Wenn Zwei sich streiten freut sich, ja, wer eigentlich?
Bei Rival Cities streiten sich Altona und Hamburg um den größten Einfluss, die größte Flotte, die meisten ausländischen Verbündeten oder bei Gerichtsverfahren.
In der Realität hat Hamburg Altona zu einem Stadtteil der Hansestadt werden lassen. Im Spiel kann auch das beschauliche Altona den Sieg erringen. Andreas Steding als Autor von Hansa Teutonica oder Stroganov hat hier ein Tauziehen entwickelt, dass an vielen Stellen auch einem Wettrennen gleicht. Wie spannend es ist, wird sich zeigen.
Björn

In Rival Cities stehen uns Runde für Runde zwanzig Aktionsfelder als Umlauf zur Verfügung. In unserem Zug bewegen wir uns mindestens ein Feld weit, gegen Abgabe von Ressourcen können wir aber auch weitergehen. Hierzu nutzen beide Spielende den selben Zugmarker und starten immer von jenem Punkt des Umlaufs, an dem unser Gegner sich vorher abgestellt hat. Sobald wir das Feld erreichen, können wir die dortige Aktion ausführen:
- Waren erhalten
- Bei immer drei ausliegenden Gerichtsprozessen Waren oder andere Mittel investieren, um die Gerichtsentscheidung zu unseren Gunsten zu entscheiden
- Ein Schiff erwerben, dass uns sofort oder dauerhaft Bonus gibt
- uns mit einer von vier ausländischen Städten verbünden, z. B. London, damit wir darüber ebenfalls Vorteile erhalten können.
Das Spiel hat fünf Möglichkeiten für einen Sieg. Davon sind vier sofortige Siegbedingungen. Wer zuerst mehr als drei Schiffe, als der Gegenspieler hat, alle vier möglichen verbündeten Städte auf seiner Seite hat, die Einflussleiste auf seiner Seite zum Ende abgeschlossen hat oder wer seinen dritten Prozess gewinnt, gewinnt auch direkt Rival Cities. In den wenigen Fällen, an dem keiner der Punkte greift, wird das Spiel beendet, wenn der letzte Prozess vom Feld genommen wird, ohne dass dabei drei Siege für einen Spielenden hervorgegangen sind. Dann finden wir auf Karten, Leisten und Pappmarkern Sterne aufgedruckt. Wer hier dann die meisten Sterne hat, gewinnt das Spiel.
Brettspielregeln
Spielregeln (ext. Link zu Deep Print Games)


Rival Cities ist ein Wettrennen um Gelegenheiten. Wo stelle ich mich mit der Spielfigur hin, um eine vorteilhafte Aktion für mich zu bekommen, aber es gilt auch zu beachten, den nächsten Zug des Gegners nicht zu vorteilhaft zu gestalten. Das Rennen auf die verschiedenen Sofortsiegbedingungen steht tatsächlich im Vordergrund und es muss ständig geschaut werden, welche Siegbedingung will und kann ich anstreben, welche hat mein Gegner im Blick und wie kann ich diese ggf. negieren oder zu meinen Gunsten drehen? Im Spiel entsteht dabei schon das Gefühl eines Tauziehens und Grübeleien sind fast schon vorprogrammiert, weil die Züge des Gegenübers immer mitgedacht werden müssen. Bei aller Wertigkeit des Materials und Designs, entsteht dabei leider ein sehr verkopftes Rennen. Da entstehen eher mathematische Vibes, als kaufmännische Winkelzüge, um als Sieger aus einem Stadtduell herauszugehen. Bedrückend ist auch, dass ab einem bestimmten Punkt in den meisten Partien, es einem Spielenden eher darum ging, den Sieg des anderen zu verhindern, als sich noch um seinen eigenen Sieg kümmern zu können. Meistens konnte schon ein bis zwei Runden vorher festgestellt werden, wer das Spiel gewinnen wird, auch wenn man die Hoffnung nie aufgibt.

- Sehr gute Regelerklärung mit Beispielen
- Tolles Design, dass das Spiel hervorragend begleitet
- Kleine Schachtel, viel spielerisches Denken
Meine Begeisterung für dieses Derby und Tauziehen war anfänglich sehr hoch, aber mit mehr Spielpartien wurde auch immer deutlicher, dass es etliche Punkte zu beachten galt und Fehler sehr schnell, sehr hart bestraft werden. Die Ausschüttung von Belohnungen ist für den Führenden hoch und macht es den Hintenliegenden schwer nochmal richtig aufzuholen. Diese stetige Anspannung und Konzentration für dieses Spiel hat viel von Schach, nur dass nicht nur eigene und gegnerische Züge beachten werden müssen, sondern die Komplexität durch die mehrfachen Sofortsiegbedingungen unangenehm wirkt.
Was ich dabei bedaure, dass auf Grund von Spiellänge und Komplexität in keiner Partie eine direkte Revanche gefordert wurde – Genau das, ist aber, was doch vermeintlich kurze Duellspiele mit direkter Konfrontation positiv ausmachen. Ein gutes Spiel, bei dem weniger mehr gewesen wäre.



AUTOR: Andreas Steading
ARTIST: Annika Heller
VERLAG: Deep Print Games
ERSCHEINUNGSJAHR: 2025

2 Spielende
10 Jahre
30-45 Min.
Zweite Meinung Christoph
Rival Cities punktet schon beim Auspacken: Hochwertiges Material in einer erstaunlich kleinen Schachtel, stimmig eingebettet in das historische Duell zwischen Hamburg und Altona. Der clevere Tintenfass-Mechanismus, die variablen Karten und die vier unterschiedlichen Siegbedingungen sorgen dafür, dass jede Partie auf mehreren Ebenen spannend bleibt. Besonders das „Tauziehen“ um die Siegkriterien erzeugt eine ständige Wechselwirkung zwischen Angriff und Verteidigung.
Das Regelwerk ist überschaubar (und man ist relativ schnell im Spiel), die Tiefe hingegen beachtlich – vergleichbar mit komplexeren Strategiespielen, nur in kompakterer Form. Entscheidungen zu Ressourcen, Timing und Gegnerbeobachtung sind entscheidend, Glück spielt kaum eine Rolle. Viele Partien enden knapp, auch wenn sich der Sieger manchmal schon einige Züge vorher abzeichnet.
Allerdings verlangt das Spiel hohe Aufmerksamkeit und kann dadurch etwas anstrengend wirken. Wer ein lockeres, glücksgetriebenes Spiel sucht, wird hier nicht fündig. Auch eine direkte Revanche wird selten gespielt, da die Spieldauer und Intensität dafür zu hoch sind.
Würde eine Partie gerne mitspielen.







