Home Jahr 2022 REVIEW | Rezension Brettspiel Fyfe

REVIEW | Rezension Brettspiel Fyfe

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Ein Brettspiel mit so einem Cover muss im Sommer erscheinen! Da triggert ein durch und durch Sommer, Sonne, Strand und Meer verströmendes Titelbild gleich doch noch mehr, oder? Die Leichtigkeit, die durch das Urlaubsfeeling des Covers vermittelt wird, findet sich im Gameplay von Fyfe aber nicht zwingend wieder – hier versteckt sich nämlich ein kleiner Brainburner, der einen ganz schön ins Schwitzen bringen kann. 

Carina Brachter


SPIELBESCHREIBUNG

In Fyfe spielen wir, bis wir unser eigenes 5×5-Raster mit Holzplättchen gefüllt haben. Zu Beginn einer Runde ziehen wir dazu ein Plättchen aus dem Sack und legen es in unseren Vorrat – dort liegen immer zwei zur Auswahl. Dann wählen wir eines der Plättchen aus und legen es in unser Raster. 

Die Holzplättchen gibt es in fünf Farben, mit fünf unterschiedlichen Motiven und den Werten 1 bis 5. Wenn wir eines der Holzplättchen im Raster platzieren und auf die jeweilige Reihe noch keine Wertungstafel zeigt, müssen wir eine unserer 15 Wertungstafeln in die Einkerbung an der Seite des Raster schieben. Damit legen wir fest, was wir in dieser Reihe sammeln wollen. Dies kann beispielsweise eine aufsteigende Zahlenreihe sein, ungleiche Symbole, ein Full House aus Farben oder eine bestimmte Abfolge von Farben, Formen oder Zahlen usw.

Neben den Wertungstafeln verfügen alle zusätzlich noch über sieben Glücksbringerplättchen, die ins Spiel kommen, sobald jemand ein Muschelplättchen aus dem Sack zieht. Von diesen gibt es fünf im Spiel und immer, wenn eines gezogen wird, dürfen alle entscheiden, ob sie einen Glücksbringer einsetzen wollen. Mit ihrer Hilfe können beispielsweise Joker ins Raster eingebracht oder Wertungstafeln oder Holzplättchen getauscht werden.

Wertungstafeln können gewertet werden, sobald die jeweilige Reihe oder Spalte mit fünf Holzplättchen gefüllt ist. Dann darf die Wertungstafel auf die Rückseite (= erfüllte Wertung) gedreht werden. Wer die jeweilige Wertungstafel als Erstes erfüllt, erhält zusätzliche noch ein Bonusplättchen mit drei Siegpunkten. Wer es sogar schafft, zwei, drei oder vier Wertungstafeln in einem Zug zu erfüllen, darf sich zusätzliche Bonuschips nehmen.

Ist das gesamte Raster gefüllt, endet Fyfe. Die Punkte auf den erfüllten Wertungstafeln, den Bonusplättchen sowie die Punkte auf den nicht genutzten Glücksbringern werden addiert und es gewinnt, wer die meisten Punkte erzielen konnte.



AUTOR: Kosch ■ ILLUSTRATION: Lukas Siegmon 
VERLAG: Edition Spielwiese | Pegasus ■ ERSCHEINUNGSJAHR: 2022

2-5 Spieler

ab 10 Jahren

ca. 30-45 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu Pegasus)


SPIELGEFÜHL

Wie eingangs bereits erwähnt führt uns die Urlaubsfeeling verbreitende Gestaltung von Fyfeein bisschen aufs Glatteis, wenn es um das Spielgefühl geht. Es ist ein Spiel, das uns zum Grübeln und Hadern bringt. Daher ist die Gestaltung von Fyfe ein guter Versuch, einen Gegenpol zu schaffen, der wieder ein wenig Leichtigkeit in die Sache bringt.

Recht abstrakte Aufgabenstellung

Was bringt uns denn zum Grübeln? Die Aufgabe, Holzplättchen in ein Raster zu bringen, klingt nicht sehr kompliziert und die sehr überschaubaren Regeln und der Schachtelaufdruck „Familie“ tun ihr übriges, dass wir eigentlich keine große Anstrengung erwarten dürften. Doch Fyfe ist in der Tat nicht so einfach, wie man annehmen möchte. Denn die Aufgaben, die wir hier bewältigen sollen, haben es in sich. Die Kombinationen auf Wertungstafeln, die uns die meisten Punkte bringen, erfordern ganz bestimmte Anordnungen und Reihenfolgen von Zahlen, Symbolen oder Farben. Ob wir das erfüllen können, hängt sehr von unserem Plättchen-zieh-Glück ab. Hat uns das Glück verlassen und die notwendigen Zahlen, Symbole oder Farben lassen sich nicht blicken, dann wird es eng im Raster.

