StartAllgemeinHappy Holiday - REVIEW | Rezension Brettspiel

Happy Holiday – REVIEW | Rezension Brettspiel

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Derzeit liegen Brettspiele im Trend, die sich mit der Planung von Reisen beschäftigen. Nach anspruchsvolleren Vertretern wie Abroad oder Auf nach Japan hat nun auch Kosmos nachgelegt und mit Happy Holiday ein eher einsteigerfreundliches Spiel in dieses Themenfeld herausgebracht.

Wer die vorgenannten Vertreter bereits kennt, wird hier Vieles in leichterer Form wiedererkennen. Aber auch, wenn in Happy Holiday die Planung der Reise etwas einsteigerfreundlicher gestaltet ist, ist sie nicht trivial. Welche Herausforderungen in der Reiseplanung auf Euch warten, bevor der Urlaub auch wirklich „happy“ gelingt, lest Ihr im Folgenden. 

Carina


In Happy Holiday planen wir auf unserem eigenen Tableau einen dreiwöchigen Trip durch die Metropolen Europas. Sieben Städte stehen zur Wahl: London, Amsterdam, Berlin, Barcelona, Prag, Venedig und Paris. Von drei dieser Städte haben wir zu Beginn ein Plättchen auf dem 1., dem 11. und dem 21. Tag unseres Tableaus liegen. Nun gilt es, die restlichen Tage dazwischen sinnvoll zu planen und auch die Transportmittel für die Reisewege zwischen den Städten nicht zu vergessen. Dabei hilft die Abbildung auf dem zentralen Spielplan, die für die jeweiligen Strecken die Transportmittel anzeigt – entweder Straße oder Schiene. Alternativ können wir aber auch immer fliegen, erhalten dann dafür aber keine Punkte.

Wenn wir an der Reihe sind, nehmen wir uns ein Plättchen aus der Auslage auf dem Spielplan. Dort liegen 3×3 Plättchen aus. Nehmen wir in einem der drei Bereiche ein Plättchen weg, wird keins nachgelegt, sondern durch einen Koffer in der Farbe des jeweiligen Transportmittels ersetzt. Wer als nächstes ein Plättchen nimmt, darf den Koffer zusätzlich nehmen. Dann werden zwei Koffer nachgelegt. Wurden auch diese mit dem letzten Plättchen weggenommen, werden wieder drei Plättchen im Bereich ausgelegt. 

Die Plättchen sind jeweils einer Metropole zugeordnet und zeigen eine Aktion oder Attraktion, die wir an diesem Ort erleben können. Ebenso zeigt es eine Platzierungsvorgabe an: Entweder für einen bestimmten Tag, eine bestimmte Reisewoche oder Wochentag. Diese Vorgabe ist beim Einpuzzeln in den Reiseplan zu berücksichtigen. 

Ziel ist es außerdem, immer ein paar Tage am Stück in einer Stadt zu bleiben. 2 Tage am Stück bringen 3 Punkte bei Spielende ein, 3 Tage bringen uns 6 Punkte, 4 Tage 10 Punkte. Danach haben wir aber alles gesehen und sollten uns in die nächste Stadt aufmachen. Mehr als 4 Tage bringen nicht mehr Punkte. Passen die Platzierungsvorgaben nicht, kann man ein Plättchen auch umdrehen und dann in dieser Stadt einen Ruhetag einlegen. Dieser Tag zählt für die Verweildauerwertung, bringt aber an sich Punktabzug. 

Liegen in der Auslage nur Plättchen, die man nicht gebrauchen kann, ist es auch gegen Abgabe von Koffern möglich, Plättchen aus dem Sack zu ziehen und daraus auszusuchen. 

Außerdem müssen wir die Reisestrecken planen. Die Koffer, die wir aus der Auslage erhalten, stellen die passenden Verbindungen sicher. Zwei schwarze Koffer garantieren eine Bahnfahrt, zwei graue Koffer eine Autofahrt, zwei weiße Koffer einen Flug. Korrekte Verbindungen bringen bei Spielende Punkte ein, fehlende führen zu Punktabzügen.

