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Samstag, März 6, 2021
Start Jahr 2020 REVIEW | Rezension Wikinger Saga

REVIEW | Rezension Wikinger Saga

Ein massiver, gehörnter Helm auf dem eine Szene eines legendären Kampfes zwischen einem Seeungeheuer und tapferen Wikingern auf einem drachenköpfigen Langboot dargestellt ist. Dieses Coverbild unter dem eindrucksvollen Titel „Die Wikinger Saga“ verheißt Spannung und Abenteuer.

Kann das Spiel halten, was das Äußere verspricht?

Carina Brachter

SPIELBESCHREIBUNG

Als Fürsten diverser Wikingerdörfer scharen wir Bewohner um uns, um mit ihnen Abenteuer zu Lande und auf See zu erleben. Wir durchqueren die verschiedenen mythischen Welten der Wikingersaga, um Ruhm und Reichtum zu ernten, den Göttern zu gefallen und schließlich durch ruhmreiche Taten Einlass nach Asgard zu erlangen.

Jede Partie des Spiels ist in acht Abenteuer unterteilt, von denen fünf nach gewünschtem Schwierigkeitsgrad modifiziert werden können. Die Abenteuer finden in unterschiedlichen Welten der Wikingersaga statt. Die entsprechenden Abenteuer werden über Karten gesteuert, die einen Einführungstext enthalten, der das aktuelle Abenteuer beschreibt.

Nach dem Verlesen der Aufgaben, wird der ausliegende Spielplan je nach Aufgabenstellung entweder mit einem Landweg (Wikingerpfad) oder mit einem Langboot bestückt. Der Spielplan enthält eine Leiste mit den Schritten von 0 bis 35. Die Wikinger starten entweder auf dem Pfad oder dem Boot bei jedem Abenteuer bei 0. 

Die Abenteuerkarte wird umgedreht: Hier ist dann die aktuelle Aufgabenstellung abgebildet. Diese wird ebenfalls auf der Leiste positioniert – meist bei einem Wert ab 20 aufwärts.

Jeder Spieler erhält zudem ein Deck an Karten, die die Basisbesatzung der jeweiligen Mannschaft darstellen sowie ein Walhalla-Schild und Startkapital. Die Karten tragen Angaben darüber, welche Reichweite an Bewegungsschritten sie den Spielern erlauben. Ggf. haben sie auch zusätzliche Sonderfähigkeiten. 

Die erste Phase eines Abenteuers besteht darin, dass die Spieler weitere Wikinger anwerben können, um ihr Mannschaftsdeck zu verbessern. Die zu erwerbenden Karten erlauben Zusatzaktionen oder auch schonmal das Rückwärtsschreiten. Nach dem Anwerben nehmen die Spieler Karten auf die Hand und starten ins Abenteuer.

Es wird zunächst eine für alle geltende Wegekarte aufgedeckt, die bestimmt, wie weit der Wikingerpfad oder das Langboot mit den Spielfiguren vorgezogen wird. Danach wählt jeder Spieler verdeckt eine Handkarte mit entsprechenden Bewegungsschritten, die bestimmen, wie weit die Spielfiguren auf der Leiste zusätzlich vorziehen. Nach dem Aufdecken ziehen die Spieler ihre Figuren entsprechend der Zahl auf ihrer aufgedeckten Karte auf dem Weg nach vorne.

Ziel ist es, auf Feldern mit Wegmarken zu landen, die Siegpunkte oder Gold einbringen, oder später dann die ausliegende Abenteuerkarte als Ziel zu erreichen. Aber nicht jedes Feld bringt Erträge und Belohnungen mit sich. Einige Felder enthalten Strafen, die dazu führen, dass man Gold, Siegpunkte oder Karten wieder einbüßen muss. Ebenso sollte man nicht vom Wikingerpfad oder dem Langboot fallen oder über die Abenteuerkarte hinausschießen, denn auch das bringt Nachteile mit sich. 

