REVIEW Der Kartograph

Flip and Write Spiele gab es in der Vergangenheit einige. 2018 und auch noch 2019 war das Spiel der Roll/Flip and Write Spiele. Karten, Würfel, Zettel und Stifte an allen Ecken der Spieltische.

Um aus der Masse herauszuragen, muss man schon etwas Besonderes bieten.

Dazu geht es in ein unbekanntes Königreich, deren Ausmaß wir auf einer neuen Landkarte erfassen wollen.

In der Kartograph wollen wir somit unsere eigene Landschaft erkunden, denn nicht jeder von uns „bereist den gleichen Teil des Reiches“.


SPIELBESCHREIBUNG

Das Erkunden geschieht über vier Runden (=Jahreszeiten) in denen wir parallel spielen. Jede Jahreszeit ist mit einer Zeiteinheit versehen. Diese Zeiteinheiten finden wir auf den 13 Erkundungskarten wieder (0, 1 oder 2). Dabei wird nach und nach eine Erkundungskarte aufgedeckt, bis wir den Zeitwert für die Jahreszeit erreicht oder übertroffen haben. Auf den Erkundungskarten sind zum einen aus 2 bis 5 Quadraten bestehende Figuren sowie einer von 6 Landschaftstypen abgebildet. Diesen gilt es in ein 11 x 11 Raster einzuzeichnen. Was sinnvoll einzuzeichnen ist, hängt a) von den Erkundungskarten ab aber vor allem auch b) von den Wertungskarten. Von diesen gibt es vier, die je einem der Buchstaben A-D zugeordnet sind. Je nach Jahreszeit werden nun zwei von diesen Karten ausgewertet.

Zusätzlich wird in jeder Runde ein Monster in den Erkundungskartenstapel gemischt. Taucht dieses auf, so wird der Zettel an den rechten oder linken Nachbarn weitergegeben. Dieser zeichnet die Figur ein und gibt den Zettel zurück.

Im Rahmen der Auswertung führt ein Monster mit freien Feldern an den Kanten zu Minuspunkten.

Am Ende der vierten Runde werden die Punkte aus den vier Teilwertungen zusammenaddiert und der beste Kartograph ermittelt.



AUTOR: Jordan Adan ■ GRAFIKER: Luis Francisco, Lucas Ribeiro
VERLAG: Pegasus ■ ERSCHEINUNGSJAHR: 2019

spieler

1-X Spieler

alter

ab 10 Jahren

zeit

ca. 30-45 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu Pegasus)


SPIELGEFÜHL

Da falle ich doch beim Spielgefühl mal direkt mit der Tür ins Haus, denn der Kartograph hat es mir echt angetan. Und ich kann meine Eingangsfrage direkt mit einem: „Ja, der Kartograph hat etwas Besonderes und macht mir wirklich Spaß“ beantworten.

Doch vor aller Euphorie können die ersten 1-2 Partien doch etwas schleppender verlaufen. Zumindest ist es mir bei meinen Gruppen so gegangen. Das liegt zum einen daran, dass der Kartograph ein Flip and Write-Spiel auf Kennerniveau ist und man zudem gleich vier Wertungen im Auge behalten und zunächst einmal verstehen muss. Für den ein oder anderen Spieler gab es hier das Phänomen „to much information“.

Hat man das Spielprinzip und die Wertungslogiken (dem ein oder anderen Isle of Skye-Liebhaber wird es an dieser Stelle warm ums Herz werden) erst einmal verstanden, so spielt sich der Kartograph angenehm flott, ohne an seiner taktischen Tiefe zu verlieren.

Das Geheimnis liegt dann auch darin, alle vier Ziele nicht aus den Augen zu verlieren und idealerweise – wenn möglich – bei der Auswahl aus den Karten gleichermaßen zu berücksichtigen. Das gelingt den Spielern jedoch unterschiedlich gut.

Im Spiel selbst ist an viele Kleinigkeiten gedacht worden, so darf man sich zunächst einen Namen und Titel sowie ein Wappen geben und die zu erkundende Landschaft benennen. Bei den Erkundungskarten kann man mal zwischen zwei Landschaftsarten oder -formen entscheiden. Bei Letzteren mit dem Zusatz lieber groß oder klein mit Münze.

