Kommentar zum Exitus des klassischen geschriebenen Brettspielblog

Die folgende These von Arne Spillner, den wir sonst von den Bretterwissern oder dem Kasse4 Podcast kennen: 

habe ich für mich zum Anlass genommen, um meine eigenen Gedanken zum Thema zu geben.

 

Seine These wurde auf Twitter kontrovers diskutiert, daher hier „my two cents“ zu diesem Thema.

Dieses insbesondere unter dem Aspekt, dass ich

A) zur schreibenden Zunft gehöre

B) aber gerade ebenfalls Erfahrungen im Podcast (Brettspielbar mit Jürgen Karla) und YouTube sammle, um mich breiter aufzustellen.

 

Was ist also dran?

Also zunächst einmal muss man festhalten, dass auch im letzten Jahr weitere schreibende Blogs dazu gekommen sind. Aber auch die anderen beiden Medien Ton und (bewegtes) Bild wachsen stetig.

Das Wachstum kann man auch allen etablierten Beteiligten in den Zugriffszahlen sehen. Gut, es gibt den ein oder anderen, der mit dem Hobby aufhört (zuletzt Mikes Gaming Net), aber in der Regel sind es doch eher kleine und jüngere Blogs, die nach einer eher kurzen Zeitspanne merken, welcher Aufwand hinter dem Hobby steckt, wenn man es ernsthaft betreibt. Dieses gibt es aber in allen Bereichen (Ton – [bewegtes] Bild – Wort).

Jedes Medium hat seine Vorteile

Medial fallen sicherlich die YouTuber stärker auf, aber den Vergleich kennen wir ja auch schon zwischen Buch und Film. Dennoch würde ich sagen, dass jedes Medium seine Daseinsberechtigung, Vor-/Nachteile und Nutzer mit individuellen Vorlieben hat.

  • bewegtes Bild: das Video eignet sich perfekt, um das optische Gut, das Spiel selbst rüber zu bringen. Hier schätze ich persönlich den Wert des Formats für kurze Regelerklärungen (einige Verlage machen hierzu inzwischen ihr eigenes Programm). Aber auch Let’s plays helfen dem ein oder anderen ein Spielgefühl zu transportieren. Bei dieser Rubrik verschwimmen aus meiner Sicht regelmäßig die Grenzen zwischen Info- und Entertainment. Genauso wie das Wort hat das Video im Bereich der Mobilität seine Grenzen.
  • Ton: Dafür eignet sich der Podcast wie das Hörbuch optimal als das mobile Medium. Ob im Auto, der Bahn oder auch am Rechner, wenn man gerade etwas anderes tut, ist es perfekt nebenbei den Protagonisten zu folgen. Hier toben sich aktuell zwei Gruppen aus: Vertreter mit eher kurzen Beiträgen (<30 Minuten) und eher längeren Beiträgen (>90 Minuten), welche die Bedürfnisse der Hörerschaft abdecken. Nicht ohne Grund wurde in diesem Jahr erstmals der beste Podcast bei den Spieleseiten gesucht (bzw. wird gerade noch gewählt).
  • Wort: der Klassiker unter den Berichtsmedien. Früher in Zeitungen und Zeitschriften, haben die Blogger inzwischen diese Rolle weitestgehend übernommen. Während ich aus zeitlich Gründen ein Video nicht permanent neu drehen (und schneiden) kann, ist es möglich – bei Lust und Können – aus der geeigneten Kombination von Worten den letzten Schliff herauszuholen (Im Bereich der Rezensionen ist hier für mich aktuell Udo Bartsch nach wie vor unerreicht.). Zudem habe ich in der Wortform größere Vorteile, dem Output eine gewisse Struktur und damit Wiederfindbarkeit von Aussagen mitzugeben. Hier hilft die Stopptaste und Vorspultaste bei Video und Audio nur sehr begrenzt weiter.
  • Zwitterformen: spannende Formen finden, mittlerweile in Form von Livechats statt, in denen sich die User in Wortbeiträgen in Ton und bewegte Bilder einwählen und ihre Meinung kundtun. Hierüber kann dann auch eine geeignete Interaktion stattfinden.

