Mittwoch, Februar 4, 2026
StartJahr2025Sierra Nevada - REVIEW | Rezension Brettspiel

Sierra Nevada – REVIEW | Rezension Brettspiel

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Vor dem Brettspiel Sierra Nevada war mir der John Muir Trail nicht bekannt. Nun weiß ich, dass er ca. 350 km lang und sehr anspruchsvoll zu gehen ist, da ziemlich viele Höhenmeter auf der Strecke bewältigt werden müssen. Wenn man sich auf den Weg macht, ist zudem die Mitnahme von Bärenkanistern zum Verstauen von Lebensmitteln vorgeschrieben. 

Das sind alles in allem drei gute Gründe, warum ich den Weg gerne auf dem Spielfeld absolviere und nicht in natura. 

Dass wir hier eine anspruchsvolle, aber landschaftlich sehr sehenswerte Strecke zu bewältigen haben, transportiert auch das Spiel. Wie sich Sierra Nevada spielt, berichte ich im Folgenden… 

Carina


In Sierra Nevada sind wir als Wanderer auf dem John Muir Trail unterwegs, der sich über rund 350 Kilometer durch Kalifornien erstreckt und durch Nationalparks und an Naturdenkmälern entlangführt. 

Wir haben 12 Tage, also 12 Runden Zeit, um die 10 Etappen zu wandern. Da wir in jeder Runde nur eine Etappe schaffen können, dürfen wir uns maximal zwei Ruhetage gönnen. Denn: Wer am Ende nicht am Ziel Mount Whitney ankommt, nimmt nicht an der Punktewertung teil und hat das Spiel per se verloren!

Daher heißt es: Wandern und immer die notwendigen Ausrüstungsteile dabeihaben. Dazu packen wir u.a. während des Spiels einen Rucksack, mit allem Notwendigen, was man auf einer Reise benötigt: Von der Kamera über das Fernglas bis hin zum Verbandskasten. Zusätzlich benötigen wir natürlich Nahrung und Wasser, da wir uns am Ende des Tages immer verpflegen müssen — sonst gibt es Erschöpfungsmarker und die will keiner haben, denn sie bringen bei Spielende viele Minuspunkte, wenn wir sie bis dahin nicht losgeworden sind.

In jeder Runde setzen wir unsere Aktionsmarker ein, von denen wir zu Beginn drei Stück besitzen und später bis zu zwei weitere freischalten. Mit den Aktionsmarkern beschaffen wir neue Ressourcen wie Wasser, Erde, Wind und Feuer, die wir benötigen, um andere Aktionen „bezahlen“ zu können. Weitere Optionen sind die Aktion „Entdecken“, durch die wir Naturkarten erwerben und damit Boni erhalten und Sets für die Endwertung sammeln. Oder wir nehmen uns „Highlightkarten“ aus der Auslage, die uns ebenfalls Punkte und Ausrüstung einbringen.

Außerdem müssen wir daran denken, in der High Sierra Lodge für Proviant und ausreichend Erholung zu sorgen, damit wir ausdauernd dem Rest der Reise Stand halten können.

Durch Abzeichen – ein allgemeines oder individuell erhältliche – ist es möglich, für bestimmte Dinge bei Spielende zusätzlich Punkte zu erhalten. 

Wer bei Spieleende das Wanderziel erreicht und über die verschiedenen Punktelieferanten die meisten Punkte erzielt hat, gewinnt Sierra Nevada.

Brettspiel Regeln

Spielregeln (ext. Link zu Skellig Games)


In Sierra Nevada begeben wir uns auf einen Weg und dieser Weg ist das Ziel. Wir müssen ihn schaffen, denn sonst waren alle unsere Mühen umsonst. Das sollte bei Spielbeginn klar kommuniziert werden, denn man möchte keine Partie von Sierra Nevada erleben, wo bei Spielende jemand noch nicht einmal in die Punktewertung eintreten darf. Das ist bei uns bislang nie geschehen und wird es vermutlich auch nicht – es gibt ja schließlich warnende Mitspielende und immer die Möglichkeit, bis an den Rand der Erschöpfung zu gehen und mit den entsprechenden Markern doch noch eine Etappe zu schaffen. 

