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Samstag, November 27, 2021
StartJahr2021REVIEW | Rezension Brettspiel Space Dragons

REVIEW | Rezension Brettspiel Space Dragons

Zusammen mit einer abgespacten Truppe aus außerirdischen Crewmitgliedern rauschen wir mit unserem leicht verdellten Raumschiff durch das All auf der Jagd nach leuchtenden Space Dragons. Dabei sollte die Stimmung gut, die Kriminalitätsrate unter den Söldnern gering und die wissenschaftlichen Kenntnisse möglichst optimal gelagert sein, damit dem Erfolg unserer Mission nichts im Wege steht.

Klingt irgendwie abgedreht? Ist es auch. Willkommen bei Space Dragons!

Carina Brachter


SPIELBESCHREIBUNG

Space Dragons ist ein Kartenspiel, ja sogar ein Stichspiel, für 3-5 Spieler:innen.

Alle starten mit einem Raumschiff, für das eine Crew gesucht wird. Diese Crew erhält jede:r in Form von neun Handkarten auf die Hand. Diese Karten werden aber zunächst gedraftet, das heißt,  man nimmt eine, legt diese verdeckt vor sich ab und gibt die Karten dann weiter. Dies so lange, bis alle Karten verteilt und die Crew vollständig ist.

Mit dieser Crew spielen wir jede der sieben Runden um einen offen ausliegenden Drachen, der acht bis zwölf Punkte bringen kann. Wer die höchste Crewkarte (Werte 1-80) ausspielt, gewinnt den Drachen.

Die Karten tragen aber auch weitere Informationen, denn sie können uns auch Schutzschilde für den Ausbau unseres Raumschiffs bringen und uns künftig gegen Angriffe verteidigen. Oder wir feuern mit den Fadenkreuzen auf den Karten auf den Spielenden, der den Drachen gewinnt. 

Außerdem sammeln wir mit den Karten noch Symbole der Kategorien Wissenschaft, Stimmung und Kriminalität. Hierzu liegen während des Spiels immer drei Wertungskarten aus. In der Grundfassung erhalten die Spielenden am Ende Punkte, sofern sie zu den Besten bei den Wissenschaften und bei der Stimmung zählen und möglichst wenig Kriminalitätssysmbole vorzuweisen haben. Hier ist aber auch Varianz durch die Rückseiten der Wertungskarten möglich. 

Am Ende gewinnt Space Dragons, wer durch Drachen und Wertungskarten sowie durch ausliegende Crewmitglieder die meisten Punkte erzielen konnte.


AUTOR: Richi Haarhoff ■ ILLUSTRATION/LAYOUT: Florian Biege/atelier198
VERLAG: Edition Spielwiese | Pegasus ■ ERSCHEINUNGSJAHR: 2021

spieler

3-5 Spieler

alter

ab 10 Jahren

zeit

ca. 30 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu Edition Spielwiese)


SPIELGEFÜHL

Stichspiel und mehr 

Dass Space Dragons eigentlich ein Stichspiel ist, würde ich nicht unbedingt am Anfang der Regelerklärung erwähnen. Das weckt Erwartungen, die so nicht unbedingt erfüllt werden. Stichspiele sind meist flott „runtergespielte“ Spiele, man erhält Handkarten zugeteilt, versucht möglichst viele oder eine bestimmte Anzahl an Stichen zu bekommen, es geht um Trumpf und abtrumpfen, nächste Runde. Das hat Space Dragons so nicht zu bieten. Es geht erheblich weiter als ein übliches Stichspiel. Es beinhaltet Komponenten und Ebenen, die deutlich darüber hinausgehen.

Augen auf beim Drafting! 

Es beginnt allein schon bei der Zusammenstellung der Kartenhand – das ist schon fast der wichtigste Teil des Spiels und sollte daher mit der notwendigen Aufmerksamkeit erledigt werden, denn hier beginnt bereits die Planung des Spielablaufs. Ich brauche auf jeden Fall Karten mit hohen Werten, um die ausliegenden Drachen zu gewinnen. Die Karten mit hohen Werten sind im Zweifelsfall auch als erstes aus der Draftingrunde raus. Dann gilt es, darauf zu achten, dass ich genügend Schutzschilde und Reparaturkarten bekomme, um Schäden abzuwehren oder später heilen zu können. Allerdings möchte ich auch über Angriffssymbole verfügen, um meinen Mitspielern zu schaden. Und der dritte Aspekt sind die Symbole (Stimmung, Kriminalität, Wissenschaft), die unser Abschneiden bei der Auswertung der Zielkarten entscheiden. Hier muss ich bereits frühzeitig darauf achten, dass auf meinen Handkarten möglichst viele der punkteträchtigen Symbole zu sehen sind, um später beim Ausspielen den entsprechenden Spielraum zu haben und hier taktieren zu können.

Für Neulinge ziemlich schwierig 

Die erste Partie ist für neue Spieler:innen daher in der Draftingphase wirklich schwer. Sie wissen noch gar nicht, worauf zu achten ist. Erst nach zwei, drei Partien wird klar, worauf bei der Draftingphase Wert gelegt werden muss. Die Lernkurve ist daher ziemlich steil und es macht immer Sinn, es nicht nur bei einer Runde zu belassen. Mit neuen Mitspieler:innen muss mindestens immer eine Einführungspartie gespielt werden, damit die Bedeutung der Karten während des Draftens klar wird und die Auswirkungen des Handelns deutlich werden.