Bei den Münzen sollte man bedenken, dass je früher ich sie habe, desto größer ist der Multiplikatoreffekt in den jeweiligen Wertungen. Dazu dann die Fragestellung, ob man Ruinen überbaut oder lieber für die Karten lässt, durch die man genötigt ist, auf diesen zu bauen (kann schon mal in der letzten Runde ärgerlich sein, wenn man keine mehr zur Verfügung hat: leider aussetzen).

(Die einzige) Interaktion kommt durch die Monster in das Spiel. Während man sonst eher der einsame Kartograph ist, der in der Landschaft seines Reiches unterwegs ist, kommt an diesen Stellen des Spiels etwas mehr Leben an den Tisch. Denn die Monster müssen vom rechten oder linken Nachbarn eingezeichnet werden. Und diese werden sich alle Mühe geben, die Monster an einer Stelle im Reich auftauchen zu lassen, die für den weiteren Verlauf eher hinderlich sind. Und damit haben wir noch weiteres Dilemma. Bekämpfen (umrunden) wir die Monster oder lassen wir sie zunächst einmal außer Acht und schauen auf die jeweiligen Wertungskarten.

Ja, es gibt viel zu beachten. Viele Teller in der Höhe zu halten. Das macht aber auch den Reiz vom Kartograph aus.

Der ein oder andere Kennerspieler dürfte von der Glückskomponente durch die Karten, die gezogen werden, nicht ganz so „beglückt“ sein. Zudem enden die Jahreszeiten unterschiedlich. Aber auch das finde ich sehr stimmig umgesetzt. Zum einen bewegen wir uns durch unbekanntes Terrain und das ist nun einmal nicht planbar. Des Weiteren sind Herbst und Winter nun einmal mit weniger Tageszeiten gesegnet, so dass man auch zum erkunden weniger Zeit hat.

Die Spiele des Kartographen verlaufen jedes Mal anders, da man die Partien mit einer unterschiedlichen Wertungskombination aus 16 Wertungskarten spielt.

Die optimale Spieleranzahl sehe ich beginnend ab einem Spieler bis zu maximal 6 Spielern. Dann haben alle noch ausreichend Sicht auf die Karten in der Tischmitte. Denn gerade in den ersten Partien muss man doch den ein oder anderen Blick noch zur Wertungskarte werfen.

Wenn es vielleicht etwas zu meckern gibt, dann das dem Spiel keine farbigen Stifte beiliegen. Das wäre das i-Tüpfelchen auf dem Spiel gewesen. Gerade bei etwas schlechterem Licht, wären farbige Landschafen angenehmer in der Betrachtung gewesen.


Zusammenfassung

Für all die Spieler, die denken, es kann dann doch nichts Neues mehr am Roll/Flip and Write-Himmel mehr geben. Für alle, die mal etwas mehr Anspruch in solche – eher im Familiensegment zu findenden – Spiele wünschen.

Für alle die, ist nun mit der Kartograph eine Antwort gegeben. Mir hat es sehr gut gefallen und ich mag es Solo wie auch in der Gruppe gerne spielen. Taktischer Anspruch gepaart mit viel Abwechslung.

  • Bekannter Wertungsmechanismus aus Isle of Skye
  • Viele taktischer Dilemma, die es zu beherrschen gilt, schaffen ein anspruchsvolles, aber kurzweiliges Flip and Write-Spiel
  • Durch die veränderbaren Ziele (es gibt 16) verlaufen die Spiele komplett anders.
  • Auf die Zielgruppe achten. Gelegenheitsspieler tun sich mit der Vielzahl an Infos etwas schwerer.
  • Glückselement durch das Ziehen der jeweiligen Karten ist vorhanden.
  • kaum Interaktion – kann man aber gut aushalten

Aus meiner Spielerperspektive: Nach dem Kartographen lecke ich mir die Zähne. Da die Rezension hier aus der Kennerspielerbrille geschrieben ist, kann ich dem nichts mehr hinzufügen.

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