Nach jedem Zug können die Spieler entscheiden, ob sie weitermachen wollen oder das Abenteuer für sich beenden. Sind alle ausgestiegen, wird noch eine der ausliegenden, in diesem Abenteuer gespielten Karten ausgewählt und unter das eigene Walhalla-Schild geschoben. Diese Karte ist nun bis zur Endrunde aus dem Spiel. 

So geht es weiter, bis die Spieler das letzte Abenteuer erreichen. Dieses besteht immer aus zwei Abenteuerkarten und wird ausschließlich mit den Handkarten bestritten, die während der vorhergehenden Runden unter das Walhalla-Schild geschoben wurden. Am Ende des Abenteuers werden dann noch die Helme gezählt, die sich auf den Handkarten im Walhalla-Deck befinden. Diese zählen als Siegpunkte ebenso wie die restlichen Goldreserven. Der erfolgreichste Wikinger mit den meisten Siegpunkten wird schließlich nach Asgard eingelassen. 



AUTOR: Christian Fiore & Knut Happel ■ ILLUSTRATIONEN: Michael Menzel
VERLAG: Schmidt Spiele ■ ERSCHEINUNGSJAHR: 2020

spieler

2-4 Spieler

alter

ab 12 Jahren

zeit

ca. 60 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu Schmidt Spiele)


SPIELGEFÜHL

Die erste Partie der Wikinger-Saga hat mich ein bisschen verwundert zurückgelassen. Allein vom Titel und vom Cover her hatte ich mir etwas ganz anderes unter dem Spiel vorgestellt. Ich war aber mehr verwundert, als enttäuscht.

Sicher, sowohl die Illustrationen als auch die Geschichten auf den Abenteuerkarten versuchen, Stimmung und Saga-Flair zu erzeugen. Das Spiel versucht thematisch zu sein, allerdings passen Geschichte und Spielmechanik nur wenig zueinander. 

Gut, dass ein Thema aufgesetzt ist, kann man einem Spiel kaum vorwerfen, denn das kommt häufig vor. Die Wikinger-Saga wirft mit „Fachvokabular“ aus der Wikingerwelt um sich, man kann durchaus etwas lernen. Wer noch nie von „Bifröst“ gehört hat, erfährt es spätestens hier. 

Aber warum gehen meine Wikinger dann nur auf einer Leiste voran, stolpern dann am Ende des Weges auf eine Abenteuerkarte und versuchen dort, sich lukrativ zu positionieren. In welcher Form wird das Abenteuer dort bestanden? Handelt es sich um eine Prüfung? Findet ein Kampf statt? Wenn, dann nur sehr abstrakt. Wenn das Kapitel doch wortreich eingeleitet wird, warum wird es so wortlos und geradezu stumpf beendet?

Der Mechanismus mit den sich verschiebenden Leisten ist durchaus innovativ und hat seinen Charme. In manchen Partien haben sich überraschende Wendungen ergeben: Bereits verloren geglaubte oder als zu waghalsig empfundene Spielzüge erwiesen sich dann durch überraschend ausgespielte Karten mit Rückwärtsbewegung als Rettung in der Not. Ansonsten sind die Spielzüge aber recht repetitiv. Und zwar in jedem Abenteuer: Wegekarte aufdecken, Wikingerpfad oder Langboot vorschieben, alle zählen aus, wo sie am besten hingehen, Handkarten ausspielen, alle gehen vor und erhalten ggf. Boni oder Mali. Am Ende noch die Entscheidung, ob man aus der laufenden Runde aussteigt. Eine ausgespielte Wikingerkarte unter den Walhallaschild. 

Dann geht auch schon das nächste Abenteuer los. So spielt man dann sieben Runden, bis sich die letzte Runde nur durch zwei ausliegende Abenteuerkarten und das Walhalladeck bei den Handkarten unterscheidet.

Das ist mir zu wenig, zumal ich hier keine Saga erlebe.

