Interview mit Alexander Pfister

Photo: Boardgamegeek

Am Rande der Messe hatte ich das Glück mit Alexander Pfister ein Interview zu führen.

Sein Leben läuft 2015 auf der Überholspur. Mit Broom Service den Preis Spiel des Jahres Kennerspiel 2015 abgeräumt, Mombasa an allen Ecken und Kanten gehypt, die Erweiterung für Port Royal mit einer tollen kooperativen Variante, mal eben kurzfristig Royal Goods (demnächst unter bei Lookout Spiele) vor der Messe in den Ring geworfen und Isle of Skye überall toll besprochen.
Als Spieler kommt man in diesem Jahr an Alexander Pfister nicht vorbei.

Viele gute Gründe, um mich mit ihm zu treffen:

Das Interview

Hallo Alexander. Danke für Deine Zeit.
Broom serviceWie bist Du zum Spiele entwickeln gekommen?

Alexander Pfister: Ich habe schon früh begonnen Spiele zu entwickeln. Die Idee von Mombasa ist zum Beispiel entstanden, als ich 12 Jahre alt war.

Wie ist es weiter gegangen?

Alexander Pfister: Während meines Studiums und zu Zeiten meines Eintritts in das Berufsleben, wurde es dann etwas ruhiger. Erst in Wien über die Spieleagentur White Castle habe ich meine Aktivitäten wieder verstärkt.

isle of skyeIsle of Skye ist auf der SPIEL 15 sehr erfolgreich und wird von einer breiten Masse gerne gespielt. War die Idee des Themas von Isle of Skye Deine Idee?

Alexander Pfister: Das Thema mit Schottland kam vom Verlag (Anmerkung: Lookout Spiele). Es passt gut zur Spielmechanik. Und die Grafiken sind toll von Klemens (Anmerkung: die Grafiken kommen von Klemens Franz) umgesetzt.

Ab der dritten Runde gibt es einen Stopper (die zurückliegenden Spieler erhalten Kompensationszahlungen). Warum habt Ihr den eingebaut?

Alexander Pfister: Ziel war das Spiel bis zum Ende offen zu halten und nicht einen oder zwei Spieler davonziehen zu lassen. Zudem kann man das Geld auch strategisch in seine Überlegungen einbauen.

Wird es eine Erweiterung zu Isle of Skye geben?

Alexander Pfister: Wir (mit Mitautor Andreas Pelikan) basteln an einigen Ideen. Jedoch ist es nicht ganz einfach, da Isle of Skye recht rund ist, etwas zu konzipieren, was das Spielgefühl nicht stören wird. Es soll halt kein Schnickschnack sein.

mombasa boxMombasa ist ebenfalls sehr erfolgreich auf der Messe. Kannst Du noch etwas dazu sagen?

Alexander Pfister: Wie oben schon erwähnt, ist das Spiel schon länger in der Entwicklung. Dank Viktor Kobilke (Redakteur eggertspiele), den ich noch einmal ganz stark hervorheben möchte, weil er seine volle Energie und sein Herzblut in das Projekt gesteckt hat, haben wir das Spiel seit 2010 bis heute weiterentwickelt. Zwischendurch konnte ich noch am Hippodicewettbewerb 2011 teilnehmen (Anmerkung; dieser wurde gewonnen).

Was ist das besondere an Mombasa

Alexander Pfister: In Mombasa gibt es keine Siegpunkte. Der Spieler mit dem größten Vermögen (gibt es im Wesentlichen aus den Anteilen der Handelskompanien) gewinnt. Geld selbst ist jedoch im Spiel eine knappe Ressource. In jeder Region darf nur ein Handelsposten stehen. Daher sind Konflikte vorprogrammiert. Diese werden über Expanisonspunkte und ohne Glück entschieden.
Trotz der Komplexität des Spiels ist die Downtime des Spiels relativ gering. Der Kartenmechanismus in dieser Form ist zusätzlich ein neuer Mechanismus. Man muss sich bereits beim Ausspielen der Karten überlegen, welchen Stapel bzw. Karten man in der nächsten Runde benötigt. Somit wird taktische und strategische Elemente bedient.

Kurzfristig gab es von Dir noch eine Zugabe zur SPIEL 15. Wie kam es dazu?

