Das neue, eigenständige Brettspiel in der Welt von Everdell, das den frostigen Winter in die mystische Waldwelt bringt. In Silverfrost (südlich der Berge von Spirecrest) müssen wir unsere Stadt nun durch den harten und eisigen Winter bringen.
Wie bei Everdell üblich, besticht Silverfrost durch liebevoll gestaltete Karten, hübsche Spielmaterialien und eine stimmige, stimmungsvolle Illustration. Was es sonst Neu macht und wie es mir gefallen hat, erfahrt ihr hier.
Nina

Silverfrost erinnert spielmechnisch sehr an Everdell. Wir spielen eine Jahreszeit nach der anderen, angefangen im Sommer bis zum Frühling. Zu Beginn suchen wir uns jeder eine Spielerfarbe bzw. Tier aus – rote Pandas, Pinguine, Falken oder Hasen. Davon haben wir zu Beginn jeweils zwei, eines davon mit süßen Schneeschuhen an den „Pfoten/Krallen“ – unsere Silberwache.
In jedem Zug entscheiden wir aufs Neue, ob wir eines unserer Tiere auf einen Ort – auf dem Spielplan oder auf bestimmten Karten unserer Stadt – einsetzen, eine Karte aus dem Tal oder von unserer Hand in unsere Stadt bauen oder uns auf die nächste Jahreszeit vorbereiten. Soweit so bekannt.

Was ist neu?
- Die auffälligste Neuerung ist sicherlich der 3D-Berg, der den Baum ersetzt. Auf diesem kann der Schnee gelagert werden, die Riesenwesen (bekannt aus der Spirecrest-Erweiterung) positioniert werden und die Leuchtfeuer zum anlocken der Riesenwesen-Karten angebracht werden. Alternativ ist bereits ein kleinerer 2D-Berg beigelegt, falls der Platz auf dem Tisch knapp wird.
- Dann das Hauptthema: Schnee. Die Schneeplättchen kommen zu jedem Jahreszeiten-Wechsel neu auf den Spielplan, auf die Leuchtfeuer und auf Karten in der eigenen Stadt. Die Platzierung der Schneeplättchen wird über Schneekarten, bzw. die Siegpunkte unserer Karten bestimmt. Der Schnee verschüttert die Orte und Karten, so als wären sie nicht mehr da. Erst wenn wir wertvolles Feuer (neue Ressource) ausgeben, können wir den Schnee schmelzen und die Orte und Karten wieder nutzen. Die beseitigten Schneeplättchen bringen am Spielende aber auch Siegpunkte.
- Es gibt keine Ereignisse mehr sondern Hoch- und Tieflandaufträge, die als allgemeine und persönliche Ziele zur Verfügung stehen und ordentlich Siegpunkte bringen können am Ende des Spiels.
- Die Silberwache mit ihren Schneeschuhen hat besondere Fähigkeiten: Sie kann an einem bereits besetzten Ort eingesetzt werden oder wir erhalten ein Feuer, wenn wir sie an einem freien Ort einsetzen. Teilweie benötigen Orte auch Feuer, um sie überhaupt nutzen zu können (z.B. die Leuchtfeuer) – dort kann die Silberwache eingesetzt werden auch ohne, dass man zu diesem Zeitpunkt Feuer in seinem Vorrat hat.
- Statt der „Besetzt-Marker“ in Everdell gibt es nun Schornsteine, die man nutzen kann um eine Gebäude bewohnbar zu machen und dadurch ein Wesen ohne zusätzliche Kosten auszuspielen. Die Schornsteine sind deutlich variabler, da sie generell für Wesen einer Farbe oder gewöhnliche/einzigartige Wesen eingesetzt werden können, je nachdem wie es auf dem Gebäude angegeben ist. Dabei muss die Farbe von Gebäude und Wesen nicht unbedingt übereinstimmen. Doch aufgepasst, es gibt im ganzen Spiel nur 2 Schornsteine pro Person! Ein paar Karteneffekte erlauben jedoch Schornsteine zurückzunehmen oder umzusetzen.
- Neu ist auch die Interaktion mit den jeweils linken Sitznachbarn bei Aufträgen und Zielkarten. Oft müssen wir unserem linken Nachbarn Ressourcen, Feuer oder Karten abgeben oder uns mit ihnen vergleichen um Aufträge erfüllen zu können.
- Optisch gibt es neue Illustrationen von Lukas Siegmon anstatt von Andrew Bosley. Ebenso neues Kartendesign und -effekte.
- Aus Farshore bereits bekannt: identische Karten im Tal werden nun übereinander gelegt, sodass die Kartenauslage im Tal immer 8 verschiedene Karten enthält.
Brettspielregeln
Spielregeln (ext. Link zu Pegasus)