Die Regeln lassen ein paar Fragen offen, zum Beginn fanden wir es etwas schwierig, uns im Spiel zu orientieren. Für Spieler im Segment Familie könnten die Regeln durchaus überfordern. 

Hinzu kommt: Die Spielvorbereitung erfordert eine Menge Aufwand. Für ein Familienspiel ist das deutlich zu viel Verwaltungskram, der einige abschrecken dürfte. Auch wenn das gut organisierte Inlay dabei hilft, den Überblick zu bewahren, darf bei der Kartensortierung mal besser nichts dazwischen kommen. 

In der Kennerliga sehe ich das Spiel aber nicht. Dafür ist der Anspruch zu niedrig und es ist zu viel Glück im Spiel. Klar stehen in jedem Spielzug Entscheidungen an, aber der Rahmen, in dem ich diese treffen darf, ist durch Wegekarten und die nachgezogenen Handkarten große Glückssache. Für mein Unglück bin ich daher nicht zwingend selbst verantwortlich. Da die Mitspieler während des Spielverlaufs weitestgehend nebeneinander her laufen, bietet das Spiel recht wenig Interaktion, obwohl ich die Partien in größerer Runde immer als interessanter empfunden habe.

Klar: Abwechslung ist geboten, da man die Abenteuer nach Schwierigkeitsgrad frei wählen kann. So gibt es Varianz im Spiel, die ich aber in den unterschiedlichen Partien nicht als solche empfunden habe. Dafür ist auch das Spielgeschehen in den anderen Abenteuern viel zu gleich.

Das Thema, der Titel und das gesamte Setting sind nicht der richtige Rahmen für die Spielmechanik. Hätte man diese anders eingebettet, wäre sicherlich weniger große Erwartungshaltung entstanden, die dann nicht enttäuscht worden wäre.

Kommen wir also nochmal zurück zur Ausgangsfrage: Kann das Spiel halten, was es verspricht? Nein, leider nicht. Es ist gut spielbar, aber die Spielmechanik in anderer Einbettung hätte sicher besser funktioniert.


Zusammenfassung

Die Wikinger-Saga lässt nicht so recht Abenteuerfeeling aufkommen. Die Fortbewegungsmechanik ist durchaus innovativ, macht den Spielablauf aber recht repetitiv. Im Grunde handelt es sich um eine Mischung aus Deckbuilder und Rennspiel, der auch wegen des Glücksfaktors im Familiensegment ganz gut passen sollte. Auch das Thema des Spiels dürfte für Wikingerbegeisterte einiges hergeben, die dort die Welt der Wikinger-Mythen wiederfinden.

Aber bis zum ersten Spiel sind Anleitung und Sortieraufwand ggf. eine Hürde, die dem ein oder anderen zu viel sein dürfte.

  • Schöne Illustration und stimmungsvolle Abenteuerkarten 
  • Variabel, da die Abenteuer nach Schwierigkeitsgrad frei wählbar sind.
  • Gutes Inlay, das die richtige Sortierung der unterschiedlichen Abenteuer gut unterstützt
  • Es ist nicht ganz klar, für welche Zielgruppe das Spiel zu empfehlen ist
  • Recht repetitiver Spielablauf, der nicht so recht Saga-Feeling aufkommen lassen will
  • Der Organisationsaufwand bei Spielaufbau ist ziemlich hoch

Aus meiner Spielerperspektive:

Wie bereits oben, erwähnt hatte ich eine andere Erwartungshaltung an das Spiel, die durch Cover und Titel geweckt wurden. Ich habe dadurch mehr Abenteuer und Abwechslung und einen anderen Spielablauf erwartet. Daher liegt für mich hier auch der wesentliche Bruch.

Wir hatten durchaus nette Partien, aber die haben keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich würde es durchaus wieder mitspielen, es aber nicht mehr zwingend selber aus dem Schrank holen. 

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