Samstag, April 20, 2024
StartJahr2023REVIEW | Rezension Brettspiel Würfelzucker

REVIEW | Rezension Brettspiel Würfelzucker

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Dieses Spiel macht schon allein rein optisch gesehen Appetit auf mehr und wer nach einer Runde keine Lust auf was Süßes bekommt, besitzt wohl eine überirdische Selbstdisziplin! Würfelzucker – oder „Haribo das Würfelspiel“, wie wir es getauft haben – nimmt uns nämlich mit in ein zuckersüßes Candyland. Was wir dort erleben können, lest Ihr im Folgenden.

Carina Brachter


SPIELBESCHREIBUNG

Würfelzucker ist ein Würfelspiel, in dem wir versuchen, uns möglichst punkteträchtige ausliegende Aufgabenkarten zu sichern. Wenn wir an der Reihe sind, dürfen wir unsere 6 Würfel bis zu dreimal würfeln. Dabei dürfen wir Würfel rauslegen, mit den restlichen weiterwürfeln oder auch bereits rausgelegte Würfel wieder mit in den nächsten Wurf hineinnehmen. 

Nach dem dritten Wurf haben wir hoffentlich eine Würfelkombination erreicht, die auf den ausliegenden Aufgabenkarten verlangt wird. Es liegt immer eine Karte mehr als Mitspielende in der Auslage. Die Aufgabenkarten verlangen beispielsweise

  • dass wir bestimmte Augenzahlen sammeln, 
  • gleiche oder unterschiedliche Augenzahlen in bestimmter Anzahl sammeln,
  • ein Full House schaffen,
  • eine kleinste oder eine höchste Summe aus einer bestimmten oder nicht näher bestimmten Anzahl an Würfeln erreichen.

Haben wir das geschafft, platzieren wir unsere Würfel auf der Karte in der Auslage und nun heißt es zittern und warten, bis wir wieder an der Reihe sind. 

Schaffen es die anderen Mitspielenden in dieser Runde nicht, uns mit ihren Würfen zu überbieten, indem sie beispielsweise unsere vier 5en mit vier 6en schlagen, dann liegen unsere Würfel immer noch auf der Karte und wir dürfen sowohl Würfel als auch Karte nehmen. Sie gehört dann uns und zählt bei Spielende die aufgedruckte Anzahl an Punkten. 

Schafft es ein Mitspielender uns allerdings zu überbieten, darf der- oder diejenige unsere Würfel von der Karte werfen und die eigenen Würfel dort platzieren.

Mit Würfeln, die wir in unserem Wurf nicht verwenden können, dürfen wir uns auf einem verdeckten Stapel mit Jokerkarten platzieren. Hier gilt ebenfalls: Liegen diese noch dort, wenn wir wieder an der Reihe sind, erhalten wir die entsprechende Karte, die es beispielsweise erlaubt, Würfelwerte zu manipulieren oder öfter zu würfeln als erlaubt. 

Das Spiel läuft in dieser Weise, bis die „Wir schließen bald“-Karte im Nachziehstapel auftaucht und spielen die Runde noch zu Ende. Wer dann durch die gewonnenen Auftragskarten die meisten Punkte erzielen konnte, gewinnt Würfelzucker.



AUTOR: Sophia Wagner ■ GRAFI/GESTALTUNG: Kreativbunker
VERLAG: moses. ■ ERSCHEINUNGSJAHR: 2023

spieler

2-4 Spieler

alter

ab 8 Jahren

zeit

ca. 30 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu moses.)


SPIELGEFÜHL

Wie der Aufkleber auf der Spielschachtel bereits deutlich sagt: Würfelzucker ist als „leicht“ eingestuft, geeignet für die Liebhaber von Würfelspielen und bietet ganz schön Ärgerpotential. Kurz: Ein Würfel-Zock-Spiel, bei dem die Emotionen schonmal hochkochen und das prima als Absacker für den Spieleabend oder für die lockere Runde mit Wenigspielenden geeignet ist.

