StartRezensionFamilienspielMorty Sorty Magic Shop - REVIEW | Rezension Brettspiel

Morty Sorty Magic Shop – REVIEW | Rezension Brettspiel

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Es gibt da diese Spiele, die haben ein Cover, das einen so gar nicht anspricht und dann spielt man es doch – mit einem gewissen Argwohn – und auf einmal: Bäm! Was für ein Spiel! Das wäre mir fast entgangen, wenn ich nur nach der Optik gegangen wäre!

Ich verrate nicht zu viel, wenn ich gestehe, dass es mir mit Morty Sorty Magic Shop so ergangen ist. Eine echte positive Überraschung! Warum ich das Spiel in diesem Jahrgang sogar als eines der besten wahrgenommen habe, erzähle ich Euch im Folgenden.

Carina


In Morty Sorty Magic Shop sind wir als Einzelhandelslehrlinge mit dem Spezialgebiet Zaubertrank-Zutaten im Shop von Morty Sorty für das Einräumen der Regale verantwortlich. 

Morty Sorty versteht da keinen Spaß und will, dass wir das ordentlich machen. Das bedeutet: Mit aufsteigender Nummerierung der Flaschen von links nach rechts und mit der Vorgabe, dass in bestimmte Regale auch nur Flaschen mit bestimmten Deckelfarben einsortiert werden dürfen. Goldene Deckel können dabei beispielsweise in alle Reihen gelegt werden, schwarze Deckel nur in die untere.

Flaschen mit dem gleichen Wert dürfen eigentlich auch nicht nebeneinanderstehen, es sei denn, wir setzen unsere Zauberkatzen ein, dann geht das schon irgendwie in Ordnung. Es ist prima, wenn wir die Regalreihen füllen können, aber das wird uns bis zum Spielende vermutlich nur bei einer oder zwei Reihen gelingen. Dafür bekommen wir aber dann zur Belohnung Punkte und nochmal ein Zauberkätzchen.

Die meisten Punkte erhalten wir aber für bestimmte Zutaten. Von denen gibt es insgesamt vier unterschiedliche, die auf den Fläschchen abgebildet sind – Pilze, Gewitterwolken, Augen und Alraunen. Daher beinhaltet das Spiel unterschiedliche Wertungstableaus, die wir je Partie individuell zusammenstellen können und bei Spielende dann auswerten. Die Grundvariante im Spiel bringt uns Punkte für alle Zutaten – je mehr wir von einer Sorte haben, desto mehr Punkte.

Die fortgeschrittenen Wertungsleisten – immer ein Set aus vier Wertungstafeln – geben für die vier Zutaten bestimmte Bedingungen vor, für die es nachher entsprechend Ertrag gibt. 

Und wie kommen wir überhaupt an unsere Zutaten? 

Immer, wenn wir an der Reihe sind, ziehen wir eine bestimmte Anzahl an Flaschen aus dem Säckchen (bestimmt sich nach Anzahl der mitspielenden Personen) und lassen diese auf den Tisch fallen. Das ist wichtig, da sie auf Vorder- und Rückseite unterschiedliche Zutaten anzeigen und es entsprechend dem Zufall überlassen sein soll, welche Zutat für uns jeweils verfügbar sein wird. Dann dürfen wir der Reihe nach je eine Zutat auswählen und in unsere Regale einpuzzeln. 

Es gibt aber auch besondere Fläschchen mit Sternen oben auf dem Deckel. Die werden immer erstmal zur Seite gelegt, sobald sie aus dem Sack gezogen werden. Diese Zutaten darf man sich erst dann aus der Auslage aussuchen, sobald man eine Spalte mit drei unterschiedlichen Zutaten fertiggestellt hat. 

Neben den Möglichkeiten über die Zutaten Punkte zu erzielen, besteht auch die Chance über das Erreichen bestimmter ausliegender Aufgaben Punkte zu erhalten. Hier liegen jeweils zwei Abzeichen aus: Wer die Aufgaben darauf als erstes schafft, darf einen eigenen Marker dort platzieren und erhält die entsprechende Punktzahl und eine Zauberkatze. Auch weitere Personen können die Ziele erreichen, erhalten aber dann weniger Punkte. 

Die letzte Möglichkeit zu punkten bietet das Spieltableau. Auf Seite A erhalten wir Punkte, wenn wir vorgegebene Plätze mit den passenden Zahlenwerten belegen, auf Seite B erhalten wir Punkte, wenn wir entsprechende Plätze mit den vorgegebenen Zutaten belegen. 