Die Kernmechanik von Silverfrost bleibt vertraut: Worker-Placement, Ressourcen sammeln, Gebäude und Wesen ins Dorf integrieren, Punkte durch Erfüllung von Aufträgen, etc. In Silverfrost wird diese Mechanik durch frostige Ereignisse und mehr Interaktion ergänzt.
Die Optik
Optisch finde ich den Spielplan auf den ersten Blick sehr überladen. Hat man die Erklärung durch und sich alles mal in Ruhe angeschaut, findet man sich aber auch schon gut zurecht und kann die thematisch passend gestalteten Hintergründe der einzelnen Orte mehr würdigen. Auch an die neuen Kartenillustrationen musste ich mich als Everdell-Spielerin erstmal gewöhnen, aber auch die sind auf den zweiten Blick selbsterklärend. Einzig das Siegpunkt und Schneesymbol ist sehr ähnlich und manchmal etwas schwierig auseinander zu halten. Dass ich nun Birke, Moos (sieht leider aus wie Brokkoli), Kupfer und Nuss – die eigentlich eine Eichel ist – vor mir habe, ist thematisch auch nur ein bisschen passender als Beere, Harz, Holz und Steine.
Den 3D-Berg finde ich gut in das Spiel integriert und deutlich stabiler als den Everdrell-Tree. Auch dass man nun mit Leuchtfeuern die Riesenwesen anlocken kann, finde ich thematisch schön. Die Riesenwesen haben z. T. sehr starke Fähigkeiten und sind nicht zu unterschätzen. Da muss man schon mal gut planen um einen der begehrten Leuchtfeuerplätze zu bekommen. Gerade in Kombination mit der Silberwache, finde ich das eine gute Neuerung.
Die neuen Hoch- und Tieflandaufträge statt der Zielkarten sind schön abwechslungsreich und die Interaktion mit dem jeweils linken Sitznachbarn macht es manchmal zu einem spannenden Wettkampf. Wenn ich beispielweise mehr rote Karten in meiner Stadt brauche als mein linker Nachbar, kann sich auch ein zunächst aussichtsloser Vergleich durch neuen Schneefall beim Jahreszeitenwechel schnell mal umkehren, da alle Karten auf denen Schnee liegt nicht mitzählen. Hier ist gutes Timing und der stetige Blick zum Nachbarn gefragt. Auch die Siegpunkte, die sie am Ende bringen, sind nicht zu vernachlässigen.
Mein persönlicher Knackpunkt: Die Schornsteine. Viele werden sich freuen, dass es nun mehr Möglichkeiten gibt, diese fast kostenlose Ausspielaktion (kostet 1 Feuer) nutzen zu können und nicht mehr möglichst viele Karten durchzuspielen, um die mit dem richtigen Namen zu finden. Ich fand es jedoch in Everdell thematisch einfach schöner den Ladenbesitzer in den Gemischtwarenladen und den Maulwurf in die Mine einziehen zu lassen. Warum man allerdings nun in grüne Gebäude auch bspw. rote Wesen einziehen lassen kann, erschließt sich mir thematisch nicht ganz. Ich stimme allerdings zu, dass es die Möglichkeiten die Aktion im Spiel sinnvoll zu nutzen, erhöht.

Das Spiel startet sehr langsam und man hat das Gefühl im Sommer kommt man überhaupt nicht vorwärts. Sobald im Herbst der erste Schnee kommt, merkt man schon, wie wichtig ein schönes, warmes Feuer doch sein kann. Bis man spätestens im Winter gefühlt im Schnee versinkt und gerade in der Erstpartie vielleicht sogar etwas geschockt und überfordert mit den Schneemassen ist. Der Frühling fühlt sich dafür im Vergleich wieder fast belohnend an und man ist überrascht, wie viel Schnee man dann doch noch bis zum Ende weg bekommen hat. Nichtsdestotrotz ist es im Vergleich zu Everdell ein deutlich komplexeres Mangelspiel, was nicht jedem Everdell-Fan gefällt.
Großes Manko für mich: Das mitgelieferte Plastik-Insert der Basisversion lässt zu wünschen übrig, da es für die Deluxe-Komponenten, vor allem die Deluxe Tokenschalen designed ist und das Material ohne Tüten – die nicht dabei sind – in der Schachtel komplett durcheinander fliegt. Ansonsten reichen mir tatsächlich die Papptoken der Basisversion, auch wenn ich die 3D-Token in Everdell liebe.
Silverfrost bietet einen schönen exponentiellen Spannungsbogen von Sommer: Gefühl von „ich komme kaum voran“ – über Winter: „Wie soll ich nur jemals diese Schneemassen beseitigen?“ – zu Frühjahr: „Ah das klappt ja doch irgendwie alles besser als gedacht“. Das kann sich schon mal wie ein ziemliches Mangelspiel anfühlen, aber gerade das macht es für mich auch reizvoller als Everdell. Die neue Interaktion mit dem jeweils linken Sitznachbarn bringt einige spannende Momente ins Spiel, bei denen gutes Timing gefragt ist. Die Schornsteine sind variabler nutzbar, aber dadurch auch nicht mehr so schön thematisch.
Mir hat es sowohl mit 2, 3 und 4 Personen gut gefallen. Zu Viert kann die Downtime schonmal etwas länger sein. Solo habe ich es nicht getestet.
Brauche ich Silverfrost, wenn ich schon Everdell im Schrank habe? Meine Meinung: Wer einen gemütlichen Jogginghosenabend mit niedlichen Tierchen plant, dem würde ich weiterhin Everdell ans Herz legen. Wer sich erstmal rantasten möchte an ein etwas herausforderndes Everdell, dem würde ich die Spirecrest-Erweiterung empfehlen. Wer hingegen vor allem ein bisschen mehr Interaktion und Komplexität wünscht, ist mit Silverfrost gut beraten – denn nicht vergessen: der Winter ist frostig!



AUTOREN: James A. Wilson, Clarissa A. Wilson
ARTIST: Enggar Adirasa, Lukas Siegmon
VERLAG: Pegasus
ERSCHEINUNGSJAHR: 2025

Spielende 1-4
Jahre 10
Min. 30-120







