Beim Queen Games Pressetag in Bonn dürfen wir jedes Jahr in familiärer und entspannter Atmosphäre die Neuheiten zur SPIEL kennenlernen. Das Team der Brettspielbox fühlt sich zudem in den Räumlichkeiten besonders zu Hause, da hier auch das jährliche Brettspielbox-Wochenende stattfindet (hier sind aktuell noch die letzten drei Plätze frei). Dieses Jahr war ich, Carina, aber ausnahmsweise mal alleine dort und durfte ein paar Neuigkeiten antasten.
Nach der Begrüßung durch Ulrich Fonrobert führte Rajive Gupta aus, dass sich der Verlag künftig mittels eigenem 3D-Druck unabhängiger von der Lieferung von Kunststoffteilen aufstellen möchte. Hierzu werden gerade erste Erfahrungen gesammelt.
Auch Stefan Feld und Dirk Henn waren gekommen, um ihre neuen Spiele vorzustellen. Stefan Feld stellte im Rahmen seiner City Collection Manila und Beijing als die Nummern 11 und 12 vor und mit Orlando auch bereits die Nummer 13 in Aussicht. Dirk Henn hat mit Palace Quest ein weiteres Spiel seiner Alhambra-Familie hinzugefügt.

Ich hatte die Gelegenheit, Beijing, Manila, Dancing Birds, Palace Quest und die Neuauflage vom Alhambra Card Game kennenzulernen.
Beijing
Beijing beruht auf dem Spiel Im Jahr des Drachen, hat aber wie alle Spiele der City Collection-Reihe eine umfangreiche Überarbeitung erfahren. In diesem Spiel übernehmen wir die Verantwortung für eine aufstrebende Provinz und siedeln Bewohner dort an, die uns nützlich sein werden, die Herausforderungen der insgesamt 12 Runden zu bewältigen.
In jeder Runde wählen und spielen wir zuerst eine Aktion und anschließend eine unserer Personenkarten, um einen Höfling zu uns zu holen. Dieser bringt uns auf der Personenleiste voran, die sehr wichtig für das Spiel ist, da der hier vorne liegende immer als erstes seine Aktion auswählen darf. Dann geht es bereits an das jeweilige Runden-Ereignis. Während die ersten beiden Runden noch Frieden herrscht, ereilen uns in den folgenden Runden so fröhliche Dinge wie Hunger, Krankheit oder Angriffe anderer Heere. Darauf sollten wir vorbereitet sein, denn wenn wir diese abwehren können, ist das nicht schädlich. Können wir das nicht, verlieren wir Bevölkerung und somit auch Einfluss und später Punkte.
Beijing ist knackig und ganz schön bestrafend, aber doch in seinem Ablauf erstaunlich eingängig und flüssig. Gute Vorausplanung wird belohnt, aber das geht nur Hand in Hand mit einer guten Position auf der Personenleiste. Ich habe das Spiel aber nicht in der kompletten Grundversion kennengelernt, daher kommen in der Vollversion des Spiels noch weitere Elemente hinzu.

Palace Quest
Palace Quest ist ein Spiel aus der Alhambra-Familie – allerdings ist es kooperativ und ganz schön fordernd. Abwechselnd sind die Spielenden die Baumeister, die aus vier Gebäudeplättchen bestimmen, welche drei in dieser Runde gebaut werden können. Dann spielen wir reihum Karten von unseren verdeckten Stapeln aus und entscheiden, ob wir diese für den Bau unserer Gebäude verwenden wollen. Die Karten zeigen Edelsteine und somit an, auf welchen Edelstein-Feldern des ständig wachsenden Spielplans wir unsere Gebäude bauen können. Die Werte der Karten verwenden wir als Baukosten für die Gebäude.
Dabei müssen wir uns intensiv beraten, denn unsere Alhambra soll nicht nur regelgerecht wachsen, sondern auch noch Bedingungen erfüllen, die wir am Ende der Runde werten. Das kann auch zu Strafen führen. Und beispielsweise die Zahl unserer verfügbaren Handkarten der nächsten Runde reduzieren etc. Auch für das Spielende gilt es, bestimmte Punktebedingungen zu erfüllen. Wir haben diese in unserer ersten Partie nicht erreicht. Dazu war uns leider das Glück nicht hold, da beim Aufdecken der Karten und trotz des Einsatzes bestimmter Modifikatoren leider nicht das Passende dabei war. Diese Glückskomponente hat mich ein wenig gestört, aber ich möchte nicht aufgrund einer Partie ein grundsätzliches Urteil fällen. Für Alhambra-Fans ist eine neue kooperative Version sicher eine interessante Alternative.

