Archäologie ist in so vielen Brettspielen als Thema verarbeitet worden, dass es mittlerweile nicht mehr das knackigste Thema darstellt. Viele Spiele haben durch den Archäologie-Bezug ein Indiana Jones-Flair, was immer noch zieht – auch bei mir. Begeben wir uns aber mit der Königlichen Gesellschaft auf Ausgrabungstour, ist die Stimmung ein wenig aristokratischer und snobistischer. So auch hier im Brettspiel The Royal Society of Archeology, wo wir uns in gehobenen Kreisen darum bemühen, Gönner zu finden, an der Universität unser Wissen auszubauen und dabei stets sehr auf unser Ansehen bedacht sind…
Carina

Eine Partie The Royal Society of Archeology dauert je nach Anzahl der Mitspielenden 4 oder 5 Runden. Mittels Wahl bestimmter Boni legen wir die Zugreihenfolge fest und beginnen danach mit der Aktivierung unserer Forschenden.
Von denen haben wir jeweils drei Stück, die mit unterschiedlichen Wissensständen und Ansehen in die Partie starten. Wir führen abwechselnd unsere Züge durch und können unsere Forschenden dabei in vier unterschiedlichen Bereichen des gemeinsamen Spielplans einsetzen.
- In der City treffen wir Gönner, die uns die finanziellen Mittel für unsere Forschungsreisen zur Verfügung stellen. Dafür darf unser Ansehen allerdings nicht zu schlecht sein. Auch durch den Verkauf von Relikten kann man weitere Geldmittel erhalten.
- An der Londoner Universität erwerben wir unser Wissen über unterschiedliche Kulturkreise, um auf der Wissensleiste voranzuschreiten. Das ist wichtig, damit wir bestimmte Forschungsreisen überhaupt antreten können.
- Im Royal Museum stellen wir Fundstücke aus, die wir von unseren Forschungsgreisen mitbringen – dafür muss unser Ansehen aber bereits recht groß sein. Im Gegenzug erhalten wir Boni und bei Spielende Prestige(punkte).
- Der Hafen von London schließlich ist das Tor zur Welt, die wir erforschen wollen. Von hier aus starten wir die Forschungsreisen, die wir in Form von Karten ausspielen und für die wir das notwendige Wissen, die Expertise und die finanziellen Mittel benötigen. Auf unseren Forschungsreisen erwerben wir vertieftes Wissen, erhalten Fundstücke und die wichtigen Siegpunkte in Form von Prestige und Gelehrsamkeit.
Wenn alle ihre Forschenden eingesetzt haben, endet eine Runde und es wird ggf. überprüft, ob wir Königliche Anforderungen erfüllt haben. Danach geht es in die nächste Runde.
Expertise, Ansehen, Prestige und Gelehrsamkeit sind wichtige Elemente des Spiels. Wir müssen stets unser Ansehen im Blick behalten, da wir sonst einige Aktionen gar nicht (mehr) durchführen dürfen. Die Expertise der Forschenden gilt es fortwährend zu steigern, da mehr Expertise mehr Forschungsergebnisse einbringt. Prestige und Gelehrsamkeit tragen wir auf zwei Siegpunktleisten ab, die um das Spielfeld verlaufen. Dabei ist es wichtig, diese möglichst gleichmäßig zu pushen, da nur der Punktewert der geringeren Leiste am Ende zählt.
Am Ende der letzten Runde folgt die Schlusswertung, bei der überprüft wird, ob wir durch Sammlungen im Museum noch Prestigepunkte erhalten. Ebenso erhalten wir Punkte über erreichte Ziele auf unseren Studienkarten, von während der Partie erhaltenen Plättchen oder wir verlieren Punkte durch unzufriedene Gönner. Nun wird geschaut, auf welcher der beiden Punkteleisten am wenigsten Punkte erzielt wurden. Wer dort jeweils die meisten Punkte erzielen konnte, gewinnt The Royal Society of Archeology.
Brettspiel Regeln
Spielregeln (ext. Link zu HUCH!)