Nichts Neues

Die Regel, dass man sein erwürfeltes Ergebnis auf Karten platziert und warten muss, ob die Würfel dort nach einer Runde immer noch liegen, ist nicht neu und bereits aus anderen Spielen bekannt. Ein Element, das garantiert, dass die Aufmerksamkeit der Spielenden hochgehalten wird und dafür sorgt, dass alle immer mit einem gewissen Eigeninteresse das Spielgeschehen verfolgen.

Ätschbätsch!

Diese Art von Mechanismus bietet zudem viel Raum für Interaktion sowie eine gute Portion Schadenfreude. Natürlich wollen wir gerne die Karte mit der hohen Punktzahl für uns behaupten. Das weckt den Ehrgeiz in uns und verleitet ganz gerne mal zum Zocken: Na komm, es wird doch möglich sein, mit diesen zwei verbleibenden Würfeln eine 6 zu bekommen. Natürlich geht das in den meisten Fällen schief. Aber wie groß ist die Freude, wenn man es doch schafft! Und dann am besten auch noch die Würfel eines Mitspielenden von einer Karte schubsen kann. Da ist Spielspaß garantiert – zumindest, wenn die Spielenden in entsprechender Stimmung sind.

Man sollte einstecken können…

Bei Kindern, die die Optik des Spiels vermutlich sofort anspricht, könnte dies nicht ganz so einfach zu verkraften sein. Hier kann dann Verlieren oder zumindest „Einstecken können“ gelernt werden. Oder Table flip – je nachdem. Das Risiko sollte allen Mitspielenden bewusst sein. Man kann das Spiel natürlich auch mit einem Nichtangriffspakt spielen, dann verliert es allerdings deutlich an Spannung. 

Atmen!

Die Spannungskurve gestaltet sich auch je nach Spielendenanzahl anders. Spiele ich mit zwei Personen, bin ich schnell wieder an der Reihe und ich muss nur einmal die Luft anhalten und hoffen, dass meine Würfel liegenbleiben. Spiele ich Würfelzucker in Vollbesetzung zu viert, sollte ich zwischendrin dringend Luft holen, denn ich muss drei Züge überstehen, bis mir eine Karte sicher ist. In größerer Runde wechseln Karten auch schonmal häufiger den (vorläufigen) Besitzer. 

Schön, dass man durch die Postion der „Wir schließen bald“-Karte im Stapel auch die Spiellänge beeinflussen und so das Spiel auf den verfügbaren Zeitrahmen ein wenig anpassen kann.

With a little help…

Man darf auch den Nutzwert der Jokerkarten nicht unterschätzen. Leider sind diese eine Wundertüte, da diese verdeckt liegen und man nicht weiß, worauf man „bietet“ und was man dann bekommt, sofern man Meistbietender bleibt. Karten, mit denen man die Würfelwerte beeinflussen kann, sind zudem stärker als Karten, die mir erlauben, nochmals zu würfeln, da ich hiermit gezielter und berechenbarer agieren kann. 

Auf jeden Fall sollte man in den Erwerb von Jokerkarten auch mal Würfel investieren, denn ohne Jokerkarten sind die ganz herausfordernden Aufgaben schwer zu erreichen oder zu überbieten. Schwer zu erfüllende Aufgaben liegen auch schonmal etwas länger in der Auslage. Mit der Hilfe von Jokerkarten erlangt man die notwendige Flexibilität, hier schneller erfolgreich sein zu können.

Häh? Wieso das?

Bei Spielende gibt es einen kleinen Stolperstein. Es leuchtet nicht jedem sofort ein, dass aufgrund des Ausgleichs der Startspielerposition der Startspielende am Spielende noch einmal würfeln darf, um andere ggf. von ihren Karten zu vertreiben, diese Karte dann aber nicht erhalten kann. Das ist aus spieltechnischen Gründen logisch, aber nicht zwingend gut erklärbar oder Wenigspielenden sofort ersichtlich. Da hätte man vielleicht eine zugänglichere Lösung finden können oder eine bessere Erläuterung einfügen sollen.