Alexander Pfister: Kurzfristig kam Herr de Casan auf mich zu und bat um einen Beitrag für die Charity Aktion „Grenzenlos Spielen“ (Anmerkung: seit der SPIEL 13 verkauft das Österreichische Spielemuseum 1-2 Spiele zugunsten der Stiftung auf der Messe).
Zusammen mit Klemens Franz konnten wir das Projekt Royal Goods kurzfristig realisieren.

Am Freitag morgen war Royal Goods schon ausverkauft. Wird es noch bei einem anderen Verlag herauskommen, wie bei Händler der Karibik?

Alexander Pfister: 1.000 Spiele waren schnell weg, was mich natürlich freut. Ich kann soviel verraten, dass das Spiel bei einem anderen Verlag herauskommen wird. Aktuell darf ich noch nicht mehr sagen. (Anmerkung: inzwischen ist bekannt geworden, dass Lookout Spiele, das Spiel unter „Oh my Goods – alle meine Güter“ ab November herausbringen wird)

Händler der KaribikWie kam es zur Erweiterung von Port Royal (ehemals Händler der Karibik)

Alexander Pfister: Im Internet kursierten bereits Solovarianten (die ich mir jedoch nicht angesehen habe, um neutral an die Erweiterung heranzugehen). Als das Spiel so gut ankam, bekam ich den Auftrag ebenfalls Solovarianten zu entwickeln. Dazu benötigt man eine Zeitmessung (hier Zeitstapel). Diesen Mechanisums wir dann auch für die kooperative Variante genutzt.

Was rätst Du neuen Spieleautoren? Wie sollen Sie an die Entwicklung eines Spiels herangehen?

Alexander Pfister: Man soll sich nicht in sein Spiel hineinsteigern und einen gewissen kritischen Abstand wahren. Wichtig sind andere, die einem nicht nur auf die Schulter klopfen, sondern sich kritisch mit dem Spiel auseinander setzen. Idealerweise schließt man sich auch mit anderen Autoren zusammen, um zusätzliches Feedback zu erhalten. Dazu sollte man sich über seine Zielgruppe im klaren sein. Mache ich ein Spiel für meine Freunde im privaten Kreis oder strebe ich eine Platzierung am Markt an. Dann ist es umso wichtiger seinem eigenen Spiel kritisch zu begegnen.
oh my goods boxAußerdem ist das Thema zum Beginn nicht so wichtig. Da regieren die meisten Verlage eh hinein. Wichtiger ist einen schlüssigen Mechanismus und eine gute Idee zu haben. Also nicht vom Thema leiten lassen und idealerweise das Spiel eher einfach halten. Auch wenn es schon viele Ideen gibt, lebt ein sehr gutes Spiel von Innovationen. Also prüfen, ob es die Idee eventuell schon gibt.

Kannst Du uns schon einen Ausblick auf die nächsten Neuheiten geben?

Alexander Pfister: Nächstes Jahr wird es was ruhiger werden. Wir basteln an der Isle of Skye Erweiterung. Dann soll ein Kartenspiel bei alea und Royal Goods wird bei einem Verlag herauskommen (siehe rechts).

Vielen Dank. Dir noch eine erfolgreiche Messe.

Das Interview wurde im Rahmen der SPIEL15 in Essen am 10.10.2015 geführt.

VITA
Alexander Pfister, geboren 1971 (Österreich): Ist neben den oben erwähnten Spielen Broom Service, Isle of Skye, Mombasa, Port Royal, Royal Goods, auch für die Minen von Zavandor und Meins! verantwortlich. Er hat für Mombasa (damals Africa 1830) den Hippodice 2011 und für Broom Service den Preis Spiel des Jahres – Kennerspiel 2015 gewonnen)

Homepage von Alexander Pfister

Interviewreihe auf der Brettspielbox: Inka und Markus Brand (Burgenland / Neuheiten 2014) • Ralph Bruhn (Aquasphere) • Hunter & Cron (Gen Con 2015) • Agnieszka Kopera und Andrei Novac (2014) • Michael Menzel (Neuheiten 2014) • Jamey Stegmaier (Viticulture) • Klaus TeuberWolfgang Kramer

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