Sonntag, Juni 23, 2024
StartJahr2023REVIEW | Rezension Brettspiel: INSEL EXPRESS - der kleine große Engine-Builder

REVIEW | Rezension Brettspiel: INSEL EXPRESS – der kleine große Engine-Builder

Das Brettspiel Insel Express entführt uns auf eine Insel, nicht mit zwei Bergen, sondern auf ein aus sechs Karten bestehendes Eiland. Wir werden im Laufe des Spiels Passagiere und Ressourcen auf diese kleine wundervolle Insel bringen. Dazu werden wir unseren eigenen Zug (aus-)bauen und um all dies zu schaffen, werden wir auf unsere Mitspielenden angewiesen sein, damit wir mit viel Zugkraft Siegpunkte einfahren können.

Björn Schwarzmüller


SPIELBESCHREIBUNG

Insel Express ist ein auf Karten basierender Engine-Builder. Zu Beginn haben wir eine Lokomotive, zwei zufällig gezogene Passagiere und auf der Hand fünf Karten.

Im Spiel wird (fast) alles über die Karten gelöst. Zum einen sind die Karten verschiedene Waggons, die wir, unter bestimmten Auflagen, an unsere Lokomotive hängen können. Oder sie sind Upgrades vorhandener Karten – eine bessere Lokomotive, ein größerer Waggon. Zu guter Letzt sind auch Gebäude darunter, von denen wir Eines bauen dürfen. Die Karten auf unserer Hand sind gleichzeitig auch Zahlungsmittel. Wollen wir einen Waggon mit Kosten drei an seine Lokomotive hängen, müssen dafür drei Karten abgelegt werden. Die Waggons können Ressourcen (Öl, Kohle, Ware) oder Passagiere aufnehmen, dabei werden wieder die Handkarten als Ressourcen verwendet. Welche Ressource sie sind, zeigt sich auf der Karte selbst. Sobald Passagiere oder Waren auf einer Lokomotive oder Waggon platziert wurden, lösen sie eine Belohnung aus. Diese sind auf der ausliegenden Karte angezeigt, z.B. erhält man weitere Karten oder eine Bonusaktion oder sofortige Siegpunkte. Die Besonderheit von Insel-Express: Die o. g. Belohnungen erhält man nur, wenn die Ressourcen oder Passagiere in der Lokomotive oder in Waggons der Mitspielenden platziert werden. Natürlich kann bei sich selbst platziert werden, allerdings ohne weitere Belohnung.

Im eigenen Zug dürfen zwei von vier möglichen Aktionen in beliebiger Kombination ausgeführt werden. Es kann eine Karte oder ein Passagier gezogen werden. Es kann am eigenen Zug oder ein Gebäude gebaut werden. Es können Passagiere oder Ressourcen im eigenen oder in fremden Zügen platziert werden. Zu guter Letzt darf man liefern. Es können farblich passende Passagiere auf eine der sechs Tickettafeln geliefert werden. Für jeden abgesetzten Passagier erhalten wir eine Belohnung, z. B. 5 Karten ziehen. Wir können auch die auf den Inselabschnitten angezeigten Waren liefern. Dann geht der Inselabschnitt in unseren persönlichen Vorrat und wir erhalten für diesen am Ende Siegpunkte.

Das Brettspiel endet, je nach Spielendenanzahl, wenn eine Anzahl an Inselabschnitten mit Waren oder Tickettafeln mit Passagieren beliefert wurden. Siegpunkte erhält man z. B. für die einzelnen Lokomotiven und Waggons an unserem Zug, für die belieferten Inselabschnitte und ggf. gebaute Gebäude.



AUTOREN: Dan Keltners & Seth Jaffees ■ GRAFIKER: Denis Martynets
VERLAG: Dranda Games | Board Game Circus  ■ ERSCHEINUNGSJAHR: 2023

spieler

1-4 Spieler

alter

ab 10 Jahren

zeit

ca. 60 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu Board Game Circus)


SPIELGEFÜHL

Insel-Express hat eine großartige Optik und Haptik, und im ersten Moment könnte man auf ein Familienspiel tippen. Seine Mechanik macht es aber zu einem Kennerspiel. Die Regeln sind leicht zu erlernen, allein die Informationsfülle auf den Karten müssen neuen Spielenden genauer erklärt werden, sonst wirken diese überfordernd. Die Symbolsprache einzelner Belohnungen ist nicht selbsterklärend, aber das Regelheft hilft hier sehr gut weiter.