Auf die Drachen, fertig, los

Haben wir unsere Crew beisammen, geht das Ausspielen los. Hier ist der erste Ausspielende immer klar im Nachteil, denn man erahnt noch nicht, ob in dieser Runde auf den Führenden geschossen werden wird. Wer als letztes an der Reihe ist, ist das Zünglein an der Waage und oft in der Lage zu entscheiden, wer den Stich und somit den Drachen erhält. Wenn im weiteren Verlauf der Runde bereits viele Karten gespielt wurden, relativiert sich das, denn ggf. hat man gar keine hohen Karten mehr auf der Hand. 

Einen Drachen zu erhalten geht häufig damit einher, auch viele Minuspunkte in Form von Schäden am Raumschiff in Kauf zu nehmen, da die ausliegenden Fadenkreuze auf den ausgespielten Karten immer auf denjenigen zielen, der den Drachen erhält. Daher kann es ratsam sein, auf den Drachen zu verzichten und sich lieber darauf zu konzentrieren, über die ausliegenden Symbole Punkte zu erzielen. Die Drachen und ihre Werte sind nicht immer spielentscheidend.

Stimmungskanone oder Kleinkrimineller?

Bei der abschließenden Betrachtung der Wertungskarten kann sich das Spiel noch ordentlich wenden. Auch, wenn man während des Spiels die ausliegenden Symbole bei den Mitspieler:innen und sich selbst ständig nachzählt und vergleicht, kann man leicht Symbole übersehen. Sie sind nämlich auch auf einigen Drachenkarten enthalten und aufgrund des dunklen Hintergunds dort recht schlecht erkennbar. Gerade am künstlich beleuchteten Spieltisch übersieht man da leicht etwas. Daher kann es dann hin und wieder noch einen Überraschungssieger geben…

Was soll das?

Werfen wir nochmal einen Blick auf das Thema und die grafische Gestaltung. Wer sich die Crew-Karten ausgedacht hat, hat extrem viel Phantasie. Die Figuren sind nicht unbedingt hübsch, aber in der Ausgestaltung ziemlich kreativ. Ihnen nehme ich ab, dass sie außerirdische Wesen sind, die ich zu einem bunten Söldnerhaufen auf meinem Raumschiff zusammenmixe. 

Das ganze Thema und die Geschichte sind allerdings extrem beliebig und an den Haaren herbeigezogen. Mich persönlich holt das mal so gar nicht ab. Vielleicht finde ich daher nicht so recht den Zugang zu diesem Spiel. Ich spiele es aber – in der richtigen Runde – wirklich gern. Der etwas sperrige und unflüssige Spielablauf hindert mich dran, Space Dragons uneingeschränkt zu mögen.

Was es sonst noch zu sagen gibt:

  • Positiv hervorzuheben ist der doppelte Nutzen, den die Karten haben. Die Raumschiffe sind gleichzeitig Drachen, die Crewmitglieder funktionieren auf der Rückseite als Schutzschilde und Schäden. So konnte Material gespart werden.
  • Das Spiel hat eine schöne Spieldauer. Es gibt ein absehbares Ende und eine weitere oder dritte Partie lässt sich sehr gut anschließen.
  • Die Informationen auf den Karten sind teilweise too much. Hier muss man sich ein wenig „reinsehen“, zumal man auch immer mal einen Blick auf die Karten der Gegner:innen werfen muss und diese auf dem Kopf sieht. Dafür sind die Symbole teilweise zu klein und auf dem dunklen Hintergrund der Drachenkarten wirklich schlecht erkennbar.
  • Durch das Draften, die jedes Mal unterschiedlich ausliegenden Drachen und die unterschiedlichen Möglichkeiten, die Wertungskarten auszulegen, bringt das Spiel viel Varianz mit.

Zusammenfassung

Space Dragons ist ein Kartenspiel mit Tiefgang, das zwar keine lange Spieldauer hat, aber nicht „mal eben so“ gespielt ist. Es teilt sich dabei in zwei Phasen – das Drafting und das Ausspielen -, wobei beide Phasen gleich wichtig sind. 

Space Dragons ist eigentlich ein Stichspiel, wobei es sich aber in vielen Aspekten deutlich von üblichen Vertretern des Genres unterscheidet. Thematisch ist es im wahrsten Sinne des Wortes ein wenig „abgespacet“, hat mit seinen kreativen Figuren aber auf jeden Fall auch etwas fürs Auge zu bieten. Mit seinen variablen Spielelementen bietet Space Dragons Abwechslung für viele Partien.

  • Viel Spieltiefe für ein kleines Kartenspiel
  • Doppelnutzwert der Karten
  • Es bleibt selten bei nur einer Partie 
  • Kartensymbole auf beiden Seiten der Karten und daher optimal für Links- UND Rechtshänder 
  • Grafik und Thema sind nicht jedermanns Sache 
  • Benötigt ein, zwei Partien, um die Zusammenhänge zu verstehen und die Draftingphase gut spielen zu können
  • Ein Wertungsblock wäre schön gewesen 

Aus meiner Spielerperspektive: Space Dragons kommt durchaus unterschiedlich an. Den meisten, denen Kartenspiele gefallen, macht es durchaus Spaß. Für mich ist es nicht ganz das Richtige, weil ich den Spielablauf als nicht so richtig flüssig empfinde. Dabei kann ich nicht wirklich schlechtes über Space Dragons sagen und spiele es auch durchaus mit. Aber es zündet bei mir nicht so, dass ich es gerne vorschlage. Ich bleibe daher noch ein wenig emotionslos zurück. Aber nicht jedes Spiel kann einen so richtig packen.

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