StartAllgemeinMetro Bingo - REVIEW | Rezension Brettspiel

Metro Bingo – REVIEW | Rezension Brettspiel

Bingo klingt zunächst nicht unbedingt nach einem Spiel, bei dem besonders viele Entscheidungen getroffen werden müssen. Eine Zahl wird gezogen, gesucht und abgehakt. Metro Bingo nimmt dieses bekannte Grundprinzip, verändert aber eine entscheidende Sache: Wir dürfen selbst entscheiden, wo wir die gezogene Zahl eintragen.

Und genau dadurch entsteht aus einer sehr einfachen Idee ein kleines taktisches Spiel, bei dem Hoffen, Abwägen und Ärgern erstaunlich nah beieinander liegen.

Ganz neu ist die Grundidee allerdings nicht. Metro Bingo ist eine Weiterentwicklung von Streams beziehungsweise 20 Express von Yoshihisa Itsubaki. Neu hinzugekommen sind insbesondere die unterschiedlichen Metro-Pläne, die dem Spiel deutlich mehr Abwechslung geben.

Christoph


Im Stoffbeutel befinden sich 42 Tickets in Form von Steinen. Die Zahlen reichen von 1 bis 30, wobei die Werte 11 bis 19 jeweils doppelt vorhanden sind. Hinzu kommen drei Spezialtickets. Alle spielen gleichzeitig auf ihrem eigenen Metro-Plan.

In jeder Runde wird ein Ticket aus dem Beutel gezogen und die entsprechende Zahl laut angesagt. Anschließend müssen alle diese Zahl in ein noch freies Feld ihres eigenen Plans eintragen. Ein einmal gezogenes Ticket bleibt anschließend offen liegen und kommt nicht wieder zurück in den Beutel. Dadurch wissen wir mit zunehmender Spieldauer immer genauer, welche Zahlen überhaupt noch kommen können.

Das Ziel besteht darin, möglichst lange aufsteigende Zahlenfolgen zu bilden. Gleiche Zahlen dürfen dabei direkt hintereinanderliegen.

Und hier beginnt das eigentliche Spiel. Kommt beispielsweise früh eine 18, stellt sich sofort die Frage: Wie weit hinten trage ich sie ein? Lasse ich davor noch mehrere Felder frei und hoffe auf 14, 15 oder 16? Oder gehe ich auf Nummer sicher und setze die 18 etwas weiter nach vorne?

Was am Anfang noch großzügig geplant aussieht, kann zehn gezogene Zahlen später ziemlich eng werden. Am Spielende werden die Strecken immer dort getrennt, wo auf eine Zahl eine kleinere Zahl folgt. Je länger ein zusammenhängender aufsteigender Abschnitt ist, desto mehr Punkte gibt es.

Drei Spezialtickets bringen Bewegung hinein

Neben den normalen Zahlen gibt es drei Sonderfälle.

Der Joker kann als beliebige Zahl verwendet werden. Beim Ausfall-Ticket werden zwei weitere Tickets gezogen und aus dem Spiel genommen, ohne dass etwas eingetragen wird. Beim Wahl-Ticket werden ebenfalls zwei Tickets gezogen, allerdings dürfen sich alle unabhängig voneinander für eine der beiden Zahlen entscheiden.

Gerade Ausfall und Wahl verändern dabei die Wahrscheinlichkeiten. Plötzlich verschwinden vielleicht genau die Zahlen aus dem Spiel, für die ich mehrere Felder freigehalten habe – oder ich bekomme die Möglichkeit, eine dringend benötigte Lücke doch noch passend zu schließen.

Vier Metro-Pläne – und hier wird es interessant

In der Schachtel befinden sich zwei doppelseitige Blöcke mit jeweils 50 Blättern und insgesamt vier verschiedenen Metro-Plänen.

  • London bildet den Einstieg und verwendet lediglich die Grundregeln. Deshalb empfiehlt Game Factory diesen Plan auch für die erste Partie.

Danach wird es deutlich abwechslungsreicher.

  • Bei Seoul spielen wir zwei unterschiedliche Routen nacheinander. Einige Knotenpunkte gehören jedoch zu beiden Strecken. Zahlen, die wir dort im ersten Durchgang eintragen, beeinflussen damit bereits unsere Möglichkeiten im zweiten Durchgang. Besonders gemein: Die bereits gezogenen Tickets kommen nicht zurück in den Beutel.
  • Tokyo besteht aus einem Rundkurs. Einen festen Start- oder Endpunkt gibt es nicht. Außerdem tragen wir bereits vor Spielbeginn zwei Sterne ein, die bei der Wertung als beliebige Zahlen verwendet werden können.
  • Bei Paris laufen sogar drei verschiedene Routen über den Plan. Zahlen dürfen zwischen den Linien verteilt werden, während zweifarbige Knotenpunkte für mehrere Routen gleichzeitig gelten. Am Ende werden die drei Linien getrennt ausgewertet.

Damit verändert sich nicht das Grundprinzip von Metro Bingo, wohl aber die Frage, wo und mit welchem Risiko wir unsere Zahlen platzieren.

Berlin und Essen als Sonderpläne

Für die deutschen Spielenden gibt es 2026 noch eine nette Ergänzung: Game Factory hat zusätzlich die beiden Metro-Pläne Berlin und Essen entwickelt.

