Wer „Gardlings“ und etwas von „Gartenbau“ hört, erwartet wohl nicht in erster Linie so freakige Geschöpfe wie die Pilzköpfe, Glücksschweinchen, Einhörner und Gnome, die in diesem Spiel einen Garten erschaffen, in dem Edelsteine statt Blumen blühen.
Die Gestaltung und die Zusammenstellung der erzählerischen Elemente hat mich anfangs ein wenig von Gardlingsabgeschreckt – mein Geschmack ist die Gestaltung nun wirklich nicht. Aber die innere Werte haben mehr zu bieten, so dass sich ein genauerer Blick auf jeden Fall lohnt!
Carina

In Gardlings spielen wir alle gleichzeitig. Zum Start erhalten alle ein Säckchen, das bereits mit einigen Gnom- und Glücksschweinchenplättchen (was für ein Wort!) gefüllt sind. Sobald die Runde startet, ziehen alle ein Plättchen aus dem Säckchen und legen es vor sich ab. Nun folgt jeweils die Entscheidung, weiterzuziehen oder freiwillig aufzuhören. Aber natürlich geht es erstmal weiter, denn ein Plättchen bringt uns gar nichts. Also ziehen wir das nächste Plättchen aus dem Säckchen und legen es danach an das erste an. Dabei versuchen wir mit möglichst vielen der halben Edelsteine auf den Rändern der Plättchen mit halben Edelsteinen anderer Plättchen Verbindungen und somit ganze Edelsteine zu erschaffen.
Das ist wichtig, denn am Ende einer Runde zählen wir alle erfolgreich zusammengefügten Edelsteine und dürfen für die Summe neue Plättchen für die nächste Runde einkaufen. Diese gibt es im Wert von 4, 7, 10 oder 14 Edelsteinen und bringen uns mehr und vor allem bessere Plättchen. Aber was heißt denn besser? Die meisten dieser Plättchen haben mehr Edelstein-Andockpunkte an den Rändern oder die Plättchen haben Zusatzfunktionen wie beispielsweise, dass man sie nachträglich wieder bewegen kann oder dass sie Gnome verjagen.
Was für Gnome? Tja, die sind der Haken im Spiel, denn ziehen wir zu viele von ihnen aus dem Säckchen, kommt es zum Gnomalarm und wir dürfen nicht nur nicht mehr weiterziehen, sondern müssen auch noch von der Summe unserer Edelsteine drei Stück abziehen. Daher sollte man beim Ziehen der Plättchen lieber rechtzeitig freiwillig aufhören, damit man den Inhalt seines Säckchens lukrativ weiter ausbauen kann.
Wir sind nämlich gezwungen, immer mehr Edelsteinverbindungen zu schaffen, weil die Person eine Runde Gardlingsgewinnt, die es als erstes am Ende einer Runde schafft, 17 Edelstein-Verbindungen zu erzielen und sich damit das Siegplättchen kaufen kann. Bis dahin können aber ein paar Runden vergehen…
Gardlings lässt sich noch in einer Profi-Variante mit der Mini-Erweiterung Missionsplättchen sowie als Solospiel spielen.
Brettspiel Regeln
Spielregeln (ext. Link zu Schmidt Spiele)