Da burnt das Brain

Am Anfang haben wir noch viel Auswahl und alle Optionen stehen uns noch offen. Wir arbeiten gezielt an bestimmten Aufgaben und erst, wenn wir Plättchen in Reihen setzen, auf die noch keine Wertungstafel zeigt, müssen wir uns für eine neue Tafel entscheiden, die wir anlegen. Mit der Zeit wird die Auswahl aber immer kleiner und die Optionen werden zu Zwängen: Die Aufgaben, die wir mit den Wertungstafeln am Rand bereits gewählt, bedingen sich im Raster gegenseitig. Gegen Ende des Spiels müssen wir uns daher von immer mehr Plänen verabschieden, da wir einfach keine passenden Plättchen legen können. Dann wird gegrübelt, welche Reihe man als erstes „aufgibt“. An welche Reihe glaube ich noch, woran halte ich bis zum Schluss fest und hoffe, dass sich noch ein kleines Wunder ergeben wird. Dann kommt es sehr darauf an, ob ich das richtige Plättchen aus dem Säckchen fische oder vielleicht ein Glücksbringer auftaucht, mit dem ich noch ein wenig „zaubern“ kann.

Wo ist der Glücksbringer, wenn man ihn braucht?

Die Glücksbringer können so einiges – sie sind unterschiedlich stark und sie zählen bei Nichtnutzung am Spielende auch noch 1 bis 6 Siegpunkte. Dennoch sollte man nicht lange zögern, eine Reihe mit einem Glücksbringer zu „retten“, da die meisten Wertungstafeln deutlich mehr Punkte bringen. Sie reichen von 5 bis zu 18 Punkten. 

Glücksbringer können laut Spielregel aber nur dann genutzt werden, wenn einer der Mitspielenden ein Muschelplättchen aus dem Säckchen zieht. Die Nutzung der Glücksbringer ist freiwillig, man kann auch darauf verzichten und bei Spielende die entsprechenden Siegpunkte einheimsen.

Glück ein wenig kalkulierbarer machen

Allerdings kann es im Spiel mit weniger Mitspielenden leider öfter mal dazu kommen, dass nur einer oder sogar kein Glücksbringer in Spiel kommen. Das ist ein bisschen zu wenig und kann frustrierend sein. Auch, wenn sie früh in der Partie an die Reihe kommen, ist das meist nicht sehr hilfreich. Wirklich wichtig werden sie gegen Ende, wenn es „eng“ wird.

Zu den Glücksbringern empfehle ich daher die alternative Regel, die der Autor Kosch auf BGG empfiehlt und die die Nutzung von Glücksbringern nach eigenem Ermessen beinhaltet. Es sollte nicht mehr als ein Glücksbringer pro Spielzug genutzt werden und auch nicht alle sieben. Meines Erachtens reichen drei Stück für die gesamte Partie aus, die man frei aus seiner Auswahl wählen darf. Das erleichtert es außerordentlich, die ein oder andere Zwickmühle zu umschiffen und gibt einem den Spielraum, den man gerade Richtung Spielende dringend benötigt.

Ach, das mache ich künftig aber besser

Ein wenig Lernkurve ist im Spiel natürlich auch enthalten. In der ersten Partie wird man noch auf ein paar Anfängerfehler hereinfallen und sich nach einer Weile fragen, warum man denn in die eine Reihe diese eine Wertungstafel gelegt hat, denn die konnte man dort von Anfang an ja gar nicht mehr erfüllen. Daraus lernt man, das wird einem in der zweiten Partie sicher nicht mehr passieren und man wird sicher ein wenig vorsichtiger zu Werke gehen.

Die Lernerfahrungen sind hilfreich, um besser zu werden, und helfen uns dabei, cleverer mit den Wertungstafeln umzugehen. Das Glück bzw. Pech in Bezug auf die Holzplättchen, die wir aus dem Säckchen ziehen, unterliegt aber nach wie vor dem Zufall. Dabei hilft auch die Lernkurve nicht weiter.   

Ratzfatz gespielt

Die Spielzeit von 30 bis 45 Minuten klingt recht sportlich, aber ganz falsch liegt die Verpackungsangabe da nicht. Fyfe wird im Wesentlichen gleichzeitig gespielt. Das Grübeln findet daher zeitgleich und nicht nacheinander statt. Daher dauert das Spiel mit mehr Spieler:innen nur unwesentlich länger als zu Zweit. Aufgrund dieser Gleichzeitigkeit besteht daher auch kaum ein Unterschied darin, wie groß die Spielrunde ist. Es funktioniert in jeder Spieler:innenzahl gleich gut.