Der klar umrissene Korridor des Spiels kann aber nicht nur einengend, sondern auch angenehm empfunden werden. Viele Spieler mögen Leitplanken, die einem vom Spiel vorgegeben werden, um sich besser orientieren und die Pläne daran ausrichten zu können. Manchmal möchte man doch gar nicht so die Qual der Wahl, sondern ganz klar vor Augen haben: Wenn ich mit meinem letzten Aktionsmarker kein Abendessen besorge, gehe ich mit knurrendem Magen ins Bett. Also muss ich nicht lange überlegen, sondern habe die Entscheidung schnell getroffen…

Geradlinige Angelegenheit

Daher ist Sierra Nevada kein Spiel für Menschen, die unterschiedliche Strategien ausprobieren wollen, um am Ende am erfolgreichsten zu sein. Sierra Nevada ist sehr geradlinig, vom Grundgedanken her und daher auch vom Ablauf. In diesem Spiel folgst du der Zielvorgabe und schaust, was du dabei – interessantes und punkteträchtiges – auf deinem Weg findest und mitnehmen kannst. 

Das heißt aber nicht, dass jede Partie gleich verläuft – ganz und gar nicht. Es gibt Partien, da läuft man wie eine geölte Maschine den Weg entlang und leidet weder Mangel noch an tollen landschaftlichen Eindrücken. Es gibt aber auch ein paar Glücks- bzw. Pechkomponenten im Spiel, die uns auf unserer Wanderung stolpern lassen, so dass wir manchmal humpelnd mit Blessuren zurückbleiben, während die Mitspielenden hinter der nächsten Wegbiegung verschwinden…

Wo bleibt nur der Verbandskasten?!?

Die Glückskomponenten können sich ganz schön ungerecht anfühlen und sie liegen darin begründet, welche Karten man erhält oder welche in der offenen Auslage zur Verfügung stehen. 

Erhält man die benötigten Ressourcen durch Handkarten oder als Boni auf Naturkarten, muss man nicht ständig am Limit leben und schauen, wie man beispielsweise seinen Durst gelöscht bekommt. Das gilt es, gut zu planen und mit etwas Erfahrung gelingt es auch besser als in der Erstpartie.

Es ist aber ebenso notwendig, dass die Karten mit den benötigten Symbolen für meine Utensiliensammlung im Rucksack zur Verfügung stehen. Werden einfach nie die benötigten Symbole aufgedeckt, kann das recht frustrierend sein. 

Warum ist das wichtig?

Füllt man den Rucksack schnell, kann man für jedes Utensil, das man erhält, aber bereits besitzt, auf der Höhenprofil-Leiste vorankommen. Und das ist immens wichtig für das schnelle Freispielen der zusätzlichen Aktionsmarker sowie für weitere Abzeichen, die Zusatzpunkte bringen. 

Am wichtigsten aber sind die zusätzlichen Aktionsmarker, die einem mehr Aktionen und damit Freiräume geben und ermöglichen, dass man nicht mehr so sehr knapsen muss. Da man eh immer schon einen Marker für die Wandern-Aktion einplanen sollte, kann man mit den anderen beiden Markern manchmal einfach keine großen Sprünge machen. Wenn man sie eine Runde lang nur für das Beschaffen von Ressourcen einsetzen muss, hat man nicht das Gefühl, eine erfolgreiche Runde gespielt zu haben.

Dafür ist die Aussicht schön..

Gerade die Erstpartie kann mühsam sein. Man weiß noch nicht so recht, wie man seinen Weg am besten geht und wird sicher auch das ein oder andere Pflaster (= Erschöpfungsmarker) kassieren. Aber man lernt schnell und hin und wieder lassen sich auch kleine Kettenzüge auslösen. Sobald man an diesem Punkt angelangt ist, lässt sich die anstrengende Reise genießen. 

