Sonne, Strand und ein eigenes Luxusresort. Was zunächst nach einem entspannten Urlaub klingt, dürfte bei Vital Lacerda schnell zu einer anspruchsvollen wirtschaftlichen Aufgabe werden. Mit dem Brettspiel The Resort arbeitet der portugiesische Autor an seinem nächsten großen Brettspiel. Als Veröffentlichung ist derzeit das Jahr 2027 vorgesehen.
Ganz neu ist der Name nicht. Lacerda hat in den vergangenen Monaten bereits mehrfach Bilder von Prototypen gezeigt. Nun gibt es allerdings deutlich mehr Informationen zum Spiel, ein fertiges Cover (von Ian O’Toole) und einen Eintrag bei BoardGameGeek. Damit lässt sich erstmals etwas konkreter einschätzen, was uns auf der Pazifikinsel erwartet.
Vom Inselparadies zum Wirtschaftsunternehmen
In The Resort entsteht auf einer bislang weitgehend unberührten Pazifikinsel ein neuer Tourismusmarkt. Die Spielenden übernehmen jeweils ein eigenes Luxusresort und versuchen, es wirtschaftlich erfolgreich zu entwickeln.
Dazu investieren wir in Unterkünfte, Dienstleistungen und Erlebnisse. Diese Angebote sollen unterschiedliche Gäste anziehen, die wiederum eigene Vorstellungen von ihrem Aufenthalt mitbringen. Unter anderem spielen die Wünsche bei der Zimmerwahl eine Rolle. Wer sein Angebot geschickt zusammenstellt und die passende Kundschaft erreicht, kann die Einnahmen des Resorts steigern.
Wie genau die einzelnen Gebäude, Angebote und Gäste funktionieren, ist noch nicht bekannt. Klar ist aber bereits, dass die Resorts nicht vollkommen getrennt voneinander wachsen. Bestimmte Infrastrukturen werden gemeinsam genutzt, während die auf der Insel verfügbaren Ressourcen begrenzt sind.
Damit entsteht Konkurrenz um Möglichkeiten und den richtigen Zeitpunkt. Eine Entscheidung kann die eigenen Pläne voranbringen, gleichzeitig aber auch anderen Resorts neue Chancen eröffnen oder deren Entwicklung erschweren. Die direkte und indirekte Interaktion soll deshalb eine wichtige Rolle spielen.

Mehr als nur ein schönes Inselthema
Gerade diese Verbindung aus gemeinsamem Markt, knappen Ressourcen und unterschiedlichen Kundenwünschen macht das Thema interessant. Es geht offenbar nicht nur darum, eine möglichst große Ferienanlage zu errichten. Entscheidend dürfte sein, welche Angebote wir schaffen, wann wir investieren und wie effizient unser Resort arbeitet.
Das passt zu Vital Lacerdas bisherigen großen Spielen. Auch in The Gallerist, Kanban EV oder Weather Machine entsteht die Herausforderung weniger durch eine einzelne komplizierte Aktion als durch die vielen Folgen, die eine Entscheidung an unterschiedlichen Stellen auslöst.
Ob The Resort ähnlich umfangreich wird, lässt sich derzeit noch nicht verlässlich beurteilen. BoardGameGeek nennt eine Spielzeit von 45 bis 180 Minuten. Diese ungewöhnlich große Spanne könnte mit der Personenzahl oder unterschiedlichen Spielmodi zusammenhängen. Genauere Angaben dazu gibt es bislang allerdings nicht. Die ebenfalls genannte Altersangabe ab zehn Jahren sollte daher nicht automatisch als Hinweis auf ein zugänglicheres Lacerda-Spiel verstanden werden.
Bekannte Mechanismen, noch kein vollständiges Bild
Aktuell werden bei BoardGameGeek sechs Mechanismen aufgeführt:
Area Movement, Hand Management, Investment, Point to Point Movement, Tile Placement und Variable Phase Order.
Vor allem das Zusammenspiel aus Investitionen, Bewegung über die Insel und dem Ausbau der Resorts klingt spannend. Noch ist allerdings nicht erkennbar, welche dieser Elemente das eigentliche Herzstück bildet. Auch ein Regelwerk oder eine ausführliche Erklärung des Spielablaufs wurde bisher nicht veröffentlicht.
Die angegebenen Mechanismen sollten deshalb zunächst als vorläufige Einordnung verstanden werden. Bis zur Veröffentlichung 2027 kann sich an einzelnen Details noch einiges verändern.
Lacerda und O’Toole erneut gemeinsam
Für die Gestaltung ist einmal mehr Ian O’Toole verantwortlich. Er prägt mit seiner klaren Grafik und der umfangreichen Symbolsprache seit Jahren das Erscheinungsbild vieler Lacerda-Spiele. Nach Titeln wie The Gallerist, Lisboa, On Mars, Weather Machine, Inventions und Speakeasy setzen beide ihre Zusammenarbeit auch bei The Resort fort.
O’Toole spricht bereits von ihrem elften gemeinsamen Projekt. Das veröffentlichte Cover zeigt eine offene Hotelanlage direkt am Wasser und vermittelt zunächst deutlich mehr Urlaubsgefühl als wirtschaftlichen Druck. Wie übersichtlich der vermutlich umfangreiche Spielplan am Ende ausfallen wird, bleibt abzuwarten.
Veröffentlicht werden soll das Spiel erneut bei Eagle-Gryphon Games. Das ist keine Überraschung: Der Verlag begleitet Lacerdas große Spiele bereits seit The Gallerist und ist inzwischen eng mit seinen aufwendig produzierten Expertenspielen verbunden.
Was noch offen ist
Ein konkreter Veröffentlichungstermin innerhalb des Jahres 2027 wurde bislang nicht genannt. Auch zu einer möglichen Crowdfundingkampagne, zum Preis, zum Umfang der Ausstattung und zu einer deutschen Ausgabe gibt es noch keine verlässlichen Informationen.
Selbst die Komplexität lässt sich aktuell nur aus dem Namen des Autors und den ersten Mechanismen ableiten. The Resort wird als Wirtschaftsspiel geführt und dürfte sich eher an erfahrene Spielerinnen und Spieler richten. Wie schwer es tatsächlich wird, zeigt sich aber erst mit einem Regelwerk und ausführlicheren Einblicken in den Spielablauf.
Erste Einschätzung
Ein Luxusresort ist ein ungewöhnliches, aber ausgesprochen passendes Thema für Vital Lacerda. Gäste mit unterschiedlichen Wünschen, begrenzte Ressourcen, konkurrierende Investitionen und gemeinsam genutzte Infrastruktur bieten genügend Ansatzpunkte für ein verzahntes Wirtschaftsspiel.
Besonders interessant klingt die angekündigte Interaktion. Sollten die Entscheidungen der Mitspielenden tatsächlich die eigenen Möglichkeiten öffnen oder einschränken, könnte auf der friedlich wirkenden Pazifikinsel ein ziemlich enger Wettbewerb entstehen.
Bis 2027 fehlen noch viele Details. Thematisch und optisch gehört The Resort für mich aber schon jetzt zu den spannendsten angekündigten Expertenspielen.
Quellen:
- Boardgamegeek
- Vital Lacerda (Facebook / Instagram)


