Home Jahr 2023 REVIEW | Rezension Brettspiel Cafe del Gatto

REVIEW | Rezension Brettspiel Cafe del Gatto

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Brettspielbox Brettspiele

Kaffee ist immer ein gutes Thema für ein Brettspiel! Während sich viele Spiele – eher anspruchsvolle Kenner- oder Expertenspiele – mit dem gesamten Ablauf vom Anbau über Röstung bis hin zur Zubereitung beschäftigen, brühen wir Kaffee und Milch bei Café del Gatto für unsere Kunden frisch auf. Denn Cappuccino, Latte Macchiato und Espresso – alles ist hier zu bekommen! 

Wer eher im Familienspielbereich unterwegs ist, sich für Kaffee interessiert und sich nicht von den Katzen auf dem Cover irritieren lässt, der ist bei Café del Gatto gut aufgehoben. 

Carina Brachter


SPIELBESCHREIBUNG

Im Café del Gatto schlüpfen wir in die Rollen von Baristas, um Kaffeespezialitäten zusammenzustellen und an unsere Kunden zu verkaufen.

Vor jedem Spielenden liegen fünf Tassen bzw. Gläser, die nach einer vorgegebenen Reihenfolge mit Kaffee- und/oder Milchanteilen gefüllt werden wollen. Sind wir an der Reihe, dürfen wir uns zwei Geldmünzen nehmen oder einen der Kaffee- oder Milchsteine kaufen, die in einem Aufsteller eingefüllt werden, der sich „die Espressomaschine“ nennt. 

Die Steine tragen den Wert 1 bis 4 und sie geben damit immer den Preis des gegenüberliegenden Steins an: Liegt ein Milch-Stein mit dem Wert 1 neben einem Kaffeestein mit dem Wert 4, muss ich eine Münze zahlen, um den Kaffeestein nehmen zu dürfen. Oder vier Münzen für den Milchstein.

Auf diese Weise gekaufte Steine muss ist sofort in eine meiner Tassen platzieren. Habe ich auf diese Weise eine Kaffeespezialität fertiggestellt, kann ich diese und ggf. weitere fertige in einem der nächsten Spielzüge an die Kunden ausliefern. Ich erhalte dafür Geld und Siegpunkte.

Der Wert des Geldbetrages bestimmt sich nach der Art der Zubereitung. Tragen alle Bestandteile das gleiche Merkmal – also „kalt“, „schaumig“ oder heiß“ –, dann erhalte ich mehr Geld, als wenn es sich um eine „lauwarme“ Mischung handelt.

Der Wert der Siegpunkte, die ich erhalten kann, bestimmt sich durch den Wert der verwendeten Steine, ggf. aufgewertet durch zusätzlich abgegebene Zuckerwürfel. Komme ich dabei auf Wert x und es liegt noch ein Siegpunktplättchen mit diesem Wert x aus, kann ich dieses nehmen und auf meine Tasse legen. Gibt es nur noch Plättchen mit höheren und niedrigeren Werten, darf ich ein niedrigeres nehmen und erhalte die Differenz in Münzen ausgezahlt.

 Das Spiel endet, sobald ein Mitspielender das fünfte Getränk serviert hat. Die Runde wird noch zu Ende gespielt und dann zählen alle ihre Siegpunkte, die sie durch Siegpunktplättchen erhalten haben. Wer hier den meisten Erfolg hatte, gewinnt Café del Gatto



AUTOR: Lena Burkhardt, Julia Wagner ■ ILLUSTRATIONEN: Robin Struss
VERLAG: Schmidt Spiele ■ ERSCHEINUNGSJAHR: 2023

2-5 Spieler

ab 8 Jahren

ca. 30 Minuten

Spielregeln (Download – Deutsch)


SPIELGEFÜHL

Manga-mäßige Katzen-Baristas?!?

Okay: Ich habe bereits von Katzen-Cafés gehört, aber im Manga-Style gewandete Katzen-Baristas? Die Kombination von Katzen und Kaffee ist für mich und auch die meisten derjenigen, die das Spiel mit mir gespielt haben, nicht unbedingt nachvollziehbar.

