Home Jahr 2021 REVIEW | Rezension Brettspiel Meadow

REVIEW | Rezension Brettspiel Meadow

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Könnt Ihr Euch noch an die liebevoll gezeichneten Naturlehrbücher aus Eurer Kindheit erinnern? Die, in denen ihr gelernt habt, welche Spuren Rehe hinterlassen, welche Tiere Winterschlaf halten und wie Eichhörnchen so wohnen? Wer gerne an diese Bücher zurückdenkt, wird sich bei Meadow gleich ganz wie zu Hause fühlen! Der Untertitel des Spiels „Im Reich der Natur“, ist daher absolut wegweisend. Was Meadow als Spiel so drauf hat? Schauen wir es uns an!

Carina Brachter


SPIELBESCHREIBUNG

Meadow macht uns zu Naturbeobachtern. Am Lagerfeuer schmieden wir Pläne, was wir in der Natur erleben wollen. 

Wir machen uns also auf den Weg, um Tiere und Pflanzen zu erkunden, Landschaften zu entdecken und Fundstücke zu sammeln.

Wir starten mit fünf Handkarten. Mit diesen und weiteren in einer drei mal vier großen Kartenauslage auf dem Spielbrett versuchen wir in der Auslagefläche vor uns möglichst viele und punkteträchtige Beobachtungen zu sammeln.

Die Karten sind nach Himmelsrichtungen sortiert. Die erste Hälfte des Spiels bestreiten wir mit Karten aus dem Westen, Süden und Osten, nach der Hälfte des Spiels werden die Karten des Südens mit denen des Nordens getauscht.

Die Karten zeigen entweder Landschaftsarten, Wege, Fundstücke, Pflanzen und Tiere. Außer für die Landschaftsarten erhalten wir für alle am Ende des Spiels die aufgedruckten Punkte. 

Die Karten sind so aufgebaut, dass auf ihnen immer die Bedingungen aufgedruckt sind, die wir für das Auslegen benötigen. Diese sind meist im Lebensraum der Tiere und Pflanzen oder in der Nahrungskette begründet. Die Basiskarten mit den Landschaftsarten bringen beispielsweise Käfer oder Raupen mit. Habe ich eine Karte mit einem Schmetterling auf der Hand, muss ich diese beispielsweise auf die Karte mit einer Raupe spielen, da diese als Bedingung auf der Schmetterlingskarte aufgedruckt ist. Auf die Karte mit dem Schmetterling kann ich ggf. später eine Karte mit einem Vogel spielen, da sich dieser von Schmetterlingen ernährt. 

Sind wir an der Reihe, legen wir eines unserer Zaunteile an. Je nach Spieler:innenanzahl stehen uns davon vier oder fünf zur Verfügung. Die Zaunteile haben zwei Seiten: Die spitze Seite können wir an der Kartenauslage anlegen, um dort aus dem Raster eine bestimmte Karte für uns zu beanspruchen. Diese nehmen wir auf die Hand. Dann können wir einen unserer Handkarten in die Auslage legen.

Die stumpfe Seite des Zauns können wir an unseren Lagerplatz anlegen, um die auf dem Zaunpfahl abgedruckte Aktion auszuführen. Diese besagen, dass wir beispielsweise eine beliebige Karte aus dem Raster aussuchen, neue Startpunkte für unsere Wegekarten erhalten oder direkt zwei Karten in unsere Auslage spielen können. 

Nur, wenn wir die stumpfe Seite eines Zaunpfahls an unseren Lagerplatz anlegen, können wir im gleich Zug auch einen unserer Punktechips auf einen Platz am Lagerfeuer legen. Dort liegen Ziele aus und wenn wir es geschafft haben, die durch die Ziele geforderten Symbole in unserer Auslage aufzuweisen, dürfen wir einen unserer Punktechips zwischen die Zielsymbole platzieren und erhalten dafür bei Spielende Extrapunkte. Die Punktechips tragen die Werte 2, 3 und 4 und werden aufsteigend platziert. 

Bleibt uns gar keine dieser Alternativen, können wir auf einer der Bänke am Lagerplan Platz nehmen und immerhin eine Karte ausspielen.

Das Spiel endet – je nach Spieler:innenanzahl nach sechs bzw. acht Runden. Wer dann die meisten Punkte durch seine Beobachtungen in der Auslage und durch die Punktechips am Lagerplatz ergattern konnte, gewinnt Meadow.



