Home Jahr 2022 REVIEW | Rezension Brettspiel Sabika

REVIEW | Rezension Brettspiel Sabika

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Sabika ist der Name des höchsten Hügels in Granada, auf dem „La Alhambra“ während der Nasridenzeit erbaut wurde. Der Zweck bestand darin, eine Botschaft von Macht und Ruhm zu übermitteln. Thematisch schlüpfen wir im Brettspiel Sabika in die Rolle eines der nasridischen Adligen, der zum Bau der Türme, Gärten und Paläste dieses antiken Denkmals beigetragen hat. Zusätzlich zu dieser ehrenvollen Aufgabe müssen wir Handelsrouten durch Europa errichten. Diese Routen verschaffen uns Einnahmen, um den anspruchsvollen Tribut entgegenzunehmen, den die katholischen Könige verlangt haben.

Wenn man an den spanischen Autoren Germán P. Millán denkt, kommt einem sofort Bitoku in den Sinn. Bitoku war auf der SPIEL 2021 ein großer Erfolg und hat sich auch darüber hinaus großer Beliebtheit erfreut. Zur SPIEL 2022 erschien dann Sabika – allerdings bei einem anderen Verlag, Ludonova. Trotzdem, auch Sabika war schnell ausverkauft und es zeichnete sich ab, dass es an den Erfolg von Bitoku anknüpfen würde. Im Herbst erscheint Sabika bei Strohmann Games auf Deutsch. Umso mehr ein Grund meine Gedanken dazu niederzuschreiben. Und das alles obwohl ich mit Bitoku nie warm geworden bin…

Tim


SPIELBESCHREIBUNG

Der Spielplan von Sabika ist in mehrere verschiedene Abschnitte unterteilt, die Lagerhäuser, größere und kleinere Bauwerke, Gedichte, die Gunst des Sultans, Prestige Punkte und Parias sowie eine Seekarte mit Mittelmeerstädten. Das Zentrum und Herzstück des Spiels ist unbestreitbar das Rondell, in dem wir unsere Arbeiter platzieren und bewegen und dadurch Aktionen aktivieren. Das Rondell besteht wiederum aus drei Ringen mit jeweils 8 bzw.6 Aktionen, von denen aber nur 4 bzw. 3 unterschiedlich sind. Auf dem äußeren Ring können wir unsere zwei Handwerker einsetzten, die Ressourcen in den Minen sammeln, mit Ressourcen handeln und größere (Paläste, Türen) oder kleinere (Türme, Fenster) Bauwerke bauen. Auf dem mittleren Ring kann unser Händler laufen, der Schiffe zum Export von Waren entsendet und unsere Handelsbeziehungen festigt, was Einkommensboni oder sofortige Vorteile gewährt. Und schließlich bewegt sich im inneren Ring unser Dichter, dessen Aktionen sich passenderweise um die Gedichte drehen. Gedichte sind nicht nur im Spiel, sondern auch historisch gesehen ein sehr wichtiger Teil. Diese Gedichte gewähren uns einen dauerhaften oder sofortigen Bonus und eine Möglichkeit, am Ende des Spiels Punkte zu sammeln.

Das Spiel selbst wird in 5 Runden gespielt. In der ersten Runde setzen wir unsere Arbeiter nacheinander auf die Aktionsfelder des Rondels ein. Dazu müssen wir natürlich beachten, dass die Arbeiter auch nur in dem Ring eingesetzt werden, indem sie sich bewegen dürfen. Ab der zweiten Runde dann bewegen wir unsere Arbeiter im Uhrzeigersinn im äußeren, mittleren oder inneren Ring des Rondells, um die Aktionen zu aktivieren. Bewegen wir unseren Arbeiter ein oder zwei Schritte, ist es kostenlos. Jeder weitere Schritt muss mit 1 Dinar bezahlt werden. Darüber hinaus müssen wir für jeden anderen Arbeiter auf dem Feld 1 Dinar bezahlen. Im Anschluss können wir die Aktion durchführen. Er wird dann in der nächsten Runde von dort weiterbewegt. Wir können die Haupt- oder die Nebenaktion nutzen oder auch beides. Wenn wir keine dieser Aktionen ausführen können oder wollen, muss der Arbeiter ruhen. Dafür gibt es dann aber 3 Dinar aus dem Vorrat, die mit einem Prestigepunkt bezahlt werden wollen. Der Arbeiter kommt aber zurück zum Spielertableau und kann in der nächsten Runde wie zu Spielbeginn eingesetzt werden.