The Royal Society of Archeology ist ein typischer Vertreterdes beigen Eurogames und dann auch noch mit Archäologie-Thema! Was andere heutzutage abschreckt und als Spiele „alten Stils“ abtun, fasziniert mich als guilty pleasure irgendwie immer noch. Diese Art Spiel erinnert mich einfach zu sehr an meine Anfangszeit im Brettspiel, in der ich diese Art Spiele in mich aufgesogen und schlichtweg geliebt habe. Dass das Thema sowie die Ausbeutung anderer Kulturen um ihre historischen Relikte nicht mehr zeitgemäß sind, wird am Ende der Spielregal thematisiert. Ob dieser Hinweis ausreicht oder künftig besser ganz auf die Verwendung dieser Themen in Spielen verzichtet werden sollte, bleibt dennoch zu diskutieren.
Wir reisen mit The Royal Society of Archeology ins frühe 20. Jahrhundert, wo dieses Problembewusstsein wohl noch nicht vorhanden war, und kümmern uns dort um die Planung unserer Forschungsreisen. Im Spiel ist das Thema schön verzahnt – benötigen wir doch Forschende mit Expertise, Wissen über den zu erforschenden Kulturraum und nicht zuletzt Geld, um die Reisen zu finanzieren. All das müssen wir auch in The Royal Society of Archeology beschaffen und sinnvoll timen. Eine knackige und schöne Herausforderung.
Was auch sehr gut und thematisch sinnvoll in das Spiel eingeflochten ist: Wir erhalten Lern-Boni, wenn wir von erfahreneren Forschenden in den Gebieten lernen können. Leider ist dieses System nicht eingängig und nicht ausreichend verständlich auf dem Spielplan dargestellt, denn nur, wenn wir irgendwohin gehen und die unerfahrenere Person sind, erhalten wir einen Bonus und der erfahrene ebenfalls. Setzt man einen Forschenden mit hoher Expertise ein, erhält man in die andere Richtung nichts dafür. Wir merken uns das so, dass wir nur dann etwas als Experten erhalten, wenn uns jemand um unser Wissen bittet – nicht, wenn wir es jemandem aufdrängen… Aber das ist meist nicht sofort verinnerlicht.
Aber dies ist nicht die einzige Unklarheit, mit der wir uns in diesem Spiel rumschlagen müssen.
Um es auf den Punkt zu bringen: Man hat nach dem ersten Regelstudium schlichtweg kaum noch Lust, sich überhaupt noch mit dem Spiel weiter zu beschäftigen. Die Übersetzungsarbeit und die redaktionelle Bearbeitung der Regel, sofern letztere überhaupt stattgefunden hat, musste entweder extrem flott gehen oder erhielt keine Priorität. Es sind so viele kleine Fehler, fehlende oder zweifelhafte Übersetzungen enthalten, da macht das Lesen nur wenig Spaß. Auch der Aufbau der Regel, wo erst Konzepte vor dem Spielablauf erklärt werden, irritiert. Daher gelingt der Einstieg nicht so einfach, wenn man sich das Spiel selbst erarbeitet. Zumal es zu viele Begrifflichkeiten gibt, die in ihrer Bedeutung sehr verwandt sind und daher sehr verwirren – Ansehen, Expertise, Prestige, Wissen und Gelehrsamkeit. Da schwirrt einem zunächst der Kopf. Und auch während des Spiels treten immer mal wieder Fragen auf, sofern man sich nicht auf deutlich abgegrenzte Begriffe verständigt.

