Home Jahr 2020 REVIEW | Rezension Brettspiel 5-Minute-Mystery

REVIEW | Rezension Brettspiel 5-Minute-Mystery

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„Das allumfassenden Museum braucht eure Hilfe! Mein wertvoller MacGuffin wurde gestohlen und mein Museum ist übersät von seltsamen Symbolen. Bitte fasst den Übeltäter und bringt mir meinen MacGuffin zurück!“

Nach dem bekannten 5-Minute-Dungeon ist nun die nächste 5-Minuten-Herausforderung erschienen: Mit 5-Minute-Mystery bringt Game Factory ein superschnelles Deduktionsspiel auf den Markt, bei dem genaue Beobachtungsgabe, sowie Kooperations- und Koordinationsfähigkeit unter Zeitdruck gefordert sind. Ist das nicht ein bisschen zu viel des Guten? Nein, denn 5-Minute-Mystery macht richtig viel Spaß! Was mir daran gut gefällt, lest Ihr im Folgenden. 

Carina Brachter


SPIELBESCHREIBUNG

Im Spiel 5-Minute-Mystery übernehmen wir die Rollen von Detektiven, die dem Direktor des „allumfassenden Museums“ dabei helfen sollen, gestohlene Gegenstände oder andere rätselhafte Begebenheiten aufzuklären und dabei den oder die Übeltäter zu überführen. Dabei spielen wir kooperativ und unter Zeitdruck, denn für die Lösung der Fälle stehen uns, je nach Schwierigkeitsstufen, nur wenige Minuten zur Verfügung.

Wir beginnen unsere Ermittlungen, indem wir einen Fall auswählen – hiervon stehen 16 in drei unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen zur Verfügung. In einigen Fällen suchen wir einen, in anderen Fällen sogar mehrere Übertäter. Von allen Übeltätern gibt es Kärtchen, die an den Rändern Codes enthalten. Ein Übeltäter wird zufällig ausgewählt und verdeckt in die Tischmitte gelegt.

Alle in Frage kommenden Übeltäter sind zudem auf Karten abgebildet, die unter den Mitspielenden aufgeteilt werden. Durch Hinweise sollen wir hier die aussortieren, die es aufgrund dieser Indizien sein oder eben nicht sein können, bis der Täter oder die Täterin am Ende von uns gemeinschaftlich identifiziert und überführt werden kann. 

Hinweise erhalten wir durch harte Ermittlungsarbeit. Dafür stehen uns unterschiedlichste Szenekarten aus sämtlichen Räumen des Museums zur Verfügung, in denen Symbole versteckt sind. Wir starten nach Auswahl des Falls den Timer (passende App verfügbar) und decken dann die erste Szenekarte auf. Alle Mitspielenden suchen die fünf versteckten Symbole in der Szene und teilen diese dem Kodexbeauftragten mit. Der Kodexbeauftragte stellt die gesuchten Symbole auf den Rädern des im Spiel enthaltenen Kodexrades ein. Sind alle gefunden, drehen die Spielenden die Szenekarte um, auf der der gesuchte Code abgedruckt ist. Liegen wir richtig, erhalten wir zur Belohnung einen oder je nach Fallbeschreibung mehrere Hinweiskärtchen.

Diese Kärtchen enthalten Hinweise auf Eigenarten der Übeltäter oder Accessoires, die sie bei sich tragen. Aus den 16 Hinweisplättchen wählen die Spielenden dann eines aus und legen den Code des Hinweisplättchens an den jeweiligen Code an der Übeltäterkarte in der Tischmitte an, um diese abzugleichen. Ist der Hinweis beispielsweise die Taschenuhr und der Code der Taschenuhr stimmt mit dem Code an der Übeltäterkarte überein, wird klar, dass der Übeltäter eine Taschenuhr bei sich trägt. Die Spielenden dürfen nun alle Handkarten ablegen, auf denen keine Taschenuhr abgebildet ist. 

So geht es weiter, bis die Spielenden nur noch einen Übeltäter übrig haben und diesen somit eindeutig identifizieren können. Wenn die Zeit abgelaufen ist und die eindeutige Zuordnung noch nicht möglich war, darf die Gruppe auf einen Übeltäter tippen. Liegt die Gruppe richtig, ist die Partie gewonnen.

Läuft die Zeit ab und die Gruppe tippt auf den falschen Übeltäter, ist die Partie 5-Minute-Mystery verloren und der Übeltäter konnte unerkannt entkommen…



AUTOR: Connor Reid ■ DESIGN: Cam Kendall
VERLAG: Game Factory ■ ERSCHEINUNGSJAHR: 2020

1-4 Spieler

ab 8 Jahren

ca. 15 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu )


SPIELGEFÜHL

Überraschend gut!

