AllGo ist seit letztem Jahr auf verschiedenen Brettspielmessen unterwegs.
Grund genug, sich mit zwei der drei Inhaber zu treffen und ein Interview zu führen.
Firmendaten
AllGo Games
Sébastien Albert-Gondrand
Claudia Schrapel
Sitz in Hainburg
Interview mit AllGo Games – über Gründung und den Traum vom eigenen Verlag
Brettspielbox: Claudia und Sébastien, stellt euch und AllGo-Games bitte zunächst kurz vor.
Wir sind AllGo-Games – ein kleiner Verlag, bestehend aus zwei Leuten: Claudia (45) und Sébastien (47). Wir leben und arbeiten in Hainburg, Hessen. Sébastien stammt gebürtig aus Nîmes in Südfrankreich, lebt aber schon seit über 25 Jahren in Deutschland. Das erklärt auch ein bisschen, warum uns der französische Spielemarkt so am Herzen liegt. Unsere ersten eigenen Titel haben wir 2025 in Essen vorgestellt, seitdem wächst unser Programm stetig, von Kinderspielen über Familienspiele bis hin zu Kennerspielen.
Brettspielbox: AllGo-Games begann als Onlineshop und ist inzwischen zusätzlich ein Brettspielverlag. Wie kam es zu diesem Schritt?
Der Verlag war eigentlich von Anfang an das Ziel. Immer wenn Sébastien seine Familie in Nîmes besucht hat, sollte er auf Claudias Bitte im örtlichen Spieleladen nach Neuheiten schauen. Daraus entstand die Idee, diese Spiele nach Deutschland zu bringen – wir wollten Spiele vom französischen Markt für den deutschen Markt lokalisieren. Der direkte Draht zu den französischen Verlagen war aber gar nicht so leicht zu bekommen – also sind wir erstmal mit einem Onlineshop gestartet und haben nach und nach immer mehr Einblick in die Branche bekommen.
Brettspielbox: Ihr kanntet den Brettspielmarkt bereits aus der Perspektive des Handels. Welche Vorteile hat euch diese Erfahrung beim Aufbau des Verlages gebracht?
Ehrlich gesagt nicht wahnsinnig viele; die Zeit zwischen Onlineshop und Verlagsgründung war einfach zu kurz dafür. Was uns aber definitiv geholfen hat: Wir kannten schon viele Spiele auf dem aktuellen deutschen Markt, und das ist bei der Auswahl, was man lokalisieren möchte, natürlich sehr wertvoll.
Brettspielbox: Neben dem Verlag betreibt ihr auch einen Onlineshop. Wie greifen diese beiden Bereiche bei euch ineinander?
Der Onlineshop bringt uns tatsächlich weniger direktes Feedback, als man vielleicht denkt. Bei der Vielzahl an Anbietern ist es schon eine Herausforderung, sich am Markt überhaupt sichtbar zu machen. Dafür ist er für uns eine wichtige Plattform, um unsere eigenen Spiele anzubieten und Bekanntheit aufzubauen. Ganz anders sieht das seit März 2026 mit unserem Ladengeschäft aus: Die Leute freuen sich sichtlich über einen Laden vor Ort, können Spiele direkt ausprobieren und bekommen durch Testspiele sogar einen echten Einblick ins Verlagsleben. Und er verschafft uns zahlreiche Testspieler:innen. Diese beiden Bereiche ergänzen sich gut – der Shop sorgt für Reichweite, der Laden für die direkte, persönliche Nähe.
Brettspielbox: Nach welchen Kriterien entscheidet ihr, ob ein Spiel zu AllGo-Games passt und ihr es für den deutschsprachigen Markt lokalisieren möchtet?
Erstes Kriterium: Gefällt uns die Optik, gefällt uns die Mechanik und wie ’neu‘ ist der Kern des Spiels wirklich? Gibt es schon viele ähnliche Spiele auf dem Markt, oder bringt es tatsächlich etwas Eigenes mit?
Am Anfang waren wir von vielen Spielen, die wir im Ausland gespielt haben, sofort begeistert und hätten sie am liebsten alle lokalisiert. Mit der Zeit haben wir aber gelernt, dieser ersten Euphorie nicht direkt zu verfallen, sondern genauer hinzusehen. Spiele sind schließlich Geschmackssache – jeder sieht das anders. Deshalb organisieren wir unterschiedliche Testrunden, um möglichst ehrliche und vielfältige Meinungen zu bekommen. Es gab schon Spiele, die wir selbst großartig fanden, die bei unseren Testspieler:innen aber nicht so gut ankamen und auch umgekehrt. Dann überdenken wir unsere eigene Einschätzung nochmal und nähern uns dem Spiel mit einer anderen Sichtweise erneut.
