Mittwoch, Dezember 7, 2022
StartJahr2021REVIEW | Rezension Brettspiel Stella

REVIEW | Rezension Brettspiel Stella

2008 ist Dixit erschienen, wurde 2010 Spiel des Jahres und öffnete damit für viele Spieler die Tür zu einer sehr fantasiestarken, neuen Spiele-Welt. Immer wieder sind weitere Kartendecks zu Dixit erschienen, die sich großer Beliebtheit erfreuen und nach wie vor gilt das Spiel für Viele durch seine Gestaltung als etwas Besonderes.

Ich habe Dixit sehr viele Jahre nicht mehr gespielt und nun mit Stella aus dem Dixit-Universum nochmal die Gelegenheit, in die Welt der fantasievollen Bilder einzusteigen. Kommt mit, und schaut, was Stella zu bieten hat.

Carina Brachter


SPIELBESCHREIBUNG

Als Sternsucher sollen wir in Stella das Licht in die Welt zurückbringen und dabei zusammen mit den anderen Sternsuchern Funken erzeugen, die das Licht wieder zum Leuchten bringen können. 

Vor den Spieler:innen liegt eine Auslage aus 15 Bildkarten in drei Reihen zu je fünf Stück. Alle erhalten einen Stift und ein abwaschbares Tableau in Spielerfarbe.

Stella wird über vier Runden gespielt. Zu Beginn jeder Runde wird eine Begriffskarte gezogen und der Begriff für diese Runde laut vorgelesen. Nun schauen sich alle Spieler:innen die Bildkarten in Ruhe an und markieren auf ihren Tableaus, welche Bilder sie mit dem ausliegenden Begriff in eine Verbindung können. Das muss mindestens eine und dürfen maximal zehn Karten sein.

Danach nennen alle Spieler:innen die Anzahl ihrer Kreuze und setzen ihren Spielmarker auf die entsprechende Zahl der Leiste auf dem Spielplan. Wenn Eine:r alleine die meisten Nennungen hat und damit zu gierig war, muss der entsprechende Spielmarker auf die dunkle Seite gedreht werden. Dies hat ggf. negative Auswirkungen bei der Punktevergabe. 

Dann werden die Karten „enthüllt“. Wer die Kundschafter-Figur hat, muss als Erste:r auf eine der ausliegenden Karten zeigen. Wer diese Karte ebenfalls auf seinem Tableau markiert hat, meldet sich. Sind das mehrere Spieler:innen, gibt es dafür einen sog. Funken – sprich zwei Punkte. Stimmt man nur mit einem Mitspielenden überein, gibt es sogar einen sog. „Superfunken“ – sprich drei Punkte. Gibt es keine Übereinstimmung, stürzt man ab und kann ab diesem Zeitpunkt nicht mehr punkten. Erzielte Punkte trägt man bei jedem Funkenschlag auf seinem Tableau ein.

Sind alle Kreuze ausgewertet, erfolgt die Punktwertung auf dem separaten Punktetableau. Die Anzahl der erzielten Punkte zählt jede:r auf seinem Tableau zusammen und teilt diese mit. Wer auf der dunklen Seite lag, erhält ggf. nur die Hälfte der Punkte, wenn in der Runde ein Fehler gemacht wurde.

Für die nächste Punkte wird eine Reihe der Bildkarten erneuert, die Tableaus abgewischt und ein neuer Begriff aufgedeckt. Wer nach vier Runden die meisten Punkte erzielen konnte, gewinnt Stella.



AUTOR: Gérald Cattiaux, Jean-Louis Roubira ■ ILLUSTRATIONEN: Jérôme Pélissier
VERLAG: VERLAG: Libellud ■ ERSCHEINUNGSJAHR: 2021

spieler

3-6 Spieler

alter

ab 8 Jahren

zeit

ca. 30 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu )


SPIELGEFÜHL

Ruhiger Beginn…

Stella lebt von den Gesprächen in der Enthüllungsphase. Zuvor ist das Ganze eine recht schweigsame Angelegenheit: Alle sind versunken in die Auslage, schauen sich die Bilder an, murmeln vor sich hin – „Da passt ja gar nix…“, „Na, ob ihr da in die gleiche Richtung denkt?“ oder „Was soll das denn sein?“ – und markieren geheim Kreuze auf ihren Tableaus. Das ist erstmal wenig unterhaltsam, kommt es aber dann zur Enthüllung der gewählten Karten, wird es bisweilen sogar sehr komisch!

…aber lebhafte Diskussion bei der Auswertung

Um möglichst lange im Spiel zu bleiben, sollte man bei der oder den ersten Enthüllungen natürlich immer Karten wählen, bei denen man sich ziemlich sicher ist, dass auch andere dieses Motiv gewählt haben. Sonst kann man schnell eine Runde leer ausgehen. Wählt ein Mitspielender bei der Enthüllung eine Karte, bei der alle Hände hochgehen, regnet es zwar für alle Punkte, aber Diskussion und Auseinandersetzung sind eher selten.

Spannender wird es, wenn die Wahl der Karte von dem ein oder der anderen so gar nicht nachvollzogen werden kann: „WAS? Was hat das denn damit zu tun? Wo sind denn da die Zusammenhänge?“ Und schon sind alle in einer regen Diskussion! Die einen zeigen vollstes Verständnis, die anderen haben das Motiv völlig anders gedeutet!

Das kann wirklich lustige Wendungen nehmen, wenn beispielsweise jemand am Tisch bei „Hochzeit“ den Häftling in Ketten als Bildmotiv wählt. Da ist was los am Tisch, wenn die Ehefrau das kritisch hinterfragt…

Varianz durch Motiv- und Begriffsvielfalt 

Die Emotionen bei der Diskussion sind das Schönste am Spiel – neben der Gestaltung der Karten natürlich. Diese sind wirklich sehr fantasievoll und lassen teilweise viel Platz für Interpretationen. Die Illustrationen begeistern viele, vor allem jene, die die Dixit-Welt noch nicht kennengelernt haben. 