Die Aktionen auf dem Rondel sind im Wesentlichen schnell erklärt:

Auf dem äußeren Ring sammeln und tauschen wir Ressourcen. Außerdem können wir unser Lager ausbauen. Das hat verschiedene Vorteile von Pestigepunkten, bis hin zu Bonusaktionen. Aber hauptsächlich lässt es uns mehr Ressourcen lagern. Die meistgenutzte Aktion auf dem Ring ist allerdings das Bauen. Wie üblich müssen wir Ressourcen ausgeben, hier erhalten wir aber Prestigepunkte abhängig davon, was wir bezahlen. Sowohl die Art der Ressource als auch die Anzahl ist variabel und die unterschiedlichen Ressourcen bringen unterschiedlich viele Prestigepunkte. Der Bonus für das Bauen ist auch wieder sehr variabel.

Auf dem mittleren Ring dreht sich alles um den Handel. Eine Aktion lässt uns auf der Seekarte mit unseren Schiffen das Mittelmeer erkunden und mit den Städten Handel betreiben. Dazu können wir Waren ausgeben, um Prestigepunkte und Parias zu erhalten. Waren sind eine Art von Ressourcen, mit der wir nicht bauen können, sondern zuerst mit einer Aktion verarbeiten müssen. Mit den nächsten Aktionen können wir konsolidieren, also diese Handelsbeziehung festigen, die wir zuvor mit einer Stadt durch den Export von Waren aufgebaut haben. Spielmechanisch bewegt sich dazu nur das Schiff von der linken zur rechten Seite der Stadt, gibt uns aber dafür einen einmaligen Bonus oder dauerhaftes Einkommen. Die letzte Aktionsmöglichkeit auf dem Ring erlaubt es uns die Ressourcen aus einer besuchten Stadt zu nehmen, aber auch zwei noch nicht verarbeitete Waren zu verarbeiten.

Der innere Ring ist den Gedichten gewidmet. Diese gibt es in drei verschiedenen Varianten und jede bezahlen wir mit Dinar. Es gibt Gedichte, die einen sofortigen Bonus ausschütten, welche die einen dauerhaften Vorteil bringen und andere, die zu Spielende für gewisse Voraussetzungen Prestigepunkte ausschütten. Zusätzliche Aktionsmöglichkeiten auf dem inneren Rondell sind die Reaktivierung eines sofortigen Bonus eines Gedichts oder der Erhalt eines Zuschusses an Dinar, der größer ist, je nachdem wie viele Gedichte wir ausliegen haben.

Nachdem alle ihre Aktionen ausgeführt, ist die Runde zu Ende. Am Ende der Runde erhalten wir alle Einnahmen aus blauen Städten, die wir konsolidiert haben, müssen dann aber an die Krone von Kastilien Parias zahlen. Im mittelalterlichen Spanien waren Parias eine Form des Tributs, den die Taifas von al-Andalus an die christlichen Königreiche des Nordens zahlten. Nach Runde 5 erfolgt eine Schlusswertung, wer die meisten Prestigepunkte hat, gewinnt das Spiel.



