Home Jahr 2026 Reforest – REVIEW | Rezension Brettspiel

Reforest – REVIEW | Rezension Brettspiel

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Eine kleine Schachtel, ein paar Karten und gerade einmal sechs Plätze im eigenen Wald. Das Kartenspiel Reforest sieht zunächst nach einem eher überschaubaren Kartenspiel aus. Dahinter steckt jedoch ein durchaus anspruchsvolles Kennerspiel, bei dem aus wenigen Grundregeln erstaunlich viele Entscheidungen entstehen.

Optisch erinnert das Ganze mit seinen sehr schönen Pflanzenillustrationen zunächst ein wenig an Mischwald. Spielerisch kommen durch die Karteneffekte und deren Zusammenspiel auch leichte Flügelschlag-Vibes auf. Reforest geht dabei aber seinen eigenen Weg, insbesondere mit dem Überbauen von Pflanzen und der Nutzung von Energie.

Christoph


Jede Person baut einen eigenen Wald aus sechs Plätzen auf, die in drei Reihen angeordnet sind. Auf diesen Plätzen können im Laufe des Spiels mehrere Pflanzen übereinanderliegen.

Im eigenen Zug gibt es lediglich zwei grundlegende Aktionen: bis zu zwei Pflanzen ziehen oder eine Pflanze ausspielen.

Beim Ausspielen müssen die Kosten einer Pflanze bezahlt werden. Dafür können Handkarten und Energie mit eingesetzt werden. Besonders interessant wird es, wenn bereits ausliegende Pflanzen überbaut werden. Größere Pflanzen dürfen auf kleinere gelegt werden und reduzieren dadurch die Kosten der neu ausgespielten Pflanze.

Je nach Pflanzenart passiert mit der überdeckten Karte anschließend etwas anderes. Manche Pflanzen (volle Sonne) werden auf die Rückseite gedreht und stehen fortan als Energie zur Verfügung. Andere (Halbschatten) bleiben offen liegen, sodass ihre Symbole und weitere Informationen weiterhin genutzt werden können. Zudem bringen diese am Ende noch Siegpunkte.

Zusätzlich liegen zu Beginn drei Tiere aus, eines für jede Runde. Am Rundenende wird jeweils überprüft, wer die entsprechende Tierbedingung am besten erfüllt. Diese Person erhält das Tier und damit weitere Punkte. Bei Gleichstand wandert das Tier in die nächste Runde.

Nach drei Runden gibt es Punkte unter anderem für Pflanzen, Wertungseffekte, Energie, Tiere und den Aufbau der einzelnen Reihen.

Brettspiel Regeln

Spielregeln (ext. Link zu Board Game Circus)


Einfacher Ablauf, viele Entscheidungen

Zwei Aktionen klingen zunächst nach einem sehr einfachen Spiel. Reforest zeigt aber recht schnell, wie viel daraus entstehen kann.

Welche Pflanze möchte ich ausspielen? Welche Pflanze überbaue ich? Soll eine Karte im Licht bleiben oder nutze ich sie später als Energie? Welche Symbole benötige ich für eines der Tiere? Und welche Kartenkombination bringt mir langfristig die meisten Punkte?

Dadurch entsteht eine hohe Entscheidungsdichte trotz einfacher Grundregeln.

Gerade in den ersten ein bis zwei Partien fällt es allerdings noch etwas schwer, alle Möglichkeiten im Blick zu behalten. Und das, obwohl der eigene Wald eigentlich nur aus sechs Plätzen besteht. Die unterschiedlichen Karteneffekte, Symbole und Bedingungen müssen zunächst einmal verstanden und sinnvoll miteinander kombiniert werden.

Nach einigen Partien wird der Überblick deutlich besser und genau dann beginnt Reforest seine Stärken auszuspielen.

Überbauen als zentrale Idee

Besonders gelungen finde ich den Mechanismus des Überbauens. Eine bereits ausgespielte Pflanze ist nicht einfach irgendwann nutzlos. Stattdessen kann sie dazu beitragen, eine größere Pflanze günstiger auszuspielen. Gleichzeitig muss ich überlegen, was anschließend mit der überbauten Karte passiert.

Auch die Energie funktioniert sehr gut. Karten können dadurch Teil eines kleinen Ressourcenmanagements werden und später zur Bezahlung neuer Pflanzen dienen.

Das führt dazu, dass sich ein Spielzug häufig nicht nur auf den Moment bezieht. Eine Pflanze kann zunächst wegen ihres Effektes interessant sein, später überbaut werden und anschließend möglicherweise noch als Energie für einen weiteren Spielzug dienen. Diese Verzahnung gefällt mir ausgesprochen gut.

Unterschiedliche Wege zu Punkten

Reforest lässt dabei verschiedene Strategien zu.