Hübsche Knobelei

Wen das solitäre Grübeln nicht stört und wer Spaß an Knobelaufgaben hat, wird an Fyfe seine helle Freude haben. Das Spiel stellt uns immer wieder vor die Herausforderung, unsere Aufgabe besser zu lösen, als in der letzten Partie und zieht daraus auch seinen Wiederspielreiz. Im Grunde bleibt Fyfeaber ein recht abstraktes Vergnügen, auch wenn die Gestaltung und die Komponenten des Spiels wirklich toll gelungen sind. Dafür ein ganz besondere Lob. Die schönen Double Layer Player Boards liegen leider nicht so plan auf, wie es wünschenswert wäre, damit die Wertungstafeln seitlich bestens darin einrasten. Sonst ist am Spielmaterial aber absolut nichts auszusetzen.

Da bleiben ein paar Fragen offen

Die eingangs gelobten kurzen Spielregeln sind mir an der ein oder anderen Stelle aber ein wenig zu knapp geraten. Der ein oder andere erläuternde Satz hätte nicht geschadet. Dass sich eine Wertung ergibt, wenn eine Reihe vollständig mit Holzplättchen gefüllt wurde, steht nirgendwo explizit, ergibt sich aber irgendwie aus dem Rest. Auch rund um die Glücksbringer ergeben sich hin und wieder Fragen. Für mich ist beispielsweise die Frage ungeklärt, ob ich einen Spielstein auch aus einer bereits gewerteten Reihe an eine freie Stelle auf dem Spielplan verschieben kann. Und wenn ja, was ist dann mit der bereits gewerteten Reihe? Bleibt die Wertung bestehen oder wird sie rückgängig gemacht. Hierzu hat Kosch auf BGG auch bereits geantwortet, dass die Wertung bestehen bleibt. Solche Feinheiten bleiben leider für den „herkömmlichen“ Spielenden, der nicht auf BGG nach Lösungen sucht, ungeklärt. 


Zusammenfassung

Fyfe ist ein abstraktes Spiel, das aber in ein sehr ansprechendes Südsee-Setting gepackt wurde und daher mit sehr angenehmem Ambiente und tollem Spielmaterial überzeugen kann. 

Dennoch bleibt es ein grüblerisches Spiel, in dem Holzplättchen in bestimmten Reihenfolgen und Mustern in einem 5×5-Raster angeordnet werden müssen und das verlangt unsere ganze Aufmerksamkeit. Da das Glück ein ordentliches Mitspracherecht beim Ziehen neuer Plättchen hat, sind wir immer wieder gezwungen, unsere Pläne anzupassen, Reihen aufzugeben und unsere Hoffnung auf neue Projekte zu lenken.

Das ist eine immer wieder schöne Knobelei, bei der man es in jeder Runde besser machen möchte, als zuvor. 

  • Tolles Spielmaterial und sehr ansprechende Illustration
  • Flottes Spieltempo wegen gleichzeitigem Spiel (ohne Grübler)
  • Wiederspielreiz durch den Ansporn: Das will ich besser schaffen!
  • Erfolg ist teilweise sehr glücksabhängig
  • Glücksbringer kommen selten – daher besser alternative Regel spielen
  • Regeln hätten etwas ausführlicher sein können

Aus meiner Spielerperspektive: Ich mag Fyfe – ich vergrabe mich gerne in die Optimierung meines Rasters und in das Hoffen auf das richtige Plättchen. Meist schimpfe ich auch viel vor mich hin, weil mein Glück beim Plättchen ziehen genauso herausragend ist wie mein Würfelglück… Naja, was soll man machen. In der nächsten Partie will ich es ganz bestimmt besser schaffen! Daher am besten: Gleich nochmal. Wie lange der Reiz hält, kann ich derzeit nicht sagen…

Zweite Meinung Christoph

Ich konnte die Sommerneuheit Fyfe von Edition Spielwiese ausprobieren. Tolles Material, schönes Sommerfeeling.

Fyfe ist ein abstraktes Optimierungsspiel mit vielen Möglichkeiten. Wenn wir nach und nach die bunten Chips aus dem Beutel ziehen, raucht der Kopf mit zunehmender Spieldauer. Wir müssen gleich drei Ebenen (Farben, Symbole und Zahlen) im Blick behalten. Und nicht nur dass, sondern gleichzeitig auch noch Möglichkeiten mit den Muscheln unsere Auslage zu „manipulieren“.

Mir hat Fyfe gut gefallen, dennoch rauchte mir der Kopf zu stark. Und das muss man mögen. So kann mitunter eine Partie mit einer gewissen Downtime ausgestattet sein, da Spieler unterschiedlich schnell sind.

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