Manila
Manila ist der Name des Spiels, das früher als Amerigo bekannt war. Manila wird über drei Runden á 7 Spielzügen gespielt. Die verfügbaren Aktionen für die einzelnen Spielzüge bestimmen sich über einen sehr interessanten Auswahlmechanismus, bei dem farbige Cubes in eine Art asymmetrischen Würfelturm geworfen werden. Die Würfel, die auf der Seite mit den meisten herausfallen, bestimmen mit ihren Farben die möglichen Aktionen des jeweiligen Spielzuges. Mit ihrer Anzahl bestimmen sie die Stärke, in der wir die Aktion ausführen dürfen. Die Cubes, die auf der anderen Seite herausfallen, werden zu denen des nächsten Spielzuges hinzugefügt. Auf diese Weise muss man in jedem Spielzug individuell auf die aktuellen Gegebenheiten bzw. Verfügbarkeiten reagieren und daraus das Beste machen. Ein sehr reizvoller Spielmechanismus!
Mit den möglichen Aktionen können wir in der Inselwelt Manilas mit dem Schiff umherfahren, um Inseln zu entdecken. Wir besiedeln sie anschließend und machen sie für die Landwirtschaft nutzbar, indem wir Felder und Faktoreien bauen. Haben wir eine Insel komplett erschlossen, kommt es zu einer Wertung für die daran beteiligten Personen. Auf unserem Tableau sammeln wir Waren und Fische und lagern Sandsäcke, um uns vor den Taifunen am Ende der Runde zu schützen. Auch Bürger der Stadt können wir in unsere Dienste holen – sie bringen dauerhafte Fähigkeiten, Sofortboni oder Wertungen für das Spielende, bis zu dem wir in feldscher Manier für sehr Vieles Punkte erhalten. Die Erstpartie von Manila hat mir extrem gut gefallen! Ich freue mich sehr auf weitere Partien.

Dancing Birds
Mit dem Kartenspiel Dancing Birds haben wir eine Variante von Rommé bzw. Rummikubb kennengelernt. Wir versuchen hier allerdings nicht zwingend, unsere Handkarten loszuwerden, sondern mit den vor uns ausgelegten Karten die meisten Punkte zu erzielen. Dabei legen wir wie bei Rommé Straßen oder Karten gleichen Wertes vor uns ab und können auch bei anderen Mitspielenden Karten anlegen. Ebenso können wir Karten aus der Auslage in der Mitte oder in den Auslagen der Mitspielenden mit unseren Handkarten zu neuen Kombinationen verbinden und ausspielen. Legen wir Karten bei Mitspielenden an, reduzieren wir zwar die Anzahl unserer eigenen Handkarten, die bei der Wertung Minuspunkte einbringen, wir schustern aber mit dem Anlegen von Karten den Mitspielenden auch Punkte zu. Zusätzlich gibt es Extrapunkte für die längste ausgelegte Straße sowie für das Beenden der Runde, welche erreicht ist, wenn jemand keine Karten mehr hat. Schnell gespielt über mehrere Runden, bis eine bestimmte Punktzahl erreicht wurde.

Alhambra Card Game
Das letzte Spiel für mich war das Alhambra Card Game, das in einer Neuauflage erscheint. Hier nehmen wir Edelsteinkarten aus einer offenen Auslage auf die Hand, um später damit Gebäude zu erwerben, die ebenfalls in der offenen Auslage liegen. Diese wollen wir möglichst passend bezahlen, da uns das einen Zusatzzug ermöglicht. Das erzeugt ein sehr schnelles Spieltempo, denn viel zu grübeln gibt es hier nicht. Wir wollen nur schnell das Gebäude abgreifen, auf das wir hingespart haben, bevor es uns jemand anderes wegschnappt – und das passiert (leider) sehr häufig!
Die Gebäude sammeln wir vor uns mit dem Ziel, jeweils über die meisten einer Sorte zu verfügen. Das ist wichtig, da in den Kartenstapeln eingemischte Wertungskarten zwei Zwischenwertungen für die Gebäude auslösen. Am Ende findet die Endwertung statt. Wer über das gesamte Spiel durch die Mehrheiten bei einzelnen Gebäudearten am besten punkten konnte, gewinnt das Spiel.

Fazit
Bei Queen Games durften wir einen sehr angenehmen und gastfreundlichen Tag verbringen, bei dem es zudem auch tolle Spiele kennenzulernen gab. Beijing müsste ich nochmal in der Vollversion vertiefen, aber Manila hat mich auf jeden Fall vom Fleck weg überzeugt.
Vielen Dank an Queen Games, die vielen Helferinnen und Helfer und besonders auch an Stefan Feld, der uns seine Spiele persönlich nährgebracht hat.