AUTOR: Germán P. Millán ■ ILLUSTRATIONEN: Laura Bevon
VERLAG: Ludonova | Strohmann Games ■ ERSCHEINUNGSJAHR: 2022 (Englisch)

spieler

1-4 Spieler

alter

ab 14 Jahren

zeit

ca. 60 – 120 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu BGG)


SPIELGEFÜHL

Nicht nur optisch dominiert das Aktionsrondell der Arbeiter. Wenig überraschend ist es auch das zentrale Element, um das sich die Entscheidungen – im wahrsten Sinne des Wortes – drehen. Nicht nur das, es ist einer der wenigen Aspekte, bei dem es eine Art an Interaktion gibt, die ich auch durch meinen Spielzug beeinflussen kann. Ein Dinar zu bezahlen, falls ich auf einem schon besetzten Feld lande, klingt erst mal nicht viel. Aber zum einen muss ich ein Dinar pro Arbeiter bezahlen, zum anderen ist Geld durchaus knapp und ich fand mich schon oft in der Situation wieder, dass ich meine Wunschaktion nicht machen konnte, weil es an eben genau diesem einen Dinar gefehlt hat. Dies ist ein sehr wichtiger Punkt für dieses Spiel. Denn durch das Rondell kann ich die Aktionen der anderen blockieren oder zumindest die Kosten dafür erhöhen. Das erzeugt eine sehr gute Spannung, die Spaß macht. Bei weniger als vier Spielenden werden zusätzliche Arbeiter auf dem Rondell eingesetzt und in jeder Runde im Uhrzeigersinn bewegt. Das ist eine einfache, aber effektive Methode genau dieses Gefühl in allen Besetzungen beizubehalten.

Jeder Zug in Sabika sollte gut durchdacht sein. Der Mangel beginnt zwar bei den Dinaren, zieht sich aber durch das ganze Spiel. Selbst die Lagerplätze für Ressourcen sind ein Mangel. Aus diesem Grund gilt es jeden Zug zu optimieren, um das meiste rauszuholen und vor allem nichts zu verschwenden. Nichts wäre ärgerlicher als eine Bonusaktion zu bekommen, die ich übersehen habe und nun nicht nutzen kann, weil mir etwas fehlt. Das in Kombination mit dem Aktionsrondell sorgt für eine Herausforderung, die mancher Mitspieler schon als „mentaler Kampf“ bezeichnet hat. Denn oft bin ich auf eine Reihenfolge meiner Aktionen angewiesen, weiß aber nicht, ob mir diese Möglichkeiten in Zukunft noch bleiben.

Schaue ich mir allein die Aktion Bauen an, habe ich doch recht viel über das ich zuerst nachdenken muss. Zum Beispiel würde ich gerne mit Glas – der wertvollsten Ressource – bauen. Dafür bekomme ich auch die meisten Siegpunkte. Also überlege ich, wo ich Glas herbekomme, stelle aber fest, dass ich erst einmal mein Lager vergrößern muss, um das Glas überhaupt zu Lagern. Außerdem darf ich mit dem Gebäude als Bonusaktion mein Schiff bewegen. Aber ich brauche auch wieder Dinar für die Bewegung auf dem Meer und dann auch noch die Waren, die ich ja auch wieder in meinem Lager unterbringen muss…

Aber schaffe ich erst einmal all diese Gedanken unter einen Hut zu bringen und meine Aktionen gut zu planen, ist es unglaublich belohnend, all diese Bonusaktionen zu bekommen. Es hat etwas zutiefst Befriedigendes einen gut geplanten Zug in Sabika so auszuführen, wie ich ihn im Kopf durchdacht habe. Dabei ist es am Ende tatsächlich egal, wer die meisten Prestigepunkte erzielt und das Spiel gewonnen hat. Am Ende sitzen wir doch noch alle zusammen und unterhalten uns über genau diese Züge, bei denen alles zusammengekommen ist, was zusammenkommen musste. Das bedeutet jedoch auch, dass ich eine Partie Sabika nicht mit Grüblern spielen möchte. Denn die ganzen Kombinationen sind selten zu komplex, müssen aber dennoch gut geplant werden und das kann zu Downtime führen.