Ich will gar nichts gegen die Gestaltung des Spiels sagen, die ist wirklich gut und stimmig gelungen, allerdings wird bei der Vermittlung des Spielthemas meist etwas zweifelnd die Augenbraue gehoben. Ist diese seltsame Themenmixtur dem geschuldet, dass wir hier ein Familienspiel vor uns haben und ein Thema wie Kaffee, das eher Erwachsene anspricht, mit einer Gestaltung gekreuzt wurde, die bei Kindern punktet? Bei der Beantwortung der Frage kratze ich mich immer noch am Kopf und finde keine wirkliche Antwort… 

Kaffee – leckeres und hübsches Thema!

Kommen wir aber zum eigentlichen Thema des Spiels: Kaffee! Die Gestaltung des Spiels in diesem Themenfeld ist für alle, die Kaffee etwas abgewinnen können, sehr ansprechend. Herausragend sind hier die Bakelit-Steine, die auf der einen Seite den Kaffee darstellen, auf der anderen Seite die Milch. Diese erinnern die einen an Pralinen und die anderen an Kinder-Schokolade und irgendwie läuft mir allein bei der Schilderung schon wieder das Wasser im Mund zusammen. 

Auch die Darstellung der Kaffeespezialitäten ist ansprechend, obwohl auch hier wieder Katzenanspielungen verborgen sind, die aber nicht weiter „stören“. 

Gerade auch die Gestaltung des Spiels mit den Bakelit-Steinen dem bedruckten Säckchen, der aufstellbaren Espressomaschine und der Preistafel machen etwas her und das bei einem guten Preis-Leistungsverhältnis, das man heute nur noch selten findet oder das sich wohl nur noch große Verlage mit hohen Auflagen „leisten“ können.

Zugänglich mit Kniff

Das Spiel selbst ist wirklich zugänglich und leicht erlernbar. Es richtet sich klar an Familien oder Gelegenheitsspieler, bei denen das Spiel auch wirklich gut ankommt. Dabei ist es aber gar nicht so „simpel“, hier zu einem guten Ergebnis zu kommen, wie es zunächst scheint. Man verfügt doch über ein paar kleine, taktische Stellschrauben, die man drehen kann, um ggf. etwas erfolgreicher zu sein als andere.

Ein wichtiger Kniff liegt in der „Preisgestaltung“ unserer Zutaten. Durch die ständigen Veränderungen in der Zusammensetzung der Espressomaschine sollte man stets diese Auslage im Auge behalten. Natürlich versucht man immer, ein „Schnäppchen“ zu ergattern. Das wird einem aber nicht so häufig gelingen, weil die Mitspielenden die Preise ebenfalls im Blick haben. Ebenso kann es sein, dass gerade im eigenen Zug alles extrem teuer ist und man mit dem Pech zu kämpfen hat. Dann kann man aber gegen Abgabe von Münzen die „Maschine reinigen“, um die Auslage in einer Seite der Maschine auszutauschen.

Kauft man aber nicht ein und nimmt sich stattdessen zwei Münzen, um im nächsten Zug flexibler im Einkauf zu sein, „verliert“ man quasi einen Zug. Denn man darf nicht vergessen: Das Spiel ist eine Art Wettrennen – um die meisten Siegpunkte und auch ein wenig, das Spielende einzuleiten, denn damit setzt man die anderen unter Druck, ebenfalls schnell zu handeln.

 Jetzt aber flott – die Kunden warten

Das Wettrennen zeigt sich auch darin, dass wir mit unserer jeweiligen Kaffeespezialität auch die hohen Siegpunktwerte abgreifen wollen. Den Minimalwert kann jeder erhalten, dafür sind genügend Plättchen im Spiel. Aber die höheren, spannenderen Werte sind jeweils nur einmal zu haben und daher entsteht hier leicht ein Run auf die fetten Punkte.

Wir haben festgestellt, dass es vorteilhafter ist, zu Beginn mit dem großen Latte Macchiato zu beginnen, da es hier maximale 16 Punkte zu holen gibt. Außerdem bringt er viel Geld ein, das sich danach prima reinvestieren lässt und auch wieder Züge spart, weil man nicht passen muss, um sich Münzen zu nehmen.

Und um bei diesem Wettrennen vorne mit dabei zu sein, ist es auch unabdingbar, die Mitspielenden immer im Blick zu bewahren. Wie weit sind diese denn mit ihren Kaffeespezialitäten. Welchen Stein werden sie vermutlich als nächstes erwerben? Wird sich dadurch für mich eine günstige Preisentwicklung ergeben? Ist der Cappuccino bei den anderen schon so gut wie fertig und auf welche maximale Punktzahl bringt er es? Habe ich noch eine Chance auf ein hohes Siegpunktplättchen?