Gardlings – das ist Backbuilding gemischt mit Push-your-luck und Plättchenpuzzeln auf einem angenehmen Familienspielniveau. In Zeiten, in denen alle vorstellbaren Brettspielmechanismen erfunden zu sein scheinen, ist es nicht verwerflich, aus bekannten Spiel-Elementen gute neue Kombinationen zu bilden. Dies ist auch bei Gardlingsgeschehen: So spielen wir hier gefühlt „Das Big Monster von Quedlingburg“. Von Big Monster (erschienen vor einigen Jahren bei Skellig Games) haben die Plättchen in Gardlings ihre Form und ggf. auch den gedanklichen Kniff, dass man durch das Anlegen Formen zusammenfügt. Von Die Quacksalber von Quedlinburg (ebenfalls bei Schmidt Spiele erschienen) sind das Backbuilding- und das Push-your-luck-Element entliehen. Und ganz schnell verwenden wir auch bei Gardlings die Vokabel „Zerknallt“ oder „Zerplatzt“, wenn der Gnomalarm zuschlägt…
Gnome statt Knallerbsen
Die Verwandtschaft mit den Quacksalbern macht deutlich, dass wir auch hier ein (gemeines) Glückspiel vor uns haben. Gesteuert wird unser Erfolg dabei von unserer Vernunft. Dennoch kann bei Gardlings das Erlebnis mit den Gnomen genauso frustrierend sein wie bei den Quacksalbern mit den Knallerbsen. Aber mal trifft es den einen, mal die andere. Und bei Gardlings scheint das mit dem Pech aus irgendwelchen unerklärlichen mathematischen Gründen irgendwie ausgeglichener zu funktionieren als bei den Quacksalbern, denn bei letzterem trifft das Pech immer nur mich. Allein deshalb spiele ich Gardlings schonmal lieber.
Learning by playing
Gardlings verfügt dabei über ein schmales Regelwerk, das schnell verinnerlicht ist. Selbst die unterschiedlichen Funktionen der einzelnen Gardlinge sind schnell verstanden. Es kann also schnell losgehen mit einer Partie, denn einiges kann man beim Spielen in der ersten Runde bis hin zur Einkaufsrunde noch weiter vertiefen – also learning by playing sozusagen.
Die Stimmung am Tisch wechselt zwischen Nervenkitzel – Soll ich oder soll ich nicht ein weiteres Plättchen ziehen?!? – und immer wieder einer ruhigeren Puzzlephase, in der ich mich gut konzentrieren muss, um eine optimale Anlegestelle zu finden. Manchmal muss man ganz schön lange schauen, bis man eine perfekte Anlegestelle gefunden hat, mit der man beispielsweise drei Edelsteinverbindungen gleichzeitig schaffen kann. In dieser Konzentrationsphase wird man aber gerne unterbrochen von emotionalen Ausrufen der Mitspielenden, die sich gerade einen Gnomalarm eingehandelt haben.
Gemeinsam einsam
Bei Gardlings haben wir selten mit Dowtime zu kämpfen, weil alle ständig beschäftigt sind. Da man parallel spielt, dauert eine Partie zu fünft auch nicht sehr viel länger als zu zweit. Daher ist auch die Runde zu fünft gut machbar. Es sei denn, man hat Pech, daraufhin schnell einen Gnomalarm und daher viel Downtime zu bekämpfen, während man den anderen beim Ziehen und Puzzeln zuschaut.
Das Spiel birgt aber auch die Gefahr, in weiten Teilen aneinander vorbeizuspielen. Daher finde ich es wichtig, dass die Auswertungsphase, in der man seine Edelsteine zählt, nacheinander stattfindet. Auf diese Weise bekommt man wenigstens was von den anderen mit, sieht deren Plättchen und kann ein wenig abschätzen, was die anderen für Möglichkeiten haben und wie weit sie noch von einem potentiellen Sieg entfernt sind.
Mehr Herausforderung
Für spielerfahrene Personen ist es nach ein paar Partien gut, dass es eine Profi-Variante und die Missionsplättchen gibt. Diese Elemente bringen nochmal schöne Abwechslung ins Spiel, die das Spiel herausfordernder gestalten, es aber immer noch auf einem sehr angenehmen Niveau halten.
Abschließender Exkurs zu Verpackungselementen
Die Plättchen werden in Papiertüten aufbewahrt. Das ist okay, aber an die muss man sich gewöhnen – vor allem, weil man sie sorgsam behandeln und ordentlich verschließen muss, damit sie das auch ein paar Partien durchalten… Wer das nicht tut, kann ab Partie 3 bereits alles in andere Behältnisse umlagern.
Die Klebepunkte – Freunde, die sind fürchterlich! Man kann sie nicht ablösen, muss sie sauber durchschneiden, aber dann kleben ständig Fussel an den losen Enden fest oder es floddelt am Rand der Schachtel einfach nur doof rum. Ich kann die wirklich gar nicht leiden. Es gibt von anderen Verlagen Alternativen, die komplett rückstandlos ablösbar sind. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass die nur deshalb verwendet werden, damit Diebstähle des Inhalts vermiede werden. Niemand macht die im Laden ab, holt den Inhalt raus und macht das wieder zu. Ja und wenn es doch einermacht… ist das nicht akzeptabel, wenn alle Brettspiel-Nerds dafür wieder ruhig schlafen können, wenn man sie ablösbar produziert? Exkurs Ende.

- Knappes Regelwerk, das schnell vermittelt ist und beim Spielen vertieft werden kann
- Bekannte Mechanismen, die jedem einen schnellen Einstieg ins Spiel ermöglichen
- Schöner Mix aus Nervenkitzel und konzentrierten Puzzlephasen
Gardlings kommt in allen Runden gut an. Gerade die bekannten Elemente von Die Quacksalber von Quedlinburg geben auch Wenigspielenden Wiedererkennungswert und laden schnell ins Spiel ein. Gardlings hat ein übersichtliches Regelwerk, ist schnell erklärt und flott gespielt. Ein perfekter Opener für einen Spieleabend, weil man es mit allen spielen kann, spielerisch auf Touren bringt, dann aber auch ein gutes Ende findet.
Es trägt sicherlich nicht den ganzen Abend, aber das will das Spiel auch nicht. Für die, die mehr Herausforderung möchten, bietet es mit Varianten auch das nötige „Mehr“, ohne damit zu sehr herauszufordern. Gardlings kann daher ein schöner Basistitel für eine Spielesammlung sein.



AUTOR: Kristian Amundsen Østby, Maria Østby
ARTIST: Gjermund Bohne
VERLAG: Schmidt Spiele
ERSCHEINUNGSJAHR: 2025

1-5 Spielende
8 Jahre
30 Min.









Die Klebepunkte von Schmidt sind wirklich eine Zumutung und verschandeln die Spielbox nachhaltig. Da muss sich was tun. Ich habe gestern ein Spiel mit 4 Klebepunkten von Ravensburger aufgemacht. Ging alles Perfekt ohne Rückstand weg aber doch so schwer, dass das im Laden keiner aufkriegt. Es geht also schon liebes Schmidt Team!