Mittwoch, Januar 28, 2026
StartJahr2025Kavango - REVIEW | Rezension Brettspiel

Kavango – REVIEW | Rezension Brettspiel

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Das Kavango-Zambesi-Netzwerk ist ein afrikanisches Naturschutzgebiet. Anderthalbmal so groß wie Deutschland erstreckt es sich über 5 Länder. Es umfasst 36 einzelne Schutzgebiete, darunter 21 Nationalparks, und bietet zahlreiche Ökosysteme und damit Lebensraum für Populationen wie die afrikanischen Elefanten oder Zebras. 

Im Spiel Kavango sind wir mittendrin, lernen Lebensräume, Tiere und Schutzprojekte kennen und haben die Aufgabe, alles in die optimale Balance zu bringen.

Carina


Kavango spielen wir über 3 Runden. Zu Beginn jeder Runde werden zunächst die Kartenstapel zusammengestellt, die wir anschließend draften. Wir wählen dann alle parallel eine Karte aus dem Stapel aus und spielen diese entweder direkt in die Auslage oder in die Auffangstation, wo die Karten bleiben müssen, bis die Auslagebedingungen erfüllt sind.

Unter den Karten der ersten beiden Runden befinden sich sog. Produzenten wie Gräser, Bäume, Insekten und Fische, mit denen wir die Lebensgrundlagen für die Tiere schaffen. 

Darüber hinaus gibt es Tierkarten in drei unterschiedlichen Stufen. Die kleineren Tiere benötigen die Produzenten, um angesiedelt werden zu können. Gleichzeitig dienen sie dann wiederum als Nahrungsgrundlage für einige der größeren Tierarten, die erst ab der zweiten Runde ins Spiel kommen. 

Für das Ausspielen der Karten sind bestimmte Bedingungen zu erfüllen, die jeweils auf den Karten aufgedruckt sind. Dies sind zum einen die Produzenten als Lebensgrundlage, Futtertiere oder Schutzstufen, die vorhanden sein müssen. Je größer und anspruchsvoller die ausgespielten Tiere, desto mehr Punkte bringen sie bei Spielende. Neben den Produzenten und Tierkarten gibt es aber auch noch Aktionskarten, die uns beim Ausspielen Soforteffekte ermöglichen und auch Geld einbringen.

Geld ist wichtig, um die Schutzprojekte zu finanzieren. Wir können individuell bei uns selbst in Habitats- oder Wildtierschutz investieren oder gemeinsam mit den Mitspielenden in den Klimaschutz. Das ist nicht nur notwendig, um Bedingungen zum Ausspielen von Karten zu erfüllen, sondern auch, um bei Spielende für das Erreichen von Schutzzielen nochmal extra Punkte einzusammeln. Geld erhalten wir aber auch während der Partie dadurch, dass wir die Forschungsaufgaben der einzelnen Runden erfüllen. Von diesen Aufgaben liegen jeweils vier aus. Erfüllt werden können sie in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen und bringen entsprechend angepasste Erträge in Geld und Punkten ein.

Bei Spielende gibt es neben den bereits genannten Punktequellen noch Punkte für Biodiversität, sofern man von jeder der 11 Produzenten- und Tierarten jeweils eine besitzt. 

Wer nach 3 Runden die meisten Punkte erzielen konnte, gewinnt Kavango.

Brettspiel Regeln

Spielregeln (ext. Link zu Schmidt Spiele)


Na klar – mit „Tieren“ und „Schutzprojekten“ hat man mich doch schon. Das holt mich irgendwie immer ab, da kann ich mich gar nicht wehren. Auch Kavango macht mir großen Spaß, denn hier kommt mit dem Draften der Karten und der stetigen Weiterentwicklung eine Mechanik ins Spiel, die mir richtig gut gefällt. Auch viele meiner Mitspielenden genossen das Gefühl, sich hier kontinuierlich weiterentwickeln zu können und nicht unter der oft in Spielen herrschenden Knappheit zu leiden. Weil es entsprechend gut lief, konnte ich in meiner Erstpartie bereits alle Ziele erreichen, für die man bei Spielende nochmal Extra-Punkte erhalten kann. Daher hatte ich die Befürchtung, dass mir Kavango eventuell danach nicht mehr viel zu bieten hat. Aber: Auch weitere Partien machen mir Spaß, denn aufgrund der Variabilität des Spielmaterials entwickeln sich die Partien auch durchaus unterschiedlich und Spieloptionen wie die Zielkarten bieten neue Herausforderungen.