Geld, was ist schon Geld?

Interessant ist auch, wie sich die Bedeutung von Geld während des Spiels ändert. Zu Beginn ist man im Zweifelsfall immer knapp bei Kasse. Hat man den ein oder anderen Kaffee bereits serviert und auch abkassiert, ist das Portemonnaie bereits gefüllter und man „kann sich mal was Gutes leisten“. Da Geldmünzen aber bei der Schlusswertung nichts mehr wert sind (nur als Tiebreaker), verlieren sie zunehmend an Bedeutung. 

Damit einhergehend sinkt auch die Bedeutung der passenden Merkmale während des Spiels: Zu Beginn achtet man noch sehr darauf, dass alle Elemente eines Getränks „heiß“ oder „schaumig“ sind, denn das bringt gutes Einkommen. Später, wenn Geld weniger wichtig wird und es eher auf Schnelligkeit ankommt, nimmt man schonmal einen Stein, der nicht sortenrein ist, um schneller fertig zu werden… 

Stumpfes Ende

Das Spiel gefällt mit deutlich besser in größerer Runde als zu Zweit, denn da passiert mehr in der Espressomaschine. Außerdem verteilen sich die Siegpunkte besser in der Gruppe, als im Spiel zu Zweit. In dieser Spieler:innenzahl würde ich es nicht unbedingt empfehlen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist das Spielende. Dieses habe ich bereits einige Male als sehr frustrierend empfunden. Der Grund besteht darin, dass man seinen fertigen Kaffee nicht mehr verkauft bekommt. Man steht dann da mit seiner vollen Tasse und erhält gar nichts mehr dafür… 

Ich hätte es so gelöst, dass bei Spielende fertiggestellter Kaffee noch zum Mindestwert der jeweiligen Kaffeesorte abverkauft werden kann. Ich glaube nicht, dass diese Regelung den grundsätzlichen Spielverlauf zum Negativen geändert hätte. Sie würde aber so manchen Frust bei Spielende etwas auflösen und dem letzten Spielzug für den ein oder anderen noch eine Bedeutung geben. Gerade bei einem Spiel, das in diesem Segment unterwegs ist…


Zusammenfassung

Café del Gatto ist ein zugängliches und schnell gespieltes Spiel für Familien und Gelegenheitsspieler:innen. Im Kern ist es ein Wettrennen darum, schnellstmöglich alle Kundenwünsche mit tollen Kaffeespezialitäten zu erfüllen und so die meisten Siegpunkte einzuheimsen. Das Spielende kann dabei für den ein oder anderen etwas plötzlich kommen oder sich ein wenig stumpf anfühlen, daher muss man gut aufpassen, was die anderen am Spieltisch tun.

Das Spiel ist optisch ansprechend und sehr schön ausgestattet. Wer Kaffee mag, wird ihn beim Spielen förmlich riechen können. Etwas irritierend ist es dabei, dass wir uns dazu in Mangagesichtige Katzen-Baristas verwandeln, aber wer sich davon lösen kann, wird hier ein fluffig spielbares Spiel finden, dass immer mal wieder auf den Tisch gebracht werden kann. 

  •  Zugänglich, mit klarem, geradlinigem Spielablauf, gut verständliche Regeln
  • Das Kaffee-Thema holt viele ab 
  • Ansprechende Gestaltung und schönes Spielmaterial
  • Warum Katzen?
  • Das Spielende kann stumpf wirken – der letzte Spielzug ist ggf. „für die Katz“
  • Geht zu Zweit, aber besser in größerer Runde ab drei spielbar

Aus meiner Spielerperspektive: Cafe dCafé del Gatto wurde mir auf einer Veranstaltung erklärt und leider hat der Erklärbär mit seiner persönlichen Art dazu beigetragen, dass ich nach der Erstpartie eigentlich keine Lust auf eine zweite hatte. 

Eine zweite Chance hat mich dann versöhnt und ich durfte erkennen, dass es sich hier um ein richtig gutes Einsteiger:innenspiel handelt, das sich für viele Runden eignet. Ich persönlich würde es nur selten aus dem Schrank holen, aber ganz genau bei Gelegenheiten mit Wenigspieler:innen – und dann auch gerne mitspielen.

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