Es kann vorkommen, dass zu manchen Begriffen so überhaupt nichts zu passen scheint. Dann sollte sich die Gruppe darauf einigen, den anderen Begriff auf der Karte für diese Runde auszuwählen. Grundsätzlich sollte bei 96 Karten, auf denen jeweils zwei Begriffe stehen, immer genügend Auswahl vorhanden sein. Bei den Motivkarten hat man deutlich schneller das Gefühl, bereits alles einmal gesehen zu haben. Durch die unterschiedlichen Kombinationsmöglichkeiten zwischen Motiv- und Begriffskarten ergeben sich aber für jedes Spiel genügend neue Optionen. 

Das kann eigentlich jeder

Stella kann man wirklich mit jedem spielen – es eignet sich bestens in familiärer Runde, wo vom Grundschulkind bis zu den Großeltern jeder eingebunden werden kann. Man muss nichts besonderes wissen oder können, um hier erfolgreich mitwirken zu können. Man muss sich nur ein wenig öffnen und vor allem, wenn die Auslage an Motiven rational nicht so recht zu passen scheint –  die Bilder erst ein wenig auf sich wirken lassen oder ein wenig um die Ecke denken. Dann ergibt sich eigentlich immer eine Assoziation!

Warum ist die Punktwertung so wenig intuitiv?

Was dem Spielspaß für Einsteiger Schwierigkeiten bereiten könnte, sind die Regeln zur Punktewertung. Diese sind leider nicht so intuitiv, wie ich sie mir wünschen würde. Stella ist grundsätzlich schnell erklärt, aber kommt man dann zum Thema „Punktwertung“, schaut man schonmal in fragende Gesichter. 

Ich kann natürlich verstehen, warum das Spielsystem vorsieht, dass Spieler:innen, die viel mehr Karten markieren als andere, mit Restriktionen leben müssen und ihr Marker auf die dunkle Seite gedreht werden muss. Allerdings macht das die Regeln zu Beginn recht kompliziert und die meisten verstehen erst später, warum dies überhaupt sein muss. 

Am besten ist es, wenn man die Wertung beim Spielen erklärt. Einfach mal anfangen und nicht länger das Punktesystem in den Vordergrund der Erläuterungen stellen – das hilft, um schnell ins Spiel zu kommen. 

Was gibt es sonst noch über Stella zu sagen:

  • Das Spiel verfügt über tolles Spielmaterial und ein überragend gutes Inlay. Da verrutscht nichts beim Transport. Und es  wurde an alles gedacht – bis hin zu den Wischläppchen für alle Spielenden. 
  • Stella lebt von der großen Runde – in Vollbesetzung ist es am besten, denn da kommt viel Leben an den Tisch. Nicht zuletzt ist die Chance größer, dass jemand in die gleiche Richtung wie man selber gedacht hat und doch noch ein Pünktchen für die Wertung abfällt.
  • Das Spiel ist schnell gespielt. Sind die Regeln allen bekannt, kann es deutlich schneller gehen als in der halben Stunde, die dafür angesetzt ist. 
  • Da das Spiel so schnell gespielt und einfach zugänglich ist, eignet es sich bestens als kommunikativer Opener oder Absacker, bevor der Spieleabend endet. Mehrere Partien hintereinander spielt man aber eher nicht. 

Zusammenfassung

Stella ist ein Spiel aus dem Dixit-Universum, das darauf ausgelegt ist, dass die Spielenden Begriffe und Bildmotive auf gleiche Weise assoziieren. Wer mit den Anderen viele Übereinstimmungen erzielt, hat gute Chancen auf den Sieg.

Das Spiel lebt von den schönen Illustrationen sowie von der Diskussion, die sich bei der Auswertung der Tipps der Spielenden ergibt. Sowohl Übereinstimmungen als auch Abweichungen bieten Gesprächsstoff und bringen Emotionen an den Spieltisch.

Stella eignet sich gut für kommunikative Runden. Durch seine einfachen Regeln und das zugängliche Spielprinzip können sich alle vom Einsteiger bis zur Vielspielerin an das Spiel wagen. Es gibt sicherlich viele Anlässe, wo es immer mal wieder auf den Tisch kommt, taugt aber nicht zwingend, um mehrere Partien hintereinander zu spielen. 

  • Tolle, fantasievolle Illustrationen auf den Bildkarten im Dixit-Stil
  • Hochwertiges Spielmaterial und Inlay
  • Kommunikatives Spielprinzip, das die Denkweisen der Mitspielenden offenbaren kann und für die ganze Familie geeignet ist
  • Wertungssystem ist recht komplex und anfänglich schwer vermittelbar
  • Einige Begriffe sind sehr eng gefasst, so dass Assoziationen je nach Motivauslage an den Haaren herbeigezogen werden müssen

Aus meiner Spielerperspektive: Stella hat mich dem Dixit-Universum wieder näher gebracht, was ich nahezu vergessen hatte.

Das Spiel macht mir in großer Runde viel Spaß und ich freue mich immer auf die Auswertungsphase, wenn es garantiert wieder eine Überraschung am Tisch geben wird. Das Spiel gefällt mir daher als Opener oder Zwischendrin und um es in Runden mit Wenigspielern schnell auf den Tisch bringen zu können. Das ist dann aber nicht jeden Tag der Fall und kommt stark auf die Runde und den Zeitpunkt an, in der es dann passt.

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