Review: Architekten des Westfrankenreich

Aufs richtige Timing kommt es an

Nach den Räubern der Nordsee geht es nun in diesem Workerplacementspiel ins achten Jahrhundert nach Christus. Und es ging zu den damaligen Zeiten nicht gerade zimperlich zu. Während in der heutigen Zeit der Zoll sich um die Einhaltung der Arbeitsschutzregeln oder bestimmte Regulierungsbehörden sich um den gerechten Wettbewerb kümmert, so dürfen wir bei den Architekten des Westfrankenreichs schon mal selbst Hand anlegen und sich zu stark ausbreitende Konkurrenz gefangen nehmen. Bestenfalls werden wir sogar noch finanziell belohnt, wenn wir entsprechend in das Wirtschaftsleben eingreifen.


Das Spiel

Die Architekten des Westfrankenreichs sind ein klassisches Workerplacementspiel. Jeder Spieler verfügt über 20 Arbeiter, die er reihum auf einem Spielplan mit verschiedenen Aktionsmöglichkeiten einsetzen kann:

  • Ressourcen: Wald (Holz), Bergwerk (Ziegel/Gold), Steinbruch (Stein) und Silberschmiede (Geld)
  • Schwarzmarkt: Einnahmen bzw. Karten wie in den drei Bereichen angegeben
  • Königliches Lager: Eintauchen von Ressourcen gegen Marmor und Tugend
  • Werkstatt: Anwerben von Lehrlingen bzw. Erwerb von Gebäudeplänen
  • Zunfthalle: Bau von Gebäuden bzw. Bau an der Kathedrale (gleichzeitig auch der Spieleranzahlvariable Endemarker)
  • Steueramt: Entnahme der Steuerkasse gegen
  • Marktplatz: hier kann ich meine eigenen Leute zurückholen, um sie wiedereinzusetzen und / oder andere Arbeiter von Mitspielern gefangen nehmen
  • Wachhaus: In Haft setzen von Gefangenen (gegen Geld), Auslösung eigener Arbeiter oder Schuldschein bezahlen

Reihum setzen wir nun unsere Arbeiter ein. Das Besondere ist hierbei, dass wir beim Einsatz eines Arbeiters auf ein Feld, auf dem schon ein oder mehrere Arbeiter von uns stehen, mehr Ressourcen bekommen bzw. mehr Aktionsmöglichkeiten haben.

Ziel ist es Siegpunkte i.W. durch den Bau von Gebäuden und Kathedralen zu bekommen. Hierzu sind Lehrlinge sowie Ressourcen notwendig. Clou ist der Marktplatz, bei dem ich eigene Arbeiter zurückholen aber auch gegnerische Arbeiter gefangen nehmen kann.

Das Spiel endet nach einer bestimmten Zahl von Bauten (abhängig von der Anzahl Spieler).


Autor: Shem Phillips, S J Macdonald • Grafiker: Mihajlo Dimitrievski
Verlag: Garphil Games | Schwerkraft • Jahr: 2018

spieler1-5 Spieler • alterab 12 Jahren • zeitca. 60-80 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu Schwerkraft)


Spielgefühl

Die Architekten des Westfrankenreichs ist ein klassisches Workerplacementspiel. Wir haben 20 Arbeiter, die wir einsetzen, um Ressourcen zu generieren. Diese nutzen wir, um verschiedene Gebäude sowie eine Kathedrale zu bauen. Das können wir nicht alleine, sondern bemühen uns verschiedener Gehilfen, die wir anwerben müssen.

Das wäre alles null-acht-fünfzehn, wenn in dem Spiel nicht doch ein paar Kniffe eingebaut wären, die das Spiel zu einem besonderen werden lassen. 

Da wären zu nennen:

  • die unheimlich schnelle individuelle Spielfrequenz mit sehr geringer Downtime. Das kann aber auch für den ein oder anderen in Stress ausarten. 😉
  • der tolle Mechanismus, dass ich Spielfiguren kumulierend einsetze und davon in späteren Zügen profitiere
  • der Einsatz der „Ressource“ Tugend als interessanter Nebenschauplatz im Spiel
  • das Gefangennehmen von anderen Arbeitern, zur Regulierung der Zugänge zu Aktionen bzw. Geldbeschaffung, bringt Interaktion in das Spiel, auch wenn es kaum Wettkampf um die Ressourcen gibt, 
  • dazu kommt ein großes Bündel an Lehrlingen und Gebäuden, die das Spiel sehr variabel machen
Gefangen nehmen

Auch wenn es eine Menge Ideen gibt, das Workerplacementspiel neu zu erfinden, ist es nicht zwangsläufig so, dass ich die oben beschriebenen Bestandteile nutzen muss. Die Gefangennahme ist z.B. nicht jedermanns Sache, da es dem ein oder anderen widerstrebt, konfrontativ im Spiel zu sein. Gleichzeitig bedarfs es des richtigen Timings, um die Arbeiter gefangen zu nehmen. Zu früh, lohnt es sich nicht, zu spät, kann es den Mitspielern den Zugang zu Ressourcen ermöglichen, die in zu großen Mengen uns auch nicht lieb sein dürften.