Ich mag hektische Spiele nicht sonderlich gerne. Und Deduktionsspiele sind auch nicht mein liebstes Genre. 5-Minute-Mystery gefällt mir aber dennoch richtig gut! Es kann daher auch jede:r von Euch weiterlesen, der sich sonst für Spiele unter Zeitdruck nicht begeistern kann – vielleicht findet Ihr hier ja genauso wie ich eine Ausnahme!

Da will jeder mal Codeknacker sein…

5-Minute-Mystery weiß durch viele Facetten zu überzeugen. Eine Facette ist die sehr gute Ausstattung – vom Inlay über die Kartenqualität bis hin zum Kodex ist alles hochwertig gefertigt. Im stressigen Spielgeschehen müssen sie auch einiges aushalten können und das ist auch gegeben. Die unterschiedlichen Spielkomponenten sind sehr ansprechend gestaltet und besonders das Kodexrad überzeugt durch einen hohen Aufforderungscharakter: Da will man direkt loslegen und zum Codeknacker werden!

Die Übeltäter sind liebevoll gestaltete Tiercharaktere, die meist gar nicht wie Übeltäter erscheinen. Durch die Namensgebung bekommen alle noch mehr Persönlichkeit. Wie sagte eine Mitspielerin doch so treffend: „Schön, dass die alle mal so normal heißen.“ Wir spielen hier nämlich mit Wolfgang, Heike, Sarah und Tim und vielen anderen mehr.  

Parallel, pedantisch und präzise!

5-Minute-Mystery verlangt von uns sehr präzise zusammenzuarbeiten. Die Präzision bezieht sich dabei auf mehrere Aspekte: Zum Einen muss in den Suchbildern sehr genau geschaut werden, welche Varianten der Symbole hier versteckt sind. Da die Symbole oft in Schattenschemen verborgen sind, wird gerne mal ein Detail übersehen. Oder falsch oder nur unzureichend weitergegeben. 

Der Kodexbeafutragte, der für das Einstellen der Symbole auf dem Kodexrad zuständig ist, benötigt genaue Anweisungen aus der Gruppe. Und diese sind gar nicht so einfach zu ver- oder übermitteln. Da sich die unterschiedlichen Symbole auch in der Beschreibung ähneln, entwickelt sich hier oft eine Art Behelfssprache mit Synonymen für die einzelnen Symbole. Das Dreieck mit den vielen kleinen Dreiecken auf der einen Seite wird so schnell zum „Drachen“, das Quadrat mit den kleinen Quadraten rechts und links zum „Teppich“. Auf diese Weise geht die Übermittlung und das Verständnis und die Umsetzung am Kodexrad deutlich schneller. Und effizienter. Jede Gruppe entwickelt so ihre eigene (Bild)Sprache, was in den einzelnen Gruppenkonstellationen spannend zu beobachten ist.

Diese eigene Sprache wird bei einem der schwierigsten Fälle sogar auf die Spitz getrieben, da sie auch noch eine pantomimische Komponente bekommt: Hier dürfen die Spieler:innen die gefundenen Hinweise nur ohne zu sprechen an den Verwalter des Kodexrades weitergeben und dieser darf zudem nicht auf die Szenekarte sehen. Das sollte man wirklich erst versuchen, wenn die Gruppe eingespielt ist!

Taschenuhr? Federn? Halskette?

Ist der Code gefunden und überprüft, darf die Gruppe Hinweise erhalten, die auf den Übeltäter hinweisen. Die Auswahl sollte nicht zu hastig und übereilt erfolgen! Je fortgeschrittener die Runde ist und je weniger Übeltäter übrig bleiben, desto eher sollte man vielleicht doch noch ein, zwei Sekunden darüber nachdenken, welche Art von Hinweis man für den nächsten Tipp auswählt. Hinweise auf die Beschaffenheit der Haut oder vielleicht doch eher ein Accessoire? Da sollte nicht zu flott entschieden werden, zumal, wenn nur noch wenige Karten übrig sind und durch einen weiteren Hinweis eine eindeutige Zuordnung möglich werden kann. Auch hier ist wieder präzises, aber natürlich auch schnelles Überlegen gefragt, um die Auswahl an Übeltätern einzugrenzen.

Wie sieht eigentlich ein Monokel aus?

Der letzte Aspekt der Präzision bezieht sich auf das Aussortieren der Übeltäter aus den Handkarten. Hier darf nicht geschlampt werden! Die Zeichnungen, so liebevoll und schön sie sind, so vertrackt sind sie auch in der Auswertung. Einige Accessoires sind etwas versteckter und sollten nicht übersehen werden! 

Im Spiel mit Kindern ist zu empfehlen, den Unterschied zwischen Monokel und Brille im Vorfeld des Spiels zu klären. Sonst kann es hier schnell Verwechslungen geben, die bei der Auflösung für Frust sorgen können.

