Sonntag, Juni 16, 2024
StartJahr2024REVIEW | Rezension Brettspiel Jakarta Traffic

REVIEW | Rezension Brettspiel Jakarta Traffic

Immer mal wieder schaue ich mir auch Crowdfunding Prototypen an. So auch das Brettspiel Jakarta Traffic, was gerade auf Kickstarter in die Finanzierung gegangen ist.

Bei Jakarta Traffic handelt es sich um ein Pick-up-and-Delivery-Spiel mit Modulationsmöglichkeiten. Das Brettspiel ist das Erstlingswerk von Simon Schmieder, der selbst seit 2 Jahren in Indonesien lebt. Dem Spiel liegt auch ein Soundtrack bei, um das Spielerlebnis noch besser rüberzubringen.

Das Material in dieser Rezension ist noch im Prototypenstatus und damit noch nicht final.


SPIELBESCHREIBUNG

Die Regeln sind eigentlich relativ einfach zu verstehen. Wir müssen Gerichte und Menschen von A nach B transportieren. Dabei verändern sich ggf. Prioritäten.

Vor den Spielenden liegt ein Spielplan in Form eines 5×5 Grids mit verschiedenen Straßen, Geschäftshäusern (als Lieferadressen), Aufladestationen und Abholorten.

In unserem Spielzug können wir optional entscheiden, zu hupen und eine der 25 Straßenkarten zu tauschen oder zu drehen. Dann bewegen wir uns entlang der (blauen) Straßen auf eine andere Karte. Nehmen wir dort Waren oder Menschen auf, kostet dieses immer eine Energie unseres Mobilphones. Energie erhalten wir an Nachladestationen oder wenn wir Mitspielende auf dem Bord treffen und ein kurzes Schwätzchen halten.

Ziel ist es nun die Waren oder Personen an den Orten abzuliefern, an denen die entsprechende Nachfrage ist. Aber diese verändert sich mit jeder Lieferung der Spielenden, so dass bestimmte Waren gar nicht mehr zu liefern sind oder ggf. sogar im Wert steigen. Als Belohnung erhalten wir Sterne (Wert 3 bis 7 Punkte). Wer als erster vier davon gesammelt hat, beendet das Spiel.

Dann werden die Werte der Sterne sowie verschiedene Boni gewertet.

Dem Spiel beigefügt sind noch 5 Module, die das Spiel mit anderen Schwerpunkten ausstatten.



AUTOR: Simon Schmieder ■ GRAFIKER: Winsoy
VERLAG: Eigenverlag ■ ERSCHEINUNGSJAHR: 2024

spieler

1-4 Spieler

alter

ab 14 Jahren

zeit

ca. 30-60 Minuten


SPIELGEFÜHL

Das Brettspiel Jakarta Traffic ist schon einmal sehr ungewöhnlich. Das fängt mit dem wuseligen Spielplan an, der ein Gefühl vermittelt, wie sich der Verkehr in der indonesischen Stadt anfühlt.

Gerade hier haben wir in den ersten 1-2 Partien eine größere Gewöhnungsphase an das Gewusel gehabt, um sich die besten Wege vorstellen zu können, erinnert das Geflecht doch sehr stark an die Labyrinthspiele aus der Kindheit. Mit der Zeit findet man sich aber immer besser zurecht und schärft den Blick für die Wege.

Durch die optionale Aktionen des Quadratvertauschens kann man sich in eine bessere Position begeben, aber auch seinen Mitspielenden das ein oder andere Ei ins Nest legen. Diese Form der Interaktion muss man mögen.