Brettspielbox: Mit welchem eurer bisherigen oder kommenden Spiele verbindet ihr persönlich am meisten – und warum gerade mit diesem?
Schwer zu sagen – wir lieben alle unsere Spiele, sonst würden sie nicht unter unserer Marke erscheinen. Aber Space Aztecs hat für uns eine besondere Bedeutung: Es war das erste Spiel, das wir aus dem französischen Laden mitgebracht und dann tatsächlich lokalisiert haben. Niwashi kam kurze Zeit später dazu. Es war ein besonderer Stolz, das erste Spiel mit unserem eigenen Logo in den Händen zu halten und in diesem Moment zu realisieren: Wir sind jetzt wirklich ein Brettspielverlag.
Es gibt viele kleine, besondere Brettspielverlage da draußen, und wir sind sicher, dass sie alle dieses Gefühl kennen.
Brettspielbox: Was gehört für euch zu einer guten Lokalisierung? Wo endet die Übersetzung und wo beginnt für euch bereits redaktionelle Arbeit?
Für uns als Verlag ist eine gute Zusammenarbeit mit dem Originalverlag und den Autor:innen entscheidend. Da gibt es durchaus Unterschiede, aber man wächst Projekt für Projekt gemeinsam rein.
Wenn es möglich ist, übersetzen wir aus zwei Sprachen: Sébastien aus dem Französischen, Claudia aus dem Englischen. Anschließend gleichen wir beide Versionen miteinander ab und schon dabei fallen uns manchmal Unterschiede in den Regeln auf.
Die redaktionelle Arbeit ist dabei extrem wichtig, das haben wir bei unserem jüngsten Projekt Villa Panda besonders gemerkt. Der Originalverlag stammt aus Chile, und die spanischen Regeln hatten es für die Übersetzung ganz schön in sich.
Wir haben viel Mühe in die Übersetzung investiert, trotzdem bleibt die eine oder andere Frage bei den Spieler:innen offen. Das macht uns natürlich etwas traurig, wenn es Unklarheiten gibt, aber wir lernen daraus und werden künftig noch mehr in die redaktionelle Arbeit investieren.

Brettspielbox: Euer Programm wächst bereits deutlich. Gibt es ein bestimmtes Profil, für das AllGo-Games künftig stehen soll?
Ein festes Profil im Sinne von Zielgruppe oder Komplexität wollen und können wir gar nicht bedienen. Wir veröffentlichen, was uns gefällt und wofür wir stehen können, egal ob Kinderspiel oder Kennerspiel.
Am wohlsten fühlen wir uns im Bereich Familien- und Kennerspiel. Und weil wir selbst typische Zwei-Personen-Spieler sind, kommen bei uns Spiele, die auch zu zweit richtig gut funktionieren, besonders häufig ins Programm.
Brettspielbox: Was war bisher die größte Herausforderung beim Aufbau des Verlages – und was hat euch positiv überrascht?
Große Herausforderungen gibt es einige: der Zeitdruck rund um Messen und Termine, der Vertrieb, Bekanntheit zu erlangen als kleiner Verlag in einem Markt mit vielen Anbietern …und für Claudia die Fremdsprache, also auf Englisch zu kommunizieren. 😉
Positiv überrascht hat uns vor allem, was für eine tolle Branche das ist. Man trifft viele tolle Leute und knüpft klasse Kontakte. Ein schönes Beispiel: Michael von Papierspiele hat uns letztes Jahr in Essen beim Aufbau geholfen, obwohl er uns vorher gar nicht kannte. Die Kundschaft überrascht uns immer wieder positiv: diese strahlenden Augen, wenn jemand ein Spiel entdeckt, das genau passt. In diesem Bereich zu arbeiten ist einfach richtig schön.
Brettspielbox: Wenn wir uns in drei Jahren noch einmal unterhalten: Was sollte sich bei AllGo-Games bis dahin entwickelt haben?
Wir wünschen uns, dass AllGo-Games dann ein fester Name in der Branche ist – mit einem tollen, vielfältigen Spieleangebot, hinter dem wir zu hundert Prozent stehen.
Brettspielbox: Vielen Dank für das offene Gespräch – und alles Gute für die Zukunft!
LINK
- Homepage AllGo Games
Wer noch weitere Interviews aus der Reihe lesen möchte:
Interviewreihe „junge Verlage“
Bereits in der Reihe „junge Verlage“ erschienen:
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