Asmodee kauft Brettspielverlage – Jetzt wird’s konkreter
Ende 2025 haben Brettspiel Fans immer wieder gehört: Asmodee will wachsen, investieren, sich strategisch positionieren.
Bislang waren die meisten sichtbaren Schritte eher „kleinere Bausteine“ – etwa der Erwerb von IP‑Rechten an bekannten Titeln / Marken wie Zombicide oder The Sheriff of Nottingham von CMON.
Diese Art von Kauf fällt für Spielerinnen und Spieler kaum ins Auge: Das Spiel auf dem Tisch bleibt im Prinzip gleich, nur der Name hinter der Lizenz ändert sich.
Jetzt aber sieht man die ersten konkreten Auswirkungen dieser angekündigten Kaufstrategie:
- Mit ATM Gaming übernimmt Asmodee einen vollständigen Brettspielverlag,
- und parallel wird der Kauf von Japon Brand samt dem neuen Studio Nekuma bekannt.
Plötzlich ist nicht nur ein Spiel oder eine Marke, sondern ein ganzer Verlag mit Team, Portfolio und eigenen Vertriebswegen Teil von Asmodee.
Das ist ein klarer Schritt weg von „nur Lizenzkäufen“ hin zu Verlags‑Integration und das beeinflusst langfristig, welche Spiele wir künftig im Regal finden.
ATM Gaming: Verlag für Social und Party Games
ATM Gaming ist ein französischer Verlag mit Sitz in Paris, spezialisiert auf Social und Party Games wie Pili Pili oder Quick Stop.
Diese Spiele sind typische Einstiegstitel: schnell erklärt, rundenfreundlich, ideal für Abende mit Freunden, für Spieleabende oder spontane Runden.
Der Kauf stellt sich wie folgt dar:
- Der Kaufpreis beträgt 180 Millionen Euro (cash‑free, debt‑free).
- Davon zahlt Asmodee 120 Millionen Euro in Cash, 30 Millionen in neuen Aktien der Klasse B und weitere 30 Millionen Euro als aufgeschobene Zahlung im Juni 2027.
- Zusätzlich kann es bis zu 70 Millionen Euro in neuen Aktien geben – aber nur, wenn ATM in den nächsten fünf Jahren bestimmte Gewinn‑Ziele erreicht (Earn‑out‑Modell).
Für dich als Spieler bedeutet das vor allem:
- Du wirst mehr Social Games im Markt sehen, denn ATM ist genau in diesem Segment stark aufgestellt.
- Die Titel bleiben erhalten, aber künftig profitieren sie stärker von Asmodees globaler Vertriebs‑ und Marketing‑stärke.
Japon Brand und Nekuma: Das kleinere, aber interessante Puzzlestück
Parallel zu ATM Gaming hat Asmodee auch den Agentur‑Arms Japon Brand von CMON übernommen und damit das Studio Nekuma in Japan gestartet.
Japon Brand ist keine klassische Verlagsmarke, sondern eine Plattform, die japanische Spielideen wie Love Letter oder Machi Koro weltweit bündelt und vermarktet.
Mit Nekuma will Asmodee nun:
- das Netzwerk in Japan festhalten,
- Lokal nach neuen Spielideen suchen,
- und diese dann mit Asmodees globaler Vertriebsstruktur ausrollen.
Für Spielerinnen und Spieler ist das vor allem interessant, weil:
- Mehr japanische und asiatisch geprägte Titel den Weg in den europäischen Markt finden könnten.
- Asmodee damit nicht nur „ein Spiel aus Japan“ kauft, sondern einen langfristigen Design‑Kanal aufbaut.
Auswirkungen
Was das langfristig für den Markt bedeutet, lässt sich so zusammenfassen: Asmodee arbeitet mit dieser Strategie klar auf zwei großen Hebeln: zum einen auf Social Games als Einstiegs‑ und Massen‑Segment, zum anderen auf Japan und Asien als kreatives und kulturelles Zentrum für neue Ideen‑Pipelines. Das führt vermutlich dazu, dass wir mehr titelbezogene Social Games im Regal sehen, also schnelle, leicht zugängliche Partyspiele, die sich gut für neue Spielerinnen und Spieler eignen. Gleichzeitig wird es voraussichtlich mehr japanisch geprägte und asiatisch inspirierte Spiele geben, die sich nicht nur in Thema und Ästhetik, sondern auch in Designanspruch und Spielkulisse unterscheiden. Auf der anderen Seite bedeutet das aber auch, dass immer mehr Entscheidungen über welche Titel in den Markt kommen, wie sie vermarktet werden und wo sie im Regal stehen, von großen Konzern‑Strukturen gesteuert werden – statt allein von kleineren, regional geführten Verlagen, die nur auf ihre eigenen Netzwerke und Präferenzen zurückgreifen konnten.