Das Spiele endet, sobald wir unser Reisetableau vollgepuzzelt haben. Dann werden die Verweildauern, die Verbindungen und Ruhetage gewertet. Ebenso die Aufgabenkarten, von denen immer zwei pro Partie ausgelegt werden. Wer die meisten Punkte erzielen konnte, gewinnt Happy Holiday

Brettspiel Regeln

Spielregeln (ext. Link zu Kosmos)


Happy Holiday bricht die Planung einer Reise spieltechnisch so weit herunter, dass man es grundsätzlich mit jedem spielen kann. Es ist vielleicht nichts für blutige Bettspielanfänger, aber Wenigspielende werden hier nicht überfordert. Zudem zieht das Thema: Wer freut sich nicht auf seine nächste Reise oder – was in diesem Spiel häufig beim Anschauen der Plättchen geschieht – schwelgt in Erinnerungen bereits erfolgter Städtetrips. Bei Happy Holidaymöchte ich nicht nur gewinnen, sondern auch eine schöne Reise erleben. Am Ende der Planungen schaut man doch meist versonnen auf seine dreiwöchige Route und fragt sich nur noch: „Wann geht es los? Ich wär soweit!“

Was willst Du denn in Amsterdam?

Die Herausforderung des Spiels liegt darin, eine ausgewogene Reisebalance zu finden. Erfahrungsgemäß ist erfolgreich, wer grundsätzlich vier Tage in einer Stadt bleibt, um dann zur nächsten aufzubrechen. Dabei wäre es am besten, dass der Weg möglichst in eine Nachbarstadt führt, und für den Reiseweg die passenden Koffer bereits vor einem liegen. Soweit die Idealvorstellung…

Leider spielt die Auslage da nicht mit – zumindest meistens. Die Interaktion im Spiel findet im Auslagebereich der Plättchen statt. Und natürlich wollen die anderen Mitspielenden ausgerechnet genau die gleichen Plättchen wie ich. Werden drei neue Plättchen aufgedeckt, hält man schonmal ein, zwei Züge die Luft an, dass das dringend benötigte Plättchen mit der perfekten Platzierungsvorgabe noch dort ist, wenn man selber zugreifen darf. Leider ist das meistens nicht der Fall.

London! Ich brauche London!

Zu Beginn des Spiels hat man aber immerhin noch Spielraum und Lücken in der Reiseplanung, die man mit Alternativen bestücken kann. Je weiter das Spiel fortschreitet, desto enger wird mein Spielraum für die Auswahl. Nichts ist blöder, als nur einen Tag in einer anderen Stadt zwischenschieben zu müssen und dann auch noch zwei weitere Transportwege sicherstellen zu müssen. Um das zu vermeiden, lobe ich mir die Alternative, gegen Abgabe von Koffern Plättchen aus dem Säckchen ziehen zu können. Das ist wichtige Option, die man manchmal aus den Augen verliert, die man aber nutzen sollte, bevor man sich in Umwege verrennt. Lieber bei Spielende ein paar Koffer zu wenig als Stückwerk in der Reiseroute. Ggf. scheut man anfänglich auch noch vor Ruhetagen zurück – aber auch die sind weniger dramatisch und erleichtern den Anschluss von zwei Aufenthalten manchmal enorm.

Venedig ist gerade total out…

Leider ist uns im Spiel zu zweit zu wenig los in der Auslage, so dass ich das Spiel eher zu dritt, besser noch zu viert bevorzuge. Da kann immer einer etwas aus der Auslage gebrauchen, so dass dort für Rotation gesorgt ist. Im Spiel zu zweit kann es passieren, dass sich die Partie gegen Ende ein wenig „aufhängt“. Es werden nur noch bestimmte Plättchen benötigt und in der Auslage liegt nur noch „Ausschussware“. Nichts bewegt sich oder nur noch sehr wenig. Ich lege mir dann in meinen geplanten 4-Tage-Aufenthalt in Prag am zweiten Tag keine andere Stadt hinein und muss dann noch weitere zwei Verbindungen sicherzustellen. Hat man dann vorher auch bereits Koffer ausgegeben, um aus dem Säckchen zu ziehen und die Anzahl der Koffer geht zur Neige, wird die Situation immer verfahrener. Das kann frustrierend und so gar nicht „happy“ sein… Vielleicht wäre es im Spiel zu zweit eine Option gewesen, dass man Koffer ausgeben kann, um die Auslage auszutauschen oder aufzufrischen – vielleicht eine Idee für eine Hausregel. 

