Review Calavera

b-familieWie weit will ich gehen?

Klaus Jürgen Wrede ist bekannt für seine Carcassonnereihe. Ein Blockbuster, wie es nur wenige Spiele gibt. Weitere Highlights in dieser Dimension sind ihm leider (noch) nicht gelungen. Dafür aber ein schönes Würfelspiel, was im Frühjahr ein wenig untergegangen ist.

Das liegt zum einen an der Schwemme an Roll ’n Write-Spielen im letzten Jahr, in der das ein oder andere Spiel nicht so sichtbar war, zum anderen vielleicht auch am ambivalenten Cover, was den ein oder anderen abschreckt, während es andere fesselt. Mir gefällt es jedenfalls und hat daher meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

In Mexiko spielt der Totenkopf (so heißt Calavera auf Spanisch) eine besondere Bedeutung. Am 2. November feiert man den den Día de los Muertos (Tag der Toten) zu Ehren aller Verstorbenen. Anders als in Deutschland ist dieses kein Tag der Trauer, sondern wird sehr bunt gestaltet, da die Menschen glauben, dass an diesem Tag die Seelen der Verstorbenen zurück zu ihren Familien kommen. Dementsprechend wird ihnen ein freudiger Empfang bereitet.


Das Spiel

Wir haben 6 Würfel und je einen Zettel eines Abrissblocks vor uns. Reihum würfeln wir die Würfel. Diese zeigen vier Farben, eine Rose und einen Totenkopf. In unserem Zug können wir bis zu drei Mal würfeln. Alle Würfel bis auf die Totenköpfe dürfen noch einmal gewürfelt werden. Totenköpfe müssen gesammelt werden und sind für den aktiven Spieler nicht gut. Warum? Sobald ein Totenkopf ausliegt, dürfen die Mitspieler einen Würfel nutzen, für den sich der aktive Spieler nicht entschieden hat. Bei drei oder mehr Totenköpfen darf der aktive Spieler sich für gar keinen Würfel entscheiden. Zum Ende des Zuges des aktiven Spielers darf er sich für Würfel einer Farbsorte bzw. aller Rosen entscheiden. Die Anzahl der ausgesuchten Würfel wird als Kreuze auf dem Block festgehalten. Ab dem sechsten Kreuz gelangen die Spieler in den Siegpunktbereich. Dieser beginnt bei 4 und geht maximal bis 10. Allerdings haben wir die Siegpunkte erst dann sicher, wenn wir das Ergebnis eingefroren haben. Dazu dienen ebenfalls die Rosen, von denen ich – je nach Zone – zwei oder drei benötige, um mir die Siegpunkte für die Partie zu sichern. Schaffe ich das nicht und muss ggfls. sogar weitere Farbkreuze setzen (es gilt Ankreuzpflicht), kann es sein, dass ich in den Bereich der rückläufigen Punkte gelange, in dem mir im Extremfall sogar Minuspunkte drohen. In diesem grauen Bereich findet ein sofortiges Einfrieren statt.

Zusätzlich gibt es noch drei Linien auf dem Block. Wer diese mit all seinen Farben als erstes überschreitet, bekommt noch die Bonuspunkte für den ersten. Die anderen haben noch die Möglichkeit weitere Punkte zu sammeln, wenn sie es als 2-4 schaffen. 

Das Spiel endet sobald ein Spieler alle seine vier Reihen eingefroren hat.


Autor: Klaus-Jürgen Wrede • Grafiker: Kreativbunker
Verlag: moses Verlag • Jahr: 2019

spieler2-4 Spieler • alterab 8 Jahren • zeitca. 20 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu Moses Verlag)


Spielgefühl

Calavera spielt sich erstaunlich einfach und hat doch schöne taktische Elemente.

Zunächst beginnt das Spiel sehr gemächlich, ja unspektakulär. Wir würfeln und machen unsere Kreuze. Kommt ein Totenkopf, so profitieren auch die jeweiligen Mitspieler. Aber ansonsten verläuft das Spiel sehr ruhig. Ab der zweiten Spielhälfte, wenn wir uns den gelben Siegpunktfeldern nähern wird es dagegen ungleich spannender und auch emotionaler am Spieltisch. Zum einen kommt nun das Zockelement mehr zum Tragen. D.h. wie weit will ich in den gelben Bereich vordringen, um mir z.B. die Höchstpunktzahl zu sichern. Wie hoch ist aber auch das Risiko, dass ich einen Würfel meines Mitspielers nehmen muss, der mich näher oder sogar über den Rand der Klippe in den grauen Bereich bringt. Und dann muss ich ja auch noch die Rosen werfen. Was sich nicht immer als so einfach herausstellt. Da gilt es Nerven bewahren und ruhige Entscheidungen zu treffen. Manchmal ist weniger etwas mehr. Spannend wird es zudem, wenn die ersten Spieler Reihen eingefroren haben, so dass ihr Entscheidungsspielraum weiter eingeengt wird und sie in manchen Situationen gezwungen sind, unliebsame Entscheidungen zu treffen.

Gleiches gilt auch für die Totenköpfe. Gar keiner ist am besten, da dann niemand von meinem Wurf profitiert. Ein oder zwei kann ich auch noch verkraften. Ärgerlich ist dann der dritte, wenn ich somit nur für die anderen gearbeitet habe.

Hohe Interaktion

Calavera ist vom Basismechanismus nicht neu, lebt aber wie geschildert von der Interaktion, die nach hinten heraus immer stärker zum Tragen kommt. Gerade in den letzten Würfen ist das Bangen, Hoffen, Glück und Ärger sehr nah beieinander.

Das Einzige was mir nach einigen Partien Calavera nicht so gut gefällt, ist der oben geschilderte langsame Aufgalopp zum spannenden Finale. Hier sind gerade die ersten Würfelrunden doch nach einigen Partien zu repetitiv. Merkt man auch an der Unterhaltung während des Spiels, die erst in den letzten Runden verstummt.

Es spielt sich in den Besetzungen 2-4 Spieler gleich gut.

Einzig Stifte fehlen in dem Spiel, welches durch einen sehr stabilen Karton und schöne Würfel glänzt (einen Ersatzblock kann man inzwischen auch schon bei Moses erwerben).


Kurzfazit: Kurzweiliges Roll n Write Spiel, welches im zweiten Abschnitt eine angenehme taktische Tiefe bildet. Schöner Interaktionsgrad mit geringer Downtime runden ein gelungenes Würfelspiel ab. Wenn die erste Hälfte des Spiels nicht nur Vorgeplänkel zum spannenden Finale wäre, hätte ich gerne ein „jederzeit gerne“ und damit eine höhere Note vergeben.

  • Schnell zu verstehen
  • Hoher Interaktionsgrad
  • Tolle Erweiterung des Roll n Write Mechanismus

 

  • Erste Hälfte des Spiels ist etwas Vorgeplänkel.

 

 

Ein Spiel, was ich gerne immer mal wieder mitspiele. Orientiert sich sicherlich an den Familienspieler, der gerne mal etwas neueres im Roll n Write Segment ausprobieren möchte. Und dieses bietet Calavera tatsächlich. Gerade im zweiten Spielabschnitt, wenn man als aktiver Spieler taktisch seinen Mitspielern Würfel zuschustern kann und dieses Geschenk nicht immer auf ungeteilte Freunde stößt, macht das Spiel richtig Spaß. Durch den höheren Interaktionsgrad und der geringen Downtime ist man dann sehr gebannt am Würfeltisch. Mit ist nur die erste Phase des Spiels etwas zu viel Anlauf holen, für das Finale.

 


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