Noch ein Wort zum Zugang: Vielfach habe ich bei meinen Mitspielern viele Fragezeichen gesehen, wenn ich ihnen das Spiel erklärt habe. Das hatte weniger mit der Qualität meiner Erläuterung zu tun, sondern vielmehr mit der Vielzahl der Möglichkeiten. Aber nach wenigen Runden ist das Räderwerk verstanden und die Fragezeichen weggewischt.

Aufgrund der schnellen Spielweise spielt sich das Spiel in den meisten Spielkonstellationen gleich gut. Auch wenn ich Partien mit 3-4 Spielern bevorzugen würde. Solo ist das Spiel auch spielbar. Allerdings bin ich kein Fan mit Bots zu spielen.

Positiv finde ich auch den Appendix. Denn sind die Regeln einmal verstanden, benötigt man maximal nur noch die Erläuterungen zu Gebäuden und Personen, wenn diese nicht eh schon aus der gut gemachten Symbolik hervorgehen.

Achtung: die Metallmünzen sind ein Add-On.


Kurzfazit: Wer Workerplacementspiele mag und sich dabei von einigen neuen Kniffen überraschen lassen will, ist bei Die Architekten des Westfrankenreichs richtig. Dazu kommt eine sehr schnelle Spielzeit mit geringer Downtime, die das Spiel zu einem rasanten „Lückenfüller“ am Spieleabend macht.

  • Schöne Weiterentwicklung des Workerplacementspiels
  • Sehr schnell zu verstehen. Leicht zugängliche Symbolik
  • Extrem schnelle Spielzeit von 60 Minuten (im eingespielten Zustand) mit wenig Downtime.
  • Durch die Lehrlinge, Gebäude aber auch (bei Bedarf) asymmetrischen Charaktere ist eine hohe Varianz im Spiel

 

  • Man muss das Gefangennehmen nicht unbedingt einsetzen. Dann verliert das Spiel aber seinen Reiz.

 

 

Mich haben die Architekten des Westfrankenreichs überzeugt. Es ist trotz der Fülle an Möglichkeiten schnell zu lernen. Selbst geübte Familienspieler dürften mit dem Spiel klarkommen. Durch die schnelle Spielzeit passt es perfekt in einen längeren Spieleabend.

Dazu spielt es sich rasend schnell. Wer durch Wartezeiten zwischen seinen Zügen genervt ist, wird sehr positiv angetan sein, da die einzelnen Züge sehr schnell gehen. Man muss jedoch auch sagen, dass sich der Reiz des Spiels erst dann richtig entfaltet, wenn man konfrontativ (d.h. mit der Gefangennahme der gegnerischen Arbeiter) spielt.


 

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5 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo,
    so grundsätzlich hat uns das Spiel (in bisher zwei Partien) auch gut gefallen. Vor allem das schnelle Spieltempo und die Varibilität durch Lehrlinge und Gebäude fanden wir gut.
    Allerdings erschien uns das Bauen an der Kathedrale als nicht besonders lukrativ, bringen die Gebäude doch teilweise richtig fette Siegpunkte. Die Gebäude fanden wir teilweise nicht gut ausbalanciert und mit zu vielen Siegpunkten belohnend.
    Diese von uns so empfundene Unausgewogenheit führte in der zweiten Partie zu einem unbefriedigenden Nachgeschmack.
    Hattet ihr dieses Gefühl auch oder hatten wir einfach Pech mit der Gebäudeauswahl?

    • Hallo Michael,

      du hast recht, das Thema Kathedrale hätte ich noch ergänzen sollen. Die Kathedrale lohnt sich insbesondere, wenn man sich entscheidet den Bau intensiv zu unterstützen. Gepaart mit einigen Lehrlingskarten ist es dann wirklich mehr als nur eine Überlegung wert.
      Das mit den Gebäuden kann ich nur bedingt nachvollziehen. Ja es gibt das ein oder andere stärkere oder schwächere Gebäude. Aber ich habe i.d.R. genügend Auswahl auf der Hand. Dazu muss ich bei der Kathedrale auch die ein oder andere grüne Karte loswerden.

      Grüße

      Christoph

  2. Hallo,
    aktuell gehört es zu meinen Lieblingen in der Kategorie Workerplacement. Hab es nun einige Male gespielt und verschiedene Strategien gesehen. Ein Mitspieler hat auch ohne Gefangennahme gespielt und gewonnen.
    @Michael
    Bisher war es so das man ohne Kathedrale zwar gut voran kommt, aber man darf sie trotzdem nicht vernachlässigen. Alle Runden die ich bisher gespielt habe wurden mit der Kathedrale gewonnen. Ich glaube das deiner und meiner Spielrunde einfach die nötige gegen Strategie fehlte

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