AUTOR: Klemens Kalicki ■ GRAFIKER: Karolina Kijak, Katarzyna  Fiebiger
VERLAG: Rebel | Asmodee ■ ERSCHEINUNGSJAHR: 2021

1-4 Spieler

ab 10 Jahren

ca. 60-90 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu Asmodee)


SPIELGEFÜHL

Ist das hübsch oder ist das hübsch?

Fangen wir mal wieder mit dem Äußeren an: Meadow ist wunderhübsch illustriert. Auf den 180 Beobachtungskarten der Grundvariante sind die Tiere und Pflanzen alle individuell gezeichnet. Bei so manchem Tier ist selbst mir ein verzücktes „Ist die süß!“ über die Lippen gekommen. Normalerweise flippe ich da nicht so schnell aus – aber wer beim Anblick der Gelbhalsmaus (B12) nicht in Verzückung gerät… 

Schneller Aufbau, praktische Handhabung

Auch das restliche Material ist super – da gibt es nichts zu meckern. Die als Rucksäcke gestalteten Kartenhalter sind optimal. Sie sind sehr stabil und garantieren, dass man die Karten schön sortiert schnell zur Hand hat. Aufbau und Abbau des Spiels gehen daher denkbar schnell, im Inlay hat alles seinen Platz. Die Regeln sind gut und klar formuliert, jeder Abschnitt wird von einem Beispiel begleitet. Sehr schön und praktisch ist auch das beiliegende Kartenverzeichnis, in dem zu jeder Karte eine kurze Beschreibung zu finden ist – so kann man bei diesem Spiel auch in jeder Partie noch etwas dazu lernen. 

Für Naturliebhaber und alle, die es werden wollen

Meadow ist das perfekte Spiel für Naturliebhaber. Wer damit nichts zu schaffen hat, kann es aber trotzdem spielen – das Herz für die Natur wird dann vielleicht beim Spielen entdeckt.

Thematisch ist das Spiel absolut stimmig: Natürlich möchte der Vogel einen Käfer fressen und wenn er ihn gefressen hat, ist er nunmal weg, da liegt dann jetzt die Karte mit dem Vogel. Der Schmetterling entsteht aus einer Raupe. Das Haus braucht festen Boden, auf dem es stehen muss. Bestimmte Pflanzen wachsen nur auf sandigem Grund. Bitterer wird es natürlich, wenn der Greifvogel die kleine Gelbhalsmaus…. aber bitte, soweit müssen wir doch wirklich nicht gehen! Er kann doch auch etwas anderes fressen!

Nur nicht unterschätzen

Meadow erfordert von den Spielerinnen und Spielern einiges an Planungsarbeit. Man darf das Spiel nicht unterschätzen, nur weil es an ein Kinderbuch erinnert! Wir müssen stets die Auslage im Auge behalten, um zu sehen, ob sich hier etwas befindet, was wir in unserer (Nahrungs-)Kette unbedingt benötigen oder dessen Voraussetzungen wir bereits mit ausliegenden Karten erfüllen, um schnelle Punkte zu machen. 

Die vor den Spielenden am Ende des Spiels ausgebreitete Auslage an Karten, Wegen und  Erinnerungsstücken ist oft gleichwertig. Die Ziele auf dem Lagerplatz zu erfüllen, ist oft sogar spielentscheidend. Es ist wichtig, auch die Auslage der Mitspielenden im Blick zu behalten, um zu sehen, wer einem bei der Erfüllung der Ziele ggf. gefährlich werden könnte. Dann sollte man nicht länger zögern und sofort handeln und punkten.

Je mehr desto besser? Eher nicht…

Meadow dauert seine Zeit. Die Angabe zur Spiellänge täuscht sich nicht. Mit ungeübten Spielerinnen und Spielern in einer Runde zu viert liegt man auch schonmal deutlich über 90 Minuten. 

Und: Je mehr Spielende, desto weniger planbar – was für viele Spiele gilt, gilt auch hier. Die Auslage an verfügbaren Karten sollte man bei vier Spielerinnen und Spielern zwar im Auge behalten, aber es ist unnütz und bisweilen frustrierend, auf eine bestimmte Karte zu hoffen, die einem dann doch wieder vor der Nase weggenommen wird. Zu Zweit sind die Spielzüge deutlich besser planbar. Da kann man schonmal hoffen, dass die Karte liegen bleibt, auf die man ein Auge geworfen hatte. Und auch, wenn sie einem doch weggenommen wurde, gibt es hier sicher einen Plan B. Dafür muss man sich aber breit aufstellen und flexibel bleiben.