Für den Reisegenuss sorgt letztlich auch die tolle Ausstattung des Spiels. Leider ist auf den Erschöpfungsmarkern ein falscher Aufdruck, aber der Verlag stellt auf Anfrage entsprechende Aufkleber zur Verfügung. Die Holzmaterialien sind sehr schön gelungen und besonders gut gefallen mir diese kleinen, als Ringbücher gestalteten Wanderbücher, die man immer so schön umklappen kann. Und nicht zuletzt runden die Illustrationen von Andrew Bosley das landschaftliche Erlebnis ab. 

Rucksack gepackt und Schuhe geschnürt…

Ich mag an Sierra Nevada, wie schön thematisch alles ist. Du wanderst mit Deinen Wanderschuhen und füllst einen Rucksack, Du musst dich verpflegen, ausruhen, gesund und ausdauernd bleiben. Du siehst seltene Pflanzen und Tiere und erlebst eine beeindruckende Natur, deren Highlights du in Fotos festhältst. Und Du musst schließlich am Ziel ankommen, denn wenn Du auf der Strecke bleibst, bleibst Du auf der Strecke…

Am Ende des Weges bzw. Spiels schaut man dann meist zufrieden zurück auf all das, was man geschafft und gesehen hat. Erinnert sich, welche Etappen man nur mit Mühe und Not geschafft hat und wo das Wasser knapp wurde. Einen richtigen Höhepunkt hat das Ganze nicht, aber der Weg ist lang und wir sollten uns nicht verausgaben und unsere Kräfte gut einteilen…

Was sonst noch so zu sagen ist:

  • Falls man mal gut durchkommt und bereits vor der letzten Spielrunde das Ziel erreicht, weiß man in der letzten Runde manchmal gar nicht mehr so recht, was man machen soll. 
  • Die Minuspunkte, die man bei Spielende für Erschöpfungsmarker abziehen muss, sind drastisch. Hier versteht das Spiel keinen Spaß.
  • Es ist gut, dass es die Rundenübersicht gibt – sicherlich ist der Ablauf des Spiels nicht schwierig, aber es ist doch besser, bei Rundenende alle Punkte durchzugehen, damit man keinen Punkt vergisst. Die Frage: „Haben wir schon ernährt?“ haben wir in unseren Partien schon oft gestellt. 
  • Es wäre schön gewesen, wenn auf dem Tableau gestanden hätte, in welcher Menge die Startressourcen zu nehmen sind. 
  • Im Vergleich zu englischen Variante fehlt bei einigen „Extremwetter-Markern“ das zusätzliche Ressourcen-Symbol, das abzugeben ist.
  • Sehr schöne thematische Einbettung und Orientierung des gesamten Spiels an der Wanderung
  • Wertige und sehr schön gestaltete Spielkomponenten 
  • Ruhige Spielatmosphäre, aber knackiger Anspruch
  • Glückskomponenten können frustrieren und sich nachteilig auswirken
  • Geradliniger Aufbau lässt wenig Raum für unterschiedliche Strategien 
  • Harte/Strenge Regelung bei Nichterreichen des Ziels und bei der Wertung der Erschöpfungsmarker

Sierra Nevada ist ein thematisch sehr gut gelungenes Spiel im Natur-/Wandersetting. Dabei spielt es sich geradlinig entlang des vorgegebenen Weges, hat ein chilliges Spieltempo und lässt uns schöne Dinge sehen und erleben. Atmosphärisch unterstützt wird dies durch das schöne Spielmaterial und die Gestaltung des Spielmaterials.

Dabei sollte man aber nicht das andere Gesicht von Sierra Nevada vergessen: Du kämpfst ständig mit Ressourcenknappheit, erleidest Hunger oder die ein oder andere Blessur und musst im vorgegebenen Rahmen das Ziel des Weges erreichen, denn sonst war alles umsonst. Gute Planung der Aktionen ist dabei das A und O. Wer damit umgehen kann, sollte sich ruhig mal auf den Weg machen…

AUTOR: Dan R Rice III
ARTIST: Andrew Bosley
VERLAG:
Skellig
ERSCHEINUNGSJAHR: 2025

1-4 Spielende

14 Jahre

30-120 Min.

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