Gestalterich gefällt mir das Cover leider gar nicht – es zeigt ein seltsames und unrealistisches Mashup von einer Büroszene im Ausgrabungssetting, das auf mich künstlich und nicht einladend wirkt. Auch sonst ist das Spiel sehr beige bzw. in Pastelltönen gehalten – dagegen wirken die Karten der Fundorte und die Fundstücke in den Säckchen unpassend knallig und farbsatt. Der Spielplan ist riesengroß und man braucht viel Platz auf dem Tisch. Die Bildsprache und Iconografie auf dem Spielplan und besonders an einigen Einsatzstätten für unsere Forschenden ist nicht klar genug und wird unterschiedlich interpretiert. Das führt zu Diskussionen während des Spiels und diese erzeugen Unmut und leider manchmal schlechte Stimmung.
Das Spiel birgt zudem die Gefahr eines Gefälles zwischen Neulingen und erfahrenen Personen, sofern man nicht bei neuen Mitspielenden einige Dinge vorausschickt und erklärt: So sollten neue Mitspielende unbedingt erfahren, wie man die Expertise des „unwissendsten“ Forschenden, der mit „Expertise 1“ ins Spiel geht, mindestens auf Stufe 2 bekommt, damit er oder sie wenigstens an Expeditionen teilnehmen kann, um dann weitere Expertise aufzubauen. Den Zusammenhang versteht man erst während der ersten Partie nach und nach, aber es ist wichtig für den Verlauf einer Partie. Hat man das nicht im Blick, besteht eigentlich keine Chance, um den Sieg mitzuspielen.
Genauso wichtig ist es, neue Mitspielende auch auf das Management der Gesellschaftsscheiben hinzuweisen, die man für unterschiedliche Zwecke benötigt: Zum einen für das Markieren des Erfüllens der Aufgaben der Königsleiste (2 Stück), drei Scheiben für die Erfüllung der Ziele auf den Royal Society-Plättchen. Bleiben noch 5 Plättchen, um Fundstücke im Museum auszustellen. Es sei denn, man gewichtet anders, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass dies die sinnvollere Aufteilung ist.
Ebenso besteht ein erhebliches Gefälle zwischen der Einsteigervariante und der „normalen“ Version des Spiels. Wer nicht mit den einfacheren Expeditionen oder einem Vorsprung auf den Wissensleisten startet, wir schnell erleben, wie knackig sich das Spiel gestalten kann. In der Grundversion starten wir mit asymmetrischen Startvoraussetzungen. Wenn man da eine Startkonstellation ohne Startkapital wählt, ist die Herausforderung von Anfang an sehr hoch.
Auch, wenn ich an The Royal Society of Archeology viel zu kritisieren habe, habe ich die meisten Partien genossen. Die Verzahnungen sind interessant gestaltet und die Aufgaben herausfordernd. Der Spielverlauf ist dabei allerdings immer recht geradlinig: Wissen und Expertise aufbauen und Geld beschaffen, damit man lukrativere Expeditionen ausrichten. Habe ich mehr, kann ich mehr und erhalte mehr Punkte. Unterschiedliche Strategien kann man nur im geringen Maße verfolgen. Die einen investieren mehr ins Museum, die anderen holen sich ihre Punkte über Expeditionen. Ich habe festgestellt, dass der Weg über die Forschungsreisen interessanter und auch punktetechnisch lukrativer ist.
Den sweet spot in der Spielendenanzahl sehe ich eher zu dritt. Zu zweit spielt eine neutrale Farbe insofern mit, dass sie bestimmte Positionen besetzt. Das ist nicht weiter aufwändig zu managen, aber die Figuren stehen immer auf der gleichen Stelle. Zu viert ist teilweise viel los auf dem Spielplan und auch die Downtime kann lang werden. Zu viert ist es auch fehleranfälliger, dass die Spielenden nicht in Sitzrichtung an der Reihe sind, sondern sich dies anders gestaltet. Die angegebene Spielzeit ist eigentlich in nahezu allen Partien nicht ausreichend.

- Steigerbarer Anspruch durch Einsteigervariante und Grundversion
- Interessante Verzahnung der Spielelemente und Abhängigkeiten
- In Teilen sehr schön gestaltetes Spielmaterial
The Royal Society of Archeology ist sowohl spielmechanisch als auch vom Thema her ein eher klassisches Eurogame, an dem es allerdings einige Punkte zu kritisieren gibt und die besonders bei bzw. vor der Erstpartie das Spielgefühl dämpfen. Das Regelwerk hätte besser bearbeitet und aufgebaut sein müssen, die Bildsprache eindeutiger sein können und einige Regeln intuitiver gestaltet sein dürfen.
Für die, die sich davon nicht beirren lassen, bietet The Royal Society of Archeology interessante Verzahnungen und anspruchsvolle Planungsaufgaben auf einem knackigen Niveau. Dass es nicht öfter auf dem Tisch landet, liegt zum einen daran, dass ich nicht wieder das ärgerliche Regelwerk überfliegen möchte und zum anderen daran, dass es schwierig ist, neuen Mitspielenden die notwendigen Hinweise an die Hand zu geben, die für Chancengleichheit in der Partie wichtig sind.

AUTOR: Eric Jumel
ARTIST: Guillaume Tavernier
VERLAG: HUCH!
ERSCHEINUNGSJAHR: 2025
1-4 Spielende
14 Jahre
90-120 Min.











