Review AZUL III – Sommerpavillon

AZUL war das Überraschungsspiel des Jahres 2017. Es tauchte aus dem Nichts auf und war in aller Munde.

Autor Michael Kiesling hat sich das schon etwas besonders einfallen lassen und seine Leistung wurde durch viele Preise gewürdigt (u.a. Spiel des Jahres 2018, Deutscher Spielepreis 2018, Beeple Award).

Im letzten Jahr erschien AZUL – Die Buntglasfenster von Sintra und im Herbst 2019 entführt uns Michael Kiesling ins 16. Jahrhundert Portugals. Hier sollen wir den Sommerpavillon bzw. dessen Sterne bauen.


SPIELBESCHREIBUNG

Der Sommerpalast wird über 6 Runden a 3 Phasen gespielt. In jeder Runde wird je eine der sechs Farben Jokerfarbe. Die drei Phasen sind die folgenden:

  1. Steine ziehen. Entsprechend des bekannten Mechanismus wählen die Spieler aus den 5-9 Manufakturen (spielerzahlabhängig). Dabei darf ich immer eine Farbe nehmen. Ist auf der Manufaktur auch eine Jokerfarbe, so muss ich einen Stein zusätzlich nehmen.
    Wer den Startspielerstein nehmen möchte, reduziert seine Siegpunkte um die Anzahl der genommenen Steine aus der Mitte.
    Die Phase endet, sobald alle Steine genommen wurden.
  2. Steine platzieren. Reihum platzieren die Spieler Steine auf dem Sommerpavillon. Dabei sind die 7 Sterne a) mit je einer Farbe (sowie einem Mixstern) und b) mit den Zahlen von 1-6 gekennzeichnet. Will ich einen Stein platzieren, so muss ich entsprechend der Zahl Steine abgeben. Dabei können den Steinen auch Jokersteine beigemischt werden. Anschließend gibt es Punkte 1 + die Anzahl der bereits liegenden Steine.
    Zudem kann man beim Anlegen noch 1-3 Bonussteine freischalten, die ebenfalls noch nutzbar sind.
  3. Vorbereitung der nächsten Runde. Zunächst dürfen nur maximal 4 Steine mit in die nächste Runde genommen werden. Weitere Steine bringen je einen Minuspunkt.
    Anschließend werden die Manufakturen wieder aufgefüllt.

Nach 6 Runden ist Schluss und es werden den Siegpunkten die Punkte für fertiggestellte Sterne wie auch das Befüllen aller 1er, 2er, 3er und/oder 4er hinzugefügt.



AUTOR: Michael Kiesling ■ GRAFIKER: Chris Quilliams
VERLAG: Next Move Games|Pegasus ■ ERSCHEINUNGSJAHR: 2019

spieler

2-4 Spieler

alter

ab 8 Jahren

zeit

ca. 30-45 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu Next Move Games)


SPIELGEFÜHL

Wie fühlt sich AZUL – der Sommerpavillon an?

Zunächst einmal wie die beiden anderen AZULs. Dieses liegt zum einen an der Grafik und der Gestaltung wie auch der ersten Phase des Spiels, die nahezu erhalten geblieben ist.

Doch dann verändert sich das Spielgefühl komplett. Denn zum einen muss ich meine Steine zunächst einmal sammeln und dann erst anlegen. Des Weiteren liegen hinter dem Anlegemechanismus auch komplett andere Regeln. Denn ich muss je nach aufgedruckter Zahl x Steine abgeben. Logischerweise sind die Felder mit einem oder zwei Steinen einfacher zu erfüllen, jedoch verliere ich dadurch für den weiteren Spielverlauf Möglichkeiten der Anlage. Was mache ich also z.B. mit meinen 5 Steinen der gesammelten Farbe? Als 1 und 4 oder 2 und 3 ablegen oder nehme ich was mit in die nächste Runde? Dann kann es schon mal eng werden mit der Hinübernahme von maximal 4 Steinen in die nächste Runde. Auch dieses Element ist sehr gelungen, da ich mir ggfls. in der aktuellen Runde Jokersteine für die folgenden Runden beiseitelegen kann.

Ein weiteres taktisches Element kommt mit den Bonusfeldern ins Spiel, die man in seine Überlegungen mit hinzuziehen sollte. Da stehen dann 1-3 neue Steine zur Verfügung. Dazu haben die Spieler die Möglichkeit im Vorfeld zu sehen, welche Steine sie sich aus dem 10 Steinvorrat auswählen wollen. Somit gibt es viel vorzubereiten.

„Vorarbeiten“ passt auch zur Phase 2. Um die Downtime zu reduzieren, arbeitet jeder Spieler parallel an seinem Brett. Jedoch müssen die Spielzüge wegen der Bonusauswzahl nacheinander ausgeführt werden. In einer zügig spielenden Gruppe ist die Downtime somit extrem minimiert. Allerdings ist in dieser Phase des Spiels kaum noch Interaktion im Spiel. Anders als in der ersten Phase. Hat mich aber nicht gestört, sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben.

Während es in AZUL I vorkommen konnte, dass der Startspielerstein etwas länger in der Mitte verweilte, so gab es in meinen Partien kaum Runden, wo man nicht schnell danach gegriffen hat. Vielleicht auch aus Angst vor zu viel Minuspunkten, den jeder genommene Stein zählt nun.

Wenn es vielleicht etwas zu meckern gibt, dann die Farbe und Größe der Siegpunktemarker. Die sind alle in eher gedämpften Farben und sehr klein gehalten, so dass ich mich schwerer tat sie auseinanderzuhalten. Und es zudem sehr fummelig war, die Steine zu bewegen, insbesondere wenn mehrere Steine nebeneinanderstehen.

Auf der Rückseite des jeweiligen Spielplanes ist noch eine Variante abgedruckt. Hier kann ich auch mehrere Sterne der gleichen Farbe sammeln und in der Mitte gilt für alle Felder der Zahlenwert 3.

AZUL III spielt sich mit 2, 3 wie auch 4 Spielern ähnlich gut. Zu zweit vielleicht noch taktischer.


Zusammenfassung

In Summe gefällt mir AZUL III besser als AZUL II und ist mindestens auf gleichem Niveau wie das erste – ausgezeichnete – AZUL. Ja, es hat sogar noch mehr taktische Finessen zu bieten. Daher würde ich es auch eher als Kennerspiel einstufen und es klar empfehlen (auch wenn man AZUL schon sein Eigen nennt).

  • Bekannter Zugmechanismus
  • Neuartiges Anlegen der Plättchen
  • herausfordernde taktische Tiefe
  • Bonusplättchen und Herübernahme der Plättchen in die nächste Runde wirken sehr erfrischend.
  • Bekannter Zugmechanismus
  • Material der Zählsteine

Aus meiner Spielerperspektive: Da es aus meiner Sicht eher ein Kennerspiel ist, klare Empfehlung für dieses Segment. Das Spiel ist zwar ein wenig dem ersten AZUL ähnlich, doch durch die Bonussteine, Jokerfarbe und Hinübernahme der Steine kommt ein große Portion Taktik hinein, die es mir angetan hat.

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