Im Brettspiel Wuselige Wiesen begegnen uns zahlreiche wuselige Wesen – neben eher realen Bienen und Kolibris sind das blaue, grüne und braune Wiesengeister, die sich in unserem Garten aber nur blicken lassen, wenn wir deren besondere Wünsche erfüllen können.
Dieses Thema, dieses Spiel – es scheint sich ein wenig zu Frosted Games verlaufen zu haben. Zumindest ich hätte es dort erstmal nicht erwartet. Aber ist doch prima, dass der Verlag mal ein Naturthema-Spiel für mich im Angebot hat. Da musste ich doch gleich mal einen genaueren Blick riskieren…
Carina

In Wuselige Wiesen gestalten wir vor uns einen Garten, der möglichst viele Tiere und Wiesengeister anlocken soll.
Dazu wählen wir in jeder Runde ein Plättchen aus einer Auslage von 3 und legen es entweder an unser Startplättchen oder später angrenzend an ein anderes an. Auf jedem Plättchen sind unterschiedlich farbige Beete und manchmal auch ein Teich abgebildet.
Schaffen wir es, mindestens 3 gleichfarbige Beete angrenzend zu platzieren, erschaffen wir ein „nektarreiches Feld“ und locken damit eine Biene an, die wir auf dem Feld positionieren. Haben wir bereits gleichfarbige nektarreiche Felder erschaffen, erhalten auch diese eine weitere Biene. Auch Kolibris können wir anlocken. Sie dürfen wir auf ein Plättchen platzieren, sobald alle Beete auf diesem Plättchen zu einem nektarreichen Feld gehören. Und weitere Kolibris fliegen herbei, wenn drei Plättchen mit Kolibri in einer Reihe oder Spalte aneinandergrenzen.
Neben den Tieren können wir auch Waldgeister anlocken. Es gibt drei Sorten davon und zu jeder liegt eine Karte aus, die vorgibt, unter welchen Bedingungen uns so ein Geist mit seinem Besuch beehren wird. Bauen wir beispielsweise diagonal aneinandergrenzende Teiche, kommt der Wassergeist zu uns. Oder schaffen wir eine Reihe aus Pilzsymbolen, die auf Beeten abgedruckt sein können, kommt der braune Pilzgeist zu Besuch. Zu jeder der drei Geistsorten, können wir zu Spielbeginn aus vier Karten auswählen.
Ist unser Zug vorbei, füllen wir die Auslage wieder auf und der nächste Mitspielende ist an der Reihe. Haben wir 12 Plättchen in unseren Garten gespielt, endet das Spiel. Wer die Mehrheit bei den Waldgeistern hat, erhält noch weitere zwei der Sorte hinzu. Danach werden alle Bienen, Kolibris und Waldgeister gezählt. Wer die meisten Punkte erzielen konnte, gewinnt Wuselige Wiesen.
Brettspiel Regeln
Spielregeln (ext. Link zu Frosted Games)


Ein zuckersüß gestaltetes Spiel, Farben, die leuchten wie bunte Cupcakes und niedliche kleine Bienchen und Kolibris als bunte Holzfigürchen. Ein typisches Spiel von Frosted Games – will ich meinen… Okay, das war ein Scherz! Ich habe mir ein wenig die Augen gerieben, als ich die Ankündigung des Verlages gesehen habe, denn das Spiel ist in meinen Augen völlig untypisch für den Verlag. Aber letztendlich ist es mir egal, wo ein Spiel erscheint, wenn es doch so viele Knöpfe bei mir drückt wie Wuselige Wiesen. Zugängliches Spiel mit Naturthema und Plättchenlegemechanik. Da bin ich doch sofort dabei!
Easy to learn, hard to master!
Und Wuselige Wiesen hat mich nicht enttäuscht. Was wir tun sollen, ist schnell erklärt, gut vermittelbar und leicht gelernt. Und dabei wollen wir uns möglichst schlau anstellen und das Optimum aus dem Spiel herausholen – und das kann einen ganz schön fordern! Diese Herausforderung erleben wir auf unterschiedlichen Wegen:
Der erste hat mit der Optik des Spiels zu tun und damit, den Überblick zu bewahren. Bei den ersten Partien macht das Spiel seinem Namen alle Ehre und vor lauter Zeug vor einem in dieser Gartenauslage verliert man bisweilen die Orientierung. 13 Plättchen mit jeweils vier Beeten in 5 möglichen Farben sowie Teichen und zahlreiche Figuren in weiteren 5 Farben – das kann in den ersten Partien zum optischen Overkill führen. Man lernt aber schnell, sich zu orientieren, und in Partie zwei und drei stellt das normalerweise kein Hindernis mehr dar.
Da kommt auch noch eine Biene hin!
Dennoch passiert es in jeder Partie, dass man das Einsetzen einer oder sogar mehrerer Figuren übersieht oder verpasst. Es sollte für alle Beteiligten selbstverständlich sein, dass man das dann nachholen darf. Ich hätte mir gewünscht, dass das in der Spielregel klargestellt wird, denn diese Frage wird fast immer gestellt: Darf man das denn? Ja, ich finde schon, denn es passiert jedem Mal. Und anfangs sollten sich alle Personen am Tisch dabei auch gegenseitig unterstützen, anzuzeigen, wo eine Figur hingehört. Das hilft sehr dabei, das Auge zu trainieren.
Eine weitere Herausforderung besteht aber auch spielerisch: Man will doch möglichst viel gleichzeitig erfüllen und erreichen und zudem immer das Optimum rausholen. Ein Zug, in dem man „nur“ eine Figur in seinen Garten einsetzen kann, fühlt sich an wie ein verlorener Zug. Zwei oder drei Figuren sollten es schon sein, sonst fühlt man sich gleich als Looser.