Wenig Rotation in der Auslage

Der Nachteil am Spiel zu Zweit liegt im Wesentlichen darin, dass sich die Auslage wenig ändert. Haben beide Spielenden nicht die richtigen Voraussetzungen, um Karten aus der Auslage spielen zu können, kann es hier zu einer Art Stau kommen. Das Spiel tritt dann ein wenig auf der Stelle. Die Alternative, zwei Karten für eine fehlende Bedingung abzugeben, wird ungerne in Anspruch genommen. Die Möglichkeit, drei Karten zu ziehen und eine auszusuchen, führt auch nicht immer weiter.

Hier empfehle ich eine Hausregel, die darin besteht, nach jeder Runde die unterste Reihe Karten in der Auslage zu entfernen, alle Karten eine Reihe nach unten rutschen und von oben neue Karten nachzulegen. So kommt garantiert in jeder Runde frischer Wind in die Karten, der häufig belebend wirken kann.

Immer noch Neues zu entdecken

Auch nach über zehn Partien gab es für uns bei den Karten immer noch Neues zu entdecken, denn einige Tiere und Pflanzen kamen erst dann zum Vorschein. Weitere Varianz bringt Meadow noch durch einige Umschläge mit, die dem Spiel beiliegen. Das Öffnen der Umschläge ist an bestimmte Bedingungen im realen Naturerleben geknüpft. Einen Umschlag darf man erst zu Weihnachten öffnen. 

Dass durch die Umschläge weitere neue Aspekte ins Spiel kommen, ist eine nette Idee. Ob sie das Spiel wirklich zu ändern vermögen, kann ich jetzt noch nicht absehen. Bei den beiden Umschlägen, die wir geöffnet haben, war dies nur in geringem Umfang der Fall. Mehr möchte ich nicht spoilern.

Für wen ist es was?

Grundsätzlich ist Meadow für eine breite Zielgruppe geeignet. Aufgrund Gestaltung und Thema ist es sicherlich gut für Familien geeignet, allerdings sollten es doch eher spielgeübte Familien sein. Die ersten ein, zwei Partien muss man sich in das Spiel eingrooven. Da ist dann die Spieldauer ggf. auch schon ordentlich lang. Für Geübtere geht es dann schneller von der Hand. Ich würde Meadow eher – aufgrund Planungsaufwand und Spiellänge – in den Kennerbereich einordnen.


Zusammenfassung

Meadow ist eine Augenweide – es bietet Naturliebhabern einen tolles Setting, das durch die unterschiedliche Kartenauslage und die in jedem Spiel neu kombinierten Zielplättchen am Lagerfeuer immer neue Varianz mit sich bringt.

Der Spielablauf ist wenig komplex, schwieriger ist die Planungsarbeit und das Hinarbeiten auf Ziele und lukrative Karten.

Meadow kann dabei hin und wieder ein wenig lang geraten. Auch die Auslage könnte bei der ein oder anderen Partie etwas häufiger rotieren, aber Meadow bietet meist einen Plan B. Das Spiel ist gut geeignet für Spieler auf gehobenem Familienspielniveau aber auch für Kenner. Wichtig ist, dass man mit dem Thema etwas anfangen kann. Spricht einen das Naturthema nicht an, sollte man von Meadow die Finger lassen. 

Durch die beiliegenden Umschläge kommen auch nach ein paar Partien nochmal neue Impulse ins Spiel, die aber nicht den Charakter einer Erweiterung haben und das Spiel damit nicht auf eine neue Ebene heben.

  • tolle Gestaltung und liebevoll umgesetztes Naturthema
  • Einfache Spielmeachanismen
  • Großer Wiederspielreiz durch Varianz der Spielelemente und Umschläge mit neuen Karten 
  • Das Spiel kann durch eine ungünstige Auslage schonmal ins Stocken geraten
  • Die Spiellänge ist recht lang – auch zu zweit ist man meist einen gute Stunde beschäftigt

Aus meiner Spielerperspektive: Meadow ist derzeit mein Lieblingsspiel. Ich mag es unglaublich gerne – nicht nur, weil es so schön anzusehen ist. Der Spielablauf ist gefällig, thematisch passt hier so viel zusammen. Ich könnte es jederzeit spielen und wenn es nur nach mir ginge, bekäme es das Prädikat DAUERBRENNER. Es hat aber sicherlich ein paar Schwächen, die andere mehr stören dürften als mich. Da ich aber gerade im dänischen Ferienhaus sitze und sich das Spiel unfassbar gut in das gesamte Ambiente einfügt, kann man mich derzeit nachts dafür wecken…

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