Ich hab noch einen Koffer in Berlin…

In größerer Runde gefällt mir Happy Holiday daher wirklich besser. Es lässt sich dann sehr flüssig spielen und ist vom Anspruch her ein richtiges Wohlfühlspiel. Beim Anblick der Sehenswürdigkeiten und Attraktionen kommt es häufig auch zu einem netten Austausch über Reiseerlebnisse oder es werden spontan Pläne geschmiedet. Unterstützt wird das positive Gefühl durch das schön gestaltete Spielmaterial. Die Koffer, die die Transportwege symbolisieren, sind sehr niedlich, nur nicht unbedingt für große Hände geeignet. Leider sind auch die durchgestrichenen Sterne – zum Beispiel bei den Ruhetagen – bei dunklerer Beleuchtung nicht gut zu erkennen. Hier hätte ich ggf. rote Sterne gewählt.

Ähm, muss zufällig auch noch jemand nach Prag?

Das Sicherstellen der richtigen Verbindungen zwischen den einzelnen Stadtaufenthalten gerät bei mir immer ein wenig in den Hintergrund. Meist achte ich nicht besonders darauf und versuche andere Wertungsoptionen gut zu erfüllen und darüber zu punkten. Mit Glück ergeben sich die Transportwege dann doch noch aus Zufall oder die Punktabzüge bei Spielende für fehlende Verbindungen dafür sind gar nicht so spielentscheidend. Auch einige Aufgabenkarten ignoriere ich. Manche Aufgabenkarten des Typs „Reiseroute“ fühlen sich unsinnig an, da das Erfüllen einer Aufgabe auf der anderen Seite Punktabzüge bei der herkömmlichen Wertung mit sich bringt. „3 Punkte für jeden Tag der längsten Folge von 1tägigen Aufenthalten“ beispielsweise. Hierfür müssen so viele Transportverbindungen geschaffen werden, das artet in Stress aus. Dann doch bitte lieber „Slow Tourism“ als „Cityhopping“…

  • Ansprechendes Spielmaterial und Wohlfühlthema 
  • Genre „Reisplanungsspiel“ sehr zugänglich runtergebrochen
  • Gut für das Spiel zu viert, da dies mehr Bewegung in der Auslage verspricht
  • Weniger gut zu zweit, da dann in der Auslage zu wenig los ist
  • Manche Aufgabenkarten mache gefühlt keinen Sinn
  • Ein Element zum Austausch oder zur Erneuerung der Plättchenauslage wäre schön gewesen

Happy Holiday ist ein zugängliches Reisplanungsspiel, das sich am besten in voller Besetzung spielt. Das garantiert, dass in der Plättchenauslage für unsere Reiseplanung, immer Bewegung ist. Die brauchen wir auch, um unsere Tour durch die Metropolen Europas sinnvoll zu gestalten. Nebenher schmieden wir „echte“ Urlaubspläne und schwelgen in Erinnerungen bereits vergangener Städtetrips. 

Im Spiel gilt unser Augenmerk der optimalen Verweildauer, den passenden Reiseanbindungen und einer Ausgewogenheit bei Attraktionen und Aktionen, das gute Planung und Glück in der Plättchenauslage erfordert. Happy Holiday ein Wohlfühlspiel, dessen Anspruch überschaubar bleibt. 

Meine Wertung entsteht unter dem Eindruck, dass wir das Spiel meist zu zweit gespielt haben und wir wegen der fehlenden Bewegung in der Plättchenauslage gegen Ende des Spiels fast immer an einen stumpfen Punkte gelangt sind, der sich nicht „happy“ anfühlte . In Vollbesetzung würde ich mein Urteil eine Stufe höher ansetzen. 

AUTOR: Matthew Dunstan, Brett J. Gilbert
ARTIST: Claus Stephan
VERLAG:
Kosmos
ERSCHEINUNGSJAHR: 2026

1-4 Spielende

10 Jahre

30-45 Min.

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