Im Kreis der Ermittler

Um das alles sehr genau erkennen zu können, empfiehlt es sich, das Spiel bei guten Lichtverhältnissen zu spielen. Details können sonst noch leichter übersehen werden. 5-Minute-Mystery funktioniert dabei in jeder Gruppengröße gut. Zu Zweit wird man fast zu schnell zum eingespielten Team – in größerer Runde dauert das Einspielen etwas länger. Auch, wenn das Spiel laut Angabe nur bis zu 4 Spielern ausgelegt ist, haben wir es auch gut zu fünft und sogar zu sechst spielen können – das tat dem Spielspaß keinen Abbruch.

Teamplayer erwünscht

Aber Achtung: Wer mit allzu ambitionierten Spielern spielt, sollte sich keine Schnitzer erlauben. Die Gruppe muss fehlertolerant sein, denn bei der Übermittlung der Symbole an den Kodexverwalter und auch beim Aussortieren der Übeltäter kann immer mal ein Flüchtigkeitsfehler unterlaufen. Wer hier allzu ernsthaft an die Sache rangeht, kann von der Leistung der Gruppe schonmal enttäuscht werden. Schuldzuweisungen sind hier aber fehl am Platze. Das Spiel geht so flott, dass man dann schnell eine weitere Partie anhängen kann, in der dann alles wieder besser läuft.

Immer wieder anders!

Als letzte positive Facette möchte ich die Varianz des Spieles hervorheben. Die 16 unterschiedlichen Fälle und die tausenden Kombinationsmöglichkeiten bei den Übeltätern machen jede Partie anders. Grundsätzlich ist das Spielprinzip natürlich immer recht ähnlich. 5-Minute-Mystery ist sicher kein abendfüllendes Programm. Man kann es aber prima als Opener oder Absacker spielen oder in einer Runde, besonders mit Kindern, zwei, drei, vier Partien lang. Dann langt es meist.

Der detektivische Aspekt motiviert und gefällt mir dabei persönlich auch besser als der Lasst-uns-den Boss-besiegen bei 5-Minute-Dungeon. Zudem besteht durch die Kodexmaschine, die etwas enigmahaftes hat, ein hoher Aufforderungscharakter – besonders für Kinder. Unterstützt wird die stressige Ermittlungsatmosphäre auch durch den Timer, den die 5-Minute-Mystery-App vermittelt. Diese ist einfach downloadbar und vermittelt noch ein wenig mehr Stimmung als ein normaler Timer – vor allem erhöht sie auch den Druck, wenn die klägliche Restzeit durchgegeben wird. Ist man schließlich in der Gruppe erfolgreich, kann die erfolgreiche Ermittlungsarbeit ordentlich gemeinsam gefeiert werden. Überbordend wird die Stimmung natürlich dann, wenn am Ende bei einer 50:50-Chance noch richtig geraten wurde. 


Zusammenfassung

5-Minute-Mystery verlangt einiges von seinen Spielerinnen und Spielern: In kurzer Zeit sollen wir genaue Beobachtungen durchführen, diese gut verständlich weitergeben, dafür Hinweise erhalten, aus ihnen die richtigen Rückschlüsse ziehen und dann auch noch innerhalb der knapp bemessenen Spielzeit einen Übeltäter ermitteln? Überraschenderweise gelingt das sehr gut und begeistert besonders gemischte Gruppen, bei denen Kinder bereits sehr gut mitspielen können.

Das Spielmaterial – hier besonders das Kodexrad – bietet einen hohen Aufforderungscharakter, ist von guter Qualität und ansprechend gestaltet. Ein glückliches Händchen ist bei der Ermittlungsarbeit natürlich auch noch notwendig. Aber man gewinnt und verliert hier ja nie alleine: Der kooperative Spielmodus und damit einhergehende Teambuilding macht Spaß, vor allem, wenn die Gruppe durch einen erfolgreich gelösten Fall bei Spielende in Feierlaune versetzt wird!

  • Schönes Spielmaterial, besonders das Kodexrad, das großen Aufforderungscharakter mit sich bringt
  • Tolles Teambuilding-Spiel durch gemeinsame Ermittlungsarbeit und Erfolge
  • Die App bietet atmosphärische Unterstützung
  • Kann frustrieren, wenn die Gruppe durch Flüchtigkeitsfehler mehrmals scheitert
  • Sollte nur bei guten Lichtverhältnissen gespielt werden
  • Es ist zwar Varianz gegeben, aber vermutlich hält der Wiederspielreiz nicht ewig

Aus meiner Spielerperspektive: Wie eingangs erwähnt bin ich nicht der Fan von hektischen Spielen. Und dann noch Deduktion? 

5-Minute-Mystery hatte ich mir daher selber als Herausforderung gestellt und hab es dann überraschend schnell ins Herz geschlossen. Die Spielmechanik ist zwar einfach, darf aber auch für die kurze Spielzeit nicht komplizierter sein. Die einzelnen Spielkomponenten gefallen mir zudem richtig gut. Bisher hat es noch jeder Runde, in der ich es gespielt habe, allen große Freude bereitet und das rechne ich dem Spiel sehr hoch an!

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