Morty Sorty Magic Shop endet, sobald wir die erforderliche Menge an Zutaten für eine vollwertige Runde nicht mehr aus dem Sack auf den Tisch bringen können. Danach folgt die Auswertung und es gewinnt, wer die meisten Punkte erzielen konnte.

Brettspiel Regeln

Spielregeln (ext. Link zu Schmidt Spiele)


Wirklich gute Spiele zeichnen sich – in meinen Augen – dadurch aus, dass sie eine große Bandbreite an Personen erreichen, sie gemeinsam an den Tisch bringen und dabei gleichzeitig gut unterhalten können. Viele Spiele richten sich an Familien/Wenigspielende ODER Kenner. Morty Sorty Magic Shop unterhält beide Gruppen gleichzeitig. Und da sind wir direkt bei einer der herausragenden Stärken des Spiels. Ich erkläre gerne, warum ich das so sehe.

Ordnung schafft Platz im Kopf

Morty Sorty Magic Shop hat gut verständliche Regeln. (Was mir fehlt, wäre ein Beispiel für die Abrechnung, aber das würde ja erst bei Ende des Spiels wichtig werden.) Die Spielregeln lassen sich gut vermitteln und – dank der redaktionell sehr guten Aufbereitung – jederzeit während des Spiels ablesen. Alles, was wir wissen müssen, ist jederzeit einsehbar: Wofür bekomme ich wie viele Punkte, was können die Katzen, unter welchen Umständen erhalte ich die Bonusfläschchen, was ist auf der Rückseite einer Flasche, in welches Regal kann ich eine Zutat aufgrund ihres Deckels legen… 

Durch diese Orientierungselemente ist bereits einiges klar und schafft Platz im Kopf für die Entscheidungsfindung während der Partie. Weitere Zeichen für gute Design und redaktionelle Aufbereitung sind, dass sich immer Alraune und Augen (die mit „A“) eine Flasche teilen und die Form von Gewitterwolke und Pilz gleich sind. So kann man sich sehr gut merken, was auf der anderen Seite eines Fläschchens zu finden ist. 

Für alle interessant

Was das Spiel von uns verlangt, ist zudem nicht schwer oder gar komplex. Plättchen ziehen, eines aussuchen und auf unser Tableau platzieren. Die Entscheidung für ein Plättchen bzw. gegen andere lässt sich stringent durchgehen. Was bringt mir letztendlich mehr? Die Fragestellung kann für Wenigspielende ganz schön knackig sein, bleibt aber unter Überforderungsniveau. Für Kenner oder Vielspielende ist die Entscheidung schneller getroffen, aber sie ist nicht belanglos. So tänzelt Morty Sorty Magic Shop auf dem schmalen Grat der Schnittmenge, die tatsächlich beiden Zielgruppen Spaß macht. Ich haben bislang in 18 Partien mit Personen aus beiden Zielgruppen niemanden erlebt, dem das Spiel gar nicht gefallen hat. Vielleicht teilten nicht alle meine sehr große Begeisterung, aber ablehnend hat wirklich niemand reagiert. 

Darfs ein bisschen mehr sein?

Eine weitere Stärke des Spiels ist seine Variabilität. Morty Sorty Magic Shop fängt mit der Grundwertungsrolle an. Zu der kann man m.E. sogar die Abzeichen erstmal noch weglassen, falls man die Einstiegshürde ganz niedrig ansetzen möchte. Die Abzeichen bringen aber einen interessanten Wettrennmechanismus ins Spiel, der alle dazu zwingt, auch mal auf die gegnerischen Tableaus zu schauen. Wie sieht es bei den anderen aus? Sind die bereits kurz davor, ein Ziel zu erfüllen? Sonst bin ich natürlich sehr mit mir selbst beschäftigt und ggf. auch recht solitär unterwegs.

Auch die B-Seite des Tableaus – eigentlich kaum unterschiedlich – führt zu neuen Spielerfahrungen. Man hat hier keine Zahlenwerte mehr vorgegeben, an denen man sich orientieren kann. Das macht die einen „freier“ im Kopf, andere irritiert es aber zuerst, dass sie sich dort nicht mehr gedanklich an Zahlenwerten „festhalten“ können. Eine kleine, aber neue Herausforderung.

All in

Als weitere Ausbaustufe sind die Wertungsrollen für das fortgeschrittene Spiel zu nennen. Hier gibt das Spiel Empfehlungen, lässt uns jedoch völlig freie Hand bei der Kombination der Wertungsmöglichkeiten, die wir letztendlich wählen können, wie wir Lust haben. Leider hatte ich die Beschreibung in der Spielregel anfänglich missverstanden, aber nach Austausch mit dem Autor auch die Rückmeldung erhalten, dass die Formulierung in der nächsten Ausgabe nachgeschärft und konkretisiert werden wird. 

