten, mit denen man nichts anfangen kann, nimmt man den Eindruck eines wertlosen Spielzuges mit, weil man einen Platzverschwender unterbringen muss. Sehr oft geschieht das aber nicht. 

Und noch zum Material

Es ist hilfreich, dass die Rahmen nicht nur unterschiedliche Farben haben, sondern auch aus unterschiedlichen Materialien gestaltet sind – auf diese Weise steigt die Unterscheidbarkeit auch bei schlechteren Lichtverhältnissen. Als einfleischter „Blau“-Spieler vermisse ich die entsprechenden Spielsteine natürlich sehr und weiche auf Gelb aus. Sonst ist am Spielmaterial von Framework aber nichts zu bemängeln. Der Sack für die Plättchen ist groß genug, aber auch hier sollte man darauf achten, dass das Mischen der quadratischen Plättchen in eine solchen Sack nicht unbedingt optimal gelingen kann und bereits beim Aufräumen kann man darauf beachten, dass man die ausliegenden Ketten ein wenig gemischt in den Sack einräumt. 


Zusammenfassung

Framework ist ein abstraktes Plättchenlegespiele auf einem schön anspruchsvollen, aber nicht überforderndem Niveau. Die Auswahl der Plättchen, die je Runde zur Verfügung stehen, ist zwar ein wenig vom Glück gesteuert, aber das Einpuzzeln in die eigene Auslage erfordert eine Menge planerisches Geschick. Das macht Spaß und weiß zu unterhalten, auch, wenn beim Spiel jeder eher für sich bleibt und mit seiner eigenen Auslage beschäftigt bleibt.

Wer Nova Luna kennt und mag, findet mit Framework ein wenig mehr Varianz im Aufbau seiner Auslage bzw. in den Anforderungen der zu erfüllenden Aufgaben, wohingegen die Plättchenauswahl bei Nova Luna strategischeres Vorgehen möglich macht. Wer es noch nicht kennt, sollte direkt mit Framework einsteigen.

Wer die anfänglich ggf. auftretende optische Überforderung bei Framework überwunden hat, findet hier eine Herausforderung, die sich durch die Varianz der Plättchen und Aufgaben immer wieder neu gestaltet. 

  • Schönes Spielmaterial mit schönen großen Plättchen 
  • Reduziertes Regelwerk, gut erklärt, einfach zu vermitteln
  • Schöne Spiellänge mit wenig Downtime – passt für jede Spieleranzahl – auch solo
  • Glückskomponente beim Plättchenziehen – kommen nie die benötigten Rahmen oder bleiben einem immer nur Aufgabenkarten, kann das frustrieren
  • Wer bereits Nova Luna hat, muss schauen, ob genügend Fan-tum vorhanden ist, um mit Framework aufzusatteln
  • Wer Thema oder Story braucht, sollte die Finger davon lassen

Aus meiner Spielerperspektive: Nova Luna ist unser meistgespieltes Spiel – vermutlich hat niemand dieses Spiel so oft gespielt wie wir. Die ganze Pandemie hindurch war es unser Wochenende-Frühstücks- oder Abends-mal-eben-auf-dem-Balkon-Spiel. 

Im Moment hat es sich ein wenig Erholung verdient, denn die kleine Schwester ist oft auf dem Spieltisch zu Gast. Framework hat halt die ein oder andere Varianz mehr und daher im Moment bei mir die Nase vorn. Es bringt ja auch den Reiz des Neuen mit. Ich bin gespannt, wie sich das langfristig entwickelt. 

Zweite Meinung: Christoph

Framework ist ein nettes Tüftelspiel mit kurzer Spieldauer.

Ich finde Framework durchaus gelungen. Insbesondere in der Vollbesetzung. Zu viert würde ich Framework sogar dem sehr guten Nova Luna vorziehen, weil die Downtime einfach kürzer ist und die Züge schneller gehen.

Zu Zweit darf es dann doch der große Bruder sein, weil ich die taktischen Raffinessen dort mehr bevorzuge.

Am Material habe ich einzig zu bemängeln, dass rot und braun farblich doch zu nach beieinander liegen. Dieses empfand ich gerade in den ersten Zügen etwas schwerer. Wenn sich dann das Bild einmal ergeben hat, ist es über die Fläche deutlich einfacher, die beiden Farben auseinanderzuhalten.

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