Das Spiel ist mit seiner Dauer und Thematik ein guter Auftakt für einen Spieletag. Die Überlegung, ob ich eine Ressource oder einen Passagier bei mir selbst einbringe oder bei einem Mitspielenden, um eine Belohnung zu erhalten ist ein wirklich schöner Kniff und bringt gute Momente ins Spiel. Es ist dabei kein strategischer Klopper, sondern rein taktisch, da sich die Möglichkeiten auf Grund der Interaktion untereinander schnell ändern können. Am Anfang startet das Spiel gemächlich, sobald aber einmal die Engines aller Spielenden laufen, kommt es zügig zum Ende. Das hängt mit der finalen Befüllung der Insel mit Passagieren zusammen und damit, dass jeder versuchen wird einen Teil der Insel mit Ressourcen zu beliefern. Das tut dem Spielspaß keinen Abbruch und stellt auch sicher, dass die angegebene Dauer von 60 Minuten locker eingehalten wird.

Das Spiel hat in der 2er, 3er und 4er Kombination immer gleich gut funktioniert. Je mehr Mitspielende, desto mehr Möglichkeiten an Belohnungen zu kommen, aber auch weniger Überblick, welche Optionen gerade zur Verfügung stehen.

Als Solo-Variante spielt es sich sehr gut und endet sofort, wenn der Kartenstapel einmal durchgespielt wurde. Der Kniff hier: man kann dem Kartenstapel wieder Karten hinzufügen für die Abgabe von Siegpunkten. Das bringt einem zwei schöne taktische Möglichkeiten – man kann das Spielende hinauszögern und ggf. mehr Punkte erzielen und es werden die obersten Karten des Abwurfstapels auf den Nachziehstapel gelegt. Ich kann also mit Karten bezahlen und sicherstellen, diese Karten auch wieder zurück zu bekommen.


Zusammenfassung

Insel-Express ist für mich ein kleiner und sehr feiner Engine-Builder. Ich spiele es sehr gerne, weil der Bau am eigenen Zug von mir gute Entscheidungen verlangt. Ich muss genau überlegen, wann liefere ich welche Ressourcen und Passagiere und riskiere mit jedem Mal das Ende des Spiels einzuläuten. Die Interaktion mit der Spielrunde ist schon deswegen hoch, weil auch jeder mit den Belohnungen seiner Züge wirbt, um Ressourcen oder Passagiere zu erhalten, ohne dafür selbst Aktionen ausgeben zu müssen.

Spielende, die ihren Zug nicht bewerben, wollen ggf. die Waggons mit eigenen Passagieren bestücken.  Da kann man auch mal fies sein und die Taktik der anderen Person stören, wenn ein grüner, statt ein weißer Passagier auf dem Zug platziert wird. Der o. g. Kniff im Solo-Spiel hat mir unfassbar gut gefallen, weil er mir die Chance geboten hat, das Spiel besser zu beeinflussen und Karten auch zurück auf die Hand zu bekommen. Am Ende ist noch die tolle Grafik und die wirklich gute Materialqualität zu benennen und das alles in einer kleinen Box, die locker Platz im Urlaubskoffer oder der Aktentasche hat.

  • Karten als Multitalent
  • Spielt sich in jeder Besetzung sehr gut
  • Solo-Variante mit Kniff
  • Tolle Grafik- und Materialqualität
  • Regelheft optimal geschrieben und aufgebaut
  • Informationsmenge auf den Karten kann überfordern
  • Mehr Tickettafeln/ Inselabschnitte für höhere Varianz wäre schön
  • Platzierungsmöglichkeiten mit vielen Spielenden schwer zu überblicken

Aus meiner Spielerperspektive: Ein schönes leichtes Kennerspiel, was ich jederzeit mitspielen würde, aber nicht den ganzen Tag oder Abend. Es macht einfach Spaß seinen Zug zu bauen, am Ende gibt es aber nicht zig Strategien, die man verfolgen kann. Ich kann den Zug ausbauen, Punkte im Spiel über die Passagiere generieren, Inselabschnitte beliefern und am Ende gibt es noch Punkte durch das Gebäude. Das trägt gut auf einem klaren Spielpfad und macht damit für das, was es sein will, alles richtig. Insel Express bleibt bei uns, weil es für mich ein gutes Spiel ist, wenn neue Mitspielende erste Schritte Richtung Kennerspiel machen wollen. In diesem Sinne bleibt im Spiel, im Gegensatz zu einem bekannten Lied eine Frage noch offen: „Eine Insel mit sechs Karten und dem tiefen weiten Meer. Mit vielen Tunnels und Geleisen und dem Eisenbahnverkehr. Nun, wie mag die Insel heißen?“

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