Eine Möglichkeit besteht darin, gezielt auf die Tiere und deren Bedingungen hinzuarbeiten. Gleichzeitig kann der eigene Wald so aufgebaut werden, dass bestimmte Pflanzen beim Überbauen weiterhin erhalten bleiben und ihre Symbole oder Punkte zur Verfügung stellen.

Hinzu kommen Wertungseffekte einzelner Karten und der Reihenbonus. Dadurch gibt es nicht den einen offensichtlichen Weg zum Sieg. Vielmehr muss aus den verfügbaren Pflanzen eine möglichst gut funktionierende Kombination entstehen.

Ein gewisser Glücksfaktor bleibt dabei vorhanden. Nicht immer erscheinen genau die Pflanzen in der Auslage oder auf der eigenen Hand, die gerade perfekt zur geplanten Strategie passen würden. Das gehört für mich grundsätzlich zu dieser Art Kartenspiel dazu, kann aber gelegentlich dazu führen, dass eine geplante Kombination nicht aufgeht.

Eher solitär unterwegs

Die Entwicklung des eigenen Waldes findet weitgehend im persönlichen Spielbereich statt. Entsprechend spielt sich Reforest über längere Strecken durchaus solitär.

Direkte Berührungspunkte gibt es hauptsächlich an zwei Stellen: Zum einen konkurrieren alle um die Tiere und deren jeweilige Bedingungen. Zum anderen greifen alle auf dieselbe offene Kartenauslage zu. Eine interessante Pflanze kann deshalb durchaus verschwunden sein, bevor ich wieder an der Reihe bin.

Darüber hinaus beschäftigt sich aber jede Person hauptsächlich mit dem eigenen Wald. Wer viel direkte Interaktion sucht, wird bei Reforest eher wenig davon finden.

Sehr schöne Karten – mit einem Problem

Optisch gehört Reforest für mich eindeutig zu den gelungenen Kartenspielen. Die Pflanzenillustrationen gefallen mir sehr gut und passen hervorragend zum Thema.

Leider gibt es bei der Gestaltung auch einen deutlichen Schwachpunkt.

Die Informationen und Symbole am unteren Ende der Karten sind sehr klein. Gerade diese Bereiche bleiben beim Überbauen teilweise sichtbar und sind weiterhin spielerisch relevant.

Schon im eigenen Tableau fällt es teilweise schwer, Farben und Symbole sauber auseinanderzuhalten. Noch schwieriger wird es, wenn ich erkennen möchte, welche Symbole in den Wäldern der anderen Mitspielenden vorhanden sind.

Gerade im Zusammenhang mit den Tierbedingungen wäre eine bessere Lesbarkeit wichtig gewesen.

  • Hohe Entscheidungsdichte bei einfachen Grundregeln
  • Cleveres Überbauen und Nutzen von Energie
  • Unterschiedliche Strategien und Kartenkombinationen
  • Anfangs viele Effekte im Blick zu behalten
  • Sehr kleine Symbole auf den Karten
  • Eher solitär mit wenig direkter Interaktion

Reforest ist für mich ein Kennerspiel im kleinen Format.

Die eigentlichen Regeln sind schnell erklärt. Karten ziehen oder eine Pflanze ausspielen, viel mehr braucht es zunächst nicht. Dahinter steckt allerdings eine überraschend hohe Entscheidungsdichte.

Besonders gut gefällt mir das Überbauen. Pflanzen werden dadurch nicht einfach ersetzt, sondern bleiben Teil der eigenen Planung. Kostenreduktion, Schatten, Energie und Karteneffekte greifen sehr schön ineinander. Auch die unterschiedlichen Möglichkeiten, Punkte zu erzielen, sorgen dafür, dass verschiedene Strategien ausprobiert werden können. Tiere, Kartenkombinationen, Wertungseffekte und der Aufbau des eigenen Waldes müssen miteinander in Einklang gebracht werden.

Die Kehrseite dieser Vielfalt ist der Einstieg. Gerade in den ersten Partien fällt es trotz der lediglich sechs Plätze nicht immer leicht, alle Effekte und Möglichkeiten im Blick zu behalten. Hinzu kommen die viel zu kleinen Symbole auf den Karten.

Auch bei der Interaktion bleibt Reforest zurückhaltend. Abgesehen vom Wettbewerb um die Tiere und dem Zugriff auf die gemeinsame Kartenauslage spielt jede Person weitgehend für sich. Wer jedoch Freude an Tableau-Building, Kartenkombinationen und dem Optimieren verschiedener Ressourcen hat, bekommt mit Reforest überraschend viel Spiel in einer sehr kleinen Schachtel.

Und dabei bleibt es nicht: Für das kommende Jahr ist bereits eine Erweiterung angekündigt, die auch eigenständig gespielt werden kann.

AUTOR: Sébastien Bernier-Wong
ARTIST: Janine van Fram
VERLAG:
Board Game Circus
ERSCHEINUNGSJAHR: 2026

1-4 Spielende

ab 14 Jahre

30-60 Min.

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