Donnerstag, September 29, 2022
StartRezensionREVIEW | Rezension Brettspiel Atheneum

REVIEW | Rezension Brettspiel Atheneum

Atheneum: Mystic Library wurde als Nachfolger im Geiste von Ex Libris angekündigt. Auch wenn das Bücher sortieren in Ex Libris sehr viel Spaß gemacht hat, so hatte das Spiel einige Schwächen. So waren wir doch sehr interessiert, was Atheneum so zu bieten hat.

Auch in Atheneum versuchen wir in einer Fantasy-Welt eine Bibliothek zu verwalten und auch in Atheneum müssen wir Bücher nach bestimmten Kriterien sortieren. Aber hier hören auch schon sämtliche Gemeinsamkeiten auf. Das fängt schon damit an, dass die Bücher durch Plättchen dargestellt und nicht auf Karten abgedruckt sind. Aber der Reihe nach: 

Tim Schleimer


SPIELBESCHREIBUNG

Zu Beginn des Spiels bekommen alle ein leeres Bücherregal, welches es zu füllen gilt. Bücher bekommt man hautsächlich über Karten. Am Anfang des Spiels werden jeweils 6 Karten verteilt und danach in bester Drafting Manier gleichzeitig jeweils eine gespielt und der Rest weitergegeben. Das besondere hierbei ist, dass jede Karte in drei Bereiche unterteilt ist. Den großen Bereich in der Mitte zählt für mich selbst. Oben links bzw. rechts zählt für meinen linken bzw. rechten Nachbarn. So weiß ich nie genau was ich in dieser Runde bekomme.

Diese Karten bringen verschiedene Boni: Das sind oft Bücher (entweder einer bestimmten Farbe oder sogar beliebig), manchmal auch Punkte oder ich darf eine gewisse Anzahl an Büchern in meiner Bibliothek umsortieren. Etwas Glücksbetont ist die Möglichkeit ein Bonusplättchen aus einem Sack zu ziehen. Auch hier sind die gleichen Boni versteckt, wie es auch auf Karten gibt, jedoch habe ich die Möglichkeit diese Plättchen nicht zu nutzen, sondern umzudrehen und als Kerze in meine Bibliothek aufzustellen. Das bringt dann weitere Siegpunkte, die aber leider weiter abnehmen.

Nach jeder gespielten Karte gibt es die Möglichkeit zur Wertung. Dazu liegen in der Mitte 5 Wertungskarten aus, die beschreiben, welche Farbkombinationen wo im Regal liegen müssen, um diese angegebenen Punkte zu kassieren. Im Anschluss wird die rechteste Karte aus dem Spiel entfernt und eine neue Karte links angelegt. Ich habe also nur begrenzt Zeit ein Ziel zu erfüllen, bevor es das Spiel verlässt. Ein weiterer wichtiger Faktor beim Werten resultiert aus der limitierten Anzahl an Zauberstäben in meinem Besitz. Pro Wertung ist einer von Nöten und wandert danach erst mal in den allgemeinen Vorrat bis ich – z.B. durch Karten – wieder einen bekomme.

Nachdem 5 Runden gespielt worden sind, endet die erste Hälfte des Spiels und es werden (wieder jeweils 6) Karten verteilt. Diesmal mit einem B auf der Rückseite. Die unterscheiden sich vom Aufbau nicht von den A-Karten der ersten Hälfte. Jedoch ist der Fokus ein anderer. Im A-Deck gibt es vergleichsweise viele Möglichkeiten Bücher zu bekommen, bietet das B-Deck höhere Chancen bereits vorhandene Bücher neu zu sortieren.

Nach weiteren 5 gespielten Karten endet das Spiel und es folgt eine kleine Schlusswertung. Hier werden Bücher einer bestimmten Farbe – angegeben auf meinem Bücherregal – belohnt, genauso wie ein möglichst volles Regal. Wer im Anschluss die meisten Siegpunkte vorweisen kann, gewinnt dann Atheneum: Mystic Library.