Diese gehören nicht zum regulären Inhalt der Schachtel, sondern werden als Sonderspielpläne am Game-Factory-Stand auf den Spielemessen 2026 angeboten. Berlin und Essen bilden dabei gemeinsam einen zusätzlichen Block beziehungsweise eine Sonderbeilage.

Gerade zur SPIEL in Essen ist der Essen-Plan natürlich eine passende Ergänzung und gleichzeitig bekommen Spielende damit noch einmal zwei weitere Varianten über die vier regulären Städte hinaus.

Brettspiel Regeln

Spielregeln (ext. Link zu Game Factory)


Wenig Regeln, erstaunlich viele kleine Entscheidungen

Metro Bingo ist innerhalb weniger Minuten erklärt. Trotzdem ist es nicht einfach nur Glücksbingo.

Mit jedem gezogenen Ticket werden die Entscheidungen „unangenehmer“. Gerade am Anfang lässt sich wunderbar optimistisch planen: Hier lasse ich zwei Plätze frei, dort wird bestimmt noch eine kleinere Zahl kommen und hinten ist schließlich noch genügend Platz.

Irgendwann kippt das Ganze. Dann erscheint die 24, obwohl hinter der 23 nur noch ein Feld frei ist. Oder die dringend benötigte 12 will einfach nicht aus dem Beutel kommen. Und plötzlich muss eine Zahl irgendwo eingetragen werden, obwohl eigentlich jeder Platz falsch ist.

Genau daraus entsteht ein großer Teil des Spielreizes.

Dabei hilft, dass die bereits gezogenen Tickets offen liegen. Metro Bingo ist deshalb nicht nur reines Hoffen. Wer mitverfolgt, welche Zahlen bereits gezogen wurden, kann zunehmend besser abschätzen, wie realistisch bestimmte Lücken noch geschlossen werden können.

Natürlich bleibt trotzdem ein erheblicher Glücksfaktor bestehen. Welche Zahl als Nächstes gezogen wird, können wir nicht beeinflussen.

Gemeinsam spielen – aber eigentlich für sich allein

Interaktion gibt es praktisch keine. Alle hören dieselbe Zahl und tragen sie anschließend auf ihrem eigenen Plan ein.

Metro Bingo ist damit ein sehr paralleles Spiel.

Trotzdem funktioniert das gemeinsame Spielen erstaunlich gut, weil alle mit dem gleichen Problem konfrontiert werden. Wenn die 17 gezogen wird, freuen sich einige lautstark, während am anderen Ende des Tisches gerade jemand feststellen muss, dass diese Zahl überhaupt nicht mehr in die eigene Planung passt. Da ist viel Emotion am Spieltisch.

Gerade mit mehreren Personen entsteht dadurch durchaus Dynamik am Tisch, obwohl wir spielmechanisch kaum miteinander interagieren.

Ein weiterer Vorteil dieses Systems: Die Spielerzahl verändert die Spieldauer praktisch nicht. Ob zwei, sechs oder deutlich mehr Personen mitspielen, alle handeln gleichzeitig. Game Factory gibt die deutsche Ausgabe entsprechend mit bis zu 50 Personen an.

Und so dauert eine Partie auch nicht sonderlich lange und man spielt in der Regel noch einen weiteren Spielplan.

  • Sehr schnell erklärt und gespielt
  • Vier unterschiedliche Metro-Pläne (plus Essen / Berlin)
  • Spannende Entscheidungen trotz einfacher Regeln
  • Deutlicher Glücksfaktor
  • Kaum direkte Interaktion zwischen den Spielenden
  • Abstraktes Thema

Metro Bingo ist eines dieser Spiele, bei denen die Regeln fast schon zu einfach klingen.

Zahl ziehen, eintragen, nächste Zahl.

Doch genau die Entscheidung, wo eine Zahl eingetragen wird, sorgt dafür, dass aus dem bekannten Bingo-Prinzip ein überraschend unterhaltsames kleines Optimierungsspiel entsteht.

Besonders gut gefallen mir dabei die unterschiedlichen Metro-Pläne. London funktioniert hervorragend zum Einstieg, während insbesondere Seoul und Paris zusätzliche Entscheidungen hineinbringen. Dadurch bleibt es nicht bei immer derselben Partie mit einer etwas anderen Zahlenfolge.

Natürlich hängt viel davon ab, welche Tickets aus dem Beutel kommen. Gerade das gehört aber auch zum Spielgefühl: planen, Lücken lassen, hoffen – und irgendwann feststellen, dass die dringend benötigte 16 vermutlich einfach nicht mehr auftauchen wird.

Mit rund zehn Minuten Spielzeit, praktisch keiner Downtime und Regeln, die schnell erklärt sind, eignet sich Metro Bingo sehr gut als Absacker, Einstieg in einen Spieleabend oder für größere Gruppen.

Und meistens bleibt es dann eben doch nicht bei nur einer Partie.

AUTOR: Yoshihisa Itsubaki
ARTIST: Emilie Bertolin
VERLAG:
Game Factory
ERSCHEINUNGSJAHR: 2026

1-50 Spielende

8 Jahre

10 Min.

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