Wenn sich das Spielfeld im Laufe der Zeit verändert, wird klar, dass wir hier eher ein taktisches als ein strategisches Spiel vor uns liegen haben. Insbesondere in der vollen Spielendenanzahl, reduziert sich die Planbarkeit im Spiel. Ebenfalls zu viert kann das Spiel, welches ein eher schnelleres Brettspiel ist, durch die Downtime in jedem Zug etwas zu lang dauern, da es doch reichlich Optionen im Spiel gibt, Züge durchzuführen. Daher würde ich das Spielen zu zweit bzw. zu dritt bevorzugen. Insbesondere in den ersten „Lernpartien“ hilft es die Spielendenanzahl niedrig zu halten.

Sehr spannend ist das Matching zwischen zu liefernder Ware und zu transportierenden Personen vs. der fünf verschiedenen Nachfrageorten. Dadurch, dass sich jede erfolgreiche Lieferung Nachfrageort und Gut/Personen verschieben, entstehen neue Kombinationen. Das kann man natürlich versuchen in seine Überlegungen mit aufnehmen. Gelingt natürlich besser, wenn man zu dritt spielt.

Die Spielzeit mit 15 Minuten pro Spielenden ist realistisch. Wir haben hier also ein schnelles Kennerspiel vor uns, daher wirkt eine Downtime stärker nach.

Zum Ende wird das Spiel zudem noch zu einem Wettrennspiel, da das Einsammeln des vierten Siegpunkts recht schnell gehen kann. Hierbei muss man sogar noch stärker auf den Wettbewerber achten, um nachvollziehen zu können, wann er die entscheidenden Züge macht, um sie ggf. durch das Plättchendrehen behindern zu können.

Noch mehr Jakarta Traffic

Wer 2-3 Partien mit dem Basisspiel gespielt hat, kann das Spiel über fünf Module erweitern: Dabei ist die Empfehlung bei max. 2 zusätzlichen Modulen in der Partie:

  • Special Orders: Nun werden alle Aufträge gemischt und mit Spezialaufträgen vermischt. Dadurch ergibt sich eine besondere Dynamik.
  • Rupiah: Es werden je 2x 5, 3 und 1 Rupiah Token neben den 7, 5 und 4 Sternen abgelegt. Die ersten, welche die jeweiligen Lieferungen abgeben, müssen einen entsprechenden Rupiah Marker an der Lieferadresse hinterlegen. So werden diese Orte temporär noch attraktiver und führen gerade zu Beginn zu einer sehr taktischen Phase.
  • Azan: es werden zwei Orte, die auf dem Brettspiel wandern, hinzugefügt.
  • Candy Crash: Das beliebte Handyspiel findet sich im Spiel wieder und gibt weitere Boni beim Besuch der Ladestationen.
  • Ondel-Ondel: Bislang konnten wir nur mit einem Marker ein Plättchen vor dem Drehen blockieren. Das geht jetzt auch mit drei weiteren, die strategisch geschickt eingesetzt werden müssen.

Zusammenfassung

Jakarta Traffic ist ein knackiges kurzweiliges interaktives Pick-up-and-Delivery Brettspiel mit vielen Möglichkeiten der Weg“Manipulation“. Mir hat es am besten zu zwei oder zu dritt gefallen. Zu viert ist die Downtime und Planbarkeit etwas schwieriger.

  • Schönes Spielmaterial
  • kurzweiliges Brettspiel in der richtigen Spieleranzahl (2-3 Spielende).
  • Einfache Regeln – schnell zu erlernen
  • Modulare Erweiterung für längerfristigen Spielspaß (5 Module)
  • In voller Besetzung zu lang (höhere Downtime), da sehr viele Optionsmöglichkeiten vorhanden.
  • Gefahr des Grübelns gegeben.

Aus meiner Spielerperspektive: Auch wenn die Regeln relativ einfach zu verstehen sind, sehe ich das Spiel mehr als Kenner- denn als Familienspiel. Gerade das Tauschen der Straßenplättchen und die wechselnden Zielkonstellationen bedürfen ein schnelles taktisches Umdenken. Mir ist in voller Besetzung die Downtime bei dem eigentlich kurzen Spiel ein wenig zu hoch.

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