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REVIEW | Rezension Brettspiel: Crash Octopus

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Brettspielbox Brettspiele

Schnips-Brettspiele sind ein ganz besonderes Genre, das meist die Gemüter spaltet: Man liebt sie oder man hasst sie. Wie sieht es bei euch aus? Zu welcher Fraktion gehört ihr? Oder seid ihr ein Vertreter des „Es kommt darauf an“. 

Wenn es euch beispielsweise auf Optik und Material ankommt, dann schaut euch mal Crash Octopus genauer an, denn in Sachen cooles Material und Tischpräsenz haben wir hier einen starken Vertreter. Wie funktioniert Crash Octopus und was es spielerisch zu bieten? Das lest ihr im Folgenden.  

Carina Brachter


SPIELBESCHREIBUNG

In Crash Octopus markieren wir das Meeresgebiet, in dem gespielt wird, mit einer Schnur. Auf dieser sind auch Perlen aufgereiht, die den Spieltimer darstellen. In diesem ausgelegten Kreis werden nun der hölzerne Oktopuskopf und die acht Tentakel aufgebaut. Ebenso werden für jeden Mitspielenden ein Anker und daneben das farblich passende Schiff platziert. Zuletzt kommen noch die Schätze ins Spiel, die wir mit unseren Schiffen einsammeln wollen. Diese werden auf den Oktopuskopf ins Spielfeld fallen gelassen. Jeder sucht sich nun eines der Schiffe aus und bewaffnet sich mit einer Fahne in der Spielfarbe – denn diese ist unser wichtiges Schnips-Instrument. 

Wer an der Reihe ist, darf nun zum Schnipsen schreiten und wählen zwischen a) navigieren und b) einen Schatz schnipsen.

Wer navigieren möchte, darf den Anker an einen anderen Ort schnipsen und dann sein Schiff so verstellen, dass es den Anker berührt. Auf diese Weise kann man seine Ausgangsposition für weitere Aktionen verbessern.

Wer einen Schatz schnipsen möchte, darf versuchen, einen der ausliegenden Schätze – nur nicht den nächstliegenden und einen, den man bereits besitzt – mit der Fahne gegen das eigene Schiff zu schnipsen. Wird das Schiff verfehlt, ist der Zug vorbei und der oder die nächste ist an der der Reihe. Wird das Schiff getroffen, darf der Schatz auf das eigene Schiff aufgeladen werden. Dann wir der Oktotimer vorgerückt. 

Rückt die Krabbe am Oktotimer dabei vor eine blaue Kugel passiert nichts, rückt sie vor eine schwarze Kugel, kommt es zu einem Oktopusangriff. Bei diesem würfeln alle Mitspielenden nacheinander mit dem Tintenwürfel. Dieser muss immer erst den Oktopuskopf berühren, bevor er den Tisch oder weitere Gegenstände berührt. 

Mit ihm darf man gegnerische Schiffe attackieren und versuchen, die verladenen Schätze von den Schiffen zu werfen. Klappt das nicht, darf man bei einer sichtbaren schwarzen Würfelseite einen Tentakel versetzen, bei einer sichtbaren pinken Würfelseite den Oktopuskopf. 

Das Spiel endet, sobald jemand 5 Schatzsorten auf sein Schiff verladen hat und den letzten ggf. notwendigen Oktopusangriff überstanden hat. Die zweite Variante für das Spielende ist erreicht, wenn das Ende des Oktopustimers erreicht wurde. In diesem Fall gewinnt Crash Octopus, wer dann die meisten bzw. wertvollsten Schätze auf seinem Schiff hat.  

Das Spiel bringt noch eine Erweiterung, Varianten, Miniübungsspiele und eine Art Solovariante mit. 



AUTOR: Naotaka Shimamoto ■ ILLUSTRATIONEN/GESTALTUNG: Naotaka Shimamoto, Yoshiaki Tomioka
VERLAG: Funbot ■ ERSCHEINUNGSJAHR: 2022

1-5 Spieler

ab 7 Jahren

ca. 20 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu )


SPIELGEFÜHL

Pink? Pink!

Crash Ocotpus kommt sehr farbenfroh daher. Wie bereits die Cover-Optik verspricht, geht es auch im Schachtelinneren ziemlich pink weiter. Der Oktopus und seine Tentakel sind ein richtig schöner Eyecatcher. Zusammen mit dem weiteren Spielmaterial lässt die Tischpräsenz niemanden kalt. Wer das Spiel aufgebaut sieht, will sofort loslegen und mal ausprobieren, ob in einem der nächste große Schnips-Meister steckt. 

Das Material ist komplett aus robustem Holz und hält so einige Partien aus. Unser eigentliches Schnips-Instrument, die Fahnen, sind aus beschichteter Pappe und damit gleichzeitig robust und flexibel genug, um ihren Dienst zu erfüllen. Es sind sogar Ersatzfahnen enthalten, sofern mal etwas kaputt gehen sollte.

Bilderbuch-Regeln

Die Grundregeln des Spiels sind recht einfach und im Regelheft auch sehr übersichtlich dargestellt. Mit dem Regelheft hat man sich offensichtlich auch die Mühe gemacht, mal einen anderen Weg zu gehen und auch hier direkt zu signalisieren, dass es sich um eine andere Art von Brettspiel handelt als bei einem Strategie-Klopper. Zielgruppe sind hier ganz klar die Wenigspieler oder Familien. Viele Zeichnungen helfen ein Verständnis der Abläufe  zu bekommen und machen Spielsituationen sehr deutlich. 