AUTOR: L’Atelier ■ ILLUSTRATIONEN: Veronika Fedorova
VERLAG: Renegade Game Studios ■ ERSCHEINUNGSJAHR: 2020

spieler

2-5 Spieler

alter

ab 10 Jahren

zeit

ca. 30-45 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu BGG )


SPIELGEFÜHL

Optisch weiß Atheneum zu gefallen. Ich fühle mich tatsächlich in diese Fantasy Welt transportiert. Selbst die kleinen Pappschachteln zur Aufbewahrung der einzelnen Bücher im allgemeinen Vorrat sind richtig stimmig. Das Highlight, allerdings, sind natürlich die Bücher. Wie bei Ex Libris hat sich der Verlag die große Mühe gemacht und jedem Buch einen witzigen Titel gegeben.

Der Drafting Mechanismus funktioniert gut. Dadurch, dass ich auch von den Karten profitieren kann, die ich weitergebe, habe ich noch einen extra Faktor zu berücksichtigen. Aber es reduziert die Planbarkeit etwas. Es gibt auch Belohnungen, die mir gar nichts bringen. So gibt es z.B. Anbauten an mein Regal. Wenn ich davon schon 2 habe, verfällt eine solche Belohnung einfach.

Das Puzzeln der Bücher mach Spaß. Gerade dieses Rennen um die Wertungskarten. Nicht gegen die Mitspieler, aber gegen die Zeit, in der die jeweilige Karte im Spiel ist. Ich bekomme im Verlauf einer Partie auch oft genug die Möglichkeit Bücher neu zu sortieren. So kann ein einzelnes Buch in verschiedene Kombination mehrere Runden hintereinander zur Wertung beitragen. Und gerade dieses Tüfteln, wenn ich neue Bücher bekommen habe und alte herausnehmen durfte, um sie neu zu sortieren, macht für mich den Spielspaß von Atheneum aus.

Der Nachteil an dem Wertungssystem ist jedoch, dass ich nicht immer weiß, wo ich die neuen Bücher platzieren soll. Wenn ich z.B. schon mache Karten gewertet habe aber die anderen nicht in der verbliebenen Zeit erfüllen kann, so würde ich gerne schon Planen was als nächstes kommt. Da das nicht geht, legt man manchmal Bücher auf gut Glück und natürlich wird genau dann als nächstes eine Karte aufgedeckt, die genau das Gegenteil von mir verlangt. Das erzeugt dann ein negatives Gefühl.

Ähnlich kann es bei den Bonusplättchen sein, die ich blind aus einem Sack ziehe. Die abgedruckten Belohnungen können super passen, aber auch gar nicht. Da hilft das Wenden der Plättchen für Siegpunkte auch nur ein etwas. Denn die Siegpunkte, die ich bekomme, werden immer weniger. Zum Glück kann ich das – zum Großteil – umgehen, indem ich mir die Karten mit dieser Belohnung einfach nicht aussuche.


Zusammenfassung

Atheneum: Mystic Library möchte – abgesehen von der thematischen Einbettung – nichts mit Ex Libris zu tun haben. Und das macht es ganz richtig. Es läuft deutlich flüssiger und bietet einen leichteren Einstieg. Ständiges Regelblättern gibt es bei dem Spiel nicht. Gerade als thematisches Draftingspiel im Familienbereich ist es gut geeignet.

Und genau aus diesem Blickwinkel vergebe ich auch die Bewertung. Für Liebhaber von komplexen Eurogames, die immer alles durchplanen wollen, ist hier eine zu große Portion Glück von Nöten. Was allerdings schade ist für den Familienbereich: es gibt noch keine deutsche Lokalisierung. Und obwohl das Spiel völlig Sprachneutral ist, so möchte man vielleicht auch die lustigen Buchtitel verstehen. Aber vielleicht ist genau dieser Aufwand auch der Grund für die fehlende Lokalisierung.

  • Sehr schöne Optik, passend zum Thema
  • Buchtitel sind liebevoll gewählt
  • Schöne Puzzleaufgabe
  • Leider noch nicht lokalisiert 
  • Glückselemente sind deutlich vorhanden

Aus meiner Spielerperspektive: Ich spiele Atheneum gerne mit Familienspielern. Und selbst zu zweit bringen wir es immer mal wieder auf den Tisch für eine lockere Runde.

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