Am Ende des Tages sind die Möglichkeiten aber auch endlich. Es gibt nicht so viele verschiedene Hauptaktionen und viele von ihnen sind wirklich einfach. Häufig sind auch viele Aktionen gar nicht möglich, was die Auswahl noch weiter einschränkt. Damit will ich sagen, dass trotz der herausfordernden Planungsleistung hier kein hochkomplexes Expertenspiel vorliegt. Ich kann dieses Spiel ohne Bedenken mit Kennerspielern spielen. Die Regeln selbst sind vergleichsweise kurz und einfach. Die Komplexität kommt hier erst mit dem Spielen auf und nicht durch ein umfangreiches oder überforderndes Regelwerk.

Einen weiteren Aspekt, den ich bei Sabika schätze ist die Varianz. Und das, obwohl das Rondell sich nicht verändert – dafür aber alles andere. Alle Spielkomponenten sind für diese belohnenden Kettenzüge entscheidend. Von Ressourcen, bis hin zu Bonusaktionen kann ich alles überall bekommen. Aus diesem Grund ist das Material, welches um das Aktionsrad herum auf dem Spielplan liegt von großer Bedeutung für mich. Manches davon ändert sich von Partie zu Partie, wie zum Beispiel die Boni bei den Stätten auf der Seekarte. Anderes aber ändert sich natürlich auch von einem Zug zum nächsten, zum Beispiel, wenn jemand mir DAS Gedicht vor der Nase wegschnappt. Das lädt zum einen dazu ein, verschiedene Strategien auszuprobieren, zum anderen fordert es aber auch ein gewisses Maß an Flexibilität.

Vom Design her hat mich Sabika sofort abgeholt. Zum einen die Schachtel mit dem spartanischen Muster. Zum anderen auch die Komponenten mit den einzigartigen Holzkomponenten – vor allem die Arbeiter – und dem schönen Artwork von Laura Bevon. Bei genauerer Betrachtung des Spielplans fällt auf, dass die Bereiche des Rondells fast immer geschickt mit den Aktionsbereichen verbunden sind, sodass es an dieser Stelle leichtfällt, sich die jeweils zugeordneten Aktionen zu merken. Einzig und allein die Karten geben Anlass zur Beschwerde. Sie sind nicht groß, beinhalten aber sowohl den Text, als auch die symbolische Beschreibung dessen. Natürlich ist es immer ein Streitthema, ob ein Verlag nun Text oder Symbole oder auch beides auf die Karten druckt und am Ende auch Geschmackssache. Aber für mich hat diese Lösung hier nicht funktioniert, denn so habe ich Schwierigkeiten überhaupt zu erkennen, was die Karte nun eigentlich aussagt.


Zusammenfassung

Ich mag Sabika, weil ich nicht über unzählige Möglichkeiten und deren Umsetzung nachdenken muss. Davon gibt es tatsächlich genug Spiele. Für mich findet das Spiel genau den richtigen Mittelweg und eröffnet sowohl einen guten Einstieg, als auch eine länger anhaltende Herausforderung. Es sollte klar sein, dass sich hinter einem relativ ungenutzten Thema ein bekannter Mechanismus verbirgt. Sabika erfindet das (Aktions-)Rad nicht neu, aber wertet es zu einem runden Gesamtkonstrukt auf.

Bei Sabika macht man am liebsten alles: viel Bauen und viele Gedichte, alle Städte mit den Schiffen besuchen und natürlich auch noch ein gut ausgebautes Lagerhaus vorweisen. Allerdings ist das Spiel kein Wunschkonzert. Natürlich kann man viel erreichen, aber man sollte nicht alles gleichzeitig angehen. Zahlreiche Strategien laden dazu ein, Sabika zu entdecken und immer wieder gerne auf den Tisch zu bringen.

  • Befriedigende Kettenzüge
  • Verschiedene Strategien zu entdecken
  • Leicht zu lernen, aber schwer gut zu spielen
  • Ungünstige Kartengestaltung
  • Mit Grüblern zu lang

Aus meiner Spielerperspektive: Für mich ist Sabika ein tolles Kennerspiel, was auch mich als Expertenspieler begeistern kann. Dabei schafft es diesen Spagat ohne zu sehr in die eine oder die andere Richtung abzudriften.

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