Basisarbeit

Wichtig ist es aber erst einmal, in der ersten Runde Basisarbeit zu betreiben. Bevor wir Tiere in die Auslage raushauen, sollten wir ganz vernünftig eine gute Produzenten-Grundlage schaffen. Wenn man darauf nicht achtet, wird es später im Spiel schwierig, nochmal nachzulegen. Oder es wird teuer. Denn natürlich kann man Renaturierungskarten erwerben, um fehlende Produzenten zu beschaffen, aber die sind mit Kosten von 4 Millionen wirklich kostspielig. Ist man von Anfang an ordentlich aufgestellt, hat man später eine Sorge weniger. 

Tier-Memo 

In Kavango ist Merkleistung gefragt: Man muss sich schon ein bisschen daran erinnern können, welche Karten sich in den einzelnen Stapeln befinden. Denn bei jedem Kartendurchlauf gilt es, eine Entscheidung zu treffen und genau abzuwägen, was man sich als erstes aus den Stapeln fischen sollte und was ggf. bis zum nächsten Kartenumlauf Zeit hätte. Diese Entscheidungen, dieses Abwägen, dieses Hoffen und Riskieren finde ich in jeder Partie wieder reizvoll.

Dabei spielt die Anzahl er mitspielenden Personen eine entscheidende Rolle. Je weniger Personen am Spiel beteiligt sind, desto besser kann man abschätzen, welche Karten man nochmal erhalten wird. Zu zweit habe ich große Chancen auf ein Wiedersehen. Zu dritt wird es schon merklich unklarer und zu viert schwer kalkulierbar, welche Karten den Stapel verlassen, bevor er wieder bei einem selbst ankommt.

Um sicherzugehen, kann man in einem langwierigen Prozess die ausliegenden Karten der Mitspielenden in seine Überlegungen einbeziehen und scannen, ob er oder sie sich eine bestimmte Karte überhaupt „leisten“ kann. Aber auch diese Überlegung kann durch die Option, Karten in die Auffangstation zu legen, wieder ausgehebelt werden. Auf diese Weise hat man immer ein klein wenig das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn man eine Karte nicht nimmt – aber es tun sich gleichzeitig mit dem nächsten Kartenstapel doch wieder neue Möglichkeiten auf. 

Nur nicht ALLES parallel spielen, bitte

Da wir alle parallel spielen, kommt zwar wenig Downtime auf, allerdings spielt man viel für sich. Man beschäftigt sich intensiv mit den Kartenstapeln und kommuniziert wenig. Wir spielen daher die Phasen ab dem Auslegen der Karten immer so, dass wir die Karten nacheinander ausspielen und unser Tun kommentieren, damit man die Entwicklungen bei den anderen mitbekommt und auch schonmal sieht, welche Karten man nun selber nicht mehr bekommen kann.

Das hat noch weitere Vorteile: Es können Spielfehler in der Gruppe auffallen, Neulingen Hilfestellung geleistet werden und einfach mehr Miteinander erlebt werden.

Ich empfehle diese Spielweise dringend, dann sonst kann ich das Spiel auch solo spielen.

Wieder ein Spiel mit vielen individuellen Karten…

Wie bei allen Spielen mit einer Vielzahl an Karten ist es auch bei Kavango Glückssache, welche Karten man im Laufe einer Partie zur Verfügung hat und welche nicht. Sehr viele Tiere spielen einfach gar nicht mit und daher können auch vom Spiel verlangte Bedingungen nicht immer so leicht erfüllt werden. Es kommt im Zusammenhang mit den Forschungskarten vor, dass ich Karten in meiner Auslage nicht in der geforderten Mindestmenge aufweisen kann. Ist das bei einer Aufgabe in der Runde nicht möglich – okay. In einer meiner Partien hatte ich in Runde 3 nicht die Möglichkeit, auch nur eine der vier ausliegenden Forschungskarten zu erfüllen. Dann fehlen einem nicht nur wichtige Punkte, sondern vor allem auch das Geld, um bei den Schutzprojekten voranzukommen. Und die Schutzstufen fehlen einem dann wieder als Voraussetzung für das Ausspielen von weiteren Tieren usw. Dieser Extremfall kam bei uns aber nur einmal vor, so dass man sich meist irgendwie – beispielsweise mit Hilfe von Aktionskarten – aus einer solchen Misere lavieren kann.