Eine weitere kleine Unklarheit entsteht manchmal, wenn er darum geht, wann ich die Würfel von Mitspielenden vertreiben darf – beispielsweise beim Full House. Hier wurde aber auf der Kurzübersicht der Spielregel mit Beispielen deutlich gemacht, wie hier zu handeln ist.

Zuckerschock

Abschließend noch ein paar Worte zu Spielmaterial und Gestaltung: Würfelzucker ist ein wilde Reise durchs Candyland. Angefangen beim schon recht wilden Cover setzt sich die zuckersüße Gestaltung im Inneren der Schachtel konsequent und thematisch passend fort. Jeder kann hier seine liebste Süßigkeit entdecken.

Das als Bonbonbeutel gestaltete Würfelsäckchen hätte es nicht zwingend gebraucht, ist aber ein schönes und liebevolles Detail. Die Gestaltung mag manchem deutlich zu viel sein – besonders die Rückseiten der Jokerkarten sind der optische Overkill, aber wenn es dann um die Symbolsprache geht, ist alles recht klar und gut zu verstehen.


Zusammenfassung

Würfelzucker ist das, was es sein will und macht dabei seine Sache gut: Ein lockerleichtes Würfelspiel, bei dem das Glück und der Mut zum Zocken eine wichtige Rolle spielen, indem man sich aber gegenseitig auch sehr gut ärgern kann. 

Wer sich darauf einlässt, hat mit Würfelzucker eine schöne Familienunterhaltung oder als Vielspielender einen schönen Absacker, bei dem die Emotionen am Spieltisch schonmal hochkochen können. Das alles verpackt in einem zuckersüßen Thema ist Würfelzucker ein prima „Verschenkspiel“.

  • Einfach zu erklären durch gut verständliche Regeln
  • Schönes Zock- und Push-your-luck-Spiel mit viel Interaktion
  • Hält die Aufmerksamkeit hoch, da man ständig rausgeworfen werden kann und daher auch bei den Würfen der anderen für sich mitfiebert
  • Die Gestaltung des Spiels ist für manche eine optische Herausforderung
  • Frustrationstoleranz vonnöten
  • Die Regelung für das Spielende ist zwar logisch, aber nicht direkt verständlich

Aus meiner Spielerperspektive: Ich spiele Würfelzucker als Absacker oder in Runden mit eher Wenigspielenden. Auch auf öffentlichen Spieltreffs ist es sehr gut geeignet. Ich schätze am Spiel das interaktive Element und den Trash Talk, der währenddessen entsteht, weil man sich gegenseitig herausfordert oder rauswirft und dies natürlich nicht unkommentiert stehen lassen kann.

1 Kommentar

  1. Liebe Carina – alles gesagt und geschrieben – zu zweit entscheidet nur das Würfelglück ob du den Mitspieler ärgern kannst oder ob es doch nur für ein eigenes Ding reicht.

    Wir hatten das Glück mit dem legendären Wolfgang Wichmann auf der SPIEL23 am Mosesstand eine Runde zu spielen. Die SPIELBOX widmet ihm einen Artikel, aber die Zeitung erreichte uns erst nach der SPIEL daher wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wer mit uns hier mit launigen Worten eine extrem unterhaltsame Runde spielte. Am nächsten Tage kamen wir dann noch einmal mit einer Schachtel Pralinen als Danke bei ihm vorbei.
    Dieses Erlebnis macht für uns das Spiel noch wertvoller. Wünschen allen ein erfreuliches 2024 mit unzähligen erfreulichen Spielerlebnissen – Grüße aus dem Weinviertel

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