Einfach hübsch
Einfacher Spielablauf, zugängliche Regeln und viele Möglichkeiten – das ist die charmante Mischung, die Wuselige Wiesen also ausmacht. Gekrönt wird das Ganze noch durch die herrlich einfache Auswertung, da einfach jede Figur einen Punkt zählt und keine anderen Dinge mehr – außer ganz kurz die Mehrheit bei den Waldgeistern – ausgewertet werden müssen. Das geht denkbar einfach und schnell.
Und charmant ist auch die gesamte Ausstattung: Die kleinen Holzfiguren sind toll gestaltet. Die Bienen sehen zwar ein wenig nach Oktopus aus und die Kolibris fallen immer auf den Schnabel, falls man sie hinstellen möchte. Aber reizend sind sie schon, nur nichts für dicke Finger. Ein wenig empfindlich sind die Füßchen der Wiesengeister, da bricht leider schonmal der ein oder andere ab. Dafür punktet aber wiederum die optimal kleine Spielschachtel sowie der wertige und schön gestaltete Beutel für die Plättchen.
Wiesengeister
Leider gibt es beim Verständnis der Karten, auf denen die Regel für die Wiesengeister erklärt werden, schonmal kleinere Verständnisschwierigkeiten. Und auch das Platzieren der Figuren wirft manchmal Fragen auf. Schön, dass die Karten in der Anleitung nochmal einzeln aufgeführt sind. Aber es nutzt nichts, wenn auf der Karte und in der Anleitung der gleiche Text steht. Dabei wäre noch Platz für weitere Erläuterungen und/oder Beispiele gewesen.
Klarheit hier wäre wichtig, da die Mehrheit bei Wiesengeistern und die zwei zusätzlichen Figuren, die man dadurch erhält, durchaus entscheidend sein können, wenn es um den Sieg geht. Aber genauso habe ich die Erfahrung gemacht: Wenn Andere bei blau, braun oder grün während der Partie schon mit mehreren Figuren vorne liegen, sollte man sich auf etwas anderes konzentrieren – das holt man meist nicht mehr auf.
Erstaunlich ist auch, dass man durch die leicht unterschiedlichen Regeln bei den Waldgeistern jede Partie ein bisschen anders spielt. Die anderen Regeln bringen nicht viel Veränderung, aber immer ein kleines bisschen.
Interaktion?
Zudem muss allen bewusst sein, dass die Interaktion nur in zwei Punkten besteht: Im Rennen um die Mehrheit bei den Wiesengeistern sowie bei der Plättchenauslage. Denn dort wird einem grundsätzliche immer das Plättchen weggenommen, das man unbedingt selber haben wollte. Aber keine Sorge: Bei Wuselige Wiesen ist immer irgendetwas möglich. Zwar nicht immer das Optimum, aber eine Alternative ist immer vorhanden…

- Herausragend schönes Spielmaterial
- Einfache Regeln, simpler Spielablauf, aber viel Spieltiefe
- Extrem einfach gestaltete Auswertung
Wuselige Wiesen ist ein optisch ansprechendes, leicht zugängliches Plättchenlegespiel, das erstaunlich viel Denkarbeit aus seinen einfachen Regeln herausholt. Der Spagat zwischen easy to learn und hard to master gelingt dabei ausgesprochen gut und sorgt dafür, dass man auch nach mehreren Partien noch gerne nach dem optimalen Zug sucht.
An die leicht überfordernde Optik muss man sich erst gewöhnen und lernen, damit umzugehen.
Interaktion gibt es wenig, dafür ist immer etwas möglich – auch wenn es nicht unbedingt das ist, was man sich gerade vorgestellt hat. Wuselige Wiesen ist daher für mich ein charmantes, knackiges und buntes Spiel, das gerne öfter auf den Tisch kommen darf.

AUTOR: revor Benjamin, Brett J. Gilbert
ARTIST: Paulina Victoria
VERLAG: Frosted Games
ERSCHEINUNGSJAHR: 2026
2-4 Spielende
8 Jahre
25-40 Min.