Häufiger habe ich dies im Zusammenhang mit den Zielkarten erlebt, die man optional ins Spiel integrieren kann. Hier gilt es, Tiere bestimmter Arten oder mit bestimmten Lebensräumen zu sammeln. Da man die benötigten Tiere meist nicht in ausreichender Anzahl durch den Draft erhält, sollte man unbedingt die Aktionsarten nutzen, mit der man den Ablagestapel durchsuchen kann. Da der Stapel bisweilen recht umfangreich ist, kann die Auswahlphase aber schonmal ein wenig dauern…

Anspruch und Optik

Die Einstufung des Spiels von Schmidt in „Familie Plus“ sehe ich kritisch. Ich sehe Kavango zwar als leichtes, aber definitiv als Kennerspiel. Man kommt zwar schnell in das Spiel hinein und findet sich darin auch gut zurecht, aber man hat schon sehr viele Informationen zu verarbeiten. Die Icons, die Kartenfülle, die Forschungsaufgaben, die Planung des Vorgehens und der Prioritäten sind herausfordernd. Zudem bieten sich viele Optionen, zwischen denen man Abwägen muss. Das Hirn soll arbeiten und wird gut beschäftigt, gleichzeitig aber nicht überfordert. Kavango verbreitet keinen Stress und wird von allen bisherigen Mitspielenden als angenehm empfunden.

Das gilt übrigens auch für die dezente Optik, die mit ihren naturnahen Farben gut zum Thema passt. Das Einzige, was mich stört, ist das schreiendbunte Logo auf dem Cover…

Viele kritisieren, dass das Spiel auf dem Tisch zu viel Platz wegnimmt. Ja richtig, es nimmt sich seinen Raum. Dem Vorschlag, die Tableaus für die Tierkarten wegzulassen und sie einfach so vor sich auszulegen, kann man folgen, aber mir gefällt es deutlich besser, wenn man die Tableaus nutzt. So ist es übersichtlicher, aufgeräumter und auch besser vergleichbar, was man so vor sich liegen hat. Viele sortieren darauf ihre Tiere auch nach Kategorien. Daher bin ich im Team „pro Tableau“.

Ein abschließender Tipp: Sortiert nach Spielende alle Karten wieder so, dass ihr bei der Folgepartie wieder aufgeräumte Stapel in der Schachtel vorfindet. Das ist zwar ein wenig Arbeit, lohnt sich aber für den Moment, wenn ihr die Schachtel wieder in die Hand nehmen werdet. 

  • Kaum Downtime durch paralleles Spielen
  • Viele kleine Entscheidungen und interessante Abwägungen, die zu treffen sind
  • Stetige Weiterentwicklung gibt ein positives Spielgefühl
  • Sehr solitäres Spielerlebnis, sofern man nicht einige Passagen bewusst nacheinander spielt
  • Abhängigkeit von Mitspieleden im gemeinsamen Klimaschutz kann blockieren
  • Man benötigt schon viel Platz auf dem Tisch…

Kavango ist ein rundum gelungenes, leichtes Kennerspiel im Natursetting. Das Spieltempo ist angenehm und da wir viel parallel erledigen, hat das Spiel kaum Längen. 

Kavango lebt von vielen kleinen Entscheidungen, die wir treffen müssen – beispielsweise, welche Karten wir beim Drafting auswählen und welche wir hoffentlich später wieder erhalten werden. Es gibt uns Ziele vor, die wir erfüllen können, um weiter voranzukommen und nur sehr selten hat man das Gefühl, auf der Stelle zu treten. 

Da vieles parallel passiert, hat Kavango eine überschaubare, angenehme Spieldauer, die auch mit mehr Mitspielenden nicht drastisch zunimmt. Allerdings spielt sich das Spiel mit unterschiedlichen Spielerzahlen ein wenig anders und ist im kleineren Kreis deutlich kalkulierbarer. 

Zur Wertung folgende Anmerkung: Da man lt. Regeln nahezu alle Phasen parallel spielen soll, werte ich wie untenstehend. Mit der oben im „Spielgefühl“ beschriebenen Abwandlung, mehr nacheinander zu spielen, mehr zu kommunizieren und damit mehr von den anderen mitzubekommen, bewerte ich Kavango eine Stufe besser. 

AUTOR: Matt Brown, Zara Reid
ARTIST: Matt Brown
VERLAG:
Schmidt Spiele
ERSCHEINUNGSJAHR: 2025

1-4 Spielende

10 Jahre

60 Min.

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