Wisst Ihr eigentlich, dass Eichhörnchen gerne flächendeckend ihre Wintervorräte – Samen, Bucheckern und natürlich Nüsse – rund um ihren Kobel verstecken, später aber nur 20 bis 30 Prozent davon wiederfinden?
Im Kinderspiel Mission Haselnuss macht Eddie, das Eichhörnchen, genau das: alle seine gesammelten Haselnüsse verstecken. Er hat dabei jedoch eine sehr weite Strecke zurückgelegt. Daher muss er für den langen Heimweg wieder einige seiner Nüsse als Proviant aufbrauchen.
Wir als Spielende haben die Aufgabe, kooperativ einen Rückweg zu finden, den Eddie möglichst wenig Nüsse seines Wintervorrats kostet.
Tanja Mrosek

Vor uns liegt ein Spielplan, den wir am Anfang aus einem Waldrand und zwei Waldteilen zusammensetzen. Auf diesem sind Baumkronen von oben zu erkennen. Sie stehen alle sehr nah beieinander und ihre Äste verbinden die einzelnen Bäume zu einem Wegesystem.
Wir starten mit der Spielfigur am unteren Rand des Plans und möchten den oberen Rand erreichen, wo ein 3D Baum mit Nest auf die Ankunft des Eichhörnchens wartet.
Eddie leiten wir mit Haselnusskarten durch den Wald. Auf der Vorderseite der Karten sind verschiedene Gebiete abgebildet, die sich farblich unterscheiden. Die Farbgebung gibt die Zugrichtung vor. Die blauen Seekarten symbolisieren die nördliche Himmelsrichtung. Karten, auf denen eine Wiese abgebildet ist, schicken uns in den Osten des Spielplans. Das rote Blätterdach des Baumes, der in seiner vollen Pracht an den berühmten Indian Summer erinnert, wiederum nach Westen. Die Rückseite jeder Karte zeigt eine große Haselnuss, diese stellt die Kosten für das Legen der Karte dar.
Wie so oft in kooperativen Spielen dürfen wir die Route jedoch nicht über einen offenen Austausch planen, sondern müssen eine Karte vom Nachziehstapel ziehen, sie verdeckt anschauen und sie dann auf eines der sieben Einsatzfelder der Aktionstafel ablegen. Dies geschieht reihum, bis alle Plätze besetzt sind.
Dann werden alle abgelegten Karten von links nach rechts aufgedeckt und die Spielfigur bewegt sich genau nach diesem vorgegebenen Muster vorwärts.
Wird eine Karte aufgedeckt und die Spielfigur kann nicht in diese Richtung bewegt werden, müssen wir eine zusätzliche Karte als Strafe vom Stapel abwerfen.
So lotsen wir das Eichhörnchen Runde für Runde durch den Wald, mit dem Ziel, den Baum mit dem Nest zu erreichen – und zwar bevor die Haselnüsse vom Nachziehstapel verbraucht sind.
Spielregeln (ext. Link zu )