Was ist denn, wenn…?

Dennoch gibt es viele Kleinigkeiten, auf die während des Spiel zu achten ist und es ergeben sich zahlreiche Spielsituationen, die in der laufenden Partie geklärt werden müssen. In der Spielregel bleibt zwar keine Frage offen, allerdings muss häufig mal nachgeschlagen werden, was denn nun zu tun ist: Was passiert, wenn die Schätze vom Boot fallen, wenn man einen neuen Schatz auflädt? Darf ich sie dann wieder aufladen? Was passiert, wenn der Würfel aus dem markierten Gebiet kullert? Was passiert, wenn ein Mitspielender mein Schiff mit einem Schatz trifft und dabei noch etwas herunter fällt – darf ich wieder aufladen und bekomme ich sogar noch den Schatz hinzu oder ist das nicht so? Ach, es gibt so viele Dinge, die passieren können und das Nachschlagen kann den Spielablauf dann gehörig ausbremsen.

Einfach unberechenbar

Natürlich liegt es ganz klar in der DNA eines Schnips-Spiels, dass es ganz und gar und völlig unberechenbar ist und so ist es auch bei Crash Octopus! Zumindest ist das so bei Menschen, die diese Art Spiele nur hin und wieder spielen. 

Wer Schnips-Spiele gut beherrscht und hier eine Menge Übung mitbringt, sieht das natürlich ganz anders!

Die meisten Spielenden stehen hier aber vor einer ordentlichen Herausforderung und so entwickelt sich dann auch der Reiz des Spiels: Laienhaft geschnipste Aktionen führen dazu, dass wir uns selbst die mühsam eingesammelten Schätze wieder vom Schiff katapultieren. Oder dazu, dass wir beim Oktopusangriff sorgsam die Flugkurve des Würfels berechnen, dieser dann aber eine gänzlich andere Richtung einschlägt und wir uns manchmal selbst mehr schaden, als anderen. 

Schadenfreude, Selbstironie, nackte Verzweiflung – all diese Emotionen wechseln sich ab und machen Crash Octopus zu einem wirklich spaßigen Erlebnis. Sofern man das denn zulassen kann und hier nicht mit allzu viel Ehrgeiz an die Sache herangeht… 

Einfach mal geschehen lassen

Ehrgeiz ist hier nämlich kein guter Berater und es wird nur sehr selten vorkommen, dass man es mit 5 Schätzen auf dem Schiff zum Spielsieg schafft. Hat man endlich zwei, drei Schätze auf sein Schiff gestapelt, macht der nächste Oktopusangriff sowieso alles wieder zu Nichte. Die Mitspielenden werden es niemals durchgehen lassen, dass wir so beladen in die nächste Runde gehen können. Wer sein Herz allzu sehr an die Schätze hängt, wird garantiert als erstes scheitern. Oder – sehr beliebt – bei der nächsten Aktion so heftig schnipsen, dass er oder sie selber für das Entladen des Schiffes sorgt. Die Häme der Umstehenden wird riesig sein! 

Crash Octopus spielt sich übrigens am besten an einem runden Stehtisch – hier hat man die Möglichkeit, den Tisch zu umrunden, die optimale Ausgangslage fürs Schnipsen ein- und die richtige Peilung aufzunehmen.  

Das Grundspiel kann durch die Erweiterung und Varianten noch verändert und an die Spieler:innenzahl angepasst werden. Auch hier ist wieder tolles Material enthalten, das Spaß macht.


Zusammenfassung

Crash Octopus ist ein Schnips-Spiel, das sich durch eine witzige Themenauswahl und tolles Spielmaterial mit hohem Aufforderungscharakter auszeichnet. Die Regeln sind zugänglich und das Regelheft ansprechend gestaltet, so dass sich auch weniger erfahrene Spieler:innen hier gut orientieren können.

Als durchschnittlicher Schnipser wird man den größten Spielspaß bei Crash Ocotpus sicher aus der Unberechenbarkeit der eigenen und der Aktionen der Mitspielenden ziehen. Hier geht es weniger um Ehrgeiz und Strategie – wer das beiseite lassen kann, wird das Spiel sicher am meisten genießen. Das Spiel ist nichts für jeden Tag, aber in der richtigen Gruppe kann es ordentlich Emotionen an den Tisch zaubern.

  • Tolles Spielmaterial mit hohem Aufforderungscharakter
  • Zugängliches Regelwerk mit ansprechend gestaltetem Regelheft

  • Für alle Eventualitäten gibt es Regeln, aber die müssen nachgeschlagen werden und hemmen den Spielablauf
  • Nichts für Planer, ehrgeizige Strategen oder Spieler:innen, die mit Schnips-Spielen nichts anfangen können – das muss man schon mögen

Aus meiner Spielerperspektive: Boah, bin ich eine schlechte Schnipserin! Ich habe dafür wirklich sehr wenig Talent, scheint mir. Dennoch wollte ich das mit diesem pinken Oktopus mal ausprobieren – und so wird es sicher vielen gehen. Wer das Spielmaterial ausgebreitet auf dem Tisch sieht, wird kaum widerstehen können. 

Aber nach ein, zwei Partien habe ich persönlich erstmal eine ganze Weile genug davon – was aber nicht an diesem Spiel, sondern am Genre liegt. Schnips-Spiele sind nicht meins, daran wir Crash Octopus langfristig auch nichts ändern… 

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