Spielt man mit allen fortgeschrittenen Elementen, gilt es einiges zu beachten und in Bezug auf die Wertung abzuwägen. Da ist jede Entscheidung pro oder contra Zutat knackig und muss ein Momentchen durchdacht werden. Morty Sorty Magic Shop „wächst daher mit“. Wer es kennenlernt, kann sich im Anspruch langsam steigern und daher lange Spaß damit haben. 

Und dann hier noch eine Alraune und da noch ein Pilz…

Besonders charmant wird das Spiel, wenn wir Kettenzüge durchführen können: Stelle ich eine Spalte auf meinem Tableau mit unterschiedlichen Zutaten zusammen, darf ich mir eines der ausliegenden Fläschchen mit Sternendeckel nehmen und in meine Auslage legen. Prima, dass der Deckel in jede Reihe passt. Und noch besser, wenn ich dann eine weitere Spalte mit drei unterschiedlichen Zutaten fertigstelle. Und dann schaffe ich vielleicht noch eine dritte? Und damit ist dann das Regal gefüllt und ich erhalte dafür Zusatzpunkte und noch eine Zauberkatze? Bestens! So ein Zug fühlt sich an, als ob sich das Zauberkätzchen wohlig schnurrend in Deinem Schoß zusammenrollt, während Du Dir selber eine Tasse warmen Kakao gönnst. 

Spinnen mit Smiley und verliebte Frösche

Gestalterisch gefällt mir auch vieles an diesem Spiel. Die Zutaten (ich liiiebe diese kleine schlafende Alraune in ihrem Glas) und die Tableaus (hier spiele ich sogar gerne mit dem Spinnentableau, obwohl ich um Spinnen sonst im Leben einen großen Bogen mache) punkten in der Optik nahezu bei allen. Auch der Sack für die Plättchen – häufig in anderen Spielen zu klein oder eng – ist absolut zufriedenstellend, vielleicht ein wenig fluddelig. 

Allerdings: Was ist bzgl. des Covers passiert? Künstlerisch will ich darüber gar nicht meckern, aber: Stimmungstechnisch? Zielgruppenansprechend? Thematisch abholend? Mit diesem Cover musste ich bereits viele Mitspielende überreden und nahezu zwingen, das Spiel kennenzulernen. Daher frage ich mich schon, ob sich der Verlag, damit einen Gefallen getan hat. Welche Kommentare ich dazu gehört habe? Darüber decken wir hier den Mantel des Schweigens. Punkt.

  • Eignet sich für eine große Bandbreite an Personen mit unterschiedlicher Spielerfahrung 
  • Variable Spielelemente ermöglich saften Anstieg der Komplexität und sichern langen Spielreiz
  • Mögliche Kettenzüge fühlen sich sehr belohnend an
  • Cover schreckt nahezu alle Erwachsenen ab 
  • Regelwerk bzgl. der Wertungsrollen für Fortgeschrittene bedarf einer klareren Formulierung 
  • Wertungsbeispiel am Ende wäre schön gewesen

Wer erstmal hinter das Cover (das einige abschrecken mag) von Morty Sorty Magic Shop geschaut hat, wird ein sehr schön und liebevoll gestaltetes Spiel entdecken, das sich für Einsteiger/Familien/Wenigspielende eignet und sie langsam beim Ansteigen des Anspruchs begleitet, das aber auch spielerfahrenere Personen nicht langweilt. 

Morty Sorty Magic Shop bietet viele kleine interessante Entscheidungen und eine schöne Auswahl an variablen Elementen, die den Anspruch nach Belieben steigert und es für längere Zeit abwechslungsreich gestaltet. 

Die Möglichkeit, Kettenzüge durchführen zu können, erzeugt ein belohnendes Spielgefühl, andere Spielelemente bewirken Interaktion und Wettbewerb auf einem angenehmen Niveau. Alles in allem bietet Morty Sorty Magic Shop so eine sehr charmante Mischung, die immer wieder zu einer neuen Partie einlädt.

Aus diesen Gründen halte ich das Spiel in diesem Jahrgang in dem Segment „FamiliePlus“ für ein herausragend gutes Spiel. 

AUTOR: Markus Slawitscheck
ARTIST: David Cochard
VERLAG:
Schmidt Spiele
ERSCHEINUNGSJAHR: 2026

2-4 Spielende

8 Jahre

30 Min.

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