Zukunft

Was ich hier noch gar nicht betrachtet habe, aber auch in Zukunft eine Rolle spielen wird, ist die Entwicklung im Bereich der Vermischung aus Stand- und bewegtem Bild via Instagram und Facebook. Das mit Text kombiniert, dürfte auch noch eine gewichtige Rolle spielen.

Was ich in der Zukunft stärker sehe, ist die Verschmelzung der verschiedenen Medien. Neben mir experimentieren auch neuerdings die Spielfritte u.a. ein wenig herum. Ja, es wird immer Spezialisten geben, aber ich gehe auch davon aus, dass es Seiten geben wird, welche die jeweiligen Stärken der verschiedenen Formen nutzen werden, um das optimale Paket für den Leser, Seher oder Hörer zu schnüren. Und da wird das Wort weiterhin eine gewichtige Rolle spielen.

Fazit

Daher die klare Antwort: der klassisch geschriebene Blog ist nicht tot. Er lebt und wächst. Aber es ist auch klar – wie bei allen anderen Medien – mit dem 0815 Standardprogramm wird man sicherlich dauerhaft nicht erfolgreich sein. Wandel und in Bewegung bleiben ist das A und O.

Und das alles in einem Metier, der sich bis auf wenige Ausnahmen immer noch im Hobbybereich abspielt und ohne monetäre Absichten verfolgt wird. Wird auch immer wieder gerne vergessen. Am Ende wird auch die Qualität und eine gewisse Aktualität der Beiträge entscheiden.

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Im wesentlichen stimme ich Deinem Kommentar zu.
    Mein Medienkonsum zum Thema Brettspiele hat sich in den letzten zwei Jahren auch gewandelt.
    Ich lese nach wie vor Blogs, da ich dort das Tempo selber bestimmen kann.
    Bei YouTube suche ich mir inzwischen sehr gezielt aus, was ich mir anschaue.
    Stundenlange Let’s Plays auch mit Chat sind nicht mein Ding. In dieser Zeit spiele ich lieber selbst. Bei Reviews überspringe ich inzwischen den Regelteil. Für Regeln gibt es Spezialisten wie Paul Grogan. Bei Reviews geht es mir mehr um das Material und den Eindruck des Reviewers. Mit der Zeit weiß man, wer den eigenen Geschmack teilt.
    Da ich weder einen Blog noch einen YouTube Kanal habe, habe ich Instagram für mich entdeckt. Auf Twitter bin ich auch zu finden aber nicht so regelmäßig. Außerdem ist BGG eine regelmäßige Anlaufstation für mich

    Das einzige Format mit dem ich nichts anfangen kann ist Podcast.
    Mein Weg zur Arbeit ist kurz. Während der Arbeit würde es mich stören.
    Dazu kommt noch, dass sowohl Podcasts als auch Hörbücher und Hörspiele eine einschläfernde Wirkung auf mich haben.

    Jede/r hat da so seine eigene Vorstellung was einem gefällt und so lange es noch einen Bedarf gibt und so lange die Personen, die den Inhalt liefern Lust dazu haben, wird es auch Blogs geben und andere Medien geben.

  2. Ich bin sehr oft bei youtube anzutreffen,aber das Geschriebene ziehe ich immer noch vor.Besonders,wenn man es so gut macht wie die brettspielbox.Ich glaube,in den letzten 2 Jahren habe ich nichts von Dir verpasst.Deine Messevorbereitung ist super informativ.Wenn Du nicht wärst,hätte ich einige Spiele und Promos verpasst.Danke Dir 🙂 🙂
    Mit Podcast kann ich nichts anfangen,obwohl ich eigentlich ein Fan von Stimmen bin(wenn nicht die Milch dabei sauer wird;) ),aber ich schließe mich meinem Vorschreiber an,ich würde wahrscheinlich einschlafen;)

  3. P.s.Ich habe mir nochmal meinen Kommentar durchgelesen.Natürlich sind nicht nur die Messeberichte sehr informativ,sondern der Rest auch 🙂 🙂 !!!

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