Eichhörnchen in Spielen gehen eigentlich immer, denn meist bewegen sich tagtäglich ein bis zwei Eichhörnchen im kitaeigenen Außengelände von Baum zu Baum und wecken bei Kindern und Erwachsenen sofort die absolute Aufmerksamkeit. Daher war die thematische Einbettung von Mission Haselnuss zur Erklärung des Spiels ideal: Allen Kindern war schnell klar, was zu tun ist: Eddie schnell nach Hause zu bringen und mit guten Vorräten über den Winter zu retten!
„Easy to learn, hard to master” passt bei Mission Haselnuss allerdings wirklich sehr gut. Denn es ist gar nicht so einfach für die gezogene Karte, die richtige Position auf dem Einsatzfeld zu wählen. Jedem Kind war durch die farbliche Darstellung der Karten und dem dazu passenden Waldrand schnell klar, in welche Richtung später die Spielfigur ziehen würde. Doch durch das verdeckte Ablegen der Karten und das absolute Redeverbot ist es gerade in den ersten Partien für die Kinder schwer, einzuschätzen, welche Karten die anderen Kinder gelegt haben könnten und wo sie jetzt ihre hinlegen sollen.
In Mission Haselnuss muss man das Handeln der anderen Mitspielenden gut beobachten und sich fragen, warum die gerade gelegte Karte vielleicht ganz vorne, in der Mitte oder hinten positioniert wurde. Und das ist eine Spielmechanik, die erprobt und erlernt werden muss. Daher hat sich Eddie in den ersten Partien geradezu verlaufen, lief im Kreis oder nur vor und zurück. Am Ende verlor er alle Nüsse beim Umherirren im Wald, ohne auch nur in die Nähe seines Kobels zu gelangen.
Die Lernkurve ist daher je nach Gruppe lang und hart, aber es wurde in den meisten Runden weitergespielt, obwohl frustrierende Erfahrungen gemacht wurden. Und anschließend wurde noch ein weiterer Versuch gewagt, Eddie glücklich zu machen und schnell nach Hause zu bringen. Mal um Mal legten die Kinder Karten mit mehr Bedacht aus und versuchten Rückschlüsse zu ziehen, weshalb Mitspielende Karten an bestimmte Positionen gelegt haben. So kam Eddie dann doch irgendwann ins Ziel, mit mehr oder weniger Nüssen.
Als weitere Schwierigkeit kommt hinzu, dass einige Wege nur mit einer Sprungkarte zu überwinden sind. Es existiert an manchen Stellen auf der Auslage keine direkte Verbindung durch Äste zwischen den Bäumen. Landet man hier während der Laufphase und hat keine Sprungkarte aufgedeckt, muss man wieder einen Umweg in Kauf nehmen. Dies führt manchmal schneller zur Niederlage als gedacht und da kann sich das Spiel schnell mal wie Arbeit anfühlen.
Zum Glück gibt es auch ein paar Jokerkarten, die es uns ermöglichen, in eine beliebige Richtung zu gehen und uns das Vorankommen etwas erleichtern.
Es ist immer sehr von der Gruppe abhängig, wie sich der Spielprozess entwickelt. Einige Kinder sind frustriert oder genervt und verlieren die Lust, wenn sie einfach nicht vorankommen. Andere fühlen sich herausgefordert und spielen, bis sie es endlich gemeinsam schaffen.
Ganz ohne Absprachen oder Tipps wurde übrigens so gut wie nie gespielt. Es wurde nicht offen gespielt, aber schon häufig darüber gesprochen, welche Karten in der Auslage Sinn machen würden. Durch die drei verschiedenen Waldteile, die doppelseitig bedruckt sind, entsteht in jeder Partie ein anderer Weg durch den Wald. Abwechslung ist also garantiert.
Die Illustrationen mit den schönen Herbstfarben gefallen mir sehr gut, Sie sind ansprechend und stimmungsvoll und kommen auch bei den Kindern gut an.


Mission Haselnuss ist ein optisch ansprechendes kooperatives Spiel. Die thematische Einbettung motiviert die Kinder sehr, das Eichhörnchen Eddie schnell ins Ziel zu bringen. Je nach Gruppe kann es sehr viel Spaß machen, aber auch für großen Frust sorgen, wenn man nicht von der Stelle kommt. Das Spiel bietet eine steile Lernkurve, denn die Aufgabe, nicht miteinander kommunizieren zu dürfen, ist für Kindergartenkinder noch ganz schön herausfordernd. Ganz ohne Kommunikation wurde es in der Kita dann auch meistens nicht gespielt. Ein paar Tipps oder vage Absprachen, wo welche Karten Sinn machen würden, hat man dann doch besprochen.
Ich denke daher, dass es als Familienspiel mit etwas älteren Kindern besser umsetzbar und auch reizvoller ist, als mit Vorschulkindern in der Kita.

AUTOR: Leo Colovini
ARTIST: Mélanie Bardin (Seppyo)
VERLAG: Pegasus
ERSCHEINUNGSJAHR: 2025
2-5 